Notizen vom Mischpult

Overkill

Als 1983 das OVERKILL-Demo „Power In Black“ erschien, war die erste Fanzine-Ausgabe von Rock Hard gerade in den Plattenläden verkauft worden, und New York schickte Old-School-like ein Päckchen mit Kassette nach Dortmund. Vom Internet war noch lange nicht die Rede, und dass die Herren Kupfer und Kühnemund ihre ersten USA-Abenteuer mit OVERKILL erlebten, ist historisch verbrieft.

Seitdem hat sich eine gemeinsame Geschichte entwickelt, die auf dem Rock Hard Festival 2011 einen Höhepunkt fand, als OVERKILL ihre treuesten Fans mit einem „Special Set“ verwöhnten. ´Bring Me The Night´ und ´Give A Little´ sind Höhepunkte ihres Comeback-Albums „Ironbound“ und ein Beleg, dass guter Thrash Metal keineswegs an ein jugendliches Alter gebunden ist. Adrenalin pur, das OVERKILL, die von New Yorker Punkmusik und britischer Metal-Schmiedekunst gleichermaßen beeinflusst sind, offenbar im Überfluss besitzen. Vor allem Sänger Blitz wirkt auf den YouTube-Videos des Gigs wie ein Jungbrunnen des Metal. Respekt!

„1984 style“, die Ansage sagt alles über die beiden anderen Tracks aus der Frühphase der Band. Ursprünglich nur als rare Samplerbeiträge veröffentlicht, existieren keinerlei Studioversionen auf den regulären Alben der Thrasher. Sehr ungewöhnlich, wenn man die tolle Qualität des geradlinigen Songwritings berücksichtigt. Auch wenn die Titel heute zeitgemäßer klingen, kann man die Einflüsse alter Iron Maiden (´Deathrider´) und Judas Priest (´The Beast Within´) ohne Weiteres heraushören. Klar, das ist alles schneller und heftiger als die Vorbilder, schließlich läuft die Band mit einem Motörhead-Songtitel durch die Gegend. Und ich würde sagen: Den Namen haben sie sich redlich verdient.

In diesem Sinne hoffentlich mal wieder ein kleines Stückchen hörbare Metal-Geschichte im Rock Hard - viel Spaß damit!

Holger Stratmann