RH #176Interview

Hintergrundstory: Nu Metal

»Als ich drei Jahre alt war, ließen sich meine Eltern scheiden. Ich wurde dann quasi als Konkursmasse hin- und hergeschoben und sogar einige Male gekidnappt.« Diese unschönen Kindheitserlebnisse legen den Grundstein für die zweite große Rock-Revolution der neunziger Jahre. Der vernachlässigte Knirps - ein gewisser Jonathan Davis - gründet ´93 im kalifornischen Orange County eine Band namens Korn, deren selbstbetiteltes, vom späteren Szene-Papst Ross Robinson produziertes Debütalbum ´95 aus dem Stand Platin in den USA einfährt. Der Golfkrieg ist noch lange nicht verdaut, das resignierte Weltschmerz-Genöle vieler Grunge-Bands lässt den aggressiveren Teil der pubertierenden Ami-Kids kalt - genau der richtige Zeitpunkt, um die schlecht gelaunte Jugend mit schlecht gelaunten Sounds weich zu kochen.

Der Neo- oder Nu Metal geht ohne große Umwege aus dem hochverdichteten, ruppigen Thrash Metal mit leichtem Ethno-Einschlag hervor, wie ihn Sepultura auf „Chaos A.D.“ (´93) spielten. Weitere wichtige Zutaten sind maschinelle, unterkühlte Riff-Gewitter à la Tool, Machine Head oder Fear Factory, auf Innovation bedachter Rap-Rock in der Tradition von Rage Against The Machine oder dem „Judgment Night“-Sampler, intensiver Emo-Core in Deftones/Downset-Manier und psychopathischer, unberechenbarer Noise-Rock, wie er seit Mitte der Achtziger in zahllosen US-Garagen zusammengelärmt wurde. Davis singt von Misshandlungen und Seelenqualen, während die tiefer gestimmten, oft minutenlang auf...

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