History2005

Zugkräftige, motivierte Bands zu finden, ist eine Sache. Ein neues Open-Air-Gelände, das einige Probleme mit sich bringt (zum Beispiel begrenzte Camping-Kapazitäten), einzurichten, eine andere. Und Fans, die bis zum Abwinken begeisterungsfähig und gleichzeitig tolerant (verschiedene Musikstile) sind, findet man auch nicht überall.
Wir haben uns nach besten Kräften bemüht, einen allumfassenden Service zu bieten und euch genau so zu behandeln, wie wir selbst gerne behandelt werden möchten. Das beginnt mit einer freundlichen Security und endet bei fairen Getränke- und Essenspreisen. Letzteres liegt leider nicht allein in unserer Hand (wir sind an Verträge mit dem Amphitheater Gelsenkirchen gebunden), was zur Folge hatte, dass der Bierpreis dieses Jahr kurzfristig um 30 Cent erhöht werden musste. Da die Brauereipreise im Vorfeld um 20 Prozent gestiegen waren, hatten wir leider keine Möglichkeit, den alten Preis (zwei Euro pro Bier) zu halten. Wir werden in dieser Angelegenheit in den kommenden Wochen mit unseren Partnern verhandeln und das Ergebnis schnellstmöglich im Rock Hard bekannt geben.
Bis dahin erst mal ein riesiges Dankeschön an alle Besucher, alle (ausnahmslos hoch motivierten) Musiker und alle Freunde und Helfer, die zum größten Teil wieder mal ehrenamtlich gearbeitet haben. Ohne euch wäre ein solches Festival nicht möglich! (gk)

 

Freitag

Erfrischend spritzig!

Der Platz vor der kleineren Biergarten-Bühne ist bereits mehr als amtlich gefüllt, als REGICIDE den diesjährigen Bandmarathon eröffnen. Beste Voraussetzungen also für die Norddeutschen, die ihre zum Zeitpunkt des Festivals noch laufende Tour im Vorprogramm von Holy Moses eigens für diesen einen Abend unterbrochen haben. Und bei einem Großteil des Publikums kommt der akustische Königsmord auch von Anfang an richtig gut an. Zwar hört man auch den einen oder anderen abfälligen Kommentar über die "viel zu seichte" Mucke; die meisten sind jedoch von der starken Gesangsleistung des männlich/weiblichen Frontduos und dem alles andere als alltäglichen, ein sehr breites musikalisches Spektrum von (Gothic-) Metal über Rock bis hin zu einer Art Musical-Bombast abdeckenden "Violin-Rock" des Septetts durchaus angetan. Schade nur, dass die stilprägende Geige über weite Strecken deutlich zu leise abgemischt ist. Aber auch so entfalten beschwingte Nummern wie 'Behind His Eyes', 'Pirates', das brandneue Stück 'An Embracing Space III' oder das tolle 'The Fragrance', bei dem die Violine dann doch wieder angemessen laut zu hören ist, eine faszinierende Wirkung. Ein erfrischend spritziger Festivalauftakt! (as)

SUNRIDE hatte ich mir anders vorgestellt. Auf CD klingen sie mit ihrer Mischung aus typisch skandinavischem Arschtritt-Rock und Stoner-Elementen ziemlich cool, aber live wirken sie doch eher merkwürdig. Das liegt vor allem an Sänger Jani Peippo, der mit seinem tuntigen Gehabe, seinen schwarzen Klamotten und seiner Seitenscheitelfrisur wie ein metrosexueller Gothic-Mod daherkommt. Mit so einem unpassenden Frontmann geht die Magie der Musik ziemlich flöten. Bei Bands wie The Rasmus oder HIM würde er vielleicht durchgehen, aber bei Sunride? Och nö! Zudem verfügt er live über eine eher dünne, drucklose Stimme, so dass die Band noch nicht mal ansatzweise an ihre Studioqualitäten herankommt. Das liegt zu einem nicht unerheblichen Teil auch am arg dürftigen Sound, der vor allem im Bassbereich sehr zu wünschen übrig lässt. Schade um das durchaus vorhandene Potenzial, denn die anderen Jungs machen einen guten Job, und die Setlist bietet mit einigen alten Songs viel Abwechslung. (ms)

Erbarmen! Zu spät - die Hessen kommen! ABANDONED kennen keinerlei Gnade und knallen der feierwilligen Meute vor der Bühne eine Thrash-Breitseite nach der anderen vor den Latz. Dabei klingen die Darmstädter derart old-schoolig, dass man sich verwundert die Augen reibt und sich plötzlich inmitten der achtziger Jahre wähnt. Testament, Exodus, Sacred Reich und early Metallica sind die Zutaten für exquisite Nackenbrecher wie 'Forcefed', 'Private Little Hell' oder den die gepflegte Sunride-Langeweile binnen Sekunden vergessen machenden Opener 'Meat'. Okay, die Mucke mag vielleicht wenig originell klingen. Aber wer sonst bitte schön spielt denn diesen Sound heutzutage noch derart authentisch und vor allem mit derart viel Leidenschaft und Herzblut? Das mächtig derbe Riffing fräst sich mit der Präzision einer Abrissbirne mit Laserzieloptik in die begeistert bangenden Schädel vor der Bühne und lässt einen gnädig über den etwas eindimensionalen Gesangsstil von Fronter Kalli hinweghören. Zumal der Mann eine gute Show bietet, immer einen lockeren Spruch auf den Lippen hat und sich auch nicht von einem minutenlang auf der Bühne rumhampelnden Möchtegern-Stagediver aus dem Konzept bringen lässt. Am Ende veranstalten die Jungs noch eine öffentliche Weinprobe und schenken literweise des köstlichen hessischen Nationalgesöffs Äppelwoi ans Publikum aus. (as)

GIRLSCHOOL sind neben Accept die dienstälteste Band des Festivals. Wer die vier Damen von der Insel deswegen schon zum alten Eisen zählen möchte, wird eines Besseren belehrt. Geboten wird mitreißender Hardrock in bester NWOBHM-Tradition mit einer Fülle von Klassikern. Zudem gibt es den Geburtstag von Kim McAuliffe zu feiern. Wie gut die immer noch führende Damenband ankommt, zeigt sich am vollen Gelände, zahlreichen Sprechchören, massig Stagedivern (!) und den geforderten Zugaben. (wk)

 

Samstag

Wenn alle Dämme brechen...

Als um Viertel nach zwölf COMMUNIC den offiziellen Festivalreigen eröffnen, steht sich vor der Bühne bereits eine stattliche Menschenmenge die Beine in den Bauch. Nachdem die Norweger mit ihrem "Conspiracy In Mind"-Debüt den Soundcheck unserer Märzausgabe vor Soilwork und Judas Priest für sich entscheiden konnten, ist die Neugier der Hartwurstgemeinde auf den melancholischen, semi-progressiven Power Metal irgendwo zwischen Nevermore, Fates Warning und Psychotic Waltz entsprechend groß. Dass die Norweger den hohen Vorschusslorbeeren letztlich gerecht werden, liegt vor allem an Oddleif Stensland. Der kommt mit der Dreifachbelastung - Vocals, Rhythmus- und Leadgitarre - auch unter Livebedingungen bestens klar, und als gegen Ende des 45-minütigen Streifzugs durch die komplette "Conspiracy In Mind"-Scheibe (minus 'The Distance') die Sonne vorsichtig durch die dichte Wolkendecke lugt, ist auch der Metalgott vom enormen Potenzial der drei Skandinavier nebst Sessionkeyboarder Peter Jensen überzeugt. Keine Frage: Aus diesem Stahl sind die Helden von morgen geschmiedet. (buf)

Die deutschen Metalcore-Kings HEAVEN SHALL BURN betreten mit Maroon-Frontmann Andre Moraweck, der kurzfristig den erkrankten Marcus Bischoff ersetzt, die Bühne. Obwohl es noch früh am Tag ist und das ostdeutsche Quintett mit Sicherheit zu den am kritischsten beäugten Bands des Festivals gehört, dampft die Stimmung im Pit von der ersten Sekunde an. Der agile Sänger rotzt, schnaubt oder prostet in bester Rock'n'Roll-Manier und hat das Publikum mit kecken Dicke-Hose-Ansagen im Griff, während das Gitarrenduo Maik Weichert und Patrick Schleitzer mit deftigen Riffs für einen kraftvollen Metalsound sorgt. Den meisten Zuspruch erhalten der "Antigone"-Opener 'The Weapon They Fear', 'Voice Of The Voiceless' und 'The Martyr's Blood'. 45 Minuten lang wirbeln in den ersten Reihen die Köpfe der Fans, bis sich der kleine Frontmann mit einem grinsenden "Hinter mir steht die hässlichste Band, die ich je hatte - danke, dass ihr mich ausgewählt habt, obwohl ich so klein bin und keinen Akzent habe!" von den Zuschauern und seinen Kollegen verabschiedet. Heaven Shall Burn beweisen, dass sie auch mit einem Ersatzsänger, der einen guten Eindruck hinterlässt und sich getrost den Titel "größte Klappe des Tages" verleihen darf, zu den stärksten Acts des Genres gehören. (cs)

Wikinger-Alarm in Gelsenkirchen! ENSIFERUM stürmen die Bühne und entfachen ein amtliches Inferno im Innenraum und auf den Rängen. Einige Fans rollen zur Begrüßung eine riesige Finnland-Fahne aus, während irgendwo aus der Menge ein Wikingerhorn dröhnt, das in den nächsten anderthalb Tagen noch des Öfteren in der Arena ertönen wird und dem einen oder anderen Zeitgenossen mächtig auf die Klöten geht. Die Meute geht von Anfang an gut mit und feiert eingängige Hymnen wie 'Token Of Time', 'Iron' und natürlich 'Lai Lai Hei' begeistert ab. Von den euphorischen Reaktionen sichtlich angespornt, geben die Musiker ihrerseits ebenfalls Vollgas. Das Ganze schaukelt sich so lange immer weiter hoch, bis die Crowdsurfer schließlich im Sekundentakt in Richtung Bühnengraben gewuchtet werden und die Security zum ersten Mal an diesem Tag richtig derb ins Schwitzen kommt. Klasse Auftritt einer tollen Band, die mit ihrem unterhaltsamen Mix aus Härte und Melodie offenbar immer mehr im Kommen und definitiv zu den großen "Siegern" des Festivals zu zählen ist. Beim nächsten Mal dann aber bitte ohne Cowboyhüte im Kuhfelldesign. Solche geschmacklichen Entgleisungen gehen allenfalls bei Edguy ungestraft durch. (as)

Das Göteborger Riff-Kommando THE HAUNTED soll zusammen mit Overkill die Thrasher im Publikum zufrieden stellen und ist in dieser Hinsicht mehr als eine gute Adresse. Allerdings kann man den heutigen Auftritt des Fünfers allenfalls als solide und keineswegs als überragend bezeichnen. Da war die Exodus-Show vom letzten Jahr von ganz anderem Kaliber. The Haunted wirken, mal abgesehen von ihrem zurückgekehrten Frontmann Peter Dolving, der nicht nur besser singt als sein Vorgänger Marco Aro, sondern auch noch wie ein Derwisch über die Bühne flitzt, merkwürdig gebremst. Und auch die Songauswahl ist meiner Meinung nach nicht gerade das Gelbe vom Ei. Erst der Doppelschlag 'Dark Intentions' und 'Bury Your Dead' lässt so etwas wie Dämme brechen und sorgt für erhöhtes Verkehrsaufkommen im Pit. Die Schweden hätten ruhig noch ein paar mehr Highspeed-Kracher einflechten können. Gott, was habe ich auf 'One Kill Wonder' gewartet! Stattdessen setzen Jensen & Co. mit 'Hollow Ground', 'All Against All' oder dem livehaftig nur mittelprächtigen 'Abysmal' gleich mehrere Midtempo-Salven. Logo, rein technisch betrachtet gibt's hier nicht viel zu mosern, und mit 'Godpuppet' klingt der Auftritt sogar fast noch euphorisch aus. Vielleicht hab ich einfach zu viel erwartet... (ps)

SAMAEL sind eine Macht, der man sich kaum entziehen kann. Noch nicht mal der Old-School-Schwarzmetaller, der zwar die ersten paar Songs konsequent "Scooter!"-Schmährufe brüllt, sich dabei aber das Kopfnicken die ganze Zeit über nicht verkneifen kann. Dabei haben die Schweizer nicht ihren allerbesten Tag, geht doch Makros zweite Gitarre im Sound etwas unter. Egal, die Bühnenperformance stimmt auf jeden Fall. Sollte es jemals einen Sonderpreis für den stilsichersten Frontteufel der Metalszene geben, Vorph mit seiner Mischung aus Grabesstimme und dunklem Charisma bei völligem Verzicht auf jedes affektierte Gehabe hätte beste Chancen. Basser Mas dagegen hüpft derart frisch, fromm, fröhlich und frei über die Bühne, dass man sich als relativ junger Fan unwillkürlich fragt, was der Gute eigentlich gemacht hat, als Samael noch eine böse Satanistenbande waren. Und über allem thronen wie auf dem mächtigen Sitzmöbel des Baphomet die monströsen Beats von Xy, die spätestens zum finalen 'My Own Saviour' den Himmel bei helllichtem Tage ein wenig finsterer erscheinen lassen. (tb)

Ein etwas neben sich stehend wirkender Zompf berichtet einleitend auf der Bühne, dass SONATA ARCTICA am Freitagabend in prächtiger Sauflaune waren und ihr Basser sogar angedroht habe, nackt auf die Bühne zu marschieren. Das tut er zwar nicht, dafür erscheint Bandchef und Sänger Tony Kakko aber in einem der augenfeindlichsten Outfits des gesamten Festivals. Auch stimmlich ist der Herr zwei Tage vor seinem 30. Geburtstag anfangs nicht ganz fit. Vom Publikum freundlich und u.a. mit einer fröhlich wehenden finnischen Flagge begrüßt, sind die Melo-Metaller aber nach kurzer Aufwärmphase wie gewohnt eine gut geölte Livemaschine. Dennoch würde eine etwas größere Bewegungsfreudigkeit nix schaden. Im Publikum ist daher neben einer witzigen Polonaise eher gepflegtes Mitklatschen statt Mattenschwingen oder Moshpit-Gespaste (das sehr zum Missfallen von Old-Old-School-Metaller Götz bei Heaven Shall Burn ausbrach) angesagt. Außerdem ist die Songauswahl zu sehr auf aktuelle Tracks fixiert. Dass Sonata Arctica trotz einer Stunde Spielzeit ihre Überhits 'Replica' und 'Wolf & Raven' außen vor lassen, ist echt frech. Zwecks Playlist-Überprüfung sollten die Kerle mal wieder ihr formidables Livealbum "Songs Of Silence" in den Player werfen. (jj)

Schon am wikingerartigen Outfit vieler Besucher ist zu erkennen, dass der Stern der Schweden kräftig steigt. Und als AMON AMARTH dann schlussendlich die Bühne betreten, verwandelt sich die Arena des Amphitheaters in ein wahres Tollhaus. Zu den zahlreichen Hits der letzten beiden Alben "Versus The World" und "Fate Of Norns" (plus einige ältere Stücke) wirbeln zahlreiche Gummiäxte und -Schwerter und sogar ein Wikingerschild durch die Gegend, während sich im hinteren Bereich einer gar die Kleider vom Leib reißt und mit heftig zappelndem Genital als Flitzer durch die Reihen saust. Dazu riesige Moshpits und ein Meer aus wogender Haarpracht - das Stimmungsbarometer ist auf seinem Höchststand angelangt. Streckenweise muss die Security die Crowdsurfer im Zehn-Sekunden-Takt aus der Menge puhlen, während die Schweden in gewohnt routinierter Manier und mit sichtlicher Spielfreude ihr von Achim Köhler brillant gemischtes Programm herunterzocken. Nach 'Death In Fire' ist nach einer Stunde dann leider schon Schluss und die Latte für die nachfolgenden Children Of Bodom reichlich hoch gelegt. (bc)

Vor ihrem Auftritt bewiesen CHILDREN OF BODOM backstage, dass sie sich wie grenzdebile Rotzlöffel auf Klassenfahrt aufführen können. Auf der Bühne davon jedoch keine Spur. Die Bodom-Kinder haben sich in den letzten Jahren zu einer fixen Größe im Metal-Universum gemausert. In der sechs Monate dauernden Zwangspause nach Alexis Armbruch haben sie keinen Rost angesetzt. Im Gegenteil: Fast schon hyperaktiv mischen sie das Publikum auf. Keyboarder Wirman säuft und spielt simultan, seine Duelle mit Bandleader Alexi nähern sich der Malmsteen/Johansson-Liga. Höhepunkte des Gigs sind das pompöse 'Every Time I Die' und 'Needled 24/7'. Als Schmankerl wird ein neuer Song mit unaussprechlichem Namen serviert, der zwar wenig überzeugt, dafür aber einen Regenguss auslöst. Hoffentlich ist das kein schlechtes Omen... (rp)

Ist JON OLIVA betrunken oder einfach nur etwas seltsam drauf? Muss man die Information, dass zu knappes Spontanjubeln so sei, wie seine "Frau mit 'nem schlaffen Schwanz zu ficken" wirklich mehr als einmal geben? Rauben alberne Ansagen einem Song wie 'Believe' die Würde? Ist das alles lustig, einfach nur bekloppt oder angesichts einer brillanten musikalischen Leistung doch völlig egal? Lauter Fragen, die nach dem Gig des Samstags-Headliners berechtigterweise gestellt werden, der wie kein Zweiter des Festivals polarisiert. Sehen die einen ihr Idol ernsthaft beschädigt, sehen die anderen einem exzentrischen Genie bei der Arbeit zu. Wie auch immer: Auf die eine oder andere Art unterhaltsam sind ein Tango tanzender Mountain King oder die Mini-Interpretation des Monty-Python-Classics 'Sit On My Face' allemal. Viel mehr als nur das sind die Interpretationen großer Savatage-Klassiker. Kaum ein anderer Rockmusiker dieser Welt kann seinen Set mit einem Jahrhundertsong wie 'Gutter Ballet' beginnen, ohne im weiteren Verlauf an Niveau zu verlieren. Ungeheuer wichtig dabei ist die fantastische Band rund um Meistergitarrist Matt LaPorte, die den Geist sämtlicher Schaffensphasen des Meisters von 'Sirens' bis 'The Dark' absolut punktgenau und mit unwiderstehlichem Drive einfängt. Das wäre natürlich alles nichts wert, würde Jon Oliva nicht gerade einen strahlenden zweiten Vokalfrühling erleben. Jeder noch so hohe Schrei und jede noch so trickreiche Gesangslinie sitzen perfekt. Bleibt also noch die wichtigste Frage: Wie oft wird man Songs wie 'Hall Of The Mountain King' oder 'Power Of The Night' noch in dieser brillanten Form live erleben können? Ein denkwürdiger Auftritt! (tb)

 

Sonntag

Der siebte Metal-Himmel

HELLFUELED wurden von euch zum Newcomer des letzten Jahres gewählt und bekommen daher mitten im Set einen entsprechenden Pokal überreicht. Wie verdient der ist, zeigt die tolle Show des sympathischen Quartetts. Obwohl die Schweden erst wenig Live-Erfahrung haben, treten sie bereits sehr souverän und selbstbewusst auf. Sänger Andy findet sofort den richtigen Draht zum Publikum, schüttelt fleißig seine Matte und bringt die Ozzy-Vocals auch live authentisch rüber. Passend dazu gibt Gitarrist Jocke den Zakk Wylde. Die mangelnde Originalität ist das Einzige, was man der Band vorwerfen kann. Ansonsten räumt sie gnadenlos ab und meistert die schwierige Aufgabe, die verkaterte Meute am Sonntagmorgen in Schwung zu bringen, vorbildlich. Selbst der noch unbekannte Song 'Born To Rock', der schon mal einen Vorgeschmack auf das im Herbst erscheinende Zweitwerk gibt, wird begeistert aufgenommen. Klasse! (ms)

Schlechte Voraussetzungen für WOLF: Sänger und Gitarrist Nick Olsson hat 'ne fette Erkältung mit nach Gelsenkirchen gebracht, was ihn und seine Bandkollegen zwar nicht daran hindern konnte, am Vortag das Festivalgelände unsicher zu machen; die meisten Songs muss der sympathische Frontmann, der im "normalen" Leben seine Brötchen als Lastwagenfahrer verdient, aber mindestens eine Oktave tiefer als gewohnt singen. Außerdem heulen Wölfe ja ohnehin hauptsächlich nachts am besten - und nicht kurz nach dem Rocker-Frühstück um halb zwei. Dass die Schweden trotzdem nicht enttäuschen, liegt an ihrem lässigen Stageacting (obercool: Bassist Mike Goding und Gitarrist Johannes "Ich bin so sehr Metal, ich hasse sogar Rock" Losbäck) und einer saftigen Old-School-Abreibung irgendwo zwischen Mercyful Fate und Iron Maiden, die zu dieser frühen Stunde genau den Nerv des Publikums zu treffen scheint, das das Quartett fett abfeiert. "Das war unser schlechtester Gig und das beste Publikum, das wir je hatten!" Nicks Verabschiedung ist zwar wohl gleichermaßen übertrieben wie gelogen, bringt es aber letzten Endes schon ein wenig auf den Punkt. (mbo)

Der THRESHOLD-Auftritt vor zwei Jahren fiel ja bekanntermaßen buchstäblich ins Wasser, daher erhält die Band eine zweite Chance. Petrus erweist sich diesmal als galanter Gastgeber, vertreibt die Wolken und lässt sogar kurzzeitig am Tag eins nach dem Derbysieg die Sonne scheinen. Kein Wunder bei dem gelungenen Auftritt der Briten, die nach eigener Aussage ein halbes Jahr nicht zusammen gespielt bzw. geprobt hatten. Zu merken ist davon auf jeden Fall nichts. Frontmann Andrew McDermott hat zwar anfangs ein wenig mit der richtigen Tonlage zu kämpfen, ist dann aber der Aktivposten einer sehr konzentrierten und routinierten Vorstellung. Zwar sind Threshold auf einer intimen Clubbühne packender und intensiver, aber selbst zur "frühen" Mittagsstunde kommen immer mehr langsam ausnüchternde Leute vor die Bühne. Bei Songs wie 'Mission Profile', 'Light And Space' oder 'Ground Control' präsentiert sich die Truppe als echte Einheit mit viel Spielfreude, was die Fans im Amphitheater mit Applaus und Begeisterung belohnen. Große Augen dürfte auch die Band gemacht haben, denn Crowdsurfer hatten die sympathischen Briten mit Sicherheit noch nie bei ihren Shows. So dürfen die Jungs gerne eines Tages wiederkommen! (ft)

Aufschlussreicher Dialog zweier Uralt-Semester an der Pilstränke: Der eine hat noch ca. 14 blonde Haare auf der Murmel und trägt einen ausgebleichten Fetzen von Kiss, des anderen Haarpracht tendiert gen minus, seine stattliche Bierplauze wird von einem UNLEASHED-Leibchen umspannt.
Mr. Blond: "Wat issen jetzt der Unterschied zwischen Ämän Ämardd unn Anlieschhd?"
Mr. Bauch: "Unleashed kommen im Panzerkreuzer angereist, die anderen im Holzboot."
Nichts gegen Amon Amarth, aber Mr. Bauch hat Recht! Wenn eine Todesmetall-Band musikalische Muskeln auspackt und die richtige Mischung aus Brachialität, Groove, Stumpfheit und Abwechslung entfacht, dann Unleashed! Frontkämpe und Bassist Johnny Hedlund feuert den enorm großen Pulk vor der Bühne ständig an - "my friends, sing with us", "my German warriors, I want you to scream for me". Da bleibt einem ja gar nichts anderes übrig, als dem Stockholmer Urgestein drei- oder viermal hintereinander ein kerniges "Death Metal Victory!" entgegenzublaffen. Und weil's so schön ist, wiederholt Mr. Hedlund das Brüllspielchen im Stück 'Never Ending Hate'. Eigentlich eine bizarre Situation: Da hotten tausend Todesmetallfans vor der Bühne ab, in jedes Gesicht ist ein zufriedenes Grinsen gemeißelt, auch die neutrale Zuhörerschaft blinzelt bestens gelaunt gen Bühne, sogar die Sonne zeigt sich - und ein aggressiver "Never Ending Hate!"-Chor erschallt über den Rhein-Herne-Kanal. Fast eine Stunde lang rotieren die Haare und Luftgitarren - kein Wunder bei Stücken wie diesen: 'Winterland', 'Before The Creation Of Time', 'Shadows In The Deep', 'Berserk' und 'Into Glory Ride'. Einzig die Oberhymne 'Immortals' fehlt für das vollkommene Glück in Gelsenkirchen-Asgard. (wrm)

Wiedersehen nach 18 Jahren! Die PRETTY MAIDS konnte ich zuletzt 1987 im Vorprogramm von Deep Purple genießen. Die mittlerweile recht stattlichen "Jungs" haben immer noch dasselbe Feuer in sich wie damals. Ronnie Atkins zeigt sich fabelhaft in Form, seine Stimmbänder scheinen nicht gealtert zu sein. Ken Hammer sieht zwar mittlerweile aus wie Bruder Cle mit halb langen Haaren, spielt aber immer noch göttlich Gitarre. Sein Feeling ist unnachahmlich. Zwar leert sich nach Unleashed der Platz vor der Bühne; den wenigen Maids-Fans wird jedoch eine Rundum-Vollbedienung mit einem unveröffentlichten Song und der obligatorischen Klassiker-Dreifaltigkeit 'Back To Back', 'Future World' und 'Red, Hot And Heavy' geliefert. Daran könnte man sich gewöhnen... (rp)

Im Gegensatz zu ihrem noch ein klein wenig hölzern wirkenden Auftritt beim letztjährigen Bang-Your-Head-Festival präsentieren sich MASTERPLAN anno 2005 deutlich routinierter und starten zielsicher und selbstbewusst mit 'Crimson Rider' durch. Sänger Jörn Landes grandiose Stimme schickt eine Gänsehaut nach der anderen über die Nacken der Zuschauer Richtung Steißbein auf die Reise, während sich seine Bandkumpels durch die Highlights der beiden CDs rocken. Erwartungsgemäß ernten 'A Kindhearted Light', 'Enlighten Me' und die letzte Singleauskopplung 'Back For My Life' die besten Reaktionen und bereiten mit ihrem lockeren Groove stimmungstechnisch den Boden für das nun folgende Festivalfinale. Daumen hoch! (bc)
Können OVERKILL auf der Bühne enttäuschen? Natürlich nicht! Dementsprechend demonstrieren Bobby "Blitz" Ellsworth und D.D. Verni mit ihrer Mannschaft einmal mehr, was die Etikette "Thrash with class" bedeutet. Mit einer erstklassigen Setlist und beeindruckender Spiellaune verwandeln die New Yorker den Innenraum in einen wahren Hexenkessel. Zwar hat es eine Weile gedauert, bis wir die Jungs für das Festival gewinnen konnten, das Warten hat sich aber - mit der neuen punkigen Nummer 'Old School' - auf alle Fälle gelohnt. In dieser Form werden die Veteranen noch einige Sommer-Festivals bereichern. (wk)

Als SENTENCED die Bühne betreten, kommt Abschiedsstimmung auf. Für das Quintett ist es die erste Show der "Funeral"-Tour, die den Abschluss der 15-jährigen Bandkarriere bildet. Mit einem Klassikintro, dem Death-Intermezzo 'Where Waters Fall Frozen' und ´Excuse Me While I Kill Myself´ eröffnen die Finnen ihren 70-minütigen Auftritt. Frontmann Ville Laihiala ist gesprächig wie selten und überrascht mit charmant-witzigen Ansagen. Nach der "Down"-Nummer 'Bleed', zu der im Pit leidenschaftlich Luftgitarre gespielt wird, der Ballade 'The Rain Comes Falling Down', die schon lange nicht mehr zum Live-Programm der Band gehörte, und 'Despair Ridden Hearts' gibt der partylustige Hüne aber dennoch zu, dass es ein seltsames und trauriges Gefühl ist, "Goodbye!" zu sagen. Als die ersten Töne von 'No One There' erklingen, kommt Gänsehaut-Feeling auf. Die Sonne ist untergegangen, in den vorderen Reihen werden Wunderkerzen hochgehalten, die Bühne ist in blau-grünes Licht getaucht, und über dem Rhein-Herne-Kanal leuchten die bizarren Pfeiler der angrenzenden Brücke in hellem Rot. Das atmosphärische Farbspiel passt perfekt zur Musik. Nach der aktuellen Hitsingle 'Ever-Frost' und dem Suizid-Track 'Noose', der mit den sarkastischen Worten "Für diesen Song braucht ihr einen großen Baum und ein kräftiges Seil!" angekündigt wird, gehen Sentenced kurz von der Bühne. Als die fünf Finnen für die Zugabe zurückkommen, ist es Zeit, Abschied zu nehmen. Noch einmal werden bei 'Fragile' die Fäuste in die Luft gereckt, bevor Ville & Co. mit einem entschlossenen "Have a good life and see you never!", begleitet von einer melancholischen Kirchenorgel-Melodie, in ihrer Garderobe verschwinden. (cs)

Nicht nur Götz schwebt nach seiner Ansage im siebten Metal-Himmel, als ACCEPT zum krönenden Abschluss die Bühne stürmen. Nach ausgedehnten Probewochen in Hannover und Wuppertal sowie vier erfolgreichen Russland-Shows ist die Band vom ersten Ton an supertight. Bereits der furiose Auftaktdreier 'Starlight', 'Living For Tonight' und 'London Leatherboys' lässt alle Nörgler und Spötter verstummen, die hinter den Reunion-Shows reine Kohlemache vermutet hatten. Die alte Chemie ist definitiv wieder da, und die alten Hits entzünden sofort einen Flächenbrand aus wild rotierenden Köpfen und gereckten Fäusten. Accept sind zurück - und wie! Der erste Deutschland-Gig seit 1996 wird für Fronter Udo Dirkschneider, Wolf Hoffmann, der natürlich wieder mal mit einem feinen Klassik-Gitarrensolo aufwartet, Gitarrist Herman Frank, Peter Baltes (mit mächtiger Frisur und Bass-Sound) und Drummer Stefan Schwarzmann ein Triumphzug erster Kajüte. Die Setlist ist nach diversen Internet-Veröffentlichungen für viele Fans allerdings keine echte Überraschung mehr. Die Songauswahl beschränkt sich vor allem auf die Alben "Breaker", "Restless And Wild", "Balls To The Wall" und "Metal Heart". 'I'm A Rebel' kommt aber natürlich ebenso zum Zug wie die beiden "Russian Roulette"-Hits 'TV War' und 'Monsterman'. 'Balls To The Wall' beendet nach diversen Mitsing-Spielchen einen furiosen, saugeilen Auftritt, der glücklicherweise ohne großes Geschwafel, dafür aber mit umso mehr Hits auf ganzer Linie überzeugen kann. (mbo)

 

Pics: Friso Gentsch, eye-work.com