RH #176Interview

Hintergrundstory: Grunge

Anfang 1991 ist Rockmusik so gut wie tot. Seit über einem Jahr hat es kein von Gitarren dominiertes Album geschafft, die Spitze der US-Albumcharts zu erklimmen, die Poser-Bands der Achtziger spielen größtenteils wieder wie früher in miesen Kneipen statt in Arenen, und zwischen glattpoliertem Mainstream-HipHop und miesem Country-Pop fühlt sich jeder noch nicht völlig ertaubte Musikliebhaber wie ein Soldat beim Tellerminentanz. Die rigiden, stockkonservativen Regierungen Reagan und Bush haben weiten Teilen der Jugend jeden Spaß am Leben genommen und im Volk einen depressiven, nihilistischen Weltfrust keimen lassen, der dringend ein kulturelles Ventil braucht.

Am 24. September ´91 findet die Generation X endlich ihre Bibel: Das zweite Nirvana-Album „Nevermind“, ein betörend schönes Zwitterwesen aus Punk-Krawall und melodischer Melancholie, erscheint und verändert die Musiklandschaft so nachhaltig wie zuletzt ´77 das Sex Pistols-Debüt.

Doch genauso wie das Lebensgefühl im Amerika der frühen Neunziger aus einer langen Kette von Ereignissen entstanden ist, reichen auch die Wurzeln von Nirvana weit in die Vergangenheit zurück. Kurt Cobain bedient sich ebenso beim Punk wie bei Seventies-Rockern der Marke Aerosmith und Led Zeppelin, verehrt Black Sabbath, die Beatles und 50 Jahre alten Folk à la Leadbelly. Weitere wichtige Einflüsse für den Nirvana-Sound sind Selbstzerstörungs-Ikone Iggy Pop und der räudige Hardcore der Bad Brains und Black Flag. Am nachhaltigsten prägen den jungen...

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