RH #249Interview

AYREON

Darth Vader macht die Drecksarbeit

Bizarre Binärcodes, singende Schneemänner und ein Album wie ein David-Lynch-Film - AYREON-Mastermind Arjen Lucassen entführt Michael Rensen in sein schillerndes Paralleluniversum und erklärt, warum David Gilmour nie und Paul McCartney jederzeit mit ihm arbeiten würde.

Die südholländische Kleinstadt Oudenbosch im November. Arjen Anthony Lucassen, der seine Interview-Partner seit jeher selbst vom Bahnhof abholt, sitzt im Wohnzimmer seines von Katzen umstreunten Hauses an seiner König-Arthur-Tafelrunde, serviert Brot mit „bizarren vegetarischen Aufstrichen - wir lieben hier merkwürdiges Essen“ und erzählt mit entwaffnender Ehrlichkeit von den letzten zwei Jahren, in denen er eine schmerzhafte Scheidung durchzustehen hatte, vom luxuriösen Landsitz „The Electric Castle“ in ein deutlich kleineres Haus, das er schmunzelnd „Electric Garage“ nennt, umziehen musste, aufgrund von Depressionen seinen Geschmacks- und Geruchssinn verlor und nur mit Medikamenten aus seiner schweren Lebenskrise herausfand. Das Aufnahmegerät ist ausgeschaltet, und das meiste, worüber er spricht, ist auch nicht für die Öffentlichkeit bestimmt, aber obwohl Arjen weiß, dass alles Gesagte unter uns bleiben wird, fällt kein einziges schlechtes Wort über die zahlreichen Gäste, die er für das neue AYREON-Album „01011001“ in sein Homestudio holte. Wo andere Musiker sich über die Probleme mit ihren Kollegen auskotzen würden (die es natürlich auch bei der „01011001“-Produktion gab), spricht der Zwei-Meter-Schlacks stets respektvoll und voller Sympathie von jenen Frauen und Männern, die seinen am 25. Januar erscheinenden, gewohnt grandiosen Konzept-Doppeldecker mit ihren Stimmen und Instrumenten veredelt haben. Die drei Originalgemälde von AYREON-Coverdesigner Jef Bertels, die neben der raumschiffgroßen Stereo/Video-Anlage hängen, sind ein deutliches Indiz dafür, wie wichtig das überaus erfolgreiche Progrock-Projekt für den Seelenfrieden des 47-Jährigen ist. Das monatelange Arbeiten an „01011001“ hat Arjens Genesungsprozess deutlich beschleunigt, und als er zur Fernbedienung greift, um die Platte in donnernder Lautstärke vorzuführen (s. Studioreport im letzten Heft und Review in dieser Ausgabe), grinst er fast genauso spitzbübisch wie früher. ...

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