RH #279Lauschangriff

Was einst als Spaßprojekt von vier finnischen Musikstudenten begann, erobert Stück für Stück den Globus. Da darf Amerika auf gar keinen Fall fehlen. Mit der neuen CD „7th Symphony“ haben APOCALYPTICA die Voraussetzung dafür geschaffen, auch auf dem wichtigsten Musikmarkt der Welt durchzustarten.

»Wir haben diesmal besser geplant«, erzählt Bandboss Eicca Toppinen. »Früher komponierten wir drauflos und schauten dann später, ob wir Sänger für unsere Stücke finden. Diesmal gibt es eine klare Trennung zwischen Instrumental-Songs, die auch etwas progressiver und verrückter aufgebaut sein können, und Songs, die für Gesang geschrieben sind und ziemlich schnell auf den Punkt kommen. Wir haben allerdings kaum Demos gemacht. Mikko spielte schon die Drums im Studio ein, da habe ich ihm noch den Opener und den Schlusstrack der Platte überreicht. „Hier, spiel das mal...“ Das war eine ziemlich spontane Geschichte, bei der wir sehr kreativ sein mussten. Aber es gibt auch einige abgefahrene Sachen auf der Platte, auf die ich stolz bin.«


´At The Gates Of Manala´ glänzt mit Noise-Attacken, die beinahe an alte Nine Inch Nails erinnern, bevor der Song in einen sehr schönen, fast orchestralen Teil übergeht. Mit ´Sacra´ (traurig, atmosphärisch) und ´Rage Of Poseidon´ (sich steigerndes Metal-Feuerwerk mit irren Prog-Läufen) gibt es einen tollen Doppelpack zum Abschluss. Und mit ´On The Rooftop With Quasimodo´ hat Drummer Mikko wieder ein paar spacige Klänge beigesteuert, die sich wie eine Metal-Hommage an Kraftwerk anhören. Alles natürlich wie gewohnt von Cellos und Drums gespielt.


Es ist nicht zu überhören, dass APOCALYPTICA neue Sounds ausloten und mit erfahrenen Produzenten gearbeitet haben. Da sitzt jede Note und wird jedes Detail mit Bedacht gewählt und platziert. Das gilt natürlich insbesondere für die vier Vocal-Tracks der Platte. Hier stehen die Zeichen auf „Hit“.


»Mein Fave ist die härteste Nummer ´Bring Them To Light´ mit Joe Duplantier von Gojira, aber die hat ausdrücklich kein Hit-Potenzial«, grinst Toppinen durchs Telefon. »Eher schon ´Broken Pieces´ mit Lacey von Flyleaf, eine beinahe poppige Nummer, die ich mit Guy Sigsworth geschrieben habe, einem elektronisch angehauchten Songwriter, der für Björk, Madonna und Britney Spears arbeitet.«
Eine tatsächlich sehr schön aufgeräumte Nummer übrigens, die sich bestens für einen Hollywood-Blockbuster-Soundtrack eignen würde und damit in eine ähnliche, wenn auch nicht ganz so rockige Kerbe schlägt wie ´End Of Me´ mit dem ehemaligen Bush-Sänger Gavin Rossdale. Ein weiterer Ohrwurm ist ´Not Strong Enough´ mit Brent Smith von Shinedown. Smith und Lacey sind kommerzielle amerikanische Rock-Hoffnungen. Man kann APOCALYPTICA vielleicht vorwerfen, dass sie sich dem US-Massengeschmack anbiedern. Solange die Qualität aber so hoch ist, kann man nur respektvoll den Hut ziehen. An der Hürde, einen US-Radio-Hit zu komponieren, sind schon ganz andere europäische Bands peinlich gescheitert. Das Beste an dem Album ist jedoch der Kontrast dieses Materials zu den härteren, aber auch zu den ruhigen Passagen der Platte. Zum Dave-Lombardo-Geholze ´2010´ zum Beispiel, das sich mit einem bärenstarken Black-Sabbath-meets-Slayer-Intro anmeldet. Sehr schön kommt hingegen das ruhigere ´Beautiful´ angeflogen, nebenbei der Beweis, dass man trotz aller Ambitionen auch seinen Spaß hatte.


»´Beautiful´ haben wir nackt eingespielt. Produzent Joe Barresi wollte uns live in einem Raum aufnehmen, und Mikko meinte, er müsse dabei die Klamotten ausziehen. Aber es klappte nicht so richtig, bis wir alle die Hosen runterließen.«
Ende August könnt ihr euch selbst von den nackten Qualitäten der „Siebten“ überzeugen.

www.apocalyptica.com

 
 

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