History2012

Rock Hard Festival 2012Voll auf die Zehn!

Unser Zehnjähriges hätte schöner und runder kaum laufen können: Mit über 7.000 Besuchern waren wir restlos ausverkauft, das Wetter war bombastisch, keine Band ist ausgefallen, alle (okay, fast alle) hatten Superlaune, es gab keine nennenswerten negativen Randerscheinungen, dafür aber - das war ja schon im Vorfeld klar - das beste, fairste und „metallisch geschmackssicherste“ Publiklum des Planeten. Vielen, vielen Dank an euch alle!

Freitag

Drei Uhr nachmittags, die Sonne brennt gnadenlos über dem von keinem Wölkchen getrübten Himmel des Amphitheaters, und die ersten beiden Bierchen des Tages entfalten bereits ihre leicht einlullende Wirkung. Jetzt wäre eigentlich ein angenehm chilliger Festivalauftakt als sanfter Einstieg ins Wochenende angebracht... Doch genug geträumt! Das hier ist das gottverdammte Rock Hard Festival, und hier herrscht seit einigen Jahren das eherne Gesetz, dass es zum Auftakt eine saftig thrashende Ohrfeige setzt. Ein Gesetz, das die in den Stahlschmieden Solingen und Wuppertal ansässigen DEATHFIST offenbar bis ins Mark verinnerlicht haben. Eine derart präzise, knallhart und machtvoll gerittene Auftakt-Attacke hat das Amphitheater jedenfalls schon lange nicht mehr gesehen. Frontlady Corinna Becker und ihre drei Jungs legen los, als säße ihnen der Leibhaftige im Nacken, und vermöbeln das bereits erstaunlich zahlreich anwesende Publikum mit klassischem Thrash Metal ohne Wenn und Aber. Mit Hammersongs wie ´Demons´, ´Ruins´, ´Hell Is Here´ oder ´Slay Her´ haben sie auch die dazu nötige Munition in der Hinterhand. Zudem begeistert insbesondere Corinna mit unbändiger Spielfreude und bekommt ihr zahnpastawerbungstaugliches Dauerlächeln gar nicht mehr aus dem Gesicht. (as)

Diverse Line-up-Wechsel im Vorfeld ließen unseren Götz befürchten, dass JEX THOTH fortan mit verwässertem Sound agieren und bei ihren Die-hard-Fans auf Ablehnung stoßen würden. Zudem führte die bloße Existenz der sweeten Madame Jex himself - Verehrer nennen sie auch gerne mal Jexy Hexy - dazu, dass so manche eifersüchtige bessere Hälfte ihrem jeweiligen Partner ins Ohr zischelte: „Guck mal, die Alte hat total lange Achselhaare! Da stehst du doch nicht wirklich drauf, oder?“ Rudelweise Stutenbissigkeit in Gelsenkirchen... So sehr Jexy Hexy mit den Unternehmen Gillette und Wilkinson auf Kriegsfuß stehen mag, so bezaubernd und charismatisch inszeniert sie sich auf der großen Festivalbühne. Tanzend, stetig laszive Bewegungen und selbstredend eine Wahnsinnsstimme... Neuerdings mit der Kraft zweier Gitarren versprühen Jex Thoth überraschend vor allem dann größte Emotionen, wenn sie aus ihrem kauzigen Kriechgangkosmos ausbrechen und sich klaren Song- und Riffstrukturen zuwenden, die fast - aber auch wirklich nur fast! - im Midtempo-Bereich anzusiedeln sind. Sollte die Truppe aus San Francisco diesen „kommerzielleren“ Weg auch auf ihrem nächsten Tonträger beschreiten, dürfte der Sprung hinaus aus dem tiefsten Underground nur eine Frage der Zeit sein.

P.S.: Es wird gerüchtet, dass ein gewisser Zompf Kupfer Madame Jexy Hexy verschämt anlallte, sie zu einer romantischen Rikschafahrt durch Schalke einlud und, um seinen Worten Ausdruck zu verleihen, dabei kreisende Beckenbewegungen vollführte. Aber wie das mit Gerüchten so ist... (wrm)

„We are RAM and we stand right before you“, versucht sich Oscar Carlquist an einer Mischung aus Understatement und britischem Humor. Die Anwesenheit der schwedischen Traditions-Metaller dürfte nach einigen Songs auch nur noch Gehörlosen entgangen sein. Die Band gehört im Rudel der neueren Schwedenstahl-Welle zu den Alteingesessenen, die sich mit viel Basisarbeit nach oben gekämpft haben. Insofern kann man stolze Zeilen wie „No force can stop the ram“ aus ´Sudden Impact´ ohne Weiteres abnicken und mit gereckter Faust mitsingen. Manchen Festivalbesuchern mag die Band bzw. ihr Auftreten nicht spektakulär genug sein, aber hier geht es um ehrlichen Heavy Metal und nicht um eine aufgesetzte Show. Die Göteborger punkten mit ihrem musikalischen Einsatz und präsentieren sich ansonsten zurückhaltend. Die beiden Gitarristen sind als Riffmeister ebenso versiert wie in den packenden Soli und Harmonieschüben. Letztere prägen vor allem das hymnische, etwas schleppendere ´In Victory´. Carlquist singt selbst die höchsten Passagen sauber und druckvoll, animiert bei ´Machine Invaders´ den Fanchor, überzeugt aber auch in den finsteren Abschnitten von ´Awakening The Chimaera´. Klassisch, erdig, gut. (btj)

„Wir spielen hart, wir spielen schnell. Also macht mal richtig Krach“, röhrt Alex Camargo ins Mikrofon. KRISIUN haben sich aus dem fernen Brasilien aufgemacht, um Death Metal der ganz alten Schule von der Leine zu lassen. Zur moralischen Unterstützung weht dabei die eine oder andere Brasilien-Flagge im Publikum. Wirklich nötig scheinen die drei Brüder das jedoch nicht zu haben. Auch so stehen Max, Alex und Moyses mit breiter Brust auf der Bühne und füllen diese alleine mit ihrer Präsenz aus. Wie drei Salzsäulen verharren die Brüder im Triumvirat auf ihren Posten und sägen sich mit Wumms in die Köpfe der Zuschauer, die sich mit dem ersten Circle-Pit bedanken. Danke zu sagen, scheint auch der Lieblingssport von Alex zu sein, der nach jedem Song gleich mehrere Liebesbekundungen in Richtung Publikum, Götz oder Plattenfirma versendet. Songtechnisch haben Krisiun ohnehin alle Asse im Ärmel: Wer auf Bretter wie ´Vicious Wrath´, ´Descending Abomination´ oder das immer noch sensationell geile ´Slain Fate´ zurückgreift, kann bei einem Publikum, das auf Death Metal steht, nichts falsch machen. Mehr noch: Spätestens beim finalen ´Kings Of Killing´ wippt auch die Hälfte der Security mit dem Kopf mit. (dg)

Ein Newcomer mit nur einem Album als Co-Headliner? Das ist in der Tat ungewöhnlich, aber KVELERTAK sind auch eine ungewöhnliche Band, die mindestens genauso sehr von den Sex Pistols beeinflusst ist wie von Mayhem. Und was von Götz als moderner Thrash angekündigt wird, ist eigentlich gar nicht so einfach einzuordnen. Feiern kann man allerdings ganz ordentlich dazu, und so ziehen die Norweger immer mehr Leute vor die Bühne und machen Stimmung. Respektabel dabei: Obwohl alle Bandmitglieder ständig in Bewegung sind, ist die Truppe sehr spielstark. Die Songs des selbstbetitelten Debüts werden heruntergerotzt, ohne die feinen Melodien und die immer wieder aufregenden Details im Soundmatsch versinken zu lassen. ´Sjøhyenar (Havets Herrer)´, ´Sultans Of Satan´ oder die Single ´Blodtørst´ (zu der es übrigens ein geiles Video gibt) sind nur ein paar Angelpunkte in einem Set, der vor Energie nur so strotzt und kaum jemanden kalt lassen kann. Es ist zwar schade, dass von den drei Gitarren nur zwei ernsthaft zu hören sind, aber das ist auch das einzige Manko dieses starken Gigs, der definitiv Co-Headliner-würdig ist und die Band zukünftig für die Konzerthallen dieser Welt empfiehlt. (fp)

Eine Frage wurde durch den imposanten Gig von Kvelertak bereits beantwortet: Würde das stilistisch ziemlich gemischte Freitagsprogramm funktionieren oder polarisieren? Es funktioniert. Im Gegensatz zu unserem Herrn Kupfer, der es aufgrund einer promillebedingten Schlagseite nicht mal mehr geschafft hat, Kvelertak auf der Bühne anzusagen und nun von Götz eine öffentliche Standpauke verpasst bekommt. Dann kündigen drei einem irgendwie bekannt vorkommende Turbo-Ü-40er namens Cobra Erzgebirge, South Of Heavenstone und Bomber Of Love den Tagesheadliner an. Und auch bei dem war man sich nicht ganz sicher, ob er nicht ein paar humorlose Unrocker vom Gelände schwuchteln würde. Aber nix da! TURBONEGRO kommen, sehen und siegen. Das neue Line-up strotzt vor Selbstbewusstsein. Nicht nur, dass Hank-von-Helvete-Nachfolger Duke Of Nothing sich bei seinem ersten großen deutschen Festival-Auftritt umgehend als stilvoll gekleidete Rampensau und Chef im Ring erprobt. Auch die Setlist zeigt, dass die Turboneger erhobenen Hauptes nach vorn marschieren. Gleich sechs der 18 Songs stammen vom bis dato unveröffentlichten neuen Hitreigen „Sexual Harassment“ und donnern einem den, wie Basser Happy Tom es nennt, „Scheißeapparatus“ weg. Die Stagediver purzeln - egal, ob Turbojugend oder Ruhrpottjugend -, und fast das gesamte Rund grölt fröhlich das finale ´I Got Erection´ mit. Natürlich klauen die Anus-Rocker einfach nur bei uraltem Ami-Punk (speziell Black Flags ´Nervous Breakdown´-Riff scheint ihnen implantiert worden zu sein), Glam und AC/DC-Punch, aber daraus entstehen Hits, Hits, Hits und ´ne kollektive Dauerlatte, wohin man blickt. (jj)

Samstag

Natürlich sind DR. LIVING DEAD! irgendwie ´ne Kaspertruppe. Sie verordnen sich so ´ne Art untoten Suicidal-Tendencies-Look und stibitzen musikalisch jede Menge bei ebenjenen Venice-Helden, Anthrax sowie diversen Mittachtziger-Hoppel-Fun-Thrashern. Aber jetzt mal ehrlich: Viele mittlerweile ältere Semester haben damals ebenfalls zunächst gegrinst, als Mike Muir mit seinen weißen Stutzen und ´ner bis zur Nasenspitze runtergezogenen Bandana angestampft kam und Anthrax sich mit ihren Bermudashorts zum Deppen machten. Außerdem: Dr. Living Dead! haben einfach die Unbeschwertheit, die den Vorbildern heute weitgehend flöten geht. Allerdings auch das Problem, dass die Vocals eher semikraftvoll sind. Dr. Ape kann weder singen noch schreien. Er ruft ohne Druck auf der Lunge ins Mikro. Solange die Doktoren noch nicht die Quasi-Unantastbarkeit der Suicidals umweht (Muir kann schließlich auch nicht singen), wirft sie das dann doch wieder auf Jugendheimniveau und Kaspertruppe-Level zurück. Als Opener sind sie heute okay, ansonsten steht ihnen aber noch ein langer Weg bevor. (jj)

Alter Falter, wie geil sind denn bitte MOTORJESUS? Dass die Rocker live Spaß machen, ist ja bekannt, aber hier und heute laufen sie wirklich zu Höchstform auf und füllen das Amphitheater, wie es bisher kaum eine andere zweite Band des Tages in der Geschichte des Rock Hard Festival geschafft hat. Sänger Chris Howling glänzt neben seiner starken Gesangsleistung mit humorigen Ansagen und ist von den starken Reaktionen sichtlich angetan. Dass er den vorderen Reihen Bier („Es ist pisswarm und die billigste Plörre, die ich kriegen konnte!“) und Jägermeister ausgibt, ist den Fans gegenüber natürlich tierisch nett, wäre aber an sich nicht nötig gewesen, denn das Publikum frisst dem sympathischen Mützenträger auch so aus der Hand. Und natürlich bleiben gute Songs auch immer gute Songs, und von denen haben Motorjesus gleich einige im Gepäck. ´Motordiscipline´, ´Fuel The Warmachine´ und ´Dirty Pounding Gasoline´ bieten Melodie und Rotz en masse, aber auch eine keineswegs selbstverständliche Musikalität. Endgültig gewonnen hat der Fünfer mit den angespielten Coverversionen ´Rock You Like A Hurricane´ und ´T.N.T.´. Definitiv einer der Höhepunkte des Festivals!

PORTRAIT haben gegenüber der Tour mit Evile eine personelle Veränderung zu vermelden: Sänger Per Karlsson ist wieder da, und man kommt nicht umhin, festzustellen, dass der Kerl nicht nur hörbar besser singt als Nightmare, sondern auch eine deutlich souveränere Präsenz hat und die große Amphitheater-Bühne spielend ausfüllt, ohne seine Bandkollegen dabei ins Hintertreffen geraten zu lassen. Die gesamte Band ist von Anfang an bei der Sache und jagt ihre aus komplexen Instrumental-Teilen und hymnischen Refrains bestehenden Meisterwerke mit einer solchen Intensität ins begeisterte Publikum, dass man geneigt ist, ihnen ihr heute recht untightes Zusammenspiel zu verzeihen. Das aktuelle Album „Crimen Laesae Majestatis Divinae“ ist der Kern des Sets, und Songs wie ´The Nightcomer´, ´Infinite Descension´ oder ´Bloodbath´ laufen gut in die Ohren. Schade ist, dass die kurze Spielzeit nicht mehr Songs und einen ausführlicheren Streifzug durch die Diskografie der Schweden erlaubt. Aber in dieser Form sind sie eh reif für höhere Weihen, so dass man hoffentlich bald größere und vor allem längere Auftritte von ihnen sehen kann. (fp)

Erst kürzlich haben HELL im Vorprogramm von Accept überzeugt - und das nicht zuletzt wegen ihrer fetten Bühnenshow. Heute, bei Tageslicht und ohne die Kanzel, beweisen die Briten, dass sie auch ohne großen Aufwand zu gefallen wissen. Dass das starke Material einige Jahrzehnte auf dem Buckel hat, merkt man ihm keineswegs an. Genau so hat eine Mischung aus der NWOBHM und Mercyful Fate zu klingen! Im Mittelpunkt natürlich Frontmann David Bower, der mit seinem Headset den Spielraum für seine einzigartige Gestik und Mimik voll ausnutzt und wieder in diverse Verkleidungen/Charaktere schlüpft. Vielleicht sollten mal mehr Sänger Schauspielunterricht nehmen. Wie früher Twisted Sister verbindet das Quintett auf ganz eigene Weise zeitlose Nummern mit der dazugehörigen Show, was zu einem Mehrwert führt und wunderbar zusammenpasst. Das ist Entertainment! Vor allem, wenn die Truppe das Metal-Ballett schon besser als die Erfinder Accept beherrscht. Klasse, dass die lange verschollenen Nummern noch mal in einer solchen Umgebung zelebriert werden. Höhepunkt ist der Ohrwurm ´Save Us From Those Who Would Save Us´ als gewaltige Schlussnummer. (wk)

Vorbildlicher Kundenservice „made in Stockholm“: Im Vorfeld zur UNLEASHED-Show hatte unser Fränk DeathmetAlbrecht eine Reihe von Die-hard-Fans, die er persönlich oder aus dem Online-Forum unseres Blattes kennt, gefragt, welche Songs sie von Johnny Hedlund und seinem Riff-Kommando gerne mal live hören würden. Von den zehn am meisten gewünschten Stücken, die Fränkieboy an die Band weitergeleitet hat, finden sich fünf auf der Setlist wieder: ´Long Live The Beast´, ´Victims Of War´, ´In The Name Of God´, ´Destruction (Of The Race Of Man)´ sowie der mit Abstand beste Song der Bandhistorie, ´The Immortals´. Die Kehrseite der Medaille allerdings ist das komplette Ignorieren der Highlights vom Debütalbum „Where No Life Dwells“. Wie auch immer: Die Band feuert ihre Breitseiten betont lässig ins Volk, im Pit wird gewühlt und getobt, Johnny japst nach Luft und klingt deshalb phasenweise eher wie ein Hardcore-Shouter als ein Death-Metal-Fronter, und irgendwie ist seine Stimme ein bisschen höher als in den alten Tagen. Eine souveräne Show, aber bei weitem nicht die beste am heutigen Tag.

P.S.: Es wird gerüchtet, dass ein gewisser Zompf Kupfer die Band zu einer Bootstour bei Schnaps, Bier und „jeder Menge echtem Herrenspaß“ überreden wollte. Aber wie das mit Gerüchten so ist... (wrm)

Wer nun dachte, dass es jede andere Band im Anschluss an den akustischen Wikinger-Überfall von Johnny Hedlund & Co. schwer haben würde, der hatte mal wieder die Rechnung ohne die Frankfurter Zappelbudenzerstörer gemacht. TANKARD erwischen mit ´Time Warp´ vom letzten Album und dem unkaputtbaren ´Zombie Attack´ einen Einstieg nach Maß und haben das Publikum sofort voll im Griff. Und das Interesse ist bemerkenswert gewaltig. Die Ränge des Amphitheaters sind mehr als gut besetzt, und direkt vor der Bühne herrscht dichtes Gedränge rund um einen fanatisch Vollgas gebenden Moshpit. Zum 30-jährigen Bandjubiläum gibt es eine mit vielen Klassikern wie ´The Morning After´, ´Chemical Invasion´, ´The Beauty And The Beast´, ´Rectifier´, ´Freibier´ und natürlich dem wie immer frenetisch behüpften und bejubelten ´(Empty) Tankard´ gespickte Setlist. Dazu kommen nette Gimmicks wie der stilecht auf einem Bierkastenthron auf die Bühne gerollte „Kings Of Beer“-Coverboy Bomber oder eine (für meinen Geschmack deutlich zu) schlanke Tänzerin im knappen Outfit, die vom wie immer bestens aufgelegten Fronter Gerre nach allen Regeln der Kunst umgarnt wird. Bärenstarker Auftritt einer perfekt interagierenden Band! (as)

Legendenstatus hin oder her: Nach Tankard auf die Bühne zu gehen, ist nicht einfach für eine Progressive-Metal-Band wie PSYCHOTIC WALTZ. Es spricht also für die Klasse des Quintetts, wie schnell sich das minimal kleinere Publikum von bierseligem Thrash zu hochkomplexem und alles andere als eingängigem Material wie ´Ashes´ und ´Out Of Mind´ umjustiert. Vor allem aber beweist es, wie schnell die Amerikaner immer noch in ihren Bann ziehen können. Das liegt zum Teil am Charisma: Buddy Lackey könnte aus einem Gabelstapler-Fachmagazin vorlesen und wäre immer noch hörens- und sehenswert. Es hat aber vor allem mit harter Arbeit und Handwerk zu tun. Sowohl späteres, grooviges Material wie ´Morbid´ und das völlig brillante ´Mosquito´ als auch ihre frühen, sehr virtuosen Songs spielen Waltz mit einer derart souveränen Präzision und Coolness, dass sich all die reformierten Bands da draußen, die zwar touren wollen, aber sich zum Üben zu schade sind, zur Strafe in die Ecke stellen sollten. Besonders erwähnt werden muss erneut Buddy Lackey. Der Mann trifft fast jeden Ton, und die, deren Höhe er nicht erreicht, klingen leicht nach unten versetzt noch besser als vorher. Eine wertvollere Reunion als diese ist zumindest mir nicht bekannt. (tb)

Wenn ich mich für eine einzige Death-Metal-Band entscheiden muss - die Antwort lautet seit 20 Jahren BOLT THROWER (und wird mit Sicherheit auch in 20 Jahren so lauten). Wohin das Auge schaut: Überall fliegen Haare, überall wird gebangt, überall werden Fäuste geschüttelt, Crowdsurfer werden in Richtung des Fotograbens getragen, sowohl die Stufenbereiche als auch der Innenraum des Amphitheaters sind pickepackevoll. Die englische Institution überrollt uns wie ein Panzer, unbarmherzig und mit stoischer Präzision. Jeder einzelne Gast - egal, ob zahlender Fan oder Mister Wichtigwichtig - bekommt den Arsch versohlt. Das fängt bei den Gitarrenwänden (diese Band hat einen völlig eigenen, unvergleichlichen, vernichtenden Gitarrensound) und bei schmutzigen Basspumpen an und hört beim Doublebass-Gewitter auf. Karl Willetts Grunzen ist gleichermaßen grausam und Manna für die Seele. Leicht beschwipst krönt er sich und seine Band - „26 years, it´s not bad!“ - und strahlt, während er seine Derbheiten über Krieg, Tod und Verwüstung bellt. Und so gerät unser Festival zu einem Schlachtfeld, mit Genialitäten wie ´World Eater´, ´Mercenary´, ´...For Victory´, ´Cenotaph´ und ´War Master´ als Highlights.

P.S.: Es wird gerüchtet, dass ein gewisser Zompf Kupfer Karl Willetts ständig mit Happy Tom angesprochen hat, ihm entlocken wollte, ob er nun schwul sei oder nicht - und ihn auf ein Gläschen „lecker Schnäppergen“ zu sich nach Hause eingeladen hat. Aber wie das mit Gerüchten so ist... (wrm)

Sonntag

Zu Beginn des dritten Tages der Megaparty im Amphitheater hat die Sonne ein Einsehen mit manch arg verkaterter Existenz und versteckt sich gelegentlich hinter einigen Schönwetterwolken. ALPHA TIGER hingegen sind nicht zum Versteckspiel angetreten, sondern um den anwesenden Headbangern kräftig in den Arsch zu treten. Im gelb-schwarzen Fransenlook stürmen sie die Bühne, und schnell wird klar, dass sich bei den Ostdeutschen ganz schön was getan hat. Sänger Stephans bislang eher zurückhaltendes Stageacting war gestern. Jetzt wird gepost und gerockt, was das Zeug hält. Seine grandiose Stimme und überragende Songs wie ´Karma´, ´Black Star Pariah´ oder ´Crimson Desert´ tun ihr Übriges, um die Stimmung schnell anzuheizen. Mit ´From Outer Space´ und ´Along The Rising Sun´ gibt es auch zwei neue Stücke, deren Refrains sofort im Ohr hängen bleiben und für die nahe Zukunft Großartiges erhoffen lassen. Die größte Überraschung ist jedoch das dem verstorbenen Mark Reale gewidmete und absolut genial dargebotene Riot-Cover ´Flight Of The Warrior´, das man diesmal ´Queen Of The Reich´ von Queensryche vorgezogen hat. Nach 40 Minuten steht auf jeden Fall fest, wer die derzeit beste US-Metal-Band Deutschlands ist. Sieg! (bc)

Den Spaniern ´77 mangelnde Originalität vorzuwerfen, ist absurd. Wie viele Bands weltweit versuchen denn, an den Charme der alten AC/DC anzuknüpfen, und versagen trotz der vermeintlich einfachen Formel für bluesgetränkten Hardrock mit staubtrockenen Riffs, coolen Licks und einer von Whiskey- und Kippenexzessen gezeichneten Stimme jämmerlich? ´Less Talk (Let´s Rock)´ entgegnen ´77! Johnnie Dolphin zelebriert die Einfachheit, indem er voller Inbrunst auf sein Minimalkit eindrischt, Raws Bassspiel ist von gleicher Intensität - und trotz der Holzfällerart grooven sie wie Sau. Die Helden aber hören beide auf den Nachnahmen Valeta: Armand röhrt sein ´Gimme A Dollar´ tatsächlich wie der selige Bon Scott und ist sich nicht zu schade, sich mit seiner Rhythmusgitarre in den Bühnenhintergrund zu verziehen, wenn Bruderherz LG zum Solo ansetzt. Als wäre dessen wüstenmausartiges Herumlaufen auf der Bühne noch nicht genug, zieht es ihn direkt ins Publikum. Der WDR-Kameramann auf dem Podest vis-à-vis zur Bühnenmitte hat beim gemeinsamen Tanz mit dem Ponyträger den Spaß seines Lebens, im Fotograben zappelt der iberische Angus wie ein Zitteraal auf dem Trockenen. Entertainment für Biertrinker - nicht fürs Feuilleton! (btj)

Mittlerweile knallt die Sonne wieder. Doch noch mehr als das Licht der „gelben Sau“ blendet das Outfit der von einem Großteil des Publikums sehnsüchtig erwarteten HIGH SPIRITS. Die weißen Hosen und simplen schwarzen T-Shirts erinnern definitiv eher an Buchhalter oder Matrosen als an Rock´n´Roll. Ein wenig schade, denn die Musik kann sich hören lassen. ´Full Power´, ´Torture´ und das vom Publikum lautstark mitgesungene ´Another Night In The City´ sind die Highlights eines leider viel zu kurzen Auftritts, der immer wieder von Sprechchören begleitet wird. Unverständlich bleibt, warum beliebte Gassenhauer wie ´Demons At The Door´ in der Setlist fehlen und dafür Stücke des eher wenig bekannten Demos den Vorzug erhalten. Auch das Stageacting kommt insgesamt noch etwas hüftsteif rüber. Vor allem im direkten Vergleich zu ´77, die davor die Arena in Grund und Boden rockten. Aufgrund der Resonanzen dürfte es aber nur eine Frage der Zeit sein, bis High Spirits zu einer ausgiebigeren Konzertreise durch Deutschland antreten. Und dann bringen sie hoffentlich genug Spielzeit und Energie mit, um es allen recht zu machen. (bc)

Sie haben vielleicht die kleinsten Verstärker und ganz sicher das bescheidenste Schlagzeug des Festivals, und dennoch: Die ungezügelte Wucht, mit der GRAVEYARD ihren jenseits aller Kategorien fliegenden Rock ins Publikum donnern, kann mit jeder noch so hochgezüchteten Stahlschmiede mithalten. ´Buying Truth´ eröffnet einen kompakten Set, der weitgehend ohne Jams oder Sperrigkeiten auskommt und insbesondere mit den überragenden Songs von „Hisingen Blues“ auch Uneingeweihte bekehrt. Der Moment, an dem Graveyard endgültig gewonnen haben, ist förmlich greifbar: ´Ain´t Fit To Live Here´ überzeugt selbst Zweifler, Fans der Band, von denen es eine ganze Menge im Publikum gibt, schmeißen die Arme in die Luft, und ein paar tausend Menschen auf den Rängen nicken im Takt. Einzig Sänger Joakim Nilsson mangelt es noch ein wenig an Charisma, was sich jedoch nur auf seine Kommunikationsfähigkeiten und nicht auf seinen exzellenten Gesang bezieht. Ein Auftritt, der sehr eindrücklich beweist, dass Musik, die nach Dunkelheit und tiefen Kellerclubs klingt, auch in sonnigen Amphitheatern blendend funktionieren kann. (tb)

Klar, GIRLSCHOOL sind alt. So ganz spurlos gehen 35 Jahre Bandhistory nun mal nicht an einem vorbei. Und selbstverständlich gucken viele Fans, Schreiber und schreibende Fans durch ´ne rosarote Brille, wenn sie gebetsmühlenartig kundtun, dass keine andere Frauengruppe auch nur ansatzweise so geil rockt wie die vier Britinnen. Andererseits gibt´s aber auch ´ne Menge Leute, die dem Oma-Quartett per se jegliche Arschtrittqualitäten absprechen, weil halt alt und so. Treffen wir uns in der Mitte. Girlschool sind heute mit einem speziellen „Hit And Run“-Set am Start. Über 30 Jahre alte Granaten wie der grandiose Eröffnungsdoppelschlag ´Demolition Boys´/´C´mon Let´s Go´, ´The Hunter´, ´Emergency´, ´Kick It Down´ und ´Yeah Right´ werden weder aufgesetzt jugendlich noch altersschwach vorgetragen, sondern mit genau dem richtigen Punch in die Meute geschleudert. Kim McAuliffe hat´s am Rücken („Ich kann heute zum ersten Mal seit zwei Wochen überhaupt wieder halbwegs aufrecht gehen.“) und ist eher gemächlich unterwegs. Denise Dufort verholpert einige Parts. Das Gesangsmikro der wieder im schicken Auch-50+-Frauen-können-sexy-sein-Outfit antretenden Enid Williams wird vom Mischer weitgehend ignoriert. Aber fuck it: Sie spielen ´Watch Your Step´, und darauf habe ich 30 Jahre gewartet. (jj)

Mit MAGNUM beginnt der Hardrock-Abend des Festivals. Mutig: Gleich der Opener ist eine brandneue Nummer. Die Briten waren wieder im Studio und bieten einen gelungenen Vorgeschmack auf das nächste Album „On The 13th Day“. Was folgt, ist eine ausgewogene Mischung aus Klassikern der Achtziger (´How Far Jerusalem´, ´Les Morts Dansant´, ´All England´s Eyes´, ´Vigilante´) sowie Material aus der Zeit nach dem Comeback (´When We Were Younger´, ´Wild Angels´, ´Brand New Morning´, ´All My Bridges´), die man alle noch von der letztjährigen Tour im Ohr hat. Klar, dass dabei ´Les Morts Dansant´ der emotionalste Song des Tages ist. Wer hier keine Gänsehaut bekommt, der hat den Kampf gegen den Alkohol und die Sonne verloren. Während Mastermind Tony Clarkin mit der Hitze kämpft, punktet Frontmann Bob Catley wie immer mit seiner einzigartigen Körpersprache und Ausstrahlung. Letztlich ein wunderbarer, kurzweiliger Auftritt, der so richtig zum frühen Abend und bevorstehenden Sonnenuntergang passt. Schade nur, dass der Set spontan endet und das geplante ´Kingdom Of Madness´ nicht mehr gespielt werden kann.

In der Umbaupause zwischen Magnum und Unisonic holt Götz das Rock-Hard-Team auf die Bühne und nutzt die Gelegenheit vor allem, um denen Dank auszusprechen, die sich um die Festivalorganisation gekümmert haben. Erwartungsgemäß stürmen dann Bobby und Gerre die Bühne und bieten die weltexklusive Premiere ihrer Nummer ´Die Zwei von der Tanke´ in einer Megaversion. Stilecht im Blaumann gekleidet und von Songwriter Waldemar Sorychta, Marco Bachmann von Hungöver sowie zwei Tänzerinnen unterstützt, sorgt das Rock-Guerilla-Duo für Partystimmung der ganz eigenen Art. Anschließend gibt es anstelle der gewohnten Karaoke-Gewinner-Auftritte ein Gastspiel unserer Stammgäste Hell Hofer und Hampus Klang von Bullet, die gemeinsam mit den Jungs von Rokken ´Balls To The Wall´ und ´You Shook Me All Night Long´ abliefern. Spätestens jetzt sollte allen klar sein, dass die Einflüsse der beiden Schweden aus Deutschland und Australien stammen. Klar, dass das Publikum stimmgewaltig mitmacht und steil geht. (wk)

Vor einigen Jahren hätte niemand darauf wetten wollen, dass Michael Kiske irgendwann wieder auf der Bühne eines Metal-Festivals stehen würde. Zu tief schien der Riss zwischen dem Ex-Helloween-Sänger und der Metalszene. Es kommt also schon einer kleinen Sensation gleich, dass der Hamburger tatsächlich auf die Bühne kommt. Die Fans haben ihm offenbar verziehen. Bereits zu Beginn gibt es laute „Kiske, Kiske“-Chöre, die der Maestro mit seiner ihm eigenen Selbstgefälligkeit wohlwollend zur Kenntnis nimmt. So ein Strahlemann wie Wieder-Mitstreiter Kai Hansen oder auch Basser Dennis Ward wird Kiske in diesem Leben nicht mehr. Es fällt einem aber trotzdem zunehmend schwer, ihm für seine früheren Entgleisungen böse zu sein, so überzeugend wie er immer noch singt. Bereits der gleichnamige Song ´Unisonic´ bricht das Eis, und wann immer das wieder zu gefrieren droht, hat die Band einen Helloween-Gassenhauer parat. Spätestens, als ´Future World´ und ´I Want Out´ gespielt werden, geht wirklich das ganze Publikum steil. Hier deutet sich aber auch das Schicksal von UNISONIC an: Sie werden sich immer mit diesen Evergreens des Heavy Metal messen lassen müssen - und dabei mal mehr, mal weniger gut aussehen.

W.A.S.P. auf dem Rock Hard Festival? So richtig möchte man das erst glauben, als Skandalnudel Blackie Lawless tatsächlich auf der Bühne steht. Und natürlich werden die Fans ein bisschen auf die Probe gestellt. Fünf Minuten nach offiziellem Showbeginn ist es jedoch so weit, und es ist ein Traum! ´On Your Knees´ eröffnet den Reigen, und die Stimmung ist sofort auf 180. Man weiß nicht, ob man einfach ausrasten oder gebannt innehalten soll, so viel Charisma und pure Dominanz strahlen W.A.S.P. und vor allem ihr eigensinniger Fronter aus. Der ganz große Sympathikus wird Blackie mit Sicherheit niemals werden, das stellt er auch heute wieder kokettierend unter Beweis. Natürlich wäre ihm kein Zacken aus der Krone gebrochen, wenn er den Gewinnern der W.A.S.P.-Verlosung die Gitarren selbst überreicht hätte. Aber das passt eben nicht zum Charakter dieses Hobby-Gesetzlosen, der die glücklichen Gewinner, nachdem Götz ihnen die Gitarren überreicht hat, mit einer Handbewegung und einem „You can leave now!“ von der Bühne winkt. Musikalisch ist die Band aber über jeden Zweifel erhaben. Ein Hit reiht sich an den nächsten. ´L.O.V.E. Machine´, ´The Idol´, ´Wild Child´, ´Hellion´ - was will man denn mehr? Außer bei ´I Wanna Be Somebody´, bei dem er gesanglich etwas durchhängt, macht Blackie eine fantastische Figur und lässt alle Zweifler verstummen. Und wenn man das nicht als Sensation verbuchen kann, was denn dann sonst? (dg)

Vom Rock Hard Festival berichteten: Andreas Stappert (as), Wolf-Rüdiger Mühlmann (wrm), Björn Thorsten Jaschinski (btj), Dorian Gorr (dg), Felix Patzig (fp), Jan Jaedike (jj), Wolfram Küper (wk), Tobias Blum (tb) und Bruder Cle (bc).

Wir bedanken uns beim gesamten Team, allen Mitarbeitern, unseren Praktikanten und unserer Security für einen (mal wieder!) unglaublich tollen Job. Ihr seid die Allerbesten!

 

RANDNOTIZEN

Pretty in pink: Was zur Hölle hatte dieser Kuttenträger bitte konsumiert? Während RAM auf der Bühne abrockten, drehte sich rechts vor der Bühne ein Zuschauer kurz zur Seite und göbelte mit aller Wucht auf den Boden des Amphitheaters. Die Farbe des Erbrochenen: strahlendes Pink. Der Übeltäter grinste verwirrt, nahm einen großen Schluck Bier und schaute sich weiter RAM an. Die pinke Kotze sorgte jedoch für Unterhaltungswert: Mehrere Metaller posierten mit, neben und auf ihr. Eine Dame latschte sogar schnurstracks barfuß durch den schillernden Haufen. Lecker! (dg)

So viel Ekstase sieht man selten: Der ´77-Drummer kloppte dermaßen rein, dass die Bierflaschen auf dem Drumriser tanzten und sich das Schlagzeug immer weiter nach vorne schob. Kurz bevor der bärtige Knabe polternd vom Podest zu fallen drohte, konnten die Bühnentechniker das Schlagzeug mittels Akkuschrauber festschrauben. Alle anderen Versuche, das Drumkit zu stabilisieren, waren zuvor fehlgeschlagen. (hs)

Wer sich wunderte, warum vier Südländer in der Buslinie 383 zum Nordsternpark ihre Gitarren dabeihatten, wird zwei Stunden später festgestellt haben, dass es sich um die Spanier ´77 handelte, die vom Hotel in der City den Weg per öffentlichem Nahverkehr zu ihrem Auftritt gewählt hatten. (wk)

Eine der geilsten Ansagen des Festivals kam von einem gut aufgetankten Herrn Mühlmann. Kann man TURBONEGRO treffsicherer ankündigen als mit „Sind hier Leichtmatrosen? Sind hier Vollmatrosen? Sind manche hier einfach nur voll?“. Eigentlich nur durch die ursprüngliche Version, die er sich dann aber doch nicht getraut hat: „Wollt ihrrr den totalen Krrrieg?“ (jj)

Ein anonym bleibender Rock-Hard-Redakteur begrüßte TURBONEGROs Fronttier Duke Of Nothing am samstäglichen Frühstückstisch mit einem zünftigen „Ooooh, hoo, hoo, just had erection!“. (jj)

Bei HELL ging ein Fan in der ersten Reihe einmalig steil. Der junge Kerl sang jedes Wort mit und unterstrich es noch mit passender Mimik und Gestik. Selbst Frontmann David Bower warf ihm beim Verlassen der Bühne einen irritiert-anerkennenden Blick zu. (jj)

ALPHA TIGER hatten im Vorfeld des Festivals scheinbar nur einen Kasten Bier geordert und schnorrten sich backstage nach allen Regeln der Kunst durch. Gitarrist Alex machte das „wenige Bier“ sogar so müde, dass er es sich spontan sabbernd und schnarchend unter dem Schreibtisch im Rock-Hard-Produktionscontainer gemütlich machte. (jp)

GIRLSCHOOL schafften es, sowohl am Samstag als auch am Sonntag mit gehöriger Verspätung auf dem Festivalgelände aufzulaufen. Zum Ausgleich brachten die vier Ladys aber gleich ganze acht Koffer mit, die Tourmanager Tommy heldenhaft die Treppen zur Garderobe der Damen heraufschleppte. (jp)

Was Fannähe bedeutet, demonstrierten TANKARD eindrucksvoll. Nach ihrem Set besuchten die Hessen zu später Stunde ihren Fanclub, die Maniac Aliens, auf dem Zeltplatz zu einem kleinen Umtrunk. (wk)

Schön beim Rock Hard Festival: Zwischen 23 Uhr und dem jeweils nächsten Mittag ist noch jede Menge Zeit, um entweder im Partyzelt abzufeiern oder Zimmerpartys auszurufen. Diesmal wurde ein Zimmer im achten Stock des Maritim-Hotels in eine Partyzone umgewandelt. Als zu bereits vorgerückter Stunde Zeremonienmeister Gerre dann dort mit einem Rock-Hard-Redakteur im Schlepptau eintraf, ging das Fest sozusagen in die Verlängerung. Besagter Redakteur hatte bereits seine Kvelertak-Ansage verpasst und fiel im Couchsessel in einen vorerst komatösen Zustand, den er allerdings in einem unbeobachteten Moment dazu unterbrach, sich in der Toilette einzusperren. Dumm nur, dass dort in der Badewanne die Getränke gebunkert waren. Panik machte sich breit, und es bedurfte einiger Kunst, den guten Mann davon zu überzeugen, lieber doch im eigenen Bett zu übernachten. Weil die Gehwerkzeuge jedoch bereits versagten, kostete es auch noch einige Mühe, ihn genau dorthin zu verfrachten. Erinnerungslücken im Hinblick auf Zimmernummer und Zutrittskarte machten das Unterfangen natürlich auch nicht einfacher. Umso erstaunlicher, wie fit er einige Stunden später schon wieder wirkte... (bc)

Eine etwas holprige Anreise inklusive eines zweistündigen Gewaltmarsches durch Gelsenkirchen erlebten die BULLET-Recken Hell Hofer und Hampus Klang. Irrtümlicherweise vor dem falschen Hotel abgesetzt, machten sich die beiden Schweden zu Fuß auf in Richtung der richtigen Herberge und trafen während ihrer unfreiwilligen Sightseeing-Tour ausschließlich freundliche Leute. „Schon nach wenigen Metern erkannten uns die ersten Fans“, so Hampus. „Danach ging es an eine Trinkhalle, und man spendierte uns einige Bierchen.“ Zehn halbe Liter später checkten die Vollblut-Rock´n´Roller dann tatsächlich in dem für sie reservierten Hotel ein, wo es für Hell Hofer allerdings umgehend ins Bett ging. Mit der treuherzigen Begründung „Der Jetlag macht mich einfach fertig!“ (der Flug dauerte ja immerhin knapp zwei Stunden) verabschiedete sich der Lockenkopf ins Land der Träume. (tk)

PSYCHOTIC WALTZ waren nicht nur auf der Bühne die größten Hippies des Festivals, auch abseits der Bretter verbreiteten die US-Proggötter knuffige Man-muss-sie-einfach-gernhaben-Vibes, wie man sie sonst nur von herumtollenden Hundewelpen kennt. Schon kurz nach ihrer Ankunft im Backstage-Bereich hatte sich die Band in alle Himmelsrichtungen zerstreut und teilweise hoffnungslos verlaufen. Sänger Devon Graves etwa saß mit baumelnden Beinen auf einem Tisch im völlig falschen Dressing-Room-Flur, wollte erst wegen eines schnuckeligen Catering-Girls, das Mineralwasser (!) in die Tankard-Höhle brachte, bei Gerre & Co. einsteigen und entschloss sich dann nach dem Lesen des Türschildes, mal kurz in der Kabine von Hell vorbeizuschauen: „Sieht überraschend freundlich aus da drin, und ich wusste gar nicht, dass die Hölle nur von 13 Uhr bis 16.45 Uhr geöffnet ist...“ Tiefenentspannt reagierte Devon auch auf die WDR-Anfrage, ob er für die TV-Aufzeichnung der Show ein Formular mit den Songwriting-Credits der einzelnen Songs ausfüllen könne: „Ach, schreibt einfach, dass alle Lieder von der Band gemeinsam geschrieben wurden. Ich weiß nicht mehr, wer was komponiert hat, und eigentlich ist das ja auch egal.“

Die meisten Sympathiepunkte sammelte allerdings Devons Gitarrenkollege Brian McAlpin, der sich sofort einverstanden erklärte, an der Autogrammstunde teilzunehmen, obwohl er dazu unter den Augen zahlreicher Backstage-Gaffer mit seinem Rollstuhl von Sanitätern die lange Treppe zum Signing-Stand hochgetragen werden musste. Brian nahm´s gelassen und zeigte sich wenig später sichtlich gerührt von den enthusiastischen Lobhuldigungen der Fans. (mr)

Falls ihr euch wundert, warum es diesmal vor dem letzten Headliner keine Verabschiedung vom Publikum gab: Blackie Lawless entpuppte sich in den letzten Stunden des Festivals als derart schwieriger Zeitgenosse, dass die ansonsten prächtige Stimmung erheblich in den Keller wanderte. Schon das mühsam angesetzte „Meet & Greet“ mit zehn sehr sympathischen W.A.S.P.-Fans war ein peinlicher Witz (sorry, Leute!), und die Art und Weise der Gitarrenübergabe vor ´I Wanna Be Somebody´ auf der Bühne haben viele von euch vollkommen richtig gedeutet. Blackies hilflose Begleiter waren ebenfalls überfordert mit dem arroganten, respektlosen Gehabe ihres Schützlings, den wir in Zukunft gewiss nicht mehr einladen werden. In der zehnjährigen Geschichte des RHF gab es keinen unsympathischeren Teilnehmer als Blackie L., dem ich hiermit feierlich den Joey-DeMaio-Award überreichen möchte. (gk)

 

»Asi, aber mit Niveau!«

Eure Meinung zum Festival

Tina (32) aus Nürnberg

„Ich bin zum dritten Mal hier. Diesmal haben bei mir einfach alle Umstände gepasst: Ich hatte an diesem Wochenende Zeit und die richtigen Leute dabei. Eigentlich wollte ich nur Bolt Thrower schauen, die auch wieder mal ganz großes Kino waren. Aber auch andere Bands wie Kvelertak, Jex Thoth und Turbonegro haben mich total positiv überrascht. Unterm Strich ist es eben ein gutes Billing, selbst wenn für meinen Geschmack im ersten Moment nur Bolt Thrower und Unleashed dabei waren. Grund zur Beschwerde gibt es bei mir ohnehin nicht: Die Organisation ist super, wir hatten Glück mit den Parkplätzen und obendrein nette Nachbarn.“

David (33) aus Düsseldorf

„Ich feiere mit meinem Kumpel dessen Junggesellenabschied auf dem Festival. Vorher waren wir noch nie hier, aber wollten das Festival gerne ausprobieren, weil es kleiner ist und man nicht 30 Kilometer bis zum nächsten Bierstand latschen muss. Hier laufen auch nicht so viele Weichgespülte herum, wie es auf den großen Festivals der Fall ist. Komisch fand ich nur das Kartensystem. Wir mussten unsere gekaufte Karte erst gegen eine andere eintauschen und uns dann noch mal wo anstellen, um für die neue Karte ein Bändchen zu bekommen. Das könnte man sinnvoller lösen. Ich komme aber trotzdem wieder, auch wenn ich bisher noch gar keine Band gesehen habe. Wir hatten uns zwar viel vorgenommen, aber am Ende kam immer die Sauferei dazwischen. Wir hingen viel im Pavillon herum, haben nette Leute getroffen, dummen Scheiß gelabert, was man eben so macht. Aber letztlich ist ja auch das ein Festivalbesuch. Ich finde übrigens, dass der Zeltplatz sehr viel ordentlicher wirkt als auf den großen Events. Die Rheinländer und Ruhrpottler können sich eben benehmen. Asi, aber mit Niveau!“

Markus (26) aus Hannover

„Mich stört ja eigentlich nur eines: das Wetter. Das ist echt viel zu heiß. Vergangenes Jahr hat sich das öfter mal etwas abgekühlt, aber so wie heute ist es echt ätzend. Das Bier ist warm, und ich versuche nur, vor der Sonne zu flüchten. Ansonsten bin ich aber zufrieden. Ich habe mich vor allem auf Unleashed und Kvelertak gefreut, und die waren genial. Außerdem waren die Headliner perfekt, um noch mal alle Energiereserven aus den Zehen zu kitzeln. Die Hauptacts sind hier eben immer sehenswert, und der Sound ist grandios. Ach, was mich aber noch stört: Keiner der Getränkestände hat Sprite im Angebot. Was soll das denn? Vor allem bei dem Wetter wäre das richtig schön erfrischend.“

David (25) aus Köln

„Meine Favoriten auf dem Festival waren Bolt Thrower und W.A.S.P. Auf die habe ich mich richtig gefreut. Ansonsten wollte ich noch Krisiun, Portrait und Graveyard sehen, die ich aber alle verpasst habe, weil die Deutsche Bahn irgendwelche Probleme hatte. Man sollte außerdem über mehr Shuttle-Busse vom Bahnhof zum Festival nachdenken. Ich stand teilweise eine ganze Weile am Bahnhof herum und habe dann einen Linienbus genommen, der ebenfalls randvoll mit Festivalbesuchern war. Cool am Rock Hard Festival ist, dass man alle zwei Meter jemanden trifft, den man schon kennt. Das Festival bleibt eben überschaubar, und das Publikum ist echt angenehmer als auf anderen Festivals - ein richtiges Metal-Publikum eben. Nur der Bandmix war diesmal nicht sonderlich perfekt. Am letzten Tag spielt gar nichts Härteres, weswegen schon viele abgereist sind. Für die war eben einfach nichts mehr zu holen.“

Nadine (29) aus Meerbusch

„Ich war 2007 das erste Mal hier. Damals hat mich mein Bruder endlich mal mit auf ein Festival genommen. Seitdem war ich immer mal wieder hier. Manchmal auch nur für einen Tag, aber immerhin. Diesmal bin ich auch wieder das ganze Wochenende dabei. Viele Bands kannte ich zwar nicht, aber das Geile ist ja, dass man hier immer neue Bands kennenlernt. Bolt Thrower und Turbonegro fand ich supergeil. Nachher stehen noch Girlschool an. Für die Zukunft würde ich mir noch Frei.Wild und vielleicht noch mal Hammerfall wünschen.“

Andy (35) aus Krefeld

„Seit 2005 bin ich hier eigentlich jedes Jahr. Diesmal auch wieder mit meiner Schwester Nadine. Die habe ich irgendwann mal mitgenommen, nachdem ich ihr klargemacht hatte, dass auf diesem Festival kein Christina Aguilera läuft. Mit den Bands bin ich bisher zufrieden. Vor allem Motorjesus haben mich begeistert. Die habe ich schon in Krefeld gesehen, aber das war ja quasi ihr Debüt auf einer wirklich großen Bühne, und das haben die ganz locker geschafft. Ich stehe eben auf authentischen Rock´n´Roll, weswegen ich mir nachher auch noch Girlschool anschauen werde. W.A.S.P. stehen auch auf dem Programm. Ich finde sowieso, dass wir noch mehr Klassiker auf dem Festival brauchen. Lemmy oder Doro, das wäre mal was für Leute wie mich. Bands wie Frei.Wild, die meine Schwester gerne hier haben will, sind natürlich Papperlapapp. Das passt hier nicht hin!“

(Aufgezeichnet von Dorian Gorr)

 

Und was meint...?

HOLGER STRATMANN

Wer waren die besten Bands des Festivals?

Kvelertak (Energie!), Graveyard (Feeling!), ´77 (Bühnenkilometer!), Hell (Outfit!)

Wer waren die schlechtesten Bands des Festivals?

Jex Toth (da passierte rein gar nix), Bolt Thrower (eintönig hoch zehn)

Was war die größte Überraschung?

So viele nette Leute an einem Ort hat´s auf der ganzen Welt noch nicht gegeben!

Welcher Rock-Hard-Mitarbeiter ist dir am meisten auf den Sack gegangen?

Kupfer sollte Kvelertak eine Aufnahmegenehmigung aus den Rippen schneiden, faselte aber nur was von „great sound“ und „cool“. Die Jungs hatten ziemliche Fragezeichen auf der Stirn und grinsten verlegen.

Deine Wunschband 2013?

Thin Lizzy

 

FRANK ALBRECHT

Wer waren die besten Bands des Festivals?

Eindeutig Bolt Thrower (eine Walze, eine absolute Macht), dicht gefolgt von ´77, denn die haben gezeigt, wie eine echte Rock´n´Roll-Show aussehen muss.

Wer war die schlechteste Band des Festivals?

Schlecht war keine Band, am meisten gelangweilt haben mich aber Graveyard, denen ich rein gar nichts abgewinnen kann.

Wer waren die größten Überraschungen?

Kvelertak (hatte sie noch nie vorher live gesehen und war spontan beeindruckt) und Motorjesus (so voll war es zu dieser frühen Uhrzeit noch bei keiner anderen Band)

Welche Rock-Hard-Mitarbeiter sind dir am meisten auf den Sack gegangen?

Ronny Bittner (nötigt mich dazu, ein Interview für unsere DVD zu machen, obwohl ich schon längst zu betrunken dafür bin), Bruder Cle (ist selbst nach den härtesten Exzessen frühmorgens fit und gut gelaunt, während ich noch verzweifelt nach der nächsten Kopfschmerztablette suche)

Deine Wunschbands 2013?

Arch/Matheos, Mystic Prophecy und Vomitory

 

MICHAEL RENSEN

Wer war die beste Band des Festivals?

Psychotic Waltz. Fast anderthalb Dekaden Pause haben der Band nichts von ihrer einzigartigen Magie genommen. Bei ´I Remember´ wurden in den ersten Reihen mehr Freudentränen vergossen als während des kompletten restlichen Festivals.

Wer war die schlechteste Band des Festivals?

W.A.S.P. - ohne Worte...

Wer waren die größten Überraschungen?

Motorjesus und ´77 eroberten mit unbändiger Spielfreude ein Publikum, das so gut wie keinen der gespielten Songs kannte.

Welcher Rock-Hard-Mitarbeiter ist dir am meisten auf den Sack gegangen?

Mühlmann, weil er mir in erschreckend nüchternem Zustand mit viel Nachdruck darzulegen versuchte, warum Dream Theater nix können und ausgerechnet „Vapor Trails“ das beste Rush-Album ist.

Deine Wunschband 2013?

Arch/Matheos, damit auch nächstes Jahr wieder literweise Freudentränen vergossen werden können.

 

ANDREAS HIMMELSTEIN

Wer waren die besten Bands des Festivals?

Kvelertak (ein einziges Inferno), ´77 (perfektes Rock´n´Roll-Entertainment), Graveyard (haben mit einer erstklassigen Performance und wohlverdienten grandiosen Publikumsreaktionen so manchem Internet-Klugscheißer mal richtig schön das Maul gestopft)

Wer war die schlechteste Band des Festivals?

Psychotic Waltz (Prog will auf dem Rock Hard Festival einfach nicht funktionieren)

Wer war die größte Überraschung?

Wolf-Rüdiger Mühlmann (drei komplette Tage vollkommen diszipliniert und zivilisiert)

Welcher Rock-Hard-Mitarbeiter ist dir am meisten auf den Sack gegangen?

Unser oberster Repräsentant Götz Kühnemund hat es noch nicht mal zum Festivaljubiläum fertig gebracht, sich vernünftig die Haare zu kämmen, um einen anständigen Eindruck zu hinterlassen.

Deine Wunschbands 2013?

Nachtmystium, Sólstafir, Orchid und Bullet

 

BORIS KAISER

Wer waren die besten Bands des Festivals?

Kvelertak (kein Hype, sondern schiere Power vom Fass), Bolt Thrower (nach wie vor unschlagbar - besseren Death Metal gibt es nicht), Graveyard (super Feeling, klasse Sound)

Wer waren die schlechtesten Bands des Festivals?

Krisiun und Unleashed haben ihren Stiefel ordentlich durchgezogen, geben mir persönlich aber null Komma nix

Wer waren die größten Überraschungen?

Jex Thoth (nähern sich mit zwei Gitarren und mehr Härte neuerdings alten Trouble), ´77 (in Sachen Songwriting noch ausbaufähig, aber echt ´ne tolle Liveband)

Welcher Rock-Hard-Mitarbeiter ist dir am meisten auf den Sack gegangen?

Jonny Rönnebock (nur kurz vor Ort, dabei aber deutlich frecher, unverschämter, ausfallender und unangenehm trinkfreudiger als seine zudem wesentlich attraktivere Beinahe-Namenscousine)

Deine Wunschbands 2013?

Arch/Matheos, Gojira, Jess And The Ancient Ones, Orchid und Nachtmystium

 

RONNY BITTNER

Wer waren die besten Bands des Festivals?

Kvelertak (auch wenn ich nur die Hälfte mitbekommen habe), Graveyard und Tankard

Wer war die schlechteste Band des Festivals?

Psychotic Waltz (verstehe ich genauso wenig wie Wolf-Rüdiger, entpuppten sich zwischen Tankard und Bolt Thrower aber auch generell als ein ziemlicher Downer)

Wer war die größte Überraschung?

Alle Festivalbesucher, die den Dreh mit Bobby und Gerre an der Tankstelle zu einem Highlight des Wochenendes machten

Welcher Rock-Hard-Mitarbeiter ist dir am meisten auf den Sack gegangen?

Thomas Kupfer, der sich schon am ersten Festivaltag dermaßen ins Jenseits geschossen hat, dass er seine Kvelertak-Ansage verpennt hat. Der ebenfalls gut angeschlagene Gerre zeigte sich am Ende des Abends gnädig und bugsierte Kupferboy zum Auto und gab unterwegs Hilfestellung beim Pinkeln. Dass sich die Abfahrt durch das torkelnde Duo enorm verzögerte und Zompf unsere Fahrerin mit „Ausziehen, ausziehen!“-Aufforderungen nervte, lasse ich jetzt mal unter den Tisch fallen.

Deine Wunschbands 2013?

Devin Townsend Project und Lamb Of God

 

THOMAS KUPFER

Wer waren die besten Bands des Festivals?

Graveyard (die intensivsten Jam-Sessions seit den siebziger Jahren), Bolt Thrower (stumpf, aber geil!), Motorjesus (brachten das Amphitheater schon zur unheiligen Mittagszeit zum Kochen)

Wer waren die schlechtesten Bands des Festivals?

Psychotic Waltz (kapiere ich einfach nicht) und Magnum (hart an der Schlagergrenze)

Wer war die größte Überraschung?

´77 (die Spanier, die nach eigenen Aussagen den besten Gig ihrer bisherigen Karriere auf die Bretter zauberten, hatten wohl nur die wenigsten auf dem Zettel)

Welcher Rock-Hard-Mitarbeiter ist dir am meisten auf den Sack gegangen?

Ganz klar Wolf-Rüdiger Mühlmann. Erst nascht er vom slowenischen Schwarzgebrannten und will dann partout nicht einsehen, dass seine Labradorhündin Lulu eben doch kein Hütehund ist.

Deine Wunschbands 2013?

Exodus (oder hatten wir die schon mal?), Nachtmystium, Long Distance Calling, Fates Warning

 

WOLF-RÜDIGER MÜHLMANN

Wer war die beste Band des Festivals?

Bolt Thrower (der Panzer überrollte gnadenlos jeden einzelnen Gast), Turbonegro (selbst das ignoranteste Landei konnte sich dem Charme der Matrosen of Darkness nicht entziehen), Kvelertak (eine absolute Splitterbombe!), High Spirits (endlich mal wieder echte Heavy-Metal-Hits!)

Wer war die schlechteste Band des Festivals?

Psychotic Waltz (dafür bin ich zu dumm)

Wer war die größte Überraschung?

Sven Dinninghoff von Ván Records (an jedem Festivaltag pünktlich um 14 Uhr völlig abgeschossen - Respekt!)

Welche Rock-Hard-Mitarbeiter sind dir am meisten auf den Sack gegangen?

Zompf Kupfer (anstatt sich um Bandbetreuung und Interviewkoordination zu kümmern, ballerte sich unser gespreiztes Rob-Halford-Öhrchen mit Schwarzgebranntem aus Slowenien das Gehirn auf halb acht, schwadronierte über die Vorzüge des deutschen Jagd- und Gebrauchshundes und wollte bei Turbonegro ständig auf die Bühne stürmen, um Kvelertak anzusagen); Gerre (wollte immer nur feucht knutschen)

Deine Wunschbands 2013?

Journey und Nachtmystium

 

JAN JAEDIKE

Wer war die beste Band des Festivals?

Girlschool (allürenfrei, supernett, selbstironisch und mit einer Hit-Setlist zum Niederknien)

Wer war die schlechteste Band des Festivals?

Jex Thoth (das strunzöde Gedudel ließ einem umgehend die Füße einschlafen, so dass man nicht mal mehr zum Langnese-Stand flüchten konnte)

Wer war die größte Überraschung?

Hell. Die Kerle sind musikalisch eh schon geil (es sei denn, man fragt die Herren Himmelstein und Mühlmann), live durch ihre Mischung aus unpeinlicher Theatralik, kindergartenfreiem Okkultgedöns und englischer Kauzigkeit aber ein absoluter Oberhammer.

Welcher Rock-Hard-Mitarbeiter ist dir am meisten auf den Sack gegangen?

Bobby (guckt meiner Freundin unter dem Vorwand „Geht dein Rückentattoo da unten noch weiter?“ in den Schlüpper) und Gerre (hat volleres Haar als ich)

Deine Wunschband 2013?

Warhammer

 

CONNY SCHIFFBAUER

Wer waren die besten Bands des Festivals?

Graveyard (wieder deutlich stärker als bei der letzten Show vor ein paar Wochen in Köln), Kvelertak (zum ersten Mal live gesehen und direkt für super befunden) und ´77 (hat Bock gemacht - DIE positive Überraschung des Festivals!)

Wer war die schlechteste Band des Festivals?

W.A.S.P. waren sicherlich nicht die schlechteste Band des Festivals, aber auf jeden Fall die nervigste mit ihrem unnötigen Ami-Rockstar-Arroganz-Gepose. Beim Meet & Greet wurden die Fans lieblos abgefertigt (und durften noch nicht mal Fotos machen), und das strikte Bühnenverbot für alle Crewfremden schloss auch Götz mit ein, der sich so noch nicht mal vor der Show von den Fans verabschieden konnte. Zum Vergleich: Ronnie James Dio ging 2006, nachdem er bereits auf dem Weg zum Hotel-Shuttle war, noch einmal zurück zum Produktionsbüro, weil er etwas vergessen hatte - nämlich sich ganz herzlich beim Veranstalter zu bedanken.

Wer war die größte Überraschung?

´77, weil sie schon mittags eine fette Ladung Rock´n´Roll-Stimmung verbreiteten und deutlich mehr sind als eine billige Kopie früher AC/DC-Tage.

Welcher Rock-Hard-Mitarbeiter ist dir am meisten auf den Sack gegangen?

Überraschenderweise keiner

Deine Wunschbands 2013?

Motörhead, Bullet

 

JENS PETERS

Wer war die beste Band des Festivals?

W.A.S.P. (spielten eine absolut headlinerwürdige - wenn auch leider zu kurze - Show)

Wer war die schlechteste Band des Festivals?

W.A.S.P. (Blackie sorgte abseits des Auftritts für ziemlich miese Laune - schade!)

Wer war die größte Überraschung?

Motorjesus (haben einfach alles weggeblasen und sich am frühen Nachmittag mal eben ein paar hundert neue Fans erspielt)

Welcher Rock-Hard-Mitarbeiter ist dir am meisten auf den Sack gegangen?

Chuck Taylor (produziert definitiv nicht das richtige Schuhwerk, um jeden Tag gefühlte 30 Kilometer durch die Gegend zu rennen)

Deine Wunschbands 2013?

Hardcore Superstar und Twisted Sister

 

JENNY RÖNNEBECK

Wer war die beste Band des Festivals?

Leider verpasse ich auf unserem Festival die meisten Bands, weil ich an der Gästeliste arbeite, aber W.A.S.P. fand ich als Headliner klasse. Wenn Blackie Lawless nur nicht so ein arroganter Sack wäre... Besonders gefreut habe ich mich auf Magnum, leider war der Sound vorne nicht so super und die Setlist etwas unklug gewählt.

Wer war die schlechteste Band des Festivals?

Alle, die ich nicht gesehen habe. Nein, aber meine freien Minuten spare ich mir immer für die Bands auf, auf die ich mich besonders freue. Leider entgehen mir dadurch eine Menge interessante Auftritte - auch die der Kollegen.

Wer war die größte Überraschung?

Überraschungen entgehen mir leider meistens auch - aus denselben Gründen wie oben angegeben. Michael Kiske hat grandios gesungen. Dass er das kann, wusste ich natürlich; trotzdem war es sehr schön, seine Fans zu sehen, die Tränen in den Augen hatten.

Welcher Rock-Hard-Mitarbeiter ist dir am meisten auf den Sack gegangen?

Keiner. Gab aber auch nicht viele Gelegenheiten, mir auf den Sack zu gehen.

Deine Wunschbands 2013?

Axel Rudi Pell, Crimson Glory

 

GÖTZ KÜHNEMUND

Wer war die beste Band des Festivals?

Hell (souveräner und cooler geht´s kaum), Psychotic Waltz (´I Remember´ markierte den ergreifendsten Moment des Festivals), Bolt Thrower (Kommentar überflüssig) & Kvelertak (klarer Sieger vor und hinter den Kulissen)

Wer war die schlechteste Band des Festivals?

Hinter den Kulissen W.A.S.P. (s.a. Randnotizen). Auf der Bühne waren diesmal aber alle überzeugend oder (in zwei, drei Fällen) zumindest okay.

Wer war die größte Überraschung?

Motorjesus (Stimmungssieger), ´77 (dito), Jex Thoth (mit zwei Gitarren superheavy), High Spirits (locker, cool, souverän) und Portrait (viel echter Mercyful-Fate-Spirit)

Welcher Rock-Hard-Mitarbeiter ist dir am meisten auf den Sack gegangen?

Ernsthaft keiner - auch wenn wir Zompf auf der Bühne „verlosen“ mussten. Insgesamt sind wir ein gutes, eingespieltes Team. Diejenigen, die am Sonntag bei unserer „Jubiläumsansprache“ besonders hervorgehoben wurden, verdienen allerhöchsten Respekt.

Deine Wunschbands 2013?

King Diamond, Orchid, Bullet, Crucified Barbara und 173 weitere...

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