RH #275Interview

Während Carcass dem Death Metal eklige medizinische Details auf eine recht keimfreie Pathologenart beibrachten, hat Chris Reifert bei Autopsy und nunmehr ABSCESS immer die Brechstange genutzt und den Direktkontakt zu Eiter, Fäkalien und Leichenwasser gesucht. „Dawn Of Inhumanity“ wirkt da schon fast altersmilde.

'Never Sane Again´ kann andererseits auch bedeuten, dass der Death-Metal-Bukowski, der mit Autopsy „Shitfun“ propagierte und sich mit ABSCESS zur Gattung der „Urine Junkies“ zählte, immer ein kranker Bastard bleiben wird.
»Der Song ist ein tiefer und düsterer Gedankentrip des höchsten „Psychadeathic“-Rangs. Es ist eine Reise ohne Rückfahrkarte, also genießt den Wahnsinn. Ich soll ruhig werden und mich gemütlich zurücklehnen? Sehr unwahrscheinlich. Es warten schon neue hässliche Kreationen mit dem Lautstärkeregler auf 13.«
Wenn das Manowar und Spinal Tap wüssten...
»Ich bin Weihrauch und Pfefferminz in der Mitte der ganzen Gewalt. Reich mir deine Hand und fürchte dich nicht, du heiteres und produktives Mitglied der Gesellschaft!«
Wunderbar - hat hier irgendwer die Antworten vertauscht, und wir befinden uns in einem Cannabis-Corpse-Interview? Nein, wie die folgende Aussage beweist:
»„Dawn Of Inhumanity“ ist der Anfang und das Ende von allem, was die Menschheit zu bieten hat. Schau in den Spiegel und sieh den Schädel unter dem Fleisch! Gefällt dir der Anblick? Egal, ob die Antwort nun ja oder nein lautet: Du musst dich dem Audio-Armageddon ergeben und den Whiskey sich wie einen Wurm in dein Hirn bohren lassen.«
Aha. Erklärungen zu Textinhalten hält Reifert grundsätzlich für überbewertet:
»Wir wollen eure Hirne aus der Schädeldecke nehmen, ein wenig mit ihnen herumspielen und sie dann verkehrt herum wieder einsetzen.«
Wer sich das Album - das in der Playlist von Chris fünfmal auftaucht - zulegt, ist also gewarnt. Die melancholischen Clean-Gitarren in ´Dead Haze´ und ´Black Winds Of Obliveon´ sind übrigens nicht auf seine zugänglichere Zweitband zurückzuführen.
»Mirror Snake sind eine völlig unabhängige Kreatur. Ich liebe diese einmalige Energie, die nur der psychedelische Underground-Rock´n´Roll bieten kann.«
Dass er nicht von Dave Grohl für das Probot-Album eingeladen wurde, kann Reifert verschmerzen:
»Ich bete immer noch für den Tag, an dem Barry Manilow ein reines ABSCESS-Coveralbum veröffentlicht. Dann kann ich glücklich, aber verwirrt sterben.«

 
 

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