History2010

Der Durchbruch - danke!

"Ausverkauft“ hatten wir schon letztes Jahr und an einzelnen Festivaltagen in den Jahren zuvor gemeldet. Diesmal sind wir aber mit 7.500 Gästen komplett an die Kapazitätsgrenze gestoßen (es soll ja schließlich gemütlich bleiben) und hatten mit dem „WDR-Rockpalast“ erstmals einen neuen Mediensponsor an Bord, der für den Festival-Durchbruch im TV-Bereich gesorgt hat.

Das Bandbilling war gut, aber nicht perfekt. Wir sind uns durchaus bewusst, dass man da nächstes Jahr noch zulegen kann - aber ihr bekommt ja zwischendurch immer mal wieder mit, welche Acts wir uns wünschen und wen wir dann letztlich aus den verschiedensten Gründen wieder von der Liste streichen müssen. Mal hapert´s am Geld (Down - und einige andere), mal am Terminplan (Danko Jones - und einige andere), mal an Exklusiv-Vorgaben anderer Festivals (Volbeat - und einige andere), mal an gesundheitlichen Problemen oder höherer Gewalt (King Diamond, Carnivore). Aber manchmal klappt´s eben auch - und wir arbeiten schon jetzt mit Hochdruck am Billing für 2011.
Euch allen an dieser Stelle ein riesiges Dankeschön! Ihr seid das beste, sympathischste und metallischste Publikum, das wir uns nur wünschen können - das muss man immer wieder betonen! Und dass dieses Jahr trotz der Dio- und Pete-Steele-Tragödien alles so toll und reibungslos gelaufen ist, ist ebenfalls nicht selbstverständlich. Das war ganz, ganz große Klasse! (gk)

 

Freitag

Es hat sich mittlerweile sehr gut bewährt, den Fans zur Begrüßung die volle Breitseite zu geben, sprich: das Hackebeil rauszuholen. Diesen Job übernehmen am Freitagnachmittag die blutjungen Prügel-Thrasher KETZER, die mit ihrer Alte-Schule-Mischung aus Slayer, Sodom und Kreator, angereichert mit einer Schwarzmetall-Schlagseite, das Publikum sofort auf ihre Seite ziehen. Eine angenehme Form musikalischer Berechenbarkeit, ein Meeting of the Kuttenträger vor der Bühne - da lässt man gerne seine Birne kreisen, da opfert man seinen Freunden spontan einen Pfingstochsen, denn die Hamburger auf der Fressmeile sind eh unter aller Sau. Mit ´My Triumph´, dem Rausschmeißer vom aktuellen Album „Satan´s Boundaries Unchained“, rifft sich der Fünfer zum kompositorischen Höhepunkt seiner kurzweiligen Show, und ´The Fire To Conquer The World´ widmet Schreihals Infernal Destroyer dem Größten unter den Großen: Ronnie James Dio.

Okkult, tiefschwarz, mystisch und vor allem ultra-schweeeer: Ausgerechnet die nahezu metalfreie Möchtegernhauptstadt hat mit NECROS CHRISTOS eine der besten Extrem-Bands unseres Landes zu bieten, auch wenn die Black-Deather unser Publikum spalten (was allerdings im Voraus bereits klar war). Eine Mischung aus alten Acheron, uralten Samael, Hellhammer und alten Incantation ist nun mal nicht mehrheitsfähig, hat mit typischem Death Metal absolut nichts am Hut, sondern wuchtet sich schwer und kantig aus den Boxen. Das gleichermaßen eigensinnige wie auch eigenständige Gruftgrowlen von Mors Dalos Ra, das ich für meinen Teil absolut grandios finde, sowie diese unbarmherzig tief gestimmten, grollenden Klampfen sind so ziemlich die stilistisch konsequenteste Aufführung, die es je auf die Bühne des Amphitheaters geschafft hat. Einziges Manko: Die Priester des Bösen versinken zu sehr in ihrer eigenen Soundwand, anstatt sich beweglich zu zeigen. Auf kleinen Clubbühnen rulen die Preußen alles in Grund und Boden, die Größe einer Festivalbühne müssen sie noch erkunden. (wrm)

Eine riskante Angelegenheit: Als melancholischer Kontrast sowohl zu den Finsterlingen Necros Christos als auch zu den Partysoldaten Sabaton besteht ein gewisses Risiko, dass KATATONIA wie dereinst Paradise Lost bei strahlendem Sonnenschein baden gehen. Wie gut, dass nichts dergleichen geschieht. Mit dem eröffnenden ´Forsaker´ walzen die an Gitarre und Bass effizient, aber uncharismatisch erneuerten Schweden in einen Set hinein, der insbesondere dank der mächtigen Riffs ihrer letzten drei Alben an Heaviness hinter niemandem zurückbleibt. Es dauert einen Moment, bis Jonas Renkse zu optimaler Stimmform gefunden hat, spätestens ab dem folgenden ´A Premonition´ wendet sich aber auch dieses Detail zum Guten. Dir große Stärke des Auftritts ist auch seine einzige kleine Schwäche: Konsequent blenden Katatonia ihre Vergangenheit vor „Viva Emptiness“ aus. Sollte noch jemand etwas vermissen, lässt es sich allerdings niemand auch nur im Geringsten anmerken. (tb)

Bereits vor drei Jahren haben SABATON hier mächtig abgeräumt, und in der Zwischenzeit ist der Bekanntheitsgrad der Band nochmals deutlich gestiegen. Kein Wunder daher, dass die Schweden super ankommen. Im Vergleich zur 2007er Show hat sich nicht viel geändert - natürlich abgesehen von der längeren Spielzeit und einigen Songs des brandneuen Albums „Coat Of Arms“. Apropos: Von denen kommt ´Uprising´ am besten an, ohne freilich die Euphorie von bewährten Hits wie ´40:1´, ´Primo Victoria´, ´Panzer Batallion´ oder dem abschließenden ´Metal Machine´ hervorzurufen. Auch optisch hat sich wenig geändert: Nach wie vor tragen die Herren einheitlich Camouflage-Hosen, und Sänger Joakim zeigt mit Alu-Brustplatten-Shirt, Bremsspur auf dem rasierten Kopf sowie verspiegelter Sonnenbrille einen eigenständigen Stil, aber auch einen fragwürdigen Geschmack. Trotz einstudierter Posen wirkt das Sextett ausreichend spontan und zeigt sichtbare Spielfreude. Im kompletten Innenraum und auch auf vielen Sitzplätzen im weiten Rund werden die Fäuste gen Himmel gereckt und die Musiker mit lauten Sprechchören gefeiert. Von der Publikumsresonanz her der klare Tagessieger! (ms)

Katatonia, zweiter Aufzug? Njet! Bei den seltenen BLOODBATH-Shows zeigen die Gitarristen Blakkheim und Sodomizer, dass neben Melancholie und Trauer auch noch einige fiesere Emotionen in ihnen schlummern, während sich Sänger Jonas als Bassist in ungewohnte Posen wirft. Mikael Åkerfeldt - mit verspiegelter Sonnenbrille „dressed up like a metal dude“ - kontrastiert wie bei seiner Hauptband brutales Growlen mit freundlichem Blödsinn. Von Martin Axenrot (ebenfalls Opeth) angetrieben, schreddern sich die Schweden durch einen Killer-Set, der den Old-School-Death-Metal der ersten Alben (´Mass Strangulation´, ´Blood Vortex´, ´So You Die´) mit dem technischeren, US-lastigen Todesmörtel der Neuzeit (´Unblessing The Purity´, ´Mouth Of Empty Praise´) vermengt. Ex-Gitarrist Dan Swanö, in dessen Studio die Band mit ´Breeding Death´ als pures Spaßprojekt begann, wird ebenfalls mit einer launigen Ansage gewürdigt. Die groovige Mitgrölmahlzeit ´Eaten´ setzt einen retardierten und simplen Schlusspunkt. (btj)

Kurz bevor sich THE DEVIL´S BLOOD als Open-Air-Headliner beweisen wollen, ist es eine Minute lang still. 60 Sekunden emotionale Stille, um Ronnie James Dio zu gedenken. Dann ist es vorbei mit der Ruhe. Auch Dio hätte gewollt, dass es mit der Musik weitergeht. Und was The Devil´s Blood für ein okkultes Riff-Spektakel veranstalten, lässt sich kaum in Worte fassen. Mit Blut überschüttet, in rotes Licht getaucht und von drei Background-Sängerinnen unterstützt, entführen die Niederländer in fremde Sphären. Sängerin Farida erklingt wie eine Sirene und durchstößt mit ihrer markanten Stimme die Wand aus Psychedelic-Riffs. Ansagen gibt es keine. Doch wer braucht solchen Schnickschnack angesichts hypnotisierender Songs wie ´The Heavens Cry Out For The Devil´s Blood´ oder ´I´ll Be Your Ghost´, bei denen sich die drei Gitarristen in einen Solorausch spielen. Die Publikumsdichte lässt zwar gegen Ende nach, doch viele Besucher stehen noch nach dem Auftritt elektrisiert und wie gebannt vor der Bühne. (dg)

 

Samstag

Die Kühnemund-Faves ORDEN OGAN haben es bei strahlendem Sonnenschein und gefühlten 35 Grad anfangs nicht leicht, das Publikum aus der Reserve zu locken. Dabei zählt der Fünfer aus Arnsberg in Nordrhein-Westfalen spätestens seit seinem letzten Opus „Easton Hope“ zu den besten Bombast-Metal-Kapellen Europas. Mit Hymnen wie ´Welcome Liberty´ oder der Running-Wild-Hommage ´We Are Pirates´ (leider ohne Ex-Rock´n´Rolf-Adlatus Majk Moti an der Klampfe) und einer bei Tageslicht leider nicht ganz so effektiven Pyroshow schaffen es die Männer um Gitarrist/Sänger Sebastian „Seeb“ Levermann im Laufe des Sets dann aber doch noch, auch etliche der Zuschauer auf den Sitzplätzen in Stimmung zu bringen.

Junge Wilde wie Suicidal Angels, Warbringer oder EVILE sind zwar eine Bereicherung für die Thrash-Szene, Pionieren wie Kreator, Overkill, Exodus & Co. kann man aber noch lange nicht ans Bein pinkeln. Dafür mangelt es den meisten Newcomern zu sehr an Eigenständigkeit und Ausstrahlung. Das gilt im besonderen Maße auch für das vom Schicksal gebeutelte Quartett aus Huddersfield - im letzten Herbst verstarb Basser Mike Alexander im Alter von gerade mal 32 Jahren -, dessen Riffattacken für meinen Geschmack noch viel zu stark an Metallica erinnern. Andererseits bilden sich zu Songs wie ´Now Demolition´, ´Time No More´, ´Enter The Grave´ oder ´We Who Are About To Die´ die ersten kleineren Moshpits des Tages. Der überschaubare Mob vor der Bühne hat trotz der immensen Lautstärke - weniger ist manchmal mehr, Jungs! - also seinen Spaß, und auch aus dem noch spärlich besetzten Rund erschallt nach 45 Minuten mehr als der übliche Höflichkeitsapplaus. (buf)

Sucht man nach Farbtupfern im diesjährigen Billing, kommt man an den Italienern BULLDOZER nicht vorbei, die schon seit den frühen Achtzigern durch die Metal-Landschaft geistern. Dass Sänger AC Wild hinter einer Kanzel stehend seine Texte runterträllert, wirkt zwar unfreiwillig komisch, deckt sich aber gut mit dem kauzigen Image der Band. Die Musik, eine Mischung aus Speed, Thrash und Motörhead, mag man gerne mal unterschätzen, weil das Ganze etwas zu beharrlich und eigensinnig runtergeschrubbt wird; im Endeffekt rocken Bulldozer aber recht ordentlich, so dass im Laufe des Sets immer mehr Fäuste in Richtung Bühne gereckt werden. (ps)

Das ARTILLERY-Foto im Programmheft lässt nichts Gutes vermuten, denn die darauf zu sehenden Musikern sehen vor allem eins aus: alt. Doch auf der Bühne stehen zum Glück keine Rentner, sondern nach wie vor hungrige Thrasher, die es ganz offensichtlich noch mal wissen wollen. Schlagzeuger Carsten Nielsen, der sein Drumkit mit einem Backdrop des aktuellen Covers verhüllt hat, prügelt gnadenlos nach vorne, die Riffs feuern aus der Hüfte, dass es eine Pracht ist, und Sänger Sören Adamsen bekommt nicht nur die hohen Schreie gut hin, sondern agiert auch höchst souverän. Die Setlist ist sehr ausgewogen und reicht vom 25 Jahre alten Debütklassiker ´Into The Universe´ über den 1990er Titeltrack ´By Inheritance´ bis zu Songs des extrem starken aktuellen Albums „When Death Comes“. Der komplette Innenraum kocht, und die Crowdsurfer purzeln im Sekundentakt in die Arme der erneut vorbildlichen Security. Respekt! (ms)

Pünktlich zur allerbesten Tea Time entern die britischen Metal-Urgesteine RAVEN die Bühne des Amphitheaters. Von unserem Chefgötz mit Inbrunst angesagt und durch ihren 1982er Song ´Rock Hard´ als Namensgeber unserer Postille geoutet, legt das Trio mit ´Take Control´ sofort amtlich los und zeigt, dass die vermeintlichen Metal-Opis noch lange nicht reif für die Mucker-Rente sind. Dauergrinsend fegen die Gebrüder John und Mark Gallagher flink über die Bühnenbretter und feuern unkaputtbare Metal-Heiligtümer wie ´Live At The Inferno´, ´All For One´, ´Mind Over Metal´ und natürlich ´Break The Chain´ ins Auditorium. Dabei merkt man Gitarrist Mark, der nach einem schweren Unfall das Stehen und Laufen über die Jahre quasi neu erlernen musste, sein Bewegungshandicap zwar noch etwas an; dennoch hat der sympathische Geordie eine Menge Spaß, schreddert ein wenig filigranes, aber dafür umso ohrenbetäubenderes Solo und knallt am Ende seine Gitarre rotzig auf den Boden. Wie in alten Zeiten! (as)

Vor dem Auftritt der Thrash-Legende EXHORDER herrscht Nervosität. Zum einen bei den zahlreichen Fans, die die Band teilweise zum allerersten Mal live sehen können und sich fragen, ob sie ihrem exzellenten Ruf gerecht werden kann, zum anderen bei den Musikern selbst. Vor allem Gast-Drummer Tommy Buckley (Crowbar, Soilent Green) ist etwas mulmig: »Chris Nail ist ein solch begnadeter Schlagzeuger; das sind wirklich verdammt große Fußstapfen, in die ich jetzt treten muss.« Aber man darf es vorwegnehmen: Tommy hat alles bestens im Griff, und auch der Rest des Chaotenhaufens aus New Orleans enttäuscht zu keiner Sekunde. Mit ´Slaughter In The Vatican´ geht´s los, die Gitarrenwand ist massiv, Basser Frank entpuppt sich als wahres Energiebündel und schwitzt schon beim zweiten Song literweise Wasser aus, Frontmann Kyle ist bestens bei Stimme und schafft es, gleichzeitig sympathisch und angepisst zu wirken. Vor der Bühne bildet sich ein großer und harter Moshpit, am Ende des Sets kann man in viele glückliche Gesichter blicken. Wutklumpen wie ´Homicide´, ´Unforgiven´, ´The Law´, ´Legions Of Death´, ´(Cadence Of) The Dirge´ oder das abschließende ´Desecrator´ verfehlen auch 2010 ihre Wirkung nicht. Und dass mit ´I Am The Cross´ und ´The Truth´ zwei absolute Klassiker fehlen, liegt schlichtweg daran, dass es Exhorder nicht mehr schafften, auch noch diese beiden Tracks mit Tommy einzuproben. (fa)

ACCEPT the boss? Klar - und nach dem ersten Refrain von ´Metal Heart´ steht fest: Die Doppelspitze Peter Baltes und der begnadete Gitarrist Wolf Hoffmann sind mit Mark Tornillo (noch) mehr Accept als U.D.O. Neben den beiden düsteren, sehr starken neuen Songs ´The Abyss´ und ´Teutonic Terror´ überraschen die reanimierten Helden mit ´Losers And Winners´. Der Neue überzeugt mit seiner rauen Stimme statt großen Gesten oder Worten und reiht sich immer wieder in das patentierte Synchronbangen der Saitenfraktion ein. Dieser Typ mit Kappe und Sixpack soll erkältet sein? Er singt ´Living For Tonite´, ´London Leatherboys´ oder das garstige ´Son Of A Bitch´ wie ein junger Gott mit reichlich Rauch in der Lunge und Whiskey auf den Stimmbändern und variiert gekonnt die Strophen im Überhit ´Balls To The Wall´. Das begeisterte Publikum bleckt mit Wolf die Zähne um die Wette und singt die Band zum Gegensatzpaar ´Princess Of The Dawn´ und ´Fast As A Shark´ zurück auf die Bühne. Göttlich! (btj)

Ein paar Anwesende mögen gezweifelt haben, ob KREATOR das Accept-Hitfeuerwerk übertreffen können, doch die Elite-Thrasher machen mit dem Opener ´The Pestilence´ umgehend klar, was für ein knüppelharter Headliner-Wind heute durchs Amphitheater weht. ´Hordes Of Chaos´ montiert vor der Bühne endgültig sämtliche Rüben von den Schultern. Milles erste Ansage bringt es auf den Punkt: „Rock Haaaaard: Moshpit!“ Kreator sind eine arschtighte Maschine, und auch dieser Gig ist pure Energie. Man kann vernachlässigen, dass sich die Überraschungen in Grenzen halten. Der Ruhrpott-Vierer knüppelt sich durch fast sämtliche Album-Titelsongs, den Block mit ´Endless Pain´ (yes!), ´Pleasure To Kill´, ´Terrible Certainty´, ´Extreme Aggression´ und ´Coma Of Souls´ gibt´s sogar chronologisch. Dazu gesellen sich unverzichtbare Großartigkeiten wie ´Phobia´ (definitiv das beste Midtempo-Stück, das je von einer echten Thrash-Band geschrieben wurde) und das obligatorische Absch(l)ussdoppel ´Flag Of Hate´/´Tormentor´. Wenn Einpeitscher Mille bei seinen Ansagen den Faden verliert und dann z.B. irgendwas von Kreators 4.976. Jubiläum erzählt, wirkt er durch diese kleinen Momente der Unsicherheit inmitten all der perfekten Riff-Heiligkeit sogar noch sympathischer. (jj)

 

Sonntag

Musikalisch sind SACRED STEEL und ihr tief in den Achtzigern verwurzelter True Metal extreme Geschmackssache, in puncto Unterhaltungswert führt an der Combo und ihrer super-sympathischen Sirene Gerrit „Kacken müsste ich auch mal wieder!“ Mutz heute erneut kein Weg vorbei. Zudem hat der Fünfer mit ´Metal Is War´, ´Open Wide The Gates´, ´Heavy Metal To The End´, ´Maniacs Of Speed´ und dem finalen ´Wargods Of Metal´ einige seiner größten Hits am Start, die von vielen Headbangern Zeile für Zeile mitgegrölt werden, und als die Frontglatze der Schwaben während ´Carnage Victory´ einen ausgedehnten Spaziergang durchs Publikum unternimmt, freut sich das Amphitheater im Kollektiv. (buf)

Technisch versierter Black Metal trifft Mittagshitze: KEEP OF KALESSIN versprühen mit ihren kalten Riffs ein wenig norwegische Kälte. Sänger Thebon tobt wie ein Wirbelsturm über die Bühne und schreit sich die Lungenflügel wund, während Drummer Vyl für staunende Gesichter sorgt. Keine Frage, diese Band ist hervorragend aufeinander eingespielt. Zwar ist der Sound zu Beginn des Sets etwas bröckelig und am Ende vielleicht ein bisschen zu laut, doch die Hitdichte macht das wieder wett. Vor allem die Songs vom brandneuen „Reptilian“, die sich wie zuletzt zwischen Epik und extremer Hochgeschwindigkeit einpendeln, reißen mit. Hinzu kommt das Charisma von Bandchef und Gitarrist Obsidian, der stolz und völlig zu Recht ihren Eurovision-Song-Contest-Beitrag ´The Dragon Tower´ verteidigt. In seiner Ansage verkündet er, dass sich die Band nicht mal den von der Metalszene gemachten Regeln beugen würde. Dass die Nummer es in sich hat, stellen Keep Of Kalessin ebenfalls eindrucksvoll unter Beweis. (dg)

Während vor uns ein Metalhead mit einem überdimensionalen Plastikpenis alle Blicke auf sich zieht, entert Götz die Bühne, um die einzige Sleaze-Band des Wochenendes anzukündigen. Als auf die Frage, wer denn überhaupt Poser-Rock hören wolle, rundherum einstimmiges Gejohle aufbrandet, ist selbst der Chefredakteur verblüfft: „Wow, das waren ja mehr Leute als vorhin bei der Frage nach Black Metal!“ Nach einem überflüssigen Popsong-Intro steigen CRASHDIET mit der Hymne ´Riot In Everyone´ in ihren Set ein. Leider ist der Sound anfangs noch etwas breiig, wird aber schnell optimiert. Neben den Krachern des Erstlings entpuppen sich auch die beiden brandneuen Tracks ´Bound To Fall´ und das abschließende ´Generation Wild´ als absolute Highlights. Der mit weißem Iro gestylte Simon Cruz, bereits der dritte Fronter von Crashdiet, überzeugt mit seiner Performance trotz gerade überstandener Grippeerkrankung auf ganzer Linie. Leider ist die Partysause nach 40 Minuten auch schon wieder vorbei. (ls)

Deutschland und schönes Wetter? Gut für Kobi Farhi („Nein, ich bin nicht Jesus!“), der im weißen Gewand, aber barfuß auftritt. Endlich haben sich ORPHANED LAND auch außerhalb ihrer israelischen Heimat als Friedensbotschafter etabliert. Kaum vorstellbar, dass jemand aus unseren Breitengraden im Mittleren Osten mit religiösen Traditionals begeistern könnte. Umgekehrt funktioniert es: Gelsenkirchen hüpft zu ´Norra El Norra´ und unterstreicht damit Farhis Worte „Dies ist eine Party-Show!“ ohne albernen Firlefanz. Ethno statt Emo - mit Herz, Eiern und Verstand: Mitsingen und Mitklatschen gehören trotz des Prog-Faktors dazu. Gastsängerin Shlomit ist zwar nicht mit von der Partie, aber dafür kommt zu ´Sapari´ eine orientalische Tänzerin auf die Bühne. Probleme an der Schnittstelle von Technologie und Mythologie - die Keyboards sind leider längst gesampelt - können die Begeisterung nicht trüben. Sympathische Musiker, geniale Songs und eine wertvolle Botschaft. Auch für Atheisten. (btj)

Dass VIRGIN STEELE den Hammerauftritt von Orphaned Land nicht toppen können, ist schnell klar. Dennoch ziehen sich die New Yorker sehr achtbar aus der Affäre. Was vor allem an Mastermind David DeFeis liegt, der heute offenbar einen guten Tag erwischt hat, enorm kraftvoll singt und auch in schwindelerregend hohen Tonlagen nicht abkackt. Der Mann ist definitiv eine der letzten verbliebenen echten Metal-Sirenen. Weitaus weniger begeisternd ist der vergleichsweise dünne und undifferenzierte Sound. Speziell in der ersten Sethälfte sind die Klampfen ein ziemlicher Brei, und das viel zu dominant abgemischte Schlagzeug böllert im negativen Sinne alles in Grund und Boden. In der zweiten Hälfte wird es dann aber wesentlich besser, so dass man echt-metallische Perlen wie ´A Symphony Of Steele´, ´Rain Of Fire´ und natürlich ´Noble Savage´ entsprechend genießen kann. Apropos „edle Wilde“: Der Song wird von David respektvoll den beiden „fallen ones“ Pete Steele und Ronnie James Dio gewidmet. (as)

Nach einem nicht ausnahmslos positiv aufgenommenen neuen Album beweisen NEVERMORE, dass sie zumindest live in der Form ihres Lebens sind. Wobei: Eingebettet in einen bombastischen Set, können die vier Songs von „The Obsidian Conspiracy“ nicht nur bestehen, sondern reihen sich nahtlos neben Großtaten wie ´Born´ oder ´Inside Four Walls´ ein. Vor allem der Titelsong und das gnadenlos eingängige ´Emptiness Unobstructed´ funktionieren sofort - auch dank eines blendend aufgelegten, Cowboyhut tragenden Warrel Dane, der noch die schwierigsten Töne mit allergrößter Leichtigkeit trifft. Gleiches gilt für Neuzugang Attila Voros. Technisch herausragend, ergänzt der Gitarrist die Truppe und wirkt so entspannt, als hätte er nie was anderes getan, als mit den Power-Metal-Erneuerern aus Seattle auf der Bühne zu stehen. Vor der Bühne ist es derweil rappelvoll. Eindrücklich belegt das Meer aus wogenden Mähnen, dass Nevermore den Platz des heimlichen Headliners am Sonntag für sich beanspruchen können. (tb)

Nach Nevermore auf die Bühne zu müssen, ist kein leichtes Los. So kommt es, wie es kommen muss: Der Großteil der Fans tummelt sich an den Bierständen oder wo auch immer, und nur eine recht überschaubare Menge versammelt sich vor der Bühne. Die bekommt es dann aber amtlich besorgt. Auch wenn sich die Finnen mit ihren letzten beiden Alben vom klassischen Power Metal wegbewegt haben und längst komplexere Songstrukturen verwenden - live ist der Unterhaltungsfaktor nach wie vor hoch. Das liegt in allererster Linie am superben Frontmann Tony Kakko, der zwar oftmals zu redselig, aber dafür bei bester Laune und Stimme ist. Selbst eine kurzzeitige (gelungene) Jodeleinlage stört da nicht weiter. Musikalisch bietet die technisch erstklassige Band einen gelungenen Querschnitt durch ihr Repertoire, wobei der Trend zu komplexeren und anspruchsvollen Songs immer mehr durchschlägt. Auf jeden Fall sorgen ´Flag In The Ground´, ´Black Sheep´, ´Full Moon´ oder ´In Black And White´ für viele fröhliche Gesichter und ein ab Mitte des Sets wieder etwas volleres Amphitheater. Warum die Band aber bereits nach einer Stunde von der Bühne geht, obwohl ihr 75 Minuten Spielzeit zustehen, bleibt schleierhaft. (ft)

Seit Jahren hat sich die Idee mit dem Bühnenauftritt der Karaokesieger von der kleinen Bühne mit der perfekten Covertruppe ROKKEN bewährt. Nachdem die Pfälzer ihre Version von Airbournes ´Stand Up For Rock´n´Roll´ zum Besten geben, folgt mit ihrer Unterstützung der Siegerauftritt von Patrick. Sauprofessionell sorgt er für eine gelungene Version von Iron Maidens ´Aces High´ und dürfte bestimmt bald in einer Band unterkommen. Danach kommt Tanja, die aus gegebenem und bedauerlichem Anlass eine von nahezu allen Anwesenden mitgesungene Version von ´Holy Diver´ ins Amphitheater schmettert. Wer danach auf den angekündigten Ausdruckstanz von Kollege Albrecht wartet, bei dem auch die Hüllen fallen sollen, wird allerdings enttäuscht.

Zur Überbrückung der langen Umbaupause wird mit MAMBO KURT dann die bestmögliche Wahl getroffen. Seine Heimorgel-Versionen von ´Killing In The Name´, ´Jump´, ´Paradise City´, ´The Final Countdown´, ´South Of Heaven´, ´Engel´ sowie der abschließenden HipHop-Nummer ´Ice Ice Baby´ (!) sorgen für allerbeste Unterhaltung. Dabei kommt es zur längsten Polonaise, die Gelsenkirchen wohl je gesehen hat. Zudem lässt sich der promovierte Chirurg auf eine gewagte Stagedive-Einlage ein. Kurzweiliger kann eine Umbaupause nicht sein!

Mittlerweile herrscht Dunkelheit, und die Spannung erreicht ihren Höhepunkt. Einer der seltenen Auftritte von RAGE und dem LINGUA MORTIS ORCHESTRA steht an, und gleich beim Opener ´Turn The Page´ wird klar, dass es ein ganz außergewöhnlicher Auftritt wird. Das Orchester (31 Mitglieder), diesmal als Ruhrpott-Variante, harmoniert erstklassig und sorgt im Zusammenspiel mit dem Trio im Vordergrund für anhaltende Gänsehaut. Die Setlist ist eine andere als in Wacken 2007, und Nummern wie ´Empty Hollow´, ´From The Cradle To The Grave´, ´Suite Lingua Mortis´, ´Higher Than The Sky´ oder das Medley funktionieren einwandfrei und kommen durch die Atmosphäre im Amphitheater noch mal besser als beim letzten Orchesterauftritt rüber. Letztlich wird einmal mehr deutlich, was für tolle und innovative Musiker die Herren Wagner, Smolski und Hilgers sind. Kompliment auch an das Orchester und den Dirigenten, für die Stagediver im Publikum eine gänzlich neue Erfahrung sein dürften. Ganz großes Kino und der krönende Abschluss eines rundum gelungenen Festivals! (wk)

 

Randnotizen

Wer sich auf YouTube Livemitschnitte neueren Datums von EXHORDER angeschaut hatte, wird vom Erscheinungsbild ihres Gitarristen Jay Ceravolo überrascht gewesen sein, denn der Mann schaffte es innerhalb von anderthalb Jahren, sein Körpergewicht von 150 Kilo auf weniger als die Hälfe zu reduzieren. Sein Erfolgsrezept: »Etwas Sport, kein Alkohol, vegane Ernährung.« Auf seine obligatorischen Zigarren verzichtet Jay aber nach wie vor nicht. (fa)

Eine völlig neue Herausforderung war die Platzierung des 31-köpfigen RAGE-Orchesters auf der Bühne. Nebenstehende Skizze verdeutlicht, wie zugestellt die Bühne des Amphitheaters letztlich war. Trotzdem klappte alles wie am Schnürchen, und im Gegensatz zu gewissen anderen Orchester/Metal-Veranstaltungen war das akustische Ergebnis in Gelsenkirchen auch tatsächlich live! (gk)

Da sollte man mal eher vor seiner eigenen Haustüre bzw. Innenstadt kehren! Während das Ordnungsamt der Stadt Gelsenkirchen für das Festival hohe Auflagen macht, sieht es in der City des ewigen Vizemeisters aus wie auf einer Müllkippe. Wohl keine deutsche Innenstadt präsentiert sich dermaßen verdreckt... (wk)

Auch im VIP-Zelt wurde das Champions-League-Endspiel übertragen, und manch einer wunderte sich über eine kleine Gruppe Italiener, die jede gute Aktion von Inter Mailand mit Beschimpfungen und abfälligen Gesten begleitete. Des Rätsels Lösung: Es handelte sich um die Reisegruppe BULLDOZER, allesamt beinharte Fans des Lokalrivalen AC Mailand und somit auf der Seite der Münchener. Schon während ihres Auftritts hatten sie ihren Song ´The Derby´ mit Bayern-Sprechchören garniert. (fa)

Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen. Kollege Engelking vom „Heavy“ schlug den ihm angebotenen letzten Hoteltransfer am zweiten Festivalabend aus, um noch länger im Pressebereich an der Bar abhängen zu können. Am nächsten Morgen merkte er, dass ihm der hinterhältige Taxifahrer Falschgeld angedreht hatte. (wk)

Ein etwas ungewöhnliches Problem tauchte vor dem Auftritt von SABATON auf: Es ist allgemein bekannt, dass Tarnhosen ein unverzichtbarer Teil des Bühnenoutfits der Schweden sind. Nun hatte das Exemplar von Basser Pär den letzten Waschgang am Vortag nicht überlebt und es galt, rechtzeitig vor dem Gig eine neue Tarnhose in der richtigen Größe für den nicht gerade groß gewachsenen Mann zu finden. Zum Glück konnte das Problem wenige Minuten vor Showbeginn gelöst werden. (fa)

Die Firma Publitec hatte uns einen fetten Profibeamer für einen Spottpreis vermietet, damit das Champions-League-Finale auf dem Gelände übertragen werden konnte. Aljoscha, ein Mitarbeiter aus Gelsenkirchen, kam am Freitag zum Gelände, um uns (nach seinem Feierabend) bei der Installation zu helfen, was schon ein privater Service war. Vor Ort stellte sich dann heraus, dass noch ein spezieller Adapter fehlte, und deshalb wurde Christian (einer der Techniker von Publitec) eingeschaltet. Der wiederum hatte am Vortag Geburtstag, und an diesem Abend hatte seine Frau eine Überraschungsparty mit 30 Kumpels bei ihm im Garten organisiert. Nichtsdestotrotz kam er von Recklinghausen nach Gelsenkirchen, schloss den Beamer an und machte einen Probelauf, um dann verspätet endlich seine Party genießen zu können. Ohne den Einsatz von Aljoscha und Christian wäre die Übertragung ins Wasser gefallen. Danke! (mg)

Das ist echte Hingabe: Faster Frankie Albrecht suchte am Samstagmittag händeringend einen Freiwilligen, der an seiner Stelle während des EXHORDER-Gigs eine Band am Autogrammstunden-Stand betreuen konnte. Auf den gut gemeinten Hinweis, man könne Exhorder doch auch vom Stand aus prima sehen, entgegnete Frank mit ungläubig bis auf Untertassengröße geweiteten Augen: „Seid ihr wahnsinnig? Ich warte seit 19 Jahren auf diesen Tag, ich will JEDEN Ton in der ERSTEN Reihe abfeiern!“ Was er dann auch tatsächlich dezent headbangend machte... (mr)

Herr Himmelstein glänzte durch einen Blackout, der immerhin von der Nevermore-Show am Sonntagnachmittag bis zum Montagmorgen reichte. „Kann mir mal jemand sagen, wie ich ins Hotel gekommen bin?“ Ganz einfach: Du warst ab mittags voll wie ´ne Strandhaubitze, hast im VIP-Zelt Dutzende neue Freundschaften geschlossen, wie ein Weltmeister Luftgitarre gespielt, dich per Auto gen Hotelbar transportieren lassen, dort in einem Sessel gepennt wie ein Untoter und dich abschließend von diversen Kollegen (darunter ein ebenfalls schwerst schlagseitiger Herr Mühlmann) auf dein Zimmer tragen lassen. (jj)

Zur Live-Besetzung von BULLDOZER gehören mit Drummer Manu und Basser Simone zwei Leute der Band Death Mechanism. Kurzerhand reiste mit Gitarrist/Sänger Pozza auch noch das dritte Bandmitglied von Death Mechanism an und durfte dann während des Sets auf die Bühne springen und zusammen mit seinen beiden Bandkollegen einen Death-Mechanism-Song darbieten. Eine wirklich außergewöhnliche Geste. BULLDOZER-Bandkopf Alberto Contini dazu: »Sie sind eine wirklich talentierte, hart arbeitende Band. Und weil Simone und Manu auch ein wertvoller Teil von BULLDOZER geworden sind, wollte ich ihnen diese Chance geben.« (fa)

 

»Klein und familiär«

Eure Meinung zum Festival

Tobias - mit geschickt platzierter Sonnencreme zum Uruk-Hai aufgestiegen - und Mario sind froh über den im Gegensatz zum ersten Festival in Gelsenkirchen veränderten Zeltplatz: „Wenn die Viecher im Froschteich endlich still waren, sind morgens die Flugzeuge gestartet.“ Dafür leiden die selbsternannten Götz-Groupies 2010 nicht nur an satanischem Psychedelic Rock („Diese komischen The Devil´s Robot: Die Frau ging zum Aufladen ans Schlagzeug.“), ihnen wurde zudem ihr grüner Klappstuhl entwendet. „Das ist nicht lustig“, schütteln sich die Emsländer vor Lachen. „Die rechte Armlehne ist mit Panzerband geflickt.“ „Aktenzeichen XY“ wartet auf sachdienliche Hinweise.

Matthias hat das Festival seinem Kumpel Michael empfohlen. Auch hier regt sich Kritik am Freitags-Headliner und dessen größtem Fürsprecher. „Auf diesen Mann war seit 25 Jahren Verlass. Aber bei denen passte überhaupt nichts. Da sind Hundertschaften abgewandert.“ Dafür ist der thrashige Samstag genau nach dem Geschmack der Herren: „Bei Kreator geht es ab in den Pit.“ Bis dahin werden auch die im Übermut zu viel gegrillten Frühstücksgrillwürste verdrückt sein.

Die Rumänin Nastasia und ihr aus Zypern stammender Freund Marios sind das erste, aber definitiv nicht das letzte Mal auf dem Rock Hard Festival. Beide studieren in Leeds und sind von der Location ebenso begeistert wie von der Festival-Atmosphäre. „Ich bin vor allem wegen Bloodbath hier“, berichtet der angehende Gefängnispsychologe, der in seiner Heimat als Metal-DJ und Konzertveranstalter fungiert. Weil Rotting Christ nicht auf dem Billing stehen, wurde der Sakis-Doppelgänger von fehlgeleiteten Autogrammwünschen verschont.

Sachen gibt´s, die gibt´s gar nicht, ereifert sich Ahmet trotz Vorfreude auf Sacred Steel: „Dieses absolute Glasverbot - Schnaps umfüllen ist schon nervig, aber dass ich meine Tabasco-Flasche nicht mit reinbringen durfte...“ Wenn schon keine scharfe Brühe in den Körper kommt, dann doch zumindest daran: Während des Bulldozer-Sets ist ein Massenbad im Kanal geplant. Nicht jeder lässt nur Wasser und CD an seine Haut.

Lana war schon 2008 auf Rock-Hard-Festival-Flyern zu sehen. Ehrensache, dass sie nun zum vierten Mal dabei ist. „Mein Musikgeschmack hat sich die letzten Jahre verändert, und von der Atmosphäre her ist es einfach super: klein und familiär.“ Mit Raven und Kreator stehen zwei Bands mit Querverbindungen auf dem Tagesplan, und auch Accept werden begutachtet. „Ich finde es ziemlich kacke, zu sagen: Wir geben dem neuen Sänger keine Chance.“ Fair Play - das nächste Sommermärchen kann kommen. Was im Falle der teutonischen Helden glücklicherweise Realität wurde.

Jens hat Antje erstmalig zum Mitkommen aufs Rock Hard Festival überreden können, obwohl sie überhaupt keinen Metal hört. „Sabaton haben mir gefallen, aber Bloodbath hinterher gingen gar nicht“, lacht die Dame, in deren Ohren auch Evile nur ein Kratzen waren. „Aber ich hab trotzdem Spaß hier - sonst wäre ich gar nicht mitgefahren.“ Die Stimmung ist demnach ausgezeichnet „Zelten neben der Halde, direkt am Kanal - Ruhrgebiet pur.“

Daniel und Marius lassen sich selbst von der Salsa-Dauerbeschallung ihrer Zeltplatznachbarn die gute Laune bei ihrem Debüt in Gelsenkirchen nicht vermiesen. „Orden Ogan fand ich eben super, und gestern waren einige Überraschungen dabei. The Devil´s Blood sind eine viel gepushte Band, bei der ich dachte „na ja“, aber live gingen die ganz gut ab. Ich hatte natürlich auch einen Pegel...“ Gerade Faridas Leistung, eine gefühlte halbe Stunde gebückt vor dem Schlagzeug zu verharren, nötigt den beiden 20-Jährigen Respekt ab. Ehre, wem Ehre gebührt.

Peter und seine Familie aus der Wizard-Stadt Bocholt sind schon richtige Festival-Veteranen, die jedes Jahr denselben Parkplatz in Beschlag nehmen - auch wenn mal ein Hexenschuss oder Kaiserschnitt dazwischenkommt. „Bands sind uns fast egal - wir sind wegen der Party-Atmosphäre hier.“ Und das aus dem Mund von Fans, die vor zwei Jahren bei Volbeat kollektiv mit ihren Kumpels vor der Bühne geheult haben. Bleibt zu hoffen, dass der gemeinsame Nachwuchs im Gegensatz zu ihrem Sohn aus einer früheren Beziehung nicht wieder ins HipHop-Lager abdriftet. (btj)

 

 

Beim RHF 2010 schufteten für euch rund um die Uhr und freuten sich dabei ein Loch in den Bauch: Götz Kühnemund (gk), Jenny Rönnebeck (jr), Frank Albrecht (fa), Andreas Himmelstein (ah), Thomas Kupfer (tk), Boris Kaiser (bk), Michael Rensen (mr), Ronny Bittner (rb), Holger Stratmann, Conny Schiffbauer (cs), Wolf-Rüdiger Mühlmann (wrm), Jan Jaedike (jj), Björn Thorsten Jaschinski (btj), Wolfram Küper (wk), Manni Glamowski (mg), Stefan Geide, Robert Fust, Uwe Heine, Sascha Nieroba, Stefan Büchner, Marion Schulz, Dani Lipka, Benjamin Kurczyk, Claudia Kakolewski, Katharina Pfeifle, Lisa Stegner (ls), Andreas Stappert (as), Patrick Schmidt (ps), Tobias Blum (tb), Marcus Schleutermann (ms), Buffo (buf), Frank Trojan (ft), Dorian Gorr (dg), Mike Borrink, Marianne Frenschkowski, Svenja Kleinhaus, Astrid Westerhoff, Bea Mussgnug, Norma Schreiber, Jonathan Augustin, Sabine Kroner, Laura Niebling, Jens Peters, Axel Jusseit (Pics), Friso Gentsch (Pics), Tobias Böhm, Kai Piekny, Christian Sackowitz, René Tempel, Karolina Weglarz, Leslie Lukowski, Jürgen Weger, Tobi Patge, Wladimir Schmidt, Steffen Ademmer, Rainer Wigge, Jan Vedder, Christian und Katja Heitz, Aljoscha und Christian (Publitec), Holger, Andreas, Bettina und Ede von der Amphi-Crew, der ganze Continental-Concerts-Clan, Suzi und ihre Super-Secus sowie alle unsere Freunde, Mitarbeiter und Praktikanten. Riesigen Dank an euch alle!

Pics by Jonathan Augustin