RH #250Classic Albums

MEILENSTEINE: Sie brannten nur wenige Sommer (Michael Rensen)

Wenn der Schnitter zweimal klingelt

 

„Ein Rockstar zu sein, ist so, als wenn man eine Kerze an beiden Enden anzündet: Sie brennt doppelt so hell in der halben Zeit.“

Was Eagles-Gitarrist Joe Walsh vor vielen Jahren wertfrei in paraffine Metaphern fasste, ist mittlerweile empirisch belegt: Musiker segnen deutlich früher das Zeitliche als Menschen, die auf Mama gehört und einen ordentlichen Beruf gelernt haben. Einer kürzlich veröffentlichten wissenschaftlichen Studie zufolge sterben US-Rockstars mit durchschnittlich 42 Jahren, ihre europäischen Kollegen sogar schon mit 35. Ein Großteil der vorzeitig abtretenden Mucker verdankt seinen beschleunigten Zerfallsprozess Substanzen, die man tunlichst aus Blutbahnen und Nasenlöchern lassen sollte, oder dem berühmten 18. Whiskey, der irgendwie schlecht gewesen sein muss. Jimi Hendrix (gestorben 1970), Keith Moon (1978), John Bonham, Bon Scott (beide 1980), Phil Lynott (1986), Layne Staley (2002) - alles Männer in ihren besten Jahren, die an den direkten oder indirekten Folgen ihrer Süchte krepierten. Sie hinterließen gewaltige kreative Kraterlandschaften, trauernde Fans und die in letzter Konsequenz nicht befriedigend zu beantwortende Frage, ob sie ohne Drogen derart phänomenale Musik hätten erschaffen können. Oder was zuerst da war: das seelische Ungleichgewicht, bei dem Genie und Wahnsinn sich verliebt in die Augen schauen, oder der Rock´n´Roll-Lifestyle, der aus rehäugigen Feingeistern willen- und rücksichtslose Selbstzerstörungsmaschinen macht? ...

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