RH #252Interview

MEILENSTEINE: Piraten voraus! (Michael Rensen)

In unserer heutigen Reizüberflutungsgesellschaft, in der selbst aus dem Navi Ozzy Osbournes Stimme nuschelt und man mehr Radiosender empfangen kann, als man CDs im Regal stehen hat, gerät schnell in Vergessenheit, dass es Zeiten gegeben hat, als man sich strafbar machen musste, um gute Musik mit schlechten Radiogeräten zu empfangen.

Mitte der 60er Jahre war die britische Musikszene, damals und noch lange danach die wichtigste der Welt, auf Gedeih und Verderb dem staatlichen Radiomonopolisten BBC ausgeliefert. Der weigerte sich, „subversive“, „jugendgefährdende“ und „minderwertige“ Musik auszustrahlen, worunter damals neben den progressiveren Pop-Spielarten auch die komplette Rock´n´Roll-Sparte fiel. Ein bunter Haufen aus jungen Musikenthusiasten, Abenteurern, Anarchisten und cleveren Geschäftsleuten untergrub jedoch ab 1964 die Allmachtstellung der BBC, indem er das Inselreich von Schiffen aus beschallte, die außerhalb der britischen Hoheitsgewässer kreuzten. Sender wie Radio Caroline oder Wonderful Radio London versorgten Großbritannien neben billigem Mainstream-Schrott mit den neuen, spannenden Rock-Sounds, die man ansonsten nur beim illegal bis über den Ärmelkanal hinaus sendenden Radio Luxemburg finden konnte. Legendäre DJs wie John Peel, der später u.a. Metal/Grind-Extremisten der Marke Bolt Thrower, Napalm Death und Carcass förderte, versorgten die kulturell ausgehungerte britische Jugend mit allem, was für die Eltern zu hart und gefährlich war; Werbeeinblendungen, Jingles und rasant plappernde Moderatoren legten den Grundstein für das moderne kommerzielle Radio und letztlich auch den ersten Musik-Fernsehsender MTV. Das Image der Verruchtheit legten die meisten der Stationen dabei nicht ab. Für den größten Offshore-Radio-Skandal sorgte im Sommer 1966 einer der Caroline-Bosse, der im Streit um gemeinsame technische Anlagen den Chef eines anderen Piratensenders erschoss. ...

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