RH #275Krach von der Basis

Astronomisch: ANTARES PREDATOR zelebrieren auf ihrem Debüt einen wüsten Mix aus Black Metal, Thrash Metal und Einflüssen aus den unterschiedlichsten Genres. Gründer und Gitarrist Øyvind Winther prophezeit das Ende der Menschheit.

Øyvind, bei „Predator“ muss ich unweigerlich an den Kult-Film mit Arnold Schwarzenegger denken.

»Ja, das ist verständlich (lacht). Aber damit hat das eigentlich nichts zu tun. Der Name ANTARES PREDATOR entspringt einer Sci-Fi-Geschichte, die ich vor Jahren geschrieben habe, und verbindet das technologisch assoziierte Wort „predator“ mit dem Namen Antares. Antares ist einer der hellsten Sterne, mitten im Zeichen des Skorpions. Dieser Stern wird sich eines Tages in eine Supernova verwandeln. Ob das in tausend Jahren oder übermorgen sein wird, kann keiner wissen. Das lässt uns Menschen ganz schön klein wirken, oder?«


Du scheinst eine besondere Faszination für Astronomie zu haben.


»Ja, das stimmt. Mich interessiert Astronomie schon seit Jahren. Nicht zu verwechseln mit dem Schwachsinn, der sich Astrologie nennt. Es ist einfach faszinierend, was für unglaubliche Sachen da draußen im Universum stattfinden. Wenn man einmal diese galaktische Perspektive erlangt, bemerkt man, dass die Erde total unbedeutend ist. Die meisten Menschen können das überhaupt nicht nachvollziehen. Die wenigsten schauen heute noch in den Himmel, und wenn sie es tun und etwas erblicken, das sie nicht sofort identifizieren können, dann glauben sie, dass sie ein Alien-UFO gesehen haben, anstatt einmal darüber nachzudenken, dass es ein Wunder in der Atmosphäre sein könnte.«


Inwiefern passt dieses Thema zu den Texten deines Albums „Twilight Of The Apocalypse“?

»Meine Vorstellung der Apokalypse ist eine andere als die der Sekten. Es ist nur so, dass die Menschen grundsätzlich dumm sind. Die Menschen folgen blind irgendwelchen Anführern, Wahrsagern und Schwindlern und weigern sich, ihren Verstand zu gebrauchen. Sie glauben an jede Form von Scheiße, denn sie brauchen diesen Halt. Und dieses Verhalten wird irgendwann dazu führen, dass sich die Menschen selbst auslöschen. Ich glaube nicht, dass der Planet Erde vernichtet wird, nur dass es die Menschheit nicht mehr geben wird. Die Menschen sind ihre eigene Apokalypse.«


Musikalisch vertonst du diese Idee sehr variantenreich. Wir hören nicht nur Thrash Metal mit Black-Metal-Einflüssen, sondern auch jede Menge andere Einflüsse wie Blechbläser oder Jazz-Strukturen.

»Dass ich so viele Stile miteinander verbinde, ist ein Relikt aus Zeiten, als die Band noch Wolf 327 hieß und meine persönliche Spielwiese für alle möglichen Einflüsse darstellte. Ich habe drei Jahre lang Musik an einer Hochschule studiert und lernte dort eine Menge über Jazz, Klassik, Chöre und Ambient-Klänge. Und alles, was ich dort lernte, wendete ich bei meiner Band an. An der Hochschule lernte ich übrigens auch Gásh kennen, mit dem ich die Vorgängerband von Keep Of Kalessin gründete.«


Du warst viele Jahre bei Keep Of Kalessin aktiv und hast zwei Alben mit ihnen herausgebracht. War das auch der Grund dafür, dass es 16 Jahre dauerte, bis das Debüt von ANTARES PREDATOR erscheinen konnte?


»Ja, erst als Keep Of Kalessin sich für eine Weile auflösten, hatte ich Zeit, mich darum zu kümmern. Allerdings musste ich noch lange nach den geeigneten Musikern suchen. Ich bin bei so was immer sehr pingelig, weil ich eine sehr genaue Vorstellung davon habe, wie die Musik zu klingen hat. Vor allem die Suche nach einem Schlagzeuger gestaltete sich schwierig. Für das Album konnte ich schließlich Jan „Blastphemer“ Benkwitz dazu bringen, alle Drums innerhalb von drei Tagen einzuspielen.«


Wenn du siehst, welchen Erfolg Keep Of Kalessin heute haben, bereust du es dann, dass du nicht mehr dabei bist?

»Nein, keinesfalls. Ich bin mit den Jungs noch immer gut befreundet, aber ich wollte nie versuchen, meinen Lebensunterhalt mit Musik zu verdienen. Nur so habe ich die Freiheit, alles zu tun, was ich möchte.«