RH #195Titelstory

NEVERMORE

Gottes Werk und Warrels Beitrag

Ortstermin Dortmund: NEVERMORE-Sänger Warrel Dane und Gitarren-Virtuose Jeff Loomis sind in der Stadt, um der deutschen Presse Rede und Antwort zu stehen. Es ist Sonntag, und die beiden Metal-Verrückten waren gerade mit der Promoterin ihrer Plattenfirma auf der örtlichen Bierbörse und freuen sich wie die Kinder über ein paar Flaschen nicht wirklich leckeres Rauchbier. Gott sei Dank sind die Geschmäcker verschieden.

Allerdings muss man - zumindest als Metal-Fan - schon unter gewaltiger Geschmacksverirrung leiden, um die Klasse der »neun sinfonischen Hymnen voller Hass und Anklage« (O-Ton Warrel), die auf dem neuen Album „Enemies Of Reality“ stehen, nicht zu erkennen. Die Seattle-Urgesteine haben das fast Unmögliche wahr gemacht und dem formidablen 2000er Album „Dead Heart In A Dead World“ einen beinahe ebenbürtigen Nachfolger an die Seite gestellt, der sogar nach 20-maliger Einfuhr noch mit jedem Durchgang wächst. Die von einigen vielleicht zu bemängelnde Sperrigkeit erweist sich als Glückstreffer, der die „Feinde der Realität“ zum monatelangen Vergnügen macht.

Als wir uns zum Interview in einem Biergarten niederlassen, sitzt ein paar Tische neben uns eine etwas seltsame, eher mal mitteljunge Dame mit blonder Perücke, die mit ihrer übertriebenen, fast grotesken Schminke direkt aus „Meet The Feebles“ stammen könnte. Anscheinend leidet die Gute unter einer Art Koprolalie und beschimpft uns in einer Höllenlautstärke fortwährend als „Idioten“, „Spinner“ und „Ziegen“ (wohl...

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