RH #250Classic Albums

MEILENSTEINE: Die Perfektions-Krankheit (Holger Stratmann)

Warum die digitale Revolution unbemerkt die Metal-Szene verändert

Unser Drummer hatte gerade seinen besten Take gespielt. „Okay, jetzt wird´s ernst...“, dachte ich mir und schnallte mir den Bass um. „Nee, nee“, sagte der Engineer dieses professionellen Aufnahmetempels. „Ich muss erst noch das Schlagzeug durchchecken. Dauert knapp zwei Stunden!“ Ich weiß nicht, ob es die Mühe wert war. Für mich klang es gut, so wie es war. Natürlich ist es in Ordnung, ein paar grobe Schnitzer auszubessern, schließlich sind wir ja alle nur „geniale Dilettanten“, aber muss man die Musik komplett dem Computertakt unterwerfen? Perfektion bei Metal und Punk? Ich brauch das nicht...

Natürlich ist technischer Fortschritt grundsätzlich zu begrüßen. Das Venom-Debüt „Welcome To Hell“ habe ich nur gekauft, weil ein Plattenversand schrieb, die Musik sei „härter als Motörhead“. Fair wäre noch der Zusatz „knisternde Italo-Pressung“ gewesen. Oder „Drums: heilloses Holterdiepolter“. Ich fand die Platte damals allenfalls „charmant“, aber wäre sie besser gewesen, wenn ein Computer Abaddons Chaosgeprügel „geradegerückt“ hätte? NIEMALS! Hätte Cronos darauf seinen Bass-Take aufbauen können? NEIN! Man nimmt der Musik die Seele, wenn man zu viel korrigiert. Man schmeißt mit dem Kollegen Zufall ein wichtiges Mitglied über Bord, wenn man auf Alben jede Kante, jedes leicht schräge Timing, jede Nuance bügelt, glättet, deleted. Warum klingen Bands „live“ so genial, bauen irrwitzige Soundwellen auf, die man auf den...

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