RH #263Lauschangriff

Sie zelebrieren die Negation von Melodie, ja von Songs im herkömmlichen Sinne. Selbst für die überwältigende Mehrheit der Metalfans ist das, was das US-Duo SUNNO))) erschafft, schlicht und ergreifend Krach. Doch dringt man durch diese Geräusche, entdeckt man inmitten der sagenhaften, verzerrten Brutalität facettenreiche Klänge voller Emotionen.

Stephen O´Malley und Greg Anderson, die beiden Könige des Drone, luden nach Ostberlin in das Gebäude des einstigen staatlichen Rundfunks der DDR, um der Presse ihr neues Ton-Monstrum „Monoliths & Dimensions“ vorzustellen.
Das Einzige, was man an diesem riesigen Gebäudekomplex als modern und qualitativ hochwertig bezeichnen kann, sind Aufnahmetechnik und Boxen. Ansonsten fühlt man sich angesichts maroder Bausubstanz, der Schlaglöcher in der Zufahrtsstraße, des uniformierten Pförtners und seines Arbeitsgerätes, einem Schlagbaum, wie in der tiefsten DDR. Und mittendrin in der visuellen Zeitreise: zwei Amerikaner mit langen pechschwarzen Haaren, die sich in der funktionellen Kargheit des Studios offenbar sehr wohlfühlen.
„Monoliths & Dimensions“ ist das siebte Album der beiden Dröhnmeister, und zynischen Fragen, ob sich der Dröhndröhn der Vorgängerplatte tatsächlich vom Dröhndröhn des neuen Werks unterscheidet, sei entgegnet: Die Unterschiede sind gravierend! Mehr denn je kriechen SUNNO))) in puncto Songwriting und vor allem Aufnahmetechnik durch verschiedene Ebenen. Zuvorderst, nennen wir es ruhig Kernthema, pulsiert und - ja, ja - dröhnt es kräftig und allumfassend. Es bebt regelrecht, und es bebt vor allem heavier und irgendwie auch teurer als früher. Dahinter türmen sich mehr Details als je zuvor auf: Mayhem-Kreischbatzen Attila Csihar skandiert, spricht – oder wie Stephen O´Malley behauptet - »performt wie ein Opernsänger.« Ein von dem Duo entdecktes, krankes Gitarrengenie namens Oren Ambarchi macht den ohnehin schon einzigartigen Gitarre/Bass-Sound noch entrückter, und diverse nekromantische Frauenstimmen, Chöre, Hörner, Orgeln und spezielle Effektgeräte hieven das Album in klanglich weit entfernte Sphären, für die man fast schon Siebenmeilenstiefel benötigt.
„Monoliths & Dimensions“ hat das Zeug, zum gefährlichsten Stück Musik dieses Jahrzehnts zu werden - denn es verstört, schockt, empört und reinigt.
»Ich empfinde unsere Musik als etwas Wunderbares, Befreiendes«, sagt O´Malley, der hauptberuflich Auftragsarbeiten für Grafikdesign und Cover-Artworks für das amerikanische Label Southern ausführt. Dieses Label wiederum leitet sein „brother in Drone“, Greg Anderson. »Wir schreiben unsere Musik, wenn wir in guter Stimmung sind. Ich denke beim Songwriting an meine Kumpels, an Metal. Wir sind keine negative Band«, verneint O´Malley die Frage, ob SUNNO))) das Resultat düsterer Lebensstunden seien.
Die stetig wachsende Fanbasis der Truppe wird sich Ende April ihr Album des Jahres abgreifen, und tolerante Metaller werden in manchen Momenten schwerer Gitarreneruptionen Einflüsse von Celtic Frost und Schwarzmetall aus der erhabenen Dröhnerei heraushören.


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