RH #254Interview

Punkrock: Befreiungsschlag mit drei Akkorden

Als Punkrock Mitte der 70er antrat, um die Grundfesten der etablierten Rockmusik bis ins Mark zu erschüttern, hätte wohl kaum einer vermutet, dass das Echo dieser musikalischen Revolution bis heute nachhallen würde. Anlass für die radikale ästhetische Kehrtwende waren damals Rock-Giganten wie Genesis, Yes oder Pink Floyd und deren Abdriften in technische Perfektion und technologische Pedanterie. Diese musikalischen Kontrollversuche führten letztendlich zu sterilen, leblosen Produktionen, die immer weniger an jugendliche Bedürfnisse nach Rebellion und Freiheit anschließbar waren.

Mit lauten, verzerrten Gitarren, näselndem Gesang und schnellen Rhythmen brachten die Punkrocker wieder Leben in die Bude. Das allgemeine Credo lautete: Kurz, knackig und immer mitten in die Fresse rein. Bands wie die Ramones, die Sex Pistols oder The Clash haben heutzutage längst genre- und generationenübergreifenden Kultstatus erreicht. Sie waren zwar nicht die ersten, die damals die Macht der drei Akkorde erkannten, gehören aber nach wie vor zu den einflussreichsten Eckpfeilern der sogenannten ´77er Welle. Während die Ramones die schwarze Lederjacke wieder salonfähig machten und den Garagenrock der 60er und 70er innerhalb von zwei Minuten mit 200 PS durch die Boxen jagten, perfektionierten die Sex Pistols den ausgestreckten Mittelfinger auf ganzer Linie. Innerhalb von nur zweieinhalb Jahren brachten die Londoner Vorzeigepunks die gesamte englische Presse und Musikindustrie gegen sich auf, bevor...

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