RH #274Interview

ORIENTAL METAL-SPECIAL: Staat vs. Metal

ÄGYPTEN 1997

 

Am 22. Januar 1997 werden in Kairo 80 Metalfans festgenommen und ohne Anklage zum Teil wochenlang eingesperrt. Die Polizei ist nachts in die Wohnungen der Verdächtigen, größtenteils Kinder der intellektuellen Elite des Landes, gestürmt. Zuvor hatten Geschichten von Drogenorgien, Gruppensex und satanischen Ritualen (wie dem Schlachten von Katzen, Ratten und anderen Kleintieren) in der Öffentlichkeit die Runde gemacht. Ein weitgehend erfundener und fantasiereicher Artikel in der Boulevardpresse hatte das harte Eingreifen der Staatspolizei provoziert. In Ägypten existiert ein Gesetz, das religiösen Extremismus unter Strafe stellt. Ein vom Staat eingesetzter religiöser Führer, der Mufti Scheich Nasr Farid Wassil, forderte sogar „Reue“ oder „Todesstrafe wegen Religionsablehnung“.

Kurz darauf schneiden sich alle Fans des Landes die Haare ab und vermeiden das Tragen von T-Shirts und Lederjacken. Manche Musiker zerstören sogar ihre Gitarren. Beobachter werten das Vorgehen als Mittel der Regierung, um von den islamisch motivierten Terrorattacken von Luxor abzulenken und Handlungsfähigkeit gegen „westlich-zionistische“ Umtriebe zu demonstrieren.

 

 

MAROKKO 2003

 

2003 werden in Casablanca 14 junge Musiker, überwiegend Studenten aus gutem Hause, die in Amateurbands wie Reborn oder Infected Brain tätig waren, zu Haftstrafen zwischen einem Monat und einem Jahr verurteilt. Ihr Vergehen: Erschütterung des islamischen Glaubens, sexuelle Ausschweifungen und...

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