RH #279Interview

DIO

Das letzte Rock-Hard-Interview

September 2009. Ursprünglich sollte sich RONNIE JAMES DIO zu diesem Zeitpunkt noch auf der verlängerten Tour mit Heaven & Hell befinden. Weil eine Operation an Tony Iommis Hand jedoch unvermeidbar wurde, mussten Anfang des Monats zunächst einmal alle weiteren Touraktivitäten abgeblasen werden. Stattdessen wollte sich Dio von Ende November bis Ende Dezember noch mal kurzfristig in Europa blicken lassen. Vor diesem Hintergrund führten wir mit Ronnie das folgende letzte Interview fürs Rock Hard.

Ronnie, genießt du gerade die kleine Auszeit nach der Heaven-&-Hell-Tour?

»Ach weißt du, ich bin eigentlich gar nicht so gern im Urlaub, sondern versuche, meine Tage möglichst komplett mit Arbeit auszufüllen. Wir bereiten uns jetzt gerade schon auf die Tour im November vor.«

...die sehr kurzfristig geplant wurde.

»Tonys Operation konnte einfach nicht mehr länger warten. Er hat den Eingriff ständig verschoben und über ein Jahr lang Entzündungshemmer geschluckt. Nach jeder Show war seine Hand komplett geschwollen, denn wegen eines Knorpelschadens rieben die Knochen immer direkt aufeinander, was sehr schmerzhaft war. Weil er nach der Operation natürlich eine längere Zeit zur Genesung braucht, ist das jetzt der ideale Zeitpunkt für mich, um in diesem Jahr noch mal mit Dio auf Tour zu gehen.«

Kein idealer Zeitpunkt allerdings für Gitarrist Craig Goldy.

»Goldy ist im November bereits mit Budgie in Australien auf Tour. Glücklicherweise mussten aber auch Whitesnake ihre Tour absagen, damit Coverdale die Probleme mit seinen Stimmlippen in den Griff bekommen kann. Dadurch wurde mein guter Freund Doug Aldrich frei, der mich, Rudy Sarzo, Simon Wright und Scott Warren nach Europa begleiten wird.«

Neues Material wird es jedoch nicht zu hören geben, oder?

»Unser letztes Album „Master Of The Moon“ hat zwar schon vier Jahre auf dem Buckel, aber bevor wir mit Dio neue Songs aufnehmen konnten, sind mir ja bekanntlich Heaven & Hell dazwischengekommen. Wir werden aber versuchen, auch ein paar außergewöhnliche Titel in die Setlist aufzunehmen. Ich denke momentan sogar über ´Sixteenth Century Greensleeves´ vom Rainbow-Debüt und ein paar Sabbath- bzw. Heaven-&-Hell-Songs nach, die wir auf der letzten Tour nicht spielen konnten.«

Wie weit bist du inzwischen mit deiner Autobiografie?

»Momentan finde ich einfach nicht die Zeit dafür. Außerdem fallen mir jedes Mal ein Dutzend neue Geschichten und Anekdoten ein, wenn ich daran arbeite. Wahrscheinlich muss ich danach gleich mit einem zweiten Band anfangen, denn wer will schon ein tausendseitiges Buch über mich lesen? Ich bestimmt nicht (lacht).«

Wie offen wirst du sein?

»Nun, ich werde gewiss nicht alles erzählen. Aber ich bin auch nicht Nikki Sixx und habe nie wirklich am Rande des Wahnsinns gelebt, obwohl so was die Leute fasziniert. Natürlich erzähle ich auch von Ritchie, Tony und Geezer, denn sie sind schließlich Teil meiner Geschichte, aber ich betreibe bestimmt keine Psychoanalyse. Ich versuche, alle Personen so gut wie möglich wegkommen zu lassen.«

Lass uns noch ein wenig über das Leben auf Tour sprechen: Hast du vor Auftritten so was wie ein Ritual oder Aufwärmprogramm?

»Nein, so was habe ich nicht. Ich hoffe immer nur inständig, dass mich keine Erkältung erwischt. Ich versuche, sehr früh zu essen, meist so gegen 13 oder 14 Uhr, und dann möglichst ausgeruht auf die Bühne zu gehen.«

Welches Essen garantiert den perfekten Dio-Gig?

»Bloß kein Curry (lacht). Das esse ich nur, wenn am nächsten Tag kein Gig ansteht. Mir reicht eigentlich ein schönes, leichtes Hühnchen-Sandwich; dann bin ich ganz zufrieden.«

In Sachen körperliche Fitness können sich viele 20-Jährige noch eine Portion von dir abschneiden. Wie gesund lebst du generell?

»Mein Geheimnis ist, dass ich gesund denke. Darüber hinaus mache ich jeden Morgen einen sechs bis acht Kilometer langen Spaziergang, um die Körpersäfte in Wallung zu bringen. Ich sitze generell nicht viel und bin ständig in Bewegung. Auch jetzt, während ich mit dir rede, schlendere ich permanent in meiner Wohnung rum. Vermutlich habe ich aber auch einen Stoffwechsel, der momentan nicht besonders anfällig für Krankheiten ist. In dieser Hinsicht habe ich wirklich Glück.«

Welche Regeln gibt´s bei dir im Tourbus?

»Eigentlich keine. Die Leute, mit denen ich unterwegs bin, habe ich ja selber ausgesucht. Es sind meine Freunde, und ich weiß, was ich von ihnen zu erwarten habe. Klar, jeder ist irgendwann mal betrunken oder benimmt sich daneben, aber das ist doch menschlich, oder? Ich bin gerne mit meiner Band und meiner Crew unterwegs. Das ist Teil des Jobs, und am Ende des Tages können wir hoffentlich alle zusammen stolz auf das Erreichte sein.«

Bei Heaven & Hell seid ihr in getrennten Bussen gefahren.

»Eine Koje ist eine Koje, das ist meine ganz persönliche Meinung. Aber bei Heaven & Hell liefen viele Dinge einfach etwas unpersönlicher ab als bei meiner eigenen Band. Tony, Geezer und Vinnie sind zum Beispiel auch immer direkt nach der Show losgefahren. Ich dagegen genieße gerne die Atmosphäre nach einem Konzert, gebe Autogramme und rede mit den Leuten.«

Welche CDs, DVDs oder Bücher hast du dabei?

»Ich habe immer aktuelle Bücher dabei, denn ich bin eine echte Leseratte. Solange das Licht in meiner Koje gut ist, bin ich der glücklichste Mensch im ganzen Bus. Meistens habe ich auch eine Stirnlampe dabei, um im Dunkeln lesen zu können. Von den Dingern habe ich im Laufe der Jahre bestimmt schon ein Dutzend verschlissen. Ansonsten schauen wir meistens Football oder Baseball. Ich bin ein großer Sportfan.«

Du wärst früher selbst gern Baseball-Spieler geworden.

»Das stimmt, aber heute kann ich mich für so ziemlich jede Sportart begeistern. Ich mag den Wettkampf-Gedanken. Die New York Yankees sind mein Lieblings-Baseball-Team, beim Football fiebere ich für die New York Giants.«

Welches war das beste Package, mit dem du je getourt bist?

»Definitiv Rainbow mit AC/DC. Leider kann ich mich nicht mehr so genau an das Jahr erinnern. 1976, ´77 oder ´78?«

Das dürfte die Tour zu „Rising“ 1976/´77 gewesen sein, auf der auch das Livealbum „On Stage“ mitgeschnitten wurde.

»Meine Güte, das ist ja eine halbe Ewigkeit her. Jedenfalls waren AC/DC zu der Zeit der heißeste Newcomer überhaupt. Cozy und ich konnten kaum fassen, wie heftig die Jungs drauf waren. Angus hat damals dermaßen Gas gegeben - unfassbar!«

War es schwierig, nach AC/DC auf die Bühne zu gehen? Musstet ihr das Publikum zurückgewinnen?

»Sagen wir es mal so: Sie haben es uns nicht gerade leicht gemacht. Aber Rainbow waren damals ja auch nicht schlecht (lacht).«

Erinnerst du dich an eine Anekdote von dieser Tour?

»Ich erinnere mich an den Tour-Auftakt: Wir hatten AC/DC noch nicht getroffen, als plötzlich ein Typ in unsere Garderobe kam und nach Bier fragte. Jimmy (Bain; damaliger Bassist von Rainbow - mbo) zeigte ihm den Kühlschrank, der Typ riss sich ein Bier auf und trank. Als Jimmy sich neben ihn setzen wollte, riss er ihm den Stuhl weg, und Jimmy landete auf seinem Arsch. Das war unsere erste Begegnung mit Malcolm Young.«

Du bist als sehr fanfreundlich bekannt. Welcher Fan hat dich trotzdem mal auf die Palme gebracht?

»Das war noch zu Sabbath-Zeiten: Plötzlich stand da ein Typ mit schwarzem Umhang und Kapuze neben uns auf der Bühne, näherte sich mir, kniete vor mir nieder und überreichte mir ein Buch. Da hatte ich wirklich Angst, denn erst kurze Zeit vorher hatte jemand versucht, Tony niederzustechen. In diesem Moment dachte ich bloß: „Okay, jetzt bist du dran!“ Bevor er mir das Buch überreichen konnte, hat ihn die Crew aber weggeschafft.«

Welches Buch war das?

»Das ägyptische Totenbuch.«

Welches war das schönste Geschenk eines Fans?

»Ein aus Holz geschnitzter, 60 Zentimeter großer Drachen. Ich habe ihn von einem italienischen Fan bekommen.«

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