History2007

Geschafft!

Das fünfte ROCK HARD FESTIVAL im Gelsenkirchener Amphitheater stand wettertechnisch unter keinem guten Stern. Während wir am Freitag großes Glück hatten, stand Samstagnacht während des Headliners ein Festivalabbruch (der sich gerade noch abwenden ließ) ins Haus, und am Sonntag wechselte die Situation ständig. Trotzdem feierten wir uns mit 6.000 BesucherInnen dumm und dämlich.

Dass das Bandbilling nicht ganz dem Niveau der Vorjahre entsprach, geben wir gerne zu. Selten war es so verdammt schwer wie diesmal, unsere Wunsch-Bands zu verpflichten, was nicht immer nur am Geld lag. Manche Acts waren bereits exklusiv woanders gebucht, andere während des Festivals im Studio - oder sie tourten gerade auf der falschen Seite der Erdkugel. In dieser Hinsicht - das steht schon jetzt fest - KANN es nächstes Jahr nur besser werden!
Dass ihr uns trotzdem treu geblieben seid und das Gelsenkirchener Amphitheater bestens gefüllt habt, wissen wir zu schätzen - ebenso wie eure Geduld bei einigen kleineren Pannen (beispielsweise am Freitag an den Bierständen) und eure Ausdauer während des Samstagnacht-Unwetters. Danke dafür!
Weniger erfreulich ist die Tatsache, dass während der ersten beiden Festivalnächte einige Zelte auf dem Campingplatz ausgeraubt wurden. Da Ähnliches auch bei anderen Festivals passiert ist, muss hier generell von allen Seiten besser vorgesorgt werden. Sprich: Im nächsten Jahr werden wir verstärkt Security auf dem Campingplatz postieren.
Ausdrücklich bedanken möchte ich mich bei allen Kolleginnen und Kollegen, Freunden und Kumpels, die wie immer vollkommen selbstlos mitgeholfen haben, wo es nur ging, und das fünfte RHF im Amphitheater zu einem tollen Erlebnis gemacht haben. Ihr seid die Allerbesten! (gk)

 

Freitag

Zum Festivalauftakt am Freitagnachmittag, der sich vor allem durch seine Bierdurst hervorrufende Schwüle auszeichnet, kann man sich kaum einen unterhaltsameren Opener vorstellen. BULLET entern pünktlich um Viertel vor vier die Bretter im Amphitheater und geben von Anfang an volles Pfund. Mit ihren schrägen Asi-Poser-Outfits bzw. -Frisuren und ´nem verrotzten Stilmix aus AC/DC und Accept im Gepäck erobern die fünf Schweden im Nu das Gehör der feierwilligen Festivalmeute, die bereits den Weg aufs Gelände gefunden hat. Stimmungskracher wie ´Heading For The Top´, ´Bang Your Head´ oder das elektrisierende ´Leather Love´ laden zum Mattenschwingen und Mitgrölen ein, und so gibt´s verdientermaßen kräftigen Applaus und sogar amtliche „Hey! Hey! Hey!“-Sprechchöre zwischendurch.

Mit den Landsmänninnen von CRUCIFIED BARBARA, die im letzten Jahr leider viele aufgrund des verspäteten Einlasses verpasst haben, geht´s um kurz vor fünf in eine weitere Runde Mähneschütteln. Die Songs vom Debüt „In Distortion We Trust“ kommen zwar nach wie vor gut an, dennoch hat sich nach dem Nonstop-Touren im letzten Jahr mittlerweile ein Ticken Routine eingeschlichen. Vielleicht sind die Ladys aber auch schon in Gedanken beim nächsten Album, das noch in diesem Jahr eingetütet werden soll. Vorher gibt´s aber mit ´Play Me Hard´, ´Losing The Game´ und ´Bad Hangover´ noch mal ausschließlich altbekannte Highlights aufs Ohr. Zum krönenden Abschluss schmettern die vier Barbaras zusammen mit ihren Kollegen von Bullet Motörheads ´Killed By Death´ und sorgen damit auch für die eine oder andere Party-Attacke auf den hinteren Rängen. (ls)

Franks nachfolgende Ansage, dass die für Sonntagmittag geplanten Naglfar wegen eines Airline-Streiks ihren Auftritt absagen müssen, führt zu einigen Buhrufen, woraufhin Herr Albrecht auf der Bühne wenig arbeitnehmerfreundlich gleich noch die Abschaffung des Streikrechts fordert. (Nö! Ich hab den Leuten nur gesagt, dass sie sich bei SAS beschweren können - oder bei demjenigen, der in Schweden das Streikrecht eingeführt hat... - fa) Dass Dew-Scented als Ersatz am Start sein werden, wird jedoch dermaßen frenetisch bejubelt, dass die Stimmung weiterhin bestens bleibt. Gut für CATARACT. Denn die Schweizer haben immer noch das undankbare und mittlerweile reichlich unpassende Metalcore-Schwert über sich hängen und müssen sich im Gegensatz zu genannten Dew-Scented trotz deutlicher stilistischer Überschneidungen gleich doppelt anstrengen, um traditionellere Fans auf ihre Seite zu bekommen. Doch musikalisch lässt der Haufen eh nix anbrennen. Die Mischung aus Thrash-Beat-Massaker und Midtempo-Dampfgeramme ist ganz, ganz groß und ein gnadenloser Schlag in die kajalverschmierte Visage des ganzen Metalcore-Bubizeux, wird jedoch optisch zu zaghaft umgesetzt. Besonders die beiden langmattigen Neuzugänge an Bass und zweiter Gitarre wirken schüchterner, als sie es bei dermaßen brillantem Songmaterial nötig hätten. (jj)

Nach ihrem Auftritt 2005 haben die Metalcoreler HEAVEN SHALL BURN in diesem Jahr erneut die Gelegenheit, für kollektive Nackenschmerzen zu sorgen. Und diese Chance lässt sich die Thüringer Formation nicht entgehen. Schon die Energie des Openers ´Voice Of The Voiceless´ entfacht einen derart ausgelassenen Pit, dass sich Fronter Marcus Bischoff direkt im Anschluss zu den Klängen von ´Counterweight´ dazu genötigt fühlt, ein Bad in der Menge zu nehmen. „Good friendly violent fun“, wohin das Auge blickt - selbst auf den Rängen lassen Kracher wie ´Mybestfriends.com´, ´Of No Avail´, ´Behind A Wall Of Silence´ oder ´The Weapon They Fear´ kaum ein Bein stillstehen. Die unbarmherzigen Riffgewitter der sympathischen Jungs bringen die Meute dermaßen ins Schwitzen, dass nicht nur Hawaiihemden auf die Bühne fliegen, sondern auch die ersten Kanalschwimmer zur Abkühlung ins Wasser springen. Leidenschaft, Spielfreude sowie Songs, die kompromisslos brutal auf die Zwölf geben - dafür sind Heaven Shall Burn bekannt, und diese Erwartungen werden heute einwandfrei erfüllt. (kp)

Ist es Superman? Nein! Ist es Onkel Reaper? Nein! Ist es ein Teletubby? Nein - jedenfalls NOCH nicht! Es ist unser unverwechselbarer Bruder Cle, der in bester Club-Med-Frühsport-Tradition alle anwesenden Metaller zunächst zu einer „Heavy Metal Breakdown“-Kollektiv-Kniebeuge animiert. GRAVE DIGGER fahren dann den wohl erdigsten Sound des gesamten Freitags - und das trotz einer Band wie Bullet und der eigenen Keyboards (die im Gesamtsound allerdings nicht wirklich im Vordergrund stehen). Vergessen ist das tiefer gestimmte, breiige High-Gain-Spektakel der beiden Vorgänger - es ist vor allem Manni Schmidts Solo-Gitarrenpower, von der Klassiker wie ´Scotland United´, ´The Dark Of The Sun´, ´Rebellion´ oder ´Headbanging Man´ leben. Zwischendurch darf sich ein Fan sogar noch über die alte Lederjacke von Manni Schmidt freuen, die er beim Metal-Bingo gewonnen hat. Im nächsten Jahr in der Verlosung: Paul DiAnnos alte Tennissocken (getragen während der „Soundhouse“-Sessions) und Mike Terranas Turnhose. Der Gig endet, wie er begonnen hat: mit dem unverwüstlichen ´Heavy Metal Breakdown´. Runde Sache! (mbo)

Klar, dass sich True-Metal-Feind und Kollege Mühlmann im Pressezelt volllaufen lässt, während HAMMERFALL den ersten Abend headlinen. Gefallen hätte es ihm aber sowieso nicht, obwohl die Schweden ihre Aufgabe souverän meistern und zehn Jahre nach der Veröffentlichung ihres Debüts auf ihrem bisherigen Zenit angekommen sind. Optisch bietet die Truppe einen gigantischen Drumriser, diverse Pyroeffekte und die weltrekordverdächtige Anzahl von zehn Bassdrums (mit Bandschriftzug), hinter denen Drummer Anders Johansson an seinem Geburtstag thront. Los geht´s mit dem Titelsong des aktuellen Albums, und sofort zeigt sich, dass die Rückkehr von Basser Fredrik Larsson - es ist sein erster Gig mit seinen alten Weggefährten seit Ewigkeiten - problemlos verläuft. Es sieht fast so aus, als hätte er die Band nie verlassen. Man muss die Truppe zwar nicht mögen, aber zumindest gilt es, ihre Entwicklung und diesen souveränen Auftritt zu respektieren. Herr Mühlmann hätte wenigstens ein paar Minuten reinschauen können, dann hätte er bei ´Rebel Inside´ auch die Widmung an ihn mitbekommen... (wk)

 

Samstag

Wer hätte allen Ernstes damit gerechnet, dass bei METAL INQUISITOR um kurz nach zwölf Uhr mittags schon soooo viele Leute Gewehr bei Fuß stehen? Und das bei eher durchwachsenen Wetterprognosen! Die Jungs um den sympathischen Sänger El Rojo quittieren es mit einem unglaublich energiegeladenen Set, bei dem sie wie gewohnt ihr gesamtes Arsenal der besten NWOBHM-Riffs abfeuern und einen guten Querschnitt aus den beiden erschienenen Alben spielen. Metal Inquisitor sind eine Band, der man zu jeder Sekunde anmerkt, dass sie direkt aus den Reihen der Fans geboren wurde, und deshalb kommt sie unglaublich authentisch rüber. So verwundert es nicht, dass die Combo nach 45 Minuten auf jede Menge neue Fans blicken kann und auch bei der Autogrammstunde kräftig schwitzen muss. (bc)

Endlich mal ein echtes Massaker! MAROON - meiner bescheidenen Meinung nach die mit Abstand beste Metalcore-Band der Welt - stürmen mit einer Vehemenz über das Amphitheater hinweg, die bis dato keine weitere Band des Festivals erreichte. Die Riffs reißen Wunden, die Grooves lassen Beine weich werden, und Songs wie ´And If I Lose, Welcome Annihilation´ lassen Nackenwirbel knicken. Natürlich ist es Frontbrüller Andre, der alle Blicke auf sich zieht, denn sowohl seine agile Bühnenpräsenz als auch seine teils humorvollen Ansagen („Ihr kennt vielleicht bereits meine Fresse, weil ich vor ein oder zwei Jahren als Sänger von Heaven Shall Burn hier war. Wie hat euch die Band gefallen? Geht so, oder?“) schreien nach Aufmerksamkeit und Applaus. 40 Minuten pure Energie - danach weiß der Fan, dass er soeben gnadenlos verdroschen wurde. So muss es sein! (wrm)

TURISAS eröffnen den Doppelpack ungestümer finnischer Metal-Folklore und dürften fürs Schminken wohl ebenso lange gebraucht haben, wie der gesamte Auftritt dauert. Während des Gigs unterstreicht der verrückte Haufen, dass man nicht zuletzt wegen des abgefahrenen Outfits, der ungewöhnlichen Instrumentierung und der Unkonventionalität (wer kommt schon auf die Idee, ´Rasputin´ von Boney M. zu covern?) zu den erfrischendsten Newcomern der letzten Jahre zählt. Leider ist das neue Album zum Zeitpunkt des Festivals noch nicht veröffentlicht. Mit gleich drei neuen Nummern gibt das Sextett einen leckeren Vorgeschmack auf „The Varangian Way“, und spätestens bei der abgefeierten Schlussnummer ´Battle Metal´ wird klar, dass die Truppe jede Bühne in ein tobendes Schlachtfeld verwandeln kann und noch eine ganz große Karriere vor sich hat. Gelsenkirchen jedenfalls wird im Sturm erobert, und viele Bühnen dürften diesen Sommer noch folgen! (wk)

Wer sich bei Turisas bereits warm getanzt hat, kann beim Auftritt der Landsmänner KORPIKLAANI gleich weiterhopsen und dabei geschwindigkeitstechnisch noch einen Zahn zulegen. Ungeschminkt, vergleichsweise dezent gekleidet, ebenfalls mit Akkordeonspieler im Line-up und mit dem obligatorischen Rentiergeweih am Mikroständer entfachen Jonne, Hittavainen & Co. ein wahres Feuerwerk der guten Laune. Dem urigen Charme von super-eingängigen Humppa/Folk-Metal-Hymnen wie ´Journey Man´, ´Cottages & Saunas´, ´Hunting Song´, ´Beer Beer´ und natürlich dem Überhit ´Happy Little Boozer´ kann sich an diesem Nachmittag jedenfalls kaum jemand im weiten Rund vor der Bühne entziehen. Als die Band spaßeshalber die doomigen Eröffnungstakte der Metal-Urhymne ´Black Sabbath´ anspielt, gibt es zwar ein paar verdutzte Gesichter im Publikum; ansonsten ist aber sowohl bei den vorwiegend jüngeren Fans direkt vor der Bühne als auch bei den Musikern selbst permanentes Dauergrinsen angesagt. Mit dem akustischen Saufgelage ´Let´s Drink´ und ´Karhunkaatolaulu´ gibt es zudem zwei brandneue Songs vom an diesem Pfingstwochenende noch nicht veröffentlichten neuen Album zu hören, die sich wunderbar ins fröhliche Gesamtbild einfügen. (as)

Einige Fans, die ROSS THE BOSS schon von den „Keep It True“-Festivals her kennen, wissen bereits ansatzweise, was sie erwartet, als der alte Haudegen die Bühne betritt. Für viele jedoch ist die nächste Stunde eine richtige Überraschung, denn im Gegensatz zur aktuellen Manowar-Tour kommen bei Ross Songs zum Zuge, die die Originalband selten oder noch nie im Set hatte. So freut sich das mittlerweile sehr gut gefüllte Amphitheater über unsterbliche Perlen wie ´Gates Of Valhalla´, ´Defender´, ´Fast Taker´ oder ´Gloves Of Metal´. Natürlich dürfen auch Hymnen wie ´Fighting The World´ oder ´Hail And Kill´ nicht fehlen, die allesamt von Sänger Patrick Fuchs stimmlich und showtechnisch souverän umgesetzt werden. Dieser junge Mann gehört mittlerweile sicher zu den Besten seines Fachs in Deutschland. Hinzu kommen noch der einzigartige Gitarrensound von Ross himself und ein neuer Song, der wirklich aufhorchen lässt. Die Menge tobt, das Wetter hält, und Ross The Boss und seine Mannen strahlen wie Honigkuchenpferde, als sie unter kräftigem Applaus die Bühne verlassen. (bc)

Kollege Albrecht formuliert es treffend in seiner Ansage: „Irgendwas fehlt noch auf dem Festival!“ Richtig, eine lupenreine Death-Metal-Band, die alles in Grund und Boden donnert. Nachdem zunächst Kataklysm für diese Aufgabe vorgesehen waren, allerdings aufgrund lukrativerer Touraktivitäten in Nordamerika absagen mussten, liegt es nun an VADER, das Amphitheater auseinander zu nehmen. Routinierter als die Polen ist momentan kaum eine Todesblei-Kapelle, und so setzt es einen an Perfektion schwer zu überbietenden Auftritt, der noch Tage später Nackenbeschwerden nach sich ziehen dürfte. Das Quartett kann mittlerweile aus einem reichhaltigen Hit-Fundus schöpfen und setzt mit ´Wings´, ´Helleluyah!!! (God Is Dead)´, ´Silent Empire´ und dem finalen, brachial runtergerotzten Slayer-Cover ´Raining Blood´ die markantesten Höhepunkte. Streiten kann man sich über den Sound, denn die Drums sind auch heute wieder viel zu dominant abgemischt. Aber dafür sind Vader ja bekannt. Klasse Vorstellung! 
Wenn man ARMORED SAINT für ein Festival bucht, kann man sich als Veranstalter sicher sein, eine stets hochmotivierte, agile und mitreißende Band zu bekommen. Auch heute lässt der Fünfer aus Los Angeles nichts anbrennen und liefert eine furiose, energiegeladene Show, die im Prinzip nur Hits bietet. Wer mit dem „March Of The Saint“-Klassiker ´Can U Deliver´ startet, hat im Prinzip schon gewonnen und sofort das gesamte Amphitheater auf seiner Seite. John Bush sieht mit seinem neuen Vollbart zwar aus wie ein Aldi-Tüten-Penner, doch der Mann hat einfach die wahrscheinlich beste Metal-Röhre dieses verdammten Planeten - und eine Band im Rücken, die musikalisch über jeden Zweifel erhaben ist. ´Last Train Home´, ´Symbol Of Salvation´ und ´March Of The Saint´ sind weitere Höhepunkte eines fantastischen Sets und werden von den Fans voller Inbrunst mitgegrölt. Supergeiler Auftritt, Männer - und mit Sicherheit einer der Höhepunkte des gesamten Festivals! Einziges Manko: Armored Saint spielen nicht meinen Lieblingssong ´Book Of Blood´. Man kann halt nicht alles haben... (ps)

Nachdem uns der olle Zausel Petrus lange Zeit einigermaßen gewogen war, beginnt es während des Auftritts der Bay-Area-Edel-Thrasher DEATH ANGEL dann leider doch noch, wie aus Kübeln zu schütten. Dabei haben die fünf Cousins noch Glück im Unglück, denn anders als Threshold vor vier Jahren müssen die Jungs ihr Konzert gottlob nicht abbrechen. Aber auch ansonsten nehmen es Frontmann Mark Osegueda, der mit seinen sympathischen Ansagen mal wieder mehr Punkte sammelt als der Abonnement-Vizemeister aus der Nachbarschaft, und Konsorten mit Humor und legen so ganz nebenbei noch einen fantastischen Gig auf die Bretter. Wobei auffällt, dass die alten Klassiker aus den Jahren ´87 bis ´90 - ´Voracious Souls´, ´Mistress Of Pain´, ´3rd Floor´, ´Disturbing The Peace´ oder ´Bored´ (´Wet´ hätte angesichts der sintflutartigen Wassermengen besser gepasst!) - noch einen ganzen Tacken besser ankommen als Songs des beileibe nicht schwachen Comebacks „The Art Of Dying“ von 2004. Trotzdem ist das Gros der bis auf die Knochen durchnässten Fans vor der Bühne froh, als nach 75 intensiven Minuten der imaginäre Vorhang fällt. Seinen Fahrtenschwimmer kann man schließlich auch im nächstbesten Freibad machen. (buf)

Eine Band wie AMON AMARTH lässt ihre treuen Fans nicht im Stich. Trotz des Streiks der schwedischen Fluggesellschaft SAS schafften es die Wikinger mit viel Engagement, rechtzeitig auf eine andere Airline umzusatteln und den Gig in Gelsenkirchen zu retten. Hammer! Kurz bevor sie mit ´Valhall Awaits Me´ loslegen, bekommt das Publikum eine Minishow der mittlerweile fast obligatorisch gewordenen Jomswikinger geboten. Neben dieser kurzen Einführung thront das Schlagzeug - eingerahmt von Wikingerschilden - wie ein Schiff unter dem neuen Backdrop der Band. Was für ein geiler Anblick! Trotz des einsetzenden Regens verharrt eine Armada von Fans der Nordmänner vor der Bühne und erlebt einen der fettesten Gigs, die Amon Amarth bisher auf einer Open-Air-Bühne gespielt haben. Im Gegensatz zu den verpatzten Open-Air-Auftritten auf dem Party.San oder in Wacken schießen Amon Amarth heute mit bärenstarker Lautstärke auf ihre wohlwollende Fanschar. Die Band präsentiert sich absolut tight und ist in jeder Hinsicht voll bei der Sache. Keine Frage: Amon Amarth gehören aktuell zu den ganz großen Bands der Death-Metal-Szene und zocken selbstsicherer denn je ihren formidablen Set herunter. Eine Combo, die Songs der Marke ´Bleed For Ancient Gods´, ´Asator´ oder ´Masters Of War´ im Repertoire hat, kann eigentlich nur gewinnen. Zum Ende des regulären Sets gibt es tonnenweise Feuerwerk, das zwar geil aussieht, aber Drummer Fredrik fast die Haare vom Kopf brennt. Als scheinbar die letzten Trinkhörner auf der Bühne geleert werden, knallen Amon Amarth als Zugaben noch ´Victorious March´ und ´Pursuit Of Vikings´ in die Massen. Ein unvergesslicher Auftritt einer der großartigsten Bands unserer Zeit! (jb)

 

Sonntag

SABATON haben als erste Band des Sonntags die undankbare Aufgabe, die verkaterten Festivalbesucher bei Nieselregen wach zu rütteln. Technisch ausgesprochen souverän und mit sichtbarer Spielfreude feuern die sechs putzmunteren Musiker Hits wie ´Panzer Battalion´, ´Primo Victoria´ oder ´Back In Control´ in die dürstende Meute, die begeistert ihre Fäuste im Takt reckt und zwischen den Songs lautstark nach mehr Bier verlangt. Auf die weitgehend noch unbekannten Songs des brandneuen Albums „Metalizer“ verzichten die Schweden sinnvollerweise. Sänger Joakim Brodén zieht mit seiner charismatischen Erscheinung die Blicke auf sich und hat mit seinen Ansagen die Lacher auf seiner Seite - so behauptet er beispielsweise mit einem schelmischen Schmunzeln, dass ´Rise Of Evil´ nicht etwa von Adolf Hitler, sondern von seinem Schwanz handele. Die selbstgestellte Mission „Headbang the hangover away!“ erfüllt die bislang sträflich unterbewertete Band mit Bravour!

Glam-Rocker sind bei unserem Festival in der Minderheit, und so verwundert es nicht, dass HARDCORE SUPERSTAR zunächst vor relativ wenig Publikum loslegen. Die zwischen Faster Pussycat, Guns N´Roses und den Backyard Babies angesiedelte Band lässt sich davon jedoch nicht beeindrucken und spielt dermaßen furios und hart auf, dass sie sich schnell auch den Respekt der weiter entfernt stehenden Metaller erarbeitet, wodurch sich der Platz vor der Bühne zunehmend füllt. Neben den Hits ihres selbstbetitelten Drittwerks (u.a. ´Bag On Your Head´, ´Wild Boys´, ´We Don´t Celebrate Sundays´) stellt der stylish gekleidete Vierer mit ´Bastard´ und ´Medicate Me´ auch zwei starke neue Songs vor. Insbesondere der unglaublich agile Sänger Jocke Berg verdient sich Kilometergeld und lässt einen dekadenten Fettsack wie Vince Neil noch älter aussehen, als der ohnehin schon ist. Zum Lohn wird die Band von lange anhaltenden Zugaberufen zurückgeholt und legt ´Kick Up The Upperclass´ nach. Respekt! (ms)

DEW-SCENTED hobeln sich durch ihre Thrash-Gourmetkost, während Naglfar viehisch abkotzen, dass ihre Airline mal eben keinen Bock hat, ein bisschen zu fliegen. Pech für die Dark/Black-Metal-Community, aber Glück für die Mehrheit der Festivalbesucher. Leffe und seine Boys pflügen mal schön das Slayer-Feld um, sorgen für einen ordentlichen Moshpit, aber schaffen es nicht, dass der Rezensent sportlich mitmosht. Liegt aber nicht am Sound, sondern an meinem unverschämt unprofessionellen Alkoholpegel. Aber soweit ich das trüben Blickes (meine Brille nebst Jacke und Sweatshirt wurden mir am Vorabend geklaut) einschätzen kann, kommt man auch ohne meine olympiaverdächtige Unterstützung aus. (wrm)

Nein, der Wettergott hat heute definitiv keinen Sinn für düstere, atmosphärische Black-Metal-Gigs. Da kann Fronter Masse „Emperor Magus Caligula“ Broberg noch so oft ins Mikro rülpsen - die Wolkendecke reißt unbarmherzig just in dem Moment auf, in dem DARK FUNERAL die Festivalbühne entern. Und somit gerät die Performance der Corpsepaint-affinen Truppe zu einem Paradebeispiel dafür, dass schwarzmetallische Boshaftigkeit am frühen Nachmittag schlichtweg in Luft verpufft. Obwohl Magus Caligula durchaus versucht, die Stimmung mit ein paar Ansagen aufzulockern, mag der Funke von dem ansonsten recht statisch agierenden Knüppelkommando nicht so recht überspringen. Lediglich ein relativ überschaubares Grüppchen bewegt seine Kiste vor die Bühne und feiert zusammen mit den Schweden ´The Arrival Of Satan´s Empire´, reckt zu ´666 Voices Inside´ seine Teufelshörner in die Luft und schüttelt die Mähnen zu Klassikern wie ´Vobiscum Satanas´ oder ´My Dark Desires´. (kp)

Sonntagnachmittag, 17 Uhr? Teatime - was sonst! Dementsprechend haben sich auch reichlich Kutten- und Mattenträger mit becherweise erfrischend kühlem Hopfenblütentee vor der Bühne versammelt, um ihrer lieb gewonnenen Tradition aufs Ausgiebigste zu frönen. Den passenden Soundtrack zum Trinkritual liefern die seit 25 Jahren Tanztee-erprobten TANKARD. Und im Gegensatz zu den bei Tageslicht und Sonnenschein leicht deplatziert wirkenden Dark Funeral bringt das Frankfurter Schluckspecht-Kommando umgehend das Stimmungsbarometer im Amphitheater zum Steigen. Was gleichermaßen am tight heruntergeklopften Best-of-Set - eine gute Mischung aus vielen älteren Thrash-Perlen wie ´Zombie Attack´, ´Beermuda´, ´Chemical Invasion´ oder ´(Empty) Tankard´ und aktuelleren Krachern der Marke ´Slipping From Reality´ oder ´The Beauty And The Beast´ - und der wie immer sehr extrovertierten Performance von Sänger Gerre liegen dürfte. Der burschikose Frontmann wuchtet seine nach eigener Einschätzung „125 Kilogramm geballte Erotik“ äußerst flink über die Bühnenbretter, entblößt dabei immer wieder seine eindrucksvolle Plauze und hat mächtig viel Spaß in den Backen. Geiler Auftritt! (as)

Schlimmer könnte der Kontrast zum tollen Gig von Ross The Boss am Vortag nicht sein. Der olle Paule erklimmt (im wahrsten Sinne des Wortes!) die Bühne und macht einen völlig verstrahlten und streckenweise auch sehr lustlosen Eindruck. Das unverständliche Geplapper zwischen den Songs und das ungelenke Stageacting kann man ihm ja noch verzeihen, aber dass er seine eigenen unsterblichen Songs mit Gegröle und Gegrunze „verziert“ - nö, Paul, bei aller Liebe! Und so verkommt der Gig von PAUL DIANNO, der ein echtes Highlight hätte werden können, zur Farce. Da macht Götz bei seinem Gastauftritt eine deutlich bessere Figur, und auch der Coverband (den Jungs von Re-Vision) kann man keinen Vorwurf machen, denn musikalisch ist das durchaus in Ordnung. Viele Fans hingegen, die sich sehr auf diesen Auftritt gefreut hatten, bleiben völlig enttäuscht zurück, und man kann nur hoffen, dass Paul noch mal die Kurve kriegt. Wäre schade, wenn er sich mit solchen Gigs sein eigenes musikalisches Grab schaufeln würde. (bc).
(Ich muss zu Pauls Ehrenrettung sagen, dass ich ihn - wie viele andere Fans auch - heute großartig finde! Er ist weder verstrahlt noch lustlos (nach der Show kommen ihm vor Rührung sogar die Tränen), und dass er „hüftsteif“ wirkt, liegt an einem lahmen Bein, das er seit Jahren hinter sich herzieht... Die Geschmäcker sind verschieden, aber Fakt ist, dass das Amphitheater während DiAnnos Gig bestens gefüllt und die Resonanz der Fans fast so laut wie bei Ross The Boss ist! - gk)

SPOCK´S BEARD sind die Exoten des Festivals. Und das gleich in mehrfacher Hinsicht. Keine andere Band versammelt um diese Uhrzeit so wenige Fans vor der Bühne. Keine andere Band bekommt schon VOR dem Gig den Stinkefinger gezeigt. (Bodenlose Frechheit übrigens, ihr ach so tollen Kerle in den ersten Reihen! Sollte der gemeine Metaller am Ende doch gar nicht so tolerant sein, wie er immer vorgibt?) Kleines Trostpflaster (für alle nicht anwesenden Bärte-Fans): Keine andere Band steckt mit ihrer musikalischen Klasse (u.a. ´On A Perfect Day´, ´In The Mouth Of Madness´, ´Thoughts Pt. 2´, ´The Water´ und ´Go The Way You Go´) den Rest des Festivals so dermaßen in die Tasche. Spielfreude pur, teilweise fünfstimmiger Gesang, zwei Drumkits - all das reicht aber nicht aus, um die Prog-Vorurteile aus den Köpfen zu blasen. Das schafft zum Abschluss erst das famose Zeppelin-Cover ´Whole Lotta Love´ (mit Tour-Drummer Jimmy Keegan als grandiosem Robert-Plant-Verschnitt). Manche Leute brauchen halt immer noch die (billige) Holzhammer-Methode!

AXEL RUDI PELL hat auch live nur drei Songs (sagen die Kritiker): den schnellen, den langsamen und die Ballade. Doch was soll´s? Denn Pell und seine Band (wie immer mit Flugzeugfan und Ausnahmesänger Johnny Gioeli, Keyboarder Ferdy Doernberg, Bassberg Volker Krawczak und Drumtier Mike Terrana) sind nach einem „Aufwärmgig“ am Vortag in Holland prima eingespielt und haben bei ihrem Heimspiel (Pells Stammstudio liegt in unmittelbarer Nachbarschaft zum Amphitheater) eine saubere Best-of-Setlist im Gepäck. ´Fly To The Moon´, ´Strong As A Rock´, ´Mystica´, ´Call Her Princess´, ´Fool Fool´, ´Tear Down The Walls´, ´Rock The Nation´, ´Temple Of The King´ - allesamt klasse Songs. ´Casbah´ und ´The Masquerade Ball´ werden (wie schon so oft) in einem Medley zusammengefasst, und auch dass heute wieder mal umfangreiche Soloeinlagen (Doernberg, Terrana und Pell) geboten werden, überrascht nicht wirklich. Ein guter Gig, der zwar unter einigen Soundproblemen zu leiden hat, demnächst aber vermutlich trotzdem seinen Weg in die DVD-Regale der Republik finden wird. (mbo)

Geschichte wiederholt sich oftmals: Waren es letztes Jahr Whitesnake, die beim Bang Your Head wegen ihrer verspäteten Anfangszeit und kurzen Spieldauer für Unmut sorgten, übernehmen THIN LIZZY diesmal diese Rolle. Allerdings geht die Verzögerung auf einen überforderten Gitarrenroadie zurück - der Konzertbeginn verschiebt sich um über eine halbe Stunde. Wegen des Curfews um ein Uhr kommt man so statt der vorgesehenen 90 Minuten auf nicht mal eine Stunde Spielzeit bzw. nur elf Nummern. Super-ärgerlich, denn John Sykes und Scott Gorham haben das Line-up durch Marco Mendoza und Tommy Aldridge (wie immer mit genialem Drumsolo) um zwei hochkarätige Veteranen ergänzt. Zusammen laden die Altstars zu einer melancholischen Zeitreise ein und schaffen es, den Spirit der irischen Legende im besten Sinne aufleben zu lassen. Im Mittelpunkt steht dabei eindeutig John Sykes, dessen Gesang dem von Phil Lynott recht ähnelt und der mittlerweile der treibende Motor der Band ist. Schade aber, dass wegen des unprofessionellen technischen Umfelds der Truppe der Auftritt einen so unschönen Beigeschmack erhält und Klassiker wie ´Emerald´, ´The Rocker´, ´The Holy War´ oder ´Thunder And Lightning´ auf der Strecke bleiben müssen. Wäre die Band in die Offensive gegangen und hätte es ein Statement zu den technischen Problemen gegeben, wären die Assoziationen zum letztjährigen Whitesnake-Gig geringer ausgefallen. So hilft der Auftritt seinem Ziel, nämlich das Erbe von Phil Lynott würdig zu verwalten, trotz einiger Gänsehautmomente nur bedingt. Schade, denn es hätte so schön werden können! (wk)

 

Im schönsten Amphitheater der Welt moshten, bangten, schwitzten, froren, sangen und tranken Maracujasaft: Holger Stratmann, Götz Kühnemund (gk), Manni Glamowski, Thomas Kupfer, Frank Albrecht (fa), Michael Rensen, Boris Kaiser (bk), Jenny Rönnebeck, Hansi Daberger, Andreas Himmelstein, Ronny Bittner, Robert Fust, Dani Lipka, Stefan Büchner, Sascha Nieroba, Buffo Schnädelbach (buf), Marcus Schleutermann (ms), Jan Jaedike (jj), Wolf-Rüdiger Mühlmann (wrm), Katharina Pfeifle (kp), Conny Schiffbauer (cs), Andreas Stappert (as), Mike Borrink (mbo), Bruder Cle (bc), Wolfram Küper (wk), Patrick Schmidt (ps), Lisa Stegner (ls), Jörg Brauns (jb), Frank Trojan, Stefan Geide, Uwe Heine, Frittz Loch, Svenja Kleinhaus, Marion Schulz, Hans-Martin Issler, Axel Jusseit (aj), Friso Gentsch, Stefan Glas, Matthias Breusch, Astrid Westerhoff, Birte Welte, Marianne Göldner, Benjamin Kurczyk, Söntke Tümmler, Marianne Frenschkowski, Sebastian Wronker, Jan Herzmann, Anne Czaja, Daniel Marz, Kira Wolf-Marz, Sören Nolte, Martin Sosna, Dirk Schröder, Anja Assmuth, Vanessa Mittag, Hardy Keidel, Karolina Weglarz, Leslie Lukowski, Mona Hamad, Heike Jockenhöfer, Rolf Jockenhöfer, Jürgen Weger, Marcel Lange, Steffen Ademmer, Uwe „Kube“ Kubassa, Timbo Tilgner, Sandra Geissler, Nancy Ritschl, Katharina Gilles, Karina Schmidt, Christiane Henschel, Thomas Schuler, Tobias Kamm, Rebecca Kamm, Dennis Meyer, Mareike Kornet, Max Fries, Rüdiger Beissert, Markus Pip, Sabine Kroner, Mechthild Böcker, Axel Rolfs, Ruben Schulze-Fröhlich, Gerald, F.D. und die Continental-Crew sowie last but not least: Bobby und Gerre.