History2006

Es war wieder mal toll mit euch: Knapp 6 000 Rock-Hard-LeserInnen sorgten dreieinhalb Tage lang für eine Mordsstimmung im Gelsenkirchener Amphitheater, das bekanntermaßen Deutschlands schönstes Festivalgelände ist. Ein riesiges Danke an alle, die vor und hinter den Kulissen mitgeholfen haben, das vierte Rock Hard Festival an diesem Ort zu einem echten Erfolg zu machen!

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Abseitiges, Anekdoten & Absurditäten

Was in den letzten Jahren mit einigen harmlosen Nackedeis am anderen Kanalufer begann, steigerte sich dieses Mal leider zu hemmungslos zur Schau gestelltem Exhibitionismus, als sich so eine alte Drecksau nackt unter die Stagediver mischte und sich mitsamt seines unrasierten Sacks von den Leuten mehrfach gen Bühne tragen ließ. Nicht nur gegenüber den Securities, die das Schweinderl rausfischen mussten, eine Unverschämtheit. Zur Erinnerung: Es waren Frauen und Kinder im Amphitheater... (bc)

(Was ist so schlimm an einem Metal-Flitzer, Bruder Cle? Standen wir nicht selbst halbnackt im Hasenkostüm auf der Bühne? Die Security hat´s jedenfalls - wie alles andere auch - mit Humor genommen. - Red.)

 

Gestern ist heute noch heute

Die Goldenen Streichhölzer für den härtesten Party-Rock´n´Roller gehen in diesem Jahr an den bei sämtlichen Buchmachern schon im Vorfeld heiß gehandelten SODOM/RANDALICA-Trommelbuben Bobby Schottkowski. Auf die Frage, wie ihm die gestrigen Gigs seiner Bands gefallen hätten, antwortete Bobby am Sonntagmittag totenbleich, aber dennoch vergnügt grinsend: „Gestern? Wieso gestern? Für mich ist immer noch heute.“ Der Dortmunder John-Bonham-Fanclubleiter hatte die Nacht durchgesoffen und torkelte über den Hauptparkplatz seinem dritten Abendessen entgegen: „Erst mal ´nen Döner, dann geht´s gleich wieder.“ Mjamm... (mr)

Als CRUCIFIED BARBARA vom Hotel zu ihrem Auftritt aufbrachen, wurde im Frühstücksraum von diversen unwissenden Senioren vermutet, es handle sich bei ihnen um Damen des horizontalen Gewerbes, die zur Fußball-WM ihren Geschäften nachkommen wollten. (wk)

Könige des progressiven Frickel-Rock. Musik für Mathematik-Studenten. Was wurden im Laufe der Jahre nicht alles für blumige Wortspiele gewählt, um den FATES WARNING-Sound zu charakterisieren. Und trotzdem schaffte es das Quintett nach seinem umjubelten Auftritt am Sonntag, die Rock-Hard-Belegschaft in arge Nöte zu bringen. Während unsereiner leicht übernächtigt und verkatert das Bett herbeisehnte, machten Jim Matheos & Co. getreu dem Motto „Einer geht noch rein“ die Nacht zum Tag und bewiesen bis fünf Uhr in der Früh erstaunliche Nehmer- und Steherqualitäten. Stille Wasser sind manchmal eben doch tief... (tk)

 

Haarscharf an einer Katastrophe vorbei

Ausgerechnet die Humppa-Schnapsnasen FINNTROLL entpuppten sich als schüchternste Band des Festivals. Nach ihrer Ankunft im Backstage-Bereich drückten sie sich erst einmal fünf Minuten verlegen vor dem Eingang zu den Umkleide-Höhlen herum, bis sich jemand erbarmte und ihnen ihre Kabine zeigte. Das Einzige, worum sie baten, war ausgerechnet Mineralwasser, und auch als es ans Futterfassen ging, trauten sich Trollhorn & Co. kaum, nach einer Essensmarke zu fragen. „Danke für das Wasser“, meinte ein Plattenfirmenmitarbeiter der Finnen. „Gebt den Jungs auch nur eine Flasche harten Alkohol, und sie verwandeln sich in wilde Tiere.“ Da haben wir wohl noch mal Glück gehabt... (mr)

Schnuckeliger Dialog vom Zeltplatz:
„Weißt du, was mir Sorgen macht?“ - „Nein, was denn?“ - „Deine Mutter liegt in meinem Schlafsack!“ (mb)

Als MORGANA LEFAY-Sänger Charles Rytkönen nach ausführlichem Crowdsurfen auf die Bühne zurückkam, wurde er von einem Security-Mann wie die anderen Surfer und Diver zur Bühnenkante geschoben, durfte dann aber nach kurzer Aufklärung durch einen Fotografen doch bleiben. (aj)

 

Don´t try this at home!

Nach dem Konzert war´s VOLBEAT-Gitarrist Franz und dem Band-Merchandiser etwas heiß, so dass sie auf der Suche nach Abkühlung von der ca. zehn Meter hohen Brücke in den Rhein-Herne-Kanal sprangen (nicht zur Nachahmung empfohlen!). Wieder am Ufer angelangt, wurden sie von einem Backstage-Mitarbeiter umgehend gen Ausgang geleitet, konnten aber mittels Bändchen nachweisen, dass sie in beruflicher Mission im Amphitheater unterwegs waren. (aj)

Könnt ihr euch vorstellen, wie Ronnie James Dio verzweifelt und mit aller Gewalt versucht, eine Türklinke abzubrechen? Nein? Wir auch nicht. Umso erstaunter waren wir, nach dem brillanten Headliner-Gig einen zerstörten Backstage-Raum vorzufinden. Auf die Frage, was ihn denn so aggressiv gemacht habe, es sei doch alles in bester Ordnung gewesen, antwortete Dio nur kopfschüttelnd: »Ich soll das gewesen sein??? Nein, mein Freund, ich bin zu alt für solche Scherze. Das waren die fuckin´ Kids!« Die zunächst verdächtigten Crucified Barbara, die immerhin seit zehn Stunden hackedicht durch den Backstage-Bereich torkelten, wiesen entrüstet sämtliche Vorwürfe von sich. So was würden sie nie tun! Und schon gar nicht bei ihrem absoluten Lieblingsfestival! Und außerdem würden sie uns doch sooooo sehr lieben! Und sie waren tatsächlich unschuldig, wie sich ein paar Tage später herausstellte. Die Übeltäter waren Soilwork, die wohl zu viel Schnaps von uns bekommen hatten. Das nächste Mal gibt´s nur noch lauwarme Milch, Jungs! (gk)

Da BEYOND FEAR ihr gesamtes Gepäck auf dem Flug nach Deutschland verloren hatten, fröstelte Sänger Ripper Owens nach dem Auftritt im Rock-Hard-Leibchen ein wenig, woraufhin ihm eine bereits lattenstramme Kollegin von Crucified Barbara mit ihrer Lederjacke bereitwillig, aber offensichtlich erfolglos auszuhelfen versuchte. (aj)

Den völkerverbindendsten Bühnenspruch des Wochenendes riss VOLBEAT-Rampensau Michael Poulsen, nachdem ihm ein frühalkoholisierter Teutone während des Gigs am Sonntagmittag arg unartikuliert zugeprostet hatte: „Bei uns in Dänemark sagt man „skol!“, wenn man säuft, in Deutschland „uuuuuaaargh!!!“. Sitten sind das...“ (mr)

 

Alles entspannt im Krisengebiet

Unser langjähriger Mitarbeiter Klaus Himmelstein musste am Festivalsonntag nach einem Insektenstich mit ballonartig angeschwollenem Fuß im Tatütata-Liegewagen ins nächstgelegene Gelsenkirchener Krankenhaus eingeliefert werden. Als der Zwei-Meter-Hüne von seinem Krankenlager aus dem behandelnden Arzt entgegenlallte, es täte ihm schrecklich leid, dass er wegen seiner drei Promille nicht hundertprozentig vernehmungsfähig sei, baute sich der Doc mit in die Hüften gestemmten Armen vor ihm auf und meinte entrüstet: „Gezz hörn Sie mal gut zu, junger Mann: Wir sind hier in Gelsenkirchen, so wat ham wir hier jeden Tach.“ Schalker... (mr)

Das hatte unser Schweizer Rock-Hard-Praktikant Romano geschickt eingefädelt: Während der Show seiner Lieblingsband BRAINSTORM, so hatte sich der bärtige Eidgenosse überlegt, wollte er seiner Freundin vor großer Kulisse auf der Bühne einen Heiratsantrag machen. Auch durch vorherige Anfragen, ob er sich denn wirklich sicher sei und nicht gar einen Korb seiner Herzdame befürchte, ließ er sich nicht aus der Ruhe bringen und übernahm während des Songs ´Shiva´s Tears´ kurzentschlossen das Mikro von Andy B. Franck, um zu seinem Antrag anzusetzen. Unter dem Jubel der Zuschauer und eines Dutzends extra aus der Schweiz angereister Freunde stammelte die Frau seiner Träume ein ergriffenes „Ja“ ins Mikrofon und ritt mit ihrem Herzblatt wenig später in den Gelsenkirchener Sonnenuntergang. So sehen echte Metal-Romanzen aus... (tk)

»Mein Freund hat heute Geburtstag! Kann ihm Dio nicht ein Ständchen singen?«
Nö, das kann er nicht.
»Kannst du das dann machen?«
Wann denn, bitteschön?
»Ach, irgendwann bei Dio am besten.«
Super... (gk)

 

Tom Fischers Qualen

Zur Konzertabsage von CELTIC FROST veröffentlichte das Management der Band wenige Tage später folgendes Statement:

„Am Samstag gegen 19 Uhr musste Tom Fischer mit akuten Nierenschmerzen ins Gelsenkirchener Krankenhaus eingeliefert werden. Nach verschiedenen Untersuchungen wurde ein Nierenstein diagnostiziert, der sich just an diesem Tag gelöst hatte. Die Schmerzen einer solchen Nierenerkrankung sind so groß, dass nur erhebliche Mengen Morphium überhaupt eine Linderung verschaffen konnten. Ein Auftritt beim Rock Hard Festival war nicht möglich. Martin, Franco und vor allem auch Tom sind darüber sehr unglücklich und möchten auf diesem Wege allen Fans, die während des Festivals umsonst auf den Celtic-Frost-Gig gewartet haben, ihr Bedauern ausdrücken. Celtic Frost hatten sich seit Jahren auf den Moment dieses ersten Festivals nach 15 Jahren vorbereitet und waren entschlossen, eine großartige Show auf die Bühne zu bringen - das Schicksal wollte es anders.
Celtic Frost möchten sich an dieser Stelle für den flexiblen Einsatz aller Bands bedanken, die spontan auf die Bühne gegangen sind und den Fans einen gelungenen Abend beschert haben. Vielen Dank auch an das Rock-Hard-Team, alle Fans und Frau Dr. Dielenschneider, die beste Ärztin in Gelsenkirchen. Tom Gabriel Fischer wurde in ein Zürcher Spital überführt, wo er heute, am 7. Juni - während ich diese Zeilen schreibe -, an der Niere operiert wird. Tom hat sich für diese Behandlung entschieden, weil sie schneller ist als die von den Ärzten empfohlenen sanfteren, aber langwierigeren Methoden. Er ist entschlossen, auch mit frisch genähter Wunde das Sweden Rock Festival und alle weiteren Live-Termine zu spielen.“

 

Pannen & Fehler

Leider lief nicht alles rund beim vierten Rock Hard Festival. Folgende Dinge werden wir beim nächsten Mal 
besser machen:

- Der Bierausschank auf dem Gelände lief zeitweise alles andere als rund, und es gab Beschwerden über nicht bzw. zu wenig zurückgezahltes Wechselgeld. Das Zapfpersonal bestand aus völlig überforderten Hilfskräften, die der Gelände-Verpächter einsetzte. Sorry dafür!
- Der Einlass auf das Hauptgelände am Sonntag erfolgte so spät, dass viele Besucher die ersten Crucified-Barbara-Songs verpassten. Wir werden die Band nach Möglichkeit erneut bei uns spielen lassen und nächstes Jahr auf pünktlichen Einlass achten.
- Auf dem Campingplatz wurden zwei „Fans“ dabei erwischt, wie sie NPD-Flyer verteilten. Natürlich flogen sie sofort vom Gelände. Wenige Stunden später berichtete uns ein Fan von einem Rammstein-Hakenkreuz-Shirt (einem Bootleg), das er bei einem holländischen Händler gesehen hatte. Auch dieser wird seinen Müll in Zukunft anderswo verkaufen. Danke an alle, die wachsam waren!