History2004

Nach dem letztjährigen Festival-Debüt im malerisch gelegenen Gelsenkirchener Amphitheater schlug dieses Jahr die Stunde der Wahrheit: Würden genug Leute kommen, um die Kosten zu decken? Würde das Wetter diesmal mitspielen? Würde das Camping-Problem als gelöst betrachtet werden können? Von diesen drei Fragen hing die Zukunft des ROCK HARD OPEN AIRS ab...

Und wir können Entwarnung geben: Das ROCK HARD OPEN AIR wird ab sofort regelmäßig zu Pfingsten in Gelsenkirchen stattfinden! Im Gegensatz zum letzten Jahr konnten wir mit den Eintrittsgeldern und den Nebeneinnahmen aus Merchandise und Catering die Kosten decken, ohne dabei den Service vernachlässigen zu müssen; es gab keine wetterbedingten Pannen, und der erstmals zur Verfügung gestellte Campingplatz (direkt neben dem Festivalgelände) wurde bestens von euch angenommen. Zwar sind wir uns der Tatsache bewusst, dass an diversen organisatorischen Details (z.B. im Campingbereich) noch gearbeitet werden muss - aber das ändert nichts an der Tatsache, dass das Feedback eurerseits wieder mal schlicht umwerfend war! Daher an dieser Stelle ein riesiges Dankeschön an alle, die uns auf die Schultern geklopft, Verbesserungsvorschläge angebracht und in verschiedenster Weise mitgeholfen haben, ein tolles Festival auf die Beine zu stellen! Für euch hat sich die Arbeit des letzten Jahres definitiv gelohnt! (gk)

 

Freitag

Zitteraale in der Hose

METAL INQUISITOR eröffnen das diesjährige Rock-Hard-Festival und heizen mit ihrem old-schooligen Power Metal dermaßen ein, dass sogar Omas, Skater, Yuppies und ganze Familien mit Kind und Kegel bei ihrem Spaziergang am Gelände der ehemaligen Bundesgartenschau innehalten und gespannt den nostalgischen Klängen lauschen, die die Jungs aus Koblenz im Biergarten des Geländes zum Besten geben. Melodischer Thrash, ´ne Portion NWOBHM und ein kräftiger Schuss traditionelle Achtziger-Jahre-Power-Mucke dienen als geniale Einstimmung für das, was an diesem Wochenende noch folgen wird. Klasse, die Herren! (hd)
Auch für das Wohl der Thrash-Metal-Fans ist an diesem lauschig-warmen Freitagabend gesorgt. DELIRIOUS geben von Anfang an Vollgas und erinnern mit ihrer abwechslungsreichen Mucke an die guten alten Bay-Area-Zeiten. Der stimmgewaltig rüberkommende Frontmann Markus ?Betty? Bednarek hat die Meute vor der Bühne gut im Griff und kommt dabei rüber wie die etwas zu breit geratene, nordrhein-westfälische Ausgabe von Chuck Billy. Leider ist der Sound nicht das Gelbe vom Ei, denn die Gitarren gehen im Bassbrei fast vollkommen unter. Macht aber nix, denn auch so sieht man reihenweise abschädelnde Banger, die an der technisch einwandfrei vorgetragenen Mischung aus Testament und Forbidden sichtbaren Spaß haben. Für den Höhepunkt eines souveränen Auftritts sorgt das abschließende Iron-Butterfly-Cover ´In-A-Gadda-Da-Vida´, bei dem Band und Publikum noch einmal ihre letzten Kraftreserven mobilisieren. (ps)

Nimmt man den enormen Anteil der Kutten- und True-Metal-Shirtträger als Bemessungsgrundlage für Publikumsresonanzen, so müsste man eigentlich davon ausgehen, dass ELECTRIC EEL SHOCK heute Abend geteert und gefedert werden. Doch wie man sich irren kann: Drei Japaner mit Starkstromfrisur rennen auf die Bühne, schreien und gestikulieren dermaßen hektisch herum, dass man denken könnte, sie hätten verhaltensgestörte Zitteraale in ihren Hosen, stöpseln ein - und rocken ohne Punkt, Pathos und Komma. Los geht´s mit einem Intro-Mischmasch aus Sabbaths ´Iron Man´ und Rumpeln Marke Eigenbau. Der Drummer wirbelt das Intro mit vier (!) Drumsticks, der Klampfer macht den Hendrix - von wegen Gitarre überm Kopf spielen -, und der Bassist wälzt sich gleich in der ersten Spielminute auf dem Bauch. Hölle, diese Japsen!
Was folgt, ist ein Triumphzug des schmutzigen Rock´n´Roll - nicht immer gut gespielt, aber auf sagenhaftem Energielevel. Das Publikum jedenfalls rastet komplett aus und hüpft und bangt sich in einen Garten Eden der lauten Beatmusik. Und irgendwann brechen alle Dämme: 50 oder 60 Wahnsinnige krabbeln auf die Bühne, hotten gemeinsam mit der Band ab und spielen Luftgitarre.

Lobenswert: Die Security-Kräfte machen aus dieser Situation das Beste - indem sie geflissentlich in eine andere Richtung schauen und das Treiben auf der Bühne komplett ignorieren. Richtig so, denn trotz Chaos bleibt alles friedlich! (wrm)

Nach dem Headbanging-Massaker von EES haben HONIGDIEB den verdammt schweren Job, die bereits explodierte Stimmung irgendwie zu halten. Doch Sir Hannes & Co. zelebrieren ihre gewohnt augenzwinkernd zu betrachtende Rockshow mit Cabaret-Elementen und animieren die ersten Reihen kräftig zum Mitmachen. Wie bei Eläkeläiset lässt sich über Musikstile trefflich streiten, und die ungewöhnliche Instrumentierung (Querflöte, Kontrabass, Geige) sorgt bei einigen Metallern noch für zusätzliche Verwirrung, zumal der Sound leider etwas zu leise in den Biergarten schallt (wofür die Band nichts kann). Aber Honigdieb sind eine erfahrene Livetruppe und bieten mit diversen Gästen und dem Verwandlungskünstler Hannes am Mikrofon auch was fürs Auge. So schickt man die Fans mit warmen Gedanken an ´Luder´ und ´Telefonsex´ in die Zelte. Das Motto für die Nacht: Kräfte sammeln für den nächsten Tag - oder bis zum Morgengrauen weiterfeiern... (hs)

 

Samstag

Mit Pomp und Gloria

Pünktlich zur Mittagszeit eröffnen THUNDERSTORM den offiziellen Teil des Festivals. Ursprünglich sollten ja ihre italienischen Landsmänner Doomsword in Gelsenkirchen aufspielen. Diese mussten leider aufgrund einer Armverletzung ihres Gitarristen passen. Thunderstorm sind allerdings ein mehr als würdiger Ersatz, zumal sie mit ihrem Mix aus epischem Doom- und klassischem Power Metal eine ähnliche Fanschicht ansprechen. Mittlerweile wieder zum Trio geschrumpft, bieten Fabio "Thunder" Bellan und seine Mitstreiter vom optischen Aspekt her allerdings wenig bis gar nichts; ein allzu exzessives Bewegungsprogramm auf der Bühne findet nicht statt. Dafür entwickeln die Herren aber musikalisch umso mehr Druck. Vom sehr wuchtigen Drumming vorangetrieben, entfachen die ehernen, schwerstens Black-Sabbath-getränkten Riffs von großartigen Doom-Hymnen wie ´Time´, ´Witchunter Tales´, ´Reality´ oder ´Sad Symphony´ umgehend ihre mitreißende Wirkung und fesseln von der ersten bis zur letzten Sekunde eines tadellos dargebotenen Sets. Und mal ehrlich: Was gibt es Schöneres, als bei sommerlichen Temperaturen mit einem kühlen Blonden in der Pranke unter dem Schatten spendenden Bühnendach zu stehen, gemütlich mit dem Fuß im Donnersturm-Takt mitzuwippen und den Festivalmotor bei langsamer Drehzahl warm laufen zu lassen? Eben! (as)

Es ist und bleibt ein ungewohnter Anblick für Psychotic-Waltz-Fans, dass Buddy Lackey alias Devon Graves mittlerweile mit einer Gitarre bewaffnet und am Bühnenrand stehend anderen Sphären entgegenschwebt. Der Wahlösterreicher und sein grandios aufspielender DEAD SOUL TRIBE erwischen mit ´The Messenger´ vom aktuellen "A Murder Of Crows"-Kracher dennoch einen Einstand nach Maß. Psychedelisch angehauchte Magiehäppchen wie das fantastische ´Some Things You Can´t Return´ oder das hypnotisierende ´Angels In Vertigo´ werden wie kleine Pfeile in den Gelsenkirchener Sonnenhimmel geschossen und sinken flächendeckend und atemberaubend-atmosphärisch auf das Publikum nieder. Beim heiß herbeigesehnten Psychotic-Waltz-Kultstück ´I Remember´ wähnt sich manch alteingesessener Metaller eher auf einem Woodstock-Revival als auf einem reinrassigen Metalfestival. Da trüben auch diverse technische Probleme wie eine verstimmte Gitarre kaum den Hörgenuss. Dead Soul Tribe funktionieren auch auf einer großen Bühne und bei sengender Sonne. Dafür setzt es zu Recht begeisterten Beifall. Klasse Auftritt! (ps)

Große Erwartungen - große Ernüchterung. Zumindest am Anfang. NAGLFAR klingen wie Dachpappe. Erst nach fünf Minuten findet der Soundmann seine Black-Metal-Ohren und schnallt sich diese über. Danach knallt die Musik ordentlich, und die Schweden entfachen ein wahrlich packendes Miteinander von rasender Aggression und spielerischer Extraklasse. Da stört das gleißende Sonnenlicht gar nicht mehr so sehr - wobei dieser Sound eigentlich nach Dunkelheit, Nebel und Feuerschwaden schreit. Songs wie ´Black God Aftermath´, ´I Am Vengeance´ und ´Horncrowned Majesty´ machen deutlich, dass diese Band das Zeug zu Stars hat, denn einerseits sind sie zum Ausrasten, andererseits zum Genießen. Und mit dem charismatischen, eigenwilligen Fronter Jens Rydén hat die Schwarzheimer-Szene nach dem Abgang von Abbath und Immortal endlich mal wieder eine echte Charakterfigur. Man sieht förmlich, wie diese Band wächst und gedeiht. (wrm)

Im Vorfeld wirkten die Jungs von GLUECIFER doch etwas nervös wegen der Metal-Schlagseite des Billings. Aber wie bereits im Vorjahr präsentiert sich das Publikum ausgesprochen tolerant und verblüfft Biff Malibu & Co. mit uneingeschränkter Punkrock-Partylaune. Die Norweger bedanken sich ihrerseits mit einem bärenstarken Gig, und so schaukeln sich Fans und Band gegenseitig zum ersten Highlight am frühen Nachmittag hoch. Neben den gewohnten Stimmungsgranaten Biff Malibu und Dauergrinser Captain Poon avanciert heute insbesondere Drummer Danny zum Partytier und liefert den Beweis, dass auch Punkrocker ´ne amtliche Kelle schwingen können. Das Publikum lässt sich nicht lange bitten und formiert sich zum ersten Moshpit des Tages. Überrascht von der positiven Resonanz der Headbanger, spielen sich die Osloer beinahe in einen Rausch und laufen mit Hits wie ´I Got War´, ´Get The Horn´, ´Shotgun Seat´, ´Easy Living´ und ´Automatic Thrill´ zu absoluter Höchstform auf. Die Jungs sprühen nur so vor Spielfreude, und so treten Metal Maniacs und Band gemeinsam den Beweis an, dass sich auch ohne Schubladen prima feiern lässt. Arschgeile Performance! (kh)

Götz hatte schon vor dem Naglfar-Gig darauf hingewiesen, dass Marduk ihren Auftritt absagen mussten, weil mal wieder ein Bandmitglied abhanden gekommen ist (dieses Mal ist es Basser B. War, den die Liebe nach L.A. trieb), und hatte im Publikum bereits eine enorme Begeisterung für den "Ersatz-Act" DESTRUCTION diagnostiziert. Etwas mulmig ist Schmier & Co. dennoch, da sich diverse Marduk-Shirts vor der Bühne tummeln. Vielleicht startet man deshalb mit dem Über-Classic ´Total Desaster´, den auch Marduk mal ehrfurchtsvoll gecovert haben. Das Publikum frisst dem süddeutschen Dreier jedenfalls sofort aus der Hand, startet massive "Destruction!"-Schlachtrufe, und Schmier hätte sich seine mehrfachen ?Wir sind übrigens nicht Marduk, wir sind Destruction!?-Sprüche schenken können.

Die Setlist ist Bombe: sehr old-schoolig, aber immer wieder beweisend, dass sich auch aktuellere Songs wie ´Thrash Til Death´ oder ´The Butcher Strikes Back´ mit den alten Gottheiten absolut messen können. Schmiers Ansagen versprühen den üblichen Prollcharme ("Wir sind alle eine Scheißfamilie!", ?Ich will hier jetzt einen verdammten Old-School-Moshpit sehen!?), Mike rifft agil, und Marc ist die gewohnte Präzisionsmaschine. Trotz Alte-Männer-Nostalgie und alles verklärendem Alzheimer: Songs wie ´Curse The Gods´ oder ´Eternal Ban´ klingen mit diesem Line-up Schädel spaltender than ever. (jj)

Nicht nur Götz ist gespannt auf den Auftritt der Schweizer Hardrock-Veteranen KROKUS. Und wer befürchtet hat, dass sich nach mehr als 20 Jahren Rockbiz und zahlreichen Tiefschlägen irgendwelche Abnutzungserscheinungen bei den Eidgenossen breit gemacht hätten, sieht sich mehr als getäuscht. Sowohl Fernando von Arb als auch Marc Storace zocken absolut straight und gewohnt souverän einen Hit nach dem nächsten, und so ist das Publikum entsprechend begeistert. Eigentlich kein Wunder, denn wenn man solche Meilensteine wie ´Long Stick Goes Boom´, ´Eat The Rich´ oder ´Bedside Radio´ am Start hat, muss man definitiv keine Bühne der Welt fürchten. Aber auch die neuen Stücke vom "Rock The Block"-Album kommen durch die Bank gut an und lassen den Stimmungspegel in die Höhe schnellen. Verblüffend, wie sattelfest und harmonisch sich die übrigen neuen Bandmitglieder mittlerweile eingefügt haben und somit kein bisken Wehmut in Erinnerung an die alten Tage aufkommen lassen. Denn das, was die Jungs heute bieten, braucht den Vergleich mit den alten Zeiten in keinster Weise zu scheuen. (kh)

Nach dem gemäßigten Hardrock-Schunkelsound der Eidgenossen ist es wieder Zeit für eine ordentliche Tempoverschärfung und eine gepflegte Dosis guten, freundlichen und gewalttätigen Spaßes! EXODUS erleben derzeit ihren x-ten Frühling und präsentieren sich in bestechend guter Form. Und auch wenn man dem nach wie vor erstklassigen Gitarrentandem Gary Holt/Rick Hunolt die diversen Drogenexzesse der Vergangenheit bei näherer Betrachtung geradezu vom Gesicht ablesen kann: 2004 stehen die Bay-Area-Thrasher wieder voll in Saft und Kraft und können an einem guten Tag jede Konkurrenz an die Wand spielen. Wahnsinnig tight und ohne großartige Verschnaufpausen brettert der Fünfer ein bärenstarkes Thrash-Metal-Brett nach dem anderen aus der P.A. Wobei sich die Setlist neben einer Hand voll anderer Songs wie ´´Til Death Do Us Part´ oder dem unverzichtbaren ´Toxic Waltz´ in erster Linie aus Songs vom aktuellen Album "Tempo Of The Damned" und dem Jahrhundertdebüt "Bonded By Blood" zusammensetzt. Und Nummern wie ´Blacklist´, ´Shroud Of Urine´, ´Tempo Of The Damned´ oder das überragende ´War Is My Shepherd´ können absolut problemlos neben unsterblichen Klassikern wie ´And Then There Were None´, ´Bonded By Blood´, ´Strike Of The Beast´ oder dem als ?kein Song über einen Goldfisch? angekündigten ´Piranha´ bestehen. Für mich und nicht eben wenige andere Fans der heimliche Headliner des gesamten Festivals! (as)

GAMMA RAY sind einfach die perfekte Festivalband. Man kennt und schätzt sie - und wenn nicht das, dann ist der Truppe um Galionsfigur Kai Hansen zumindest doch Respekt für ein imposantes Lebenswerk sicher. Egal, wie überstrapaziert pompöser, melodischer Mitsing-Metal der einzig wahren Hamburger Schule heute auch sein mag: Es ist einfach beeindruckend, wenn diese einflussreiche Heavy-Metal-Persönlichkeit die Bühne betritt und ins Auditorium lächelt. Häppy-Metal mit Pomp und Gloria - der Kai, der darf das. Denn besser und würdevoller als er kann es nun mal keiner.
Mit schicker Kopfbandage startet der Strahlemann mit ´Gardens Of The Sinner´ und ´New World Order´ in den Abend und kostet als erster Act des Festivals wirkungsvoll die Lichtanlage aus. Crowdsurfer drehen untermalt von lautem Oh-ho-Gesang der Fans ihre Runden - das Publikum lässt sich beim Feiern nicht aufhalten. Und das, obwohl der Sound als auch die Spielfreude der Band (und wohl auch der Gesang von Kai) schon wahrlich glanzvollere Stunden erlebt haben. ´Rebellion In Dreamland´, ´Land Of The Free´, ´Armageddon´, ´One With The World´, ´I Want Out´, ´Heavy Metal Universe´ und ´Somewhere Out In Space´ (mit ausufernden Mitsingparts) können sich als Setlist zwar durchaus sehen lassen; auf das finale Feuerwerk an überwältigenden Hits und guter Laune wartet man erstaunlicherweise aber vergebens. Mit ´Send Me A Sign´ beendet dann der trotz allem würdige Co-Headliner seinen nicht gleichgültig, aber doch etwas zu routiniert wirkenden Auftritt. Durchaus okay, aber Gamma Ray haben wir alle schon einige Male bedeutend überzeugender gesehen. (db)

Mit einem inbrünstig gegrölten "Euer Headliner wird euch so richtig einen blasen!" kündigt Wolf-Rüdiger eine halbe Stunde später IN EXTREMO an. Das Berliner Septett nimmt Kollege Mühlmann beim Wort und verpasst der staunenden Meute in den nächsten 100 Minuten einen saftigen Konzert-Orgasmus nach dem anderen. Nach den Eröffnungstracks ´Küss mich´, ´Hiemali Tempore´ und ´Wind´ schießt Frontmann Micha Rhein verbal mit einem nicht ganz jugendfreien "Wir danken Wolf, der sonst immer um alle Bands umherwixt, dass er diese Ansage gemacht hat!" zurück. Der erste Höhepunkt des Auftritts sind die ´Merseburger Zaubersprüche II´, der "7"-Opener ´Erdbeermund´ und ´Herr Mannelig´. Das Vorhaben, ein paar Fans für ´Ai Vis Lo Lop´ auf die Bühne zu holen, entpuppt sich in der praktischen Umsetzung als schwieriger. Ein männlicher Fan, der mit dem ostdeutschen Gespann vor das Mikro tritt, ist schnell gefunden, aber unter den weiblichen Zuschauern gibt es nur eine widerspenstige junge Dame, die zwar auf die Bühne kommt, aber keinen Ton mitsingt.
´Spielmannsfluch´, ´Omnia Sol Temperat´ und ´Vollmond´ werden von stimmungsvollen Pyro-Effekten und einer fetten Lightshow untermalt. Obwohl es einige Fans gibt, denen die Setlist zu viele neue Songs enthält, sind die Reaktionen auf ´Nymphenzeit´ eindeutig. Einhorn Micha hat seine Ansage "Es ist Zeit, nach den Weibern zu gucken!" kaum beendet, als aus den vordersten Reihen schon ein begeistertes "Au ja!" ertönt. Nach ´Villeman Og Magnhild´ scheint das Konzert zu Ende zu sein. Am Bühnenrand schießen Flammen in die Nacht, und im Schwarzlicht leuchten gespenstische Skelette. Doch In Extremo kommen noch mal für eine Zugabe zurück. Mit ´Madre Deus´ und ´Mein Kind´ beenden die Kings des Mittelalter-Metal ihren beeindruckenden Auftritt. (cs)

 

Sonntag

Wichtich is auffa Bühne!

Der zweite Tag! Verkatert schlurfen bereits einige Hundert an seniler Bettflucht leidende Fans frühmorgens um zwölf über die Stufen. Den lästigen brummenden Kopf wie eine Kapuze an den Schultern hängend, suchen auch meine verstaubten Turnschuhe den Weg vor die Bühne, um das musikalische Frühstück einzunehmen. Frei nach dem Motto "DESASTER geben dem Kater keine Chance!" klopfen die Könige des deutschen Undergrounds den Morgenmuffeln mit einem amtlichen Querschnitt aus ihrem bisherigen Schaffen den Schlaf aus dem Pyjama. Spätestens beim Klassiker ´Metalized Blood´ haben die Koblenzer dann das Publikum endgültig wachgerüttelt und ihren Status als die rheinischen Donnervögel Nummer eins doppelt unterstrichen. Desaster sollten ihre CDs mal an das Bundesministerium für Gesundheit senden, um sich ihre anregende Wirkung auf den Gesamtorganismus amtlich bestätigen zu lassen. Wirkt definitiv besser als Kaffee! (bc)

Mag sein. Aber wer am frühen Morgen WIRKLICH zappelig werden will, tut gut daran, seine Lauscher aufzustellen, wenn die Kanadier INTO ETERNITY dabei sind, ihre grandiose musikalische Umsetzung von Lemmys wöchentlicher Speed-Ration, ´ner Europalette Red Bull und Italiens Landesvorrat an Espresso ins Auditorium zu pusten. Wer hier jedes Break mitkriegen will, muss schon sämtliche Wurzelfunktionen seines Taschenrechners beherrschen.
Wie dem auch sei: Die Prog-Deather haben sich spätestens mit ihrem aktuellen Album "Buried In Oblivion" zu einem der größten Hoffnungsträger der Extrem-Metal-Szene gemausert. Das merkt man auch in Gelsenkirchen. Nicht wenige Fans haben während des Gigs sämtliche Lyrics der Holzfäller auf den Lippen, im Pit regen sich die ersten Fäuste, und auch der Applaus auf den Rängen wird von Song zu Song lauter. Anbetungswürdig tight zockt die Band, und auch die komplexen mehrstimmigen Vocals kommen gewaltig und melodiös. Into Eternity könnten die erste Superfrickeltruppe seit Ewigkeiten werden, die es in höhere Kommerzregionen schafft. Vielleicht der heimliche Gewinner des Festivals. (bk)

Als nächstes hätten eigentlich Malevolent Creation spielen sollen, doch leider konnte ihr Konzertagent sein ursprüngliches Versprechen nicht einhalten, der Band drei bis vier weitere Clubgigs um das Festival herum zu buchen, damit sich der Trip nach Europa finanzieren lässt.
Als Ersatz stürmt dafür das dänische Krawallkommando ILLDISPOSED genau um 14.15 Uhr die Bühne - wenn auch anders als geplant: Der CD-Spieler am Mischpult kann leider die gebrannte CD mit dem Intro nicht lesen, und so muss das Quintett ohne Eingangsmelodie mit dem Titelstück des "Submit"-Albums loslegen. Was der Sache allerdings keinen Abbruch tut, denn Illdisposed brettern gewaltig los. Die Band zockt nahezu perfekt und mit heftiger Brachialgewalt; die beiden Gitarristen Lasse und Jakob gehören technisch definitiv zu den unterbewertetsten Vertretern ihrer Zunft im Death-Metal-Bereich.
Für die Genre-untypische Portion Humor sorgt indes Sänger Bo mit seinen völlig schrägen Ansagen: "Wir sind Dänen und haben kleine Eier!" - "Wir haben gestern in Wien unseren Roadie verloren!" - "Das nächste Stück handelt von Kokain, oh weh, oh weh..." Und dabei guckt der Mann immer höchst unschuldig aus der Wäsche.
Doch dieser Humor ist fester Bestandteil bei Illdisposed: "Wir sind zwar aus Dänemark, können aber auch schwedisch spielen!" brüllt er ins Mikro und kündigt einen Song an, der an At The Gates erinnern soll und konsequenterweise dann auch gleich ´Near The Gates´ getauft wurde. Megadeths ´Wake Up Dead´ hat die Band allerdings so modifiziert, dass man den Song nur noch anhand der Lyrics wiedererkennen kann.
"Wir sind jetzt bei Roadrunner und wissen auch nicht, warum", lautet eine weitere Ansage. Aber ich weiß es: Weil auch die vorgestellten Stücke der neuen, im September erscheinenden CD der absolute Hammer sind. Und weil es Illdisposed schaffen, das Publikum auf ihre Seite zu ziehen. Standen am Anfang des Sets nur einige wenige Interessierte vor der Bühne, so bangt jetzt gegen Ende der Show doch schon eine sehr ansehnliche Meute, und nach dem Konzert gibt es am Merchandise-Stand viele Nachfragen nach den CDs der Band. Punktsieg für Dänemark. Bleibt nur noch die Frage, wieso sie kein einziges Stück ihres stärksten Albums ?Kokaiinum? gespielt haben... (fa)

Nachdem die deutsch-britische Freundschaft ihre Deutschlandtour mit Axxis erfolgreich hinter sich gebracht hat, soll mit dem Festivalauftritt das Bühnenhighlight des Jahres folgen. Und wie zu erwarten, schaffen es PINK CREAM 69 problemlos, Partystimmung zu verbreiten. Die Jungs stellen klar, dass nur wenige Bands die Mischung aus Melodie, Härte, Midtempo und Entertainment so perfekt auf die Reihe kriegen wie die Karlsruher. Die Entscheidung, sich auf der Bühne mit einem zweiten Gitarristen in Form von Uwe Reitenauer zu verstärken, hat sich definitiv gelohnt. Erwartungsgemäß gibt es neben zwei Nummern vom aktuellen Album ?Thunderdome? ein Best-of-Programm aus der reichhaltigen Discografie (klar, dass man es in Sachen Setlist nicht jedem recht machen kann), bei dem die Pinkies auf Coverversionen verzichten und Klassiker an Klassiker reihen. Nicht zu Unrecht wird die Truppe im Programmheft als "Kings of Melodic Hardrock" angekündigt, und letztlich bringen die Jungs genau das rüber, was man von ihnen erwarten darf: partykompatible Mucke vom Feinsten. Dass dabei die Damendichte an der Bühne größer als bei anderen Bands des Tages ist, liegt nicht zuletzt an Frontmann David Readman und muss eigentlich nicht extra erwähnt werden. (wk)

Einfach sensationell, was die US-Power-Legende METAL CHURCH anschließend durch die Boxen bläst. Solch eine ansteckende Spielfreude bei gleichzeitig technisch höchstem Niveau konnte man wohl nur bedingt erwarten. Schließlich haben die beiden verbliebenen Ur-Mitglieder Kurdt Vanderhoof und Kirk Arrington ihrem Baby erst unlängst eine gehörige Frischzellenkur verpasst. Doch das neue Line-up mit Sänger Ronny Munroe (genialer Spagat zwischen David Wayne und Mike Howe), Bassist Steve Unger und Ex-Malice-Klampfer Jay Reynolds dürfte nach Gelsenkirchen alle Rufe nach der Originalbesetzung verstummen lassen. Denn das traumhafte Zusammenspiel bei Über-Songs wie ´Start The Fire´, ´Gods Of Wrath´, ´Watch The Children Pray´ oder ´Beyond The Black´ sorgt nicht nur für kollektives Ausrasten des Publikums, sondern sogar für die eine oder andere Träne. Genial! Die Band ist von derart euphorischen Publikumsreaktionen sichtlich überwältigt, peitscht sich und die Fans jedoch immer weiter nach vorne. Drumgott Arrington hat so viel Spaß in den Backen wie der Rest aller Festivalbands zusammen und zelebriert jeden einzelnen Schlag mit unglaublicher Intensität. In dieser außerordentlichen Form stecken Metal Church momentan so ziemlich jede andere Band locker in die Tasche. (mbo)

Gäbe es einen Ehrenpreis für den agilsten Frontmann, Mikael Stanne von DARK TRANQUILLITY wäre seiner mehr als würdig. Der Mann rast unermüdlich über die Bühne, schüttelt zwischendurch minutenlang die Hände der zahlreich vor der Bühne versammelten Fans, zelebriert seine Lyrics mit nie affektiert wirkenden Gesten und singt trotzdem so stimmgewaltig wie timingsicher. Die musikalische Performance steht dem kaum nach: Songs wie ´Punish My Heaven´, ´Wonders At Your Feet´ oder das mächtige ´Damage Done´ machen definitiv Lust auf die Live-DVD und vor allem auf das noch in diesem Jahr erscheinende neue Album, aus dem die Göteborger einen coolen, rasanten Song vorstellen. An der Instrumentalfront sind vor allem Gitarrist Niklas Sundin und Basser Michael Nicklasson in Bewegung; einzig Tastenmann Martin Brandström sieht etwas gelangweilt aus. Dazu ist er noch schlecht zu hören, was aber nicht wirklich stört. Definitiver Höhepunkt ist die "Projector"-Hymne ´ThereIn´, deren melodiöser Refrain mir nach dem göttlichen Dead-Soul-Tribe-Gig vom Vortag die heftigste Gänsehaut des Wochenendes beschert. (tb)

Als Band mit dem kürzesten Anfahrtsweg - Urgestein Peter "Peavy" Wagner (v./b.) kommt bekanntermaßen aus dem wenige Kilometer entfernten Herne - genießen die Herren von RAGE quasi Heimvorteil und lassen sich auch vom einsetzenden Nieselregen nicht aus dem Konzept bringen. Dazu tummeln sich einfach zu viele Leute vor der Bühne, um dem musikalisch über jeden Zweifel erhabenen Power Metal des Triumvirats, der erfreulich transparent durch die P.A. donnert, zu huldigen. Umso schöner, dass die Jungs neben Songs des aktuellen "Soundchaser"-Opus (´War Of Worlds´, ´Great Old Ones´ und der Titeltrack) auch etliche Klassiker vom Kaliber ´Solitary Man´, ´From The Cradle To The Grave´, ´Black In Mind´, ´Higher Than The Sky´ oder ´Don´t Fear The Winter´ (unsterblich!) am Start haben. Einige dieser Tracks hatte nicht nur ich auf der Co-Headlining-Tour mit Primal Fear im Herbst 2002 noch schmerzlich vermisst. Ganz im Gegensatz zu den nicht gerade kurzen Soloeinlagen von Gitarrist Victor Smolski und Schlagzeuger Mike Terrana, die auch heute wieder Bestandteil des Programms sind. Nicht, dass ich prinzipiell etwas gegen Soli hätte, aber wenn man "nur" eine Stunde Zeit hat, sollte man für meine Begriffe lieber mehr Stücke spielen. Zumal selbst musikalisch hoffnungslos unterbelichteten Zeitgenossen spätestens nach dem ersten Song klar ist, dass es sich bei dem Weißrussen, seinem amerikanischen Kollegen und auch bei Mr. Wagner höchstpersönlich um absolute Granaten an ihren Instrumenten handelt. An meinem Urteil "extrem kurzweilig" ändert das letztlich aber nicht das Geringste. (buf)

Über kaum einen anderen Auftritt ist im Vorfeld des Festivals so heftig diskutiert worden wie über den vielleicht letzten Deutschlandgig von STRATOVARIUS. Spielen sie überhaupt? Und wenn ja: Herrscht zwischen den Herren Tolkki, Kotipelto, Johansson, Kainulainen und Michael absolute Funkstille? Kommt es gar wieder zu hangreiflichen Auseinandersetzungen?
Fakt ist, dass sich die Band getreu dem Motto "Wichtich is auffa Bühne!" zumindest auf musikalischer Ebene noch mal professionell zusammengerauft hat, um auch den Fans in Gelsenkirchen eine anständige Performance zu bieten. Klar, man kann darüber spekulieren, ob der Abstand zwischen Tolkki und dem Rest der Band auf Festivalbühnen schon immer so groß gewesen ist, ob der etwas abwesend wirkende Gitarrist mit seinem T-Shirt-Aufdruck "We" den schon längst verloren geglaubten Teamgeist beschwören will. Bevor wir hier jedoch in billigen Boulevardjournalismus abdriften, sei gesagt, dass die Band bei bestem Sound einen spielerisch erstklassigen Gig (u.a. mit ´Hunting High And Low´, ´Phoenix´, ´Speed Of Light´, ´Father Time´, ´Kiss Of Judas´ und ´Forever´) abliefert, der eigentlich nur unter einem Schönheitsfehler leidet: Interaktion und echte Spielfreude sind auf der Bühne leider Fehlanzeige. Aber nach all den hässlichen Vorkommnissen der letzten Monate kann man das wohl auch nicht erwarten. Umso schöner, dass sich die Band nach dem letzten Song ´Black Diamond´ kollektiv von ihren Fans verabschiedet. Also doch wieder ein Silberstreif am Horizont?
Hoffentlich auf bald, Stratovarius! (mbo)

Als wollte man es all den Leuten zeigen, die trotz der glorreichen "Through The Ashes Of Empires"-Scheibe nicht so recht glauben, dass MACHINE HEAD wieder fett Metal sind, strotzt das bombastische Intro der Sonntags-Headliner nur so vor Klischees. Von der in dunkelblaues Licht getauchten Bühne schallen mächtig gruselige Choräle, aus denen man bei genauem Hinhören die lateinischen Vokabeln für so finstere Dinge wie Blut und Teufel erkennen kann. Die gehen in das mindestens genauso finstere Intro von ´Imperium´ über, das sich wiederum in das größte, gewaltigste und tollste Riffgewitter des Wochenendes entlädt. Spätestens nach fünf, sechs Takten ist dann klar, dass die Bande aus Oakland gewonnen hat. Ob nun ´The Blood, The Sweat, The Tears´, ´Davidian´ oder ´Left Unfinished´: Mit der Wucht des ebenfalls gebotenen ´Ten Ton Hammer´ kracht Song für Song aufs mittlerweile vom Regen etwas nasse, fröhlich moshende Publikum, das vom begeisterten Robert Flynn immer wieder versichert bekommt, wie "awesome" es sei. Neuzugang Phil Demmel wirkt ebenso entspannt und souverän wie Adam Duce, beide verblassen jedoch vor dem Charisma des Frontmonsters Flynn und dem unglaublichen Drumming von Dave McClain, der sich ohne Frage einen bequemen Hocker am goldenen Kit des Trommler-Olymps verdient hat. Mit ´Descent The Shades Of Night´ und ´Block´ - inklusive gewaltigem Circle-Pit, der von oben aussieht wie ein riesiger menschlicher Meeresstrudel - rollt das Rock Hard Festival 2004 schließlich gebührend mächtig aus. (tb)

 

In Gelsenkirchen feierten mit euch folgende glückliche Rock-Hard-Nasen: Holger Stratmann (hs), Manni Glamowski, Götz Kühnemund (gk), Frank Albrecht (fa), Thomas Kupfer (tk), Michael Rensen, Andreas Himmelstein, Jenny Rönnebeck (jr), Boris Kaiser (bk), Klaus Himmelstein (kh), Stefan Büchner, Hansi Daberger (hd), Marion Schulz, Uwe Heine, Frittz Loch, Svenja Kleinhaus, Marcus Schleutermann, Stefan Glas, Dani Lipka, Stefan Geide, Axel Jusseit, Friso Gentsch, Stefan Malzkorn, Astrid Westerhoff, Miriam Görge, Tina Sinovzik, Daniel Böhm (db), Andreas Stappert (as), Mike Borrink (mbo), Wolfram Küper (wk), Buffo (buf), Frank Trojan, Tobias Blum (tb), Oliver Klemm, Jan Jaedike (jj), Wolf-Rüdiger Mühlmann (wrm), Conny Schiffbauer (cs), Bruder Cle (bc), Patrick Schmidt (ps), Sven Stegmann, Ruben Schulze-Fröhlich, Simon Dümpelmann, Janine Heumann, Karo Weglarz, Sebastian Wehrbein, Alexander Weinstock, Daniel Funke, Dorothea Schumann, Timo Bertelsmeyer, Hardy Keidel, Volker Trierscheid, Frank Kuckshoff, Nicolas Pepperhoff, Tommy Aravantinos, Robert Kowalewski, Martin Sosna, Volker Will, Wurzel & Andreas Hampel.

 

Unser Dank geht an:

- alle Besucher!
- alle ehrenamtlichen Helfer!
- alle Rock-Hard-PraktikantInnen, -MitarbeiterInnen und Kumpels für ihren unermüdlichen Einsatz!
- alle Musiker!
- alle Sponsoren!
- und den Wettergott!

See you all in 2005!

Pics: Friso Gentsch, eye-work.com