History2003

Es war fast zu schön, um wahr zu sein: Trotz vieler Probleme im Vorfeld (hohe örtliche Kosten, zwei Bandabsagen, keine offiziellen Camping-Möglichkeiten) war die Stimmung unter den 5.500 Festival-Besuchern in Gelsenkirchen dermaßen gut und familiär, dass sich der ganze Stress im Vorfeld und der nicht gerade unbeträchtliche finanzielle Verlust letzten Endes doch gelohnt haben. Tausend Dank für die fast ausschließlich positiven Resonanzen eurerseits (s.a. Leserbriefe in dieser Ausgabe), die uns für vieles entschädigt haben. Ihr seid die Allergrößten!

Finanzielle Verluste? Waren wir zu blöd, das Festival im Vorfeld vernünftig durchzuplanen? Oder woran lag's?
Nun, es gab diverse Gründe, die verhindert haben, dass sich Holger endlich einen neuen Privatjet und Albrecht seine vierte Friteuse zulegen kann: Insgesamt wurden nur rund 4.000 Wochenend-Tickets verkauft, was zum einen damit zu tun hatte, dass wir keine offiziellen Camping-Möglichkeiten anbieten konnten, und zum anderen damit, dass sich der Pfingsttermin im Nachhinein als unglücklich (Rock am Ring, Sweden Rock, Gods Of Metal) herausgestellt hat. Zudem wollten wir die bestmögliche Party bieten und haben deshalb alle Preise - Getränke, Catering, Festival-Merchandise - gedrückt, wo es nur ging. Und zu guter Letzt haben wir viele Freitickets unter unseren Abonnenten verlost, um uns für die jahrelange Treue zu bedanken.
Andererseits ist es vollkommen normal, dass man mit einem nicht etablierten Festival auf einem neuen Gelände Verluste einfährt. Das weiß jeder Veranstalter in der Szene, und das wussten natürlich auch wir im Vorfeld. Ein gewisser Verlust war also von vornherein einkalkuliert, weshalb ihr diesen Vorspann nicht als Jammerei missverstehen solltet. Mit dem reibungslosen Ablauf unserer Party (trotz eines Mega-Unwetters am zweiten Festivaltag), der musikalischen Leistung aller Bands und vor allem mit eurem Enthusiasmus und eurer Solidarität sind wir mehr als glücklich. Von uns allen deshalb noch mal ein riesiges, schwermetallisches Dankeschön!!! (gk)

 

Samstag

Den Festival-Reigen eröffneten die holländischen Death-Monster GOD DETHRONED. Unter sengender Mittagssonne prügelten sich Henri Sattler & Co. durch ihren Set, dass es eine wahre Freude war. Der Vierer wirkte souverän und energisch wie eh und je und wurde von der Meute vor der Bühne ordentlich abgefeiert. Kracher wie 'Boiling Blood', 'The Serpent King' oder 'The Warcult' knatterten im fetten Sound aus den Boxen. Der Boden des Amphitheaters bebte spürbar unter den Peitschenschlägen der Tulpen-Holzer. Ihrem traumhaften Zusammenspiel merkte man ihre große Bühnenerfahrung an. Vor allem Neudrummer Ariën (erstmals auf "Into The Lungs Of Hell" zu hören) wusste mit seinem exakten Spiel zu begeistern. God Dethroned machten ihrem Ruf als alles vernichtende Kriegsmaschine auch zu dieser frühen Stunde alle Ehre. Wem hier nicht das Ohrenschmalz aus den Lauschern geflogen ist, der wäscht sich eindeutig zu oft! (vw)

Dass TRIBE AFTER TRIBE zwischen den Metal-Schwergewichtlern keinen leichten Stand haben würden, war abzusehen. Aber Bandkopf Robbi Robb war schon immer eine der kompromisslosesten Gestalten der Musikszene. Kompromisslos politisch, kompromisslos spirituell und vor allem kompromisslos eigenständig begeistert der mittlerweile in Los Angeles lebende Exil-Südafrikaner immer wieder aufs Neue mit extravaganten akustischen Kulturbeiträgen, die sein bemerkenswertes Gegen-den-Strom-Wesen ebenso widerspiegeln wie seine Konzerte: Begleitet von jeder Menge afrikanischer Tribal-Rhythmen und vielen Percussion-Einlagen, spielte, tanzte und groovte er sich mit seiner Band (zu der auch Armored-Saint/Fates-Warning-Basser Joey Vera gehört) regelrecht in Trance; suhlte sich in psychedelischen und beinahe meditativen Monumentalklanglandschaften, in denen immer wieder folkloristische Tonelemente seiner früheren Heimat aufblitzten, um harten Gitarrenbreitseiten zu weichen. 
Schade war nur, dass ein großer Teil des Publikums nur dann groovegewillt den Hintern schwang, wenn auf der Bühne die Doppelfußmaschine strapaziert wurde. Die Vehemenz, mit der sich einige Kandidaten vor der Sogwirkung von Göttersongs wie 'Out Of Control', 'Build A Subway' oder 'Bury Me' verschlossen, war jedenfalls ziemlich traurig ... (db)

Der erste Teil der Festival-Trilogie "Manchmal kommen sie wieder" trug den Untertitel CIRCLE II CIRCLE und wurde mit einer derart spürbaren Spannung vom Publikum herbeigesehnt, dass man fast Angst bekam, ob der seit einer ganzen Weile bühnenabstinente Zak Stevens diesen hohen Erwartungen gerecht werden würde. Er wurde. Nichts, aber auch gar nichts hat er verlernt, der ehemalige Savatage-Sänger. Der Mann strotzt vor Charisma, ohne großartige Posen nötig zu haben, und sein viel zu lange ungehörter Gesang zählt noch immer zum Besten und Ausdrucksstärksten in der großen, weiten Welt des Metalls. Seine neue Band wirkte derart eingespielt und gut gelaunt, dass man meinen konnte, weniger ein zusammengewürfeltes Projekt als eine seit Jahren gewachsene Formation vor sich zu haben. Kaum zu überhören war allerdings, wie sehr man sich soundtechnisch an Zaks altem Arbeitgeber orientiert hat. 'Into The Circle' könnte auch auf "Streets" stehen, 'Watching In Silence' wirkt wie ein verloren gegangener Göttersong von "Gutter Ballet" - im Prinzip also genau das, was sich die meisten Fans von CIRCLE II CIRCLE gewünscht haben dürften. Dies wurde noch deutlicher, als die lauthals geforderten Savatage-Songs endlich kamen und sich nahtlos in das neue Material einreihten. 'Taunting Cobras' musste noch ohne den Mountain King auskommen, 'Edge Of Thorns' und 'Gutter Ballet' wurden dann mit Unterstützung des bejubelten Jon Oliva rausgehauen. Zwei der besten Metalsongs aller Zeiten bei sonnigem Wetter und großartigem Sound von Zak Stevens gesungen - definitiv einer der ganz großen Höhepunkte des Samstags. Zaks Nachfolger Damond Jiniya hat ohne Zweifel ein verdammt schweres Erbe angetreten ... (tb)

TROUBLE noch einmal lebendig sehen zu können, hatten sich die meisten Anhänger der Doom-Legende vor Monaten noch schwerlich vorstellen können. So herrschte rund um die Bühne eine angespannte Atmosphäre, als das Quintett aus Chicago loslegte. Die Kiffertruppe brauchte zwar drei Nummern, bis die Magie vollends durchschlug und das Zusammenspiel harmonierte. Was dann aber folgte, war beeindruckend: Als hätte es die lange Auszeit nicht gegeben, lieferte man ein Feuerwerk an Genre-Klassikern ab, das es in sich hatte. Einerseits war da Eric Wagners einzigartiger, melancholischer Gesang (keiner quarzt so viel wie dieser Kerl!), anderseits das Gitarrenduo Franklin/Wartell, das sicherlich zu den eindrucksvollsten des Festivals zählte und offene Mäuler bzw. verspannte Nackenmuskeln bei der loyalen Fanschar hinterließ. Wo könnte bzw. müsste die Band heute stehen, wenn sie nicht auf ihrem musikalischen Höhepunkt nach "Plastic Green Head" vorzeitig abgetreten wäre?
Ohne Frage, Trouble haben ihre Chance genutzt und sich eindrucksvoll zurückgemeldet. Wenn es mit dem Comeback weitergeht, darf man sich auf weitere Offenbarungen und eventuell sogar auf neue Songs freuen. (wk)

Gibt es eigentlich eine soundanfälligere Band als NEVERMORE? Auch bei seinem einzigen Open Air in diesem Jahr stand der legendäre Fünfer vor der schwierigen Aufgabe, aus einem äußerst bescheidenen (und dafür umso bissigeren) Klangbrei heraus eine überzeugende Metal-Show zu formen. Das Soundhandicap schien die Gemüter der in den ersten Reihen kräftig die Haare schüttelnden Anhänger allerdings nicht weiter getrübt zu haben. Denn diese feierten die engagierte und ständig bewegliche Band um Warrel Dane nach allen Regeln der Kunst ab. Neben Warrel, der in seiner schwarzen Schlaghose aussah wie ein wahnsinniger Tischler auf Wanderschaft und ein diabolisches "Ich liebe Metal" ins Publikum hauchte, zog vor allem Jag-Panzer-Gitarrist Chris Broderick, der Nevermore an der zweiten Gitarre verstärkt, die Blicke auf sich. Die Songauswahl war gewohnt ausgewogen, und so tummelten sich zwischen vielen Zitaten aus dem (noch) aktuellen Album "Dead Heart In A Dead World" einige ältere Zerstörer der Sorte 'Seven Tongues of God', 'Next In Line' und 'This Sacrament'. Zudem gewährten die Herrschaften einen äußerst viel versprechenden Ausblick auf das in Kürze erscheinende neue Langeisen "Enemies Of Reality".
Fazit: Dürftiger Sound - dafür aber laut, cool und Metal bis zum Anschlag. (db)

Dann war es an der Zeit für eine kräftig-kernige Thrash-Metal-Kelle. Quasi als Vorspeise zündeten zu Beginn des KREATOR-Gigs blaue und rote Rauchbomben. Diese waren allerdings etwas arg üppig dosiert, so dass die Bühne samt Musikern und den vorderen Publikumsreihen minutenlang in eine nicht sonderlich lecker riechende Qualmwolke gehüllt war. Aus dieser Suppe heraus preschten mit 'Violent Revolution' und 'Reconquering The Throne' gleich zwei fette Breitseiten vom letzten Album. In der Mehrheit bestand die Setlist aber aus älteren Klassikern der Altenessener Thrash-Institution. Denn wie der bestens aufgelegte Mille Petrozza treffsicher feststellte: "Hier sind glaube ich sehr viele Leute, die vor allem ältere Songs hören wollen." Dementsprechend gab es ein Wiederhören mit unverwüstlichen Genickbrechern wie 'People Of The Lie', 'Pleasure To Kill', 'Terrible Certainty', 'Riot Of Violence', 'Betrayer', 'Flag Of Hate' oder 'Tormentor'. Songs, die teilweise schon mehr als 15 Jahre auf dem Buckel haben, aber auch heute noch gnadenlos killen! Genauso wie Milles genial einfache Ansagen: "Wir sind Kreator. Schnauf, schnauf. Ich hoffe, die Stimmung ist aggressiv. Schnauf." War sie, Mille, war sie. Konnte man unter anderem an den vielen Crowdsurfern sehen, die die Bühnen-Security kräftig zum Schwitzen brachten. (as)

Mit der neuen Nummer 'What Doesn't Die' starteten ANTHRAX in einen furiosen Gig. Die fünf Mosh-Kings waren bestens aufeinander eingespielt und knallten einen Superhit nach dem anderen raus. Scott "Not" Ian und Frank Bello wetzten wie die Berserker über die Bühne, während John Bush mit den ersten Reihen des Pits in Tuchfühlung blieb und in einer Ansage Metallicas "Wiedergeburt" abfeierte. Rob Caggiano ist aus dem Line-up inzwischen nicht mehr wegzudenken und wusste geschickt Akzente zu setzten. Und Charlie? Der bewies nicht nur mit seinem ultra-tighten Solo, was timingsicheres Power-Drumming bedeutet. Fett, fetter, Benante! Wie schon auf der letzten Tour kamen die "Among The Living"-Songs am besten. 'N.F.L.' und 'Caught In A Mosh' sorgten für erste Opfer. Mehrere Banger mussten humpelnd von ihren Kumpels aus der Meute gehievt werden. Mitten im Mosh-Pool trieb währenddessen ein barfüßiger Irrer sein Unwesen. Dazu passend ließen Anthrax ihr 'Madhouse' von der Leine. 'Only' durfte natürlich ebenso wenig fehlen wie 'Antisocial' oder der Publikumsliebling 'Indians'. Mit 'Metal Thrashing Mad' schickten Herr Rosenfeld und seine Freunde die Fans endgültig in den Metal-Himmel. Viele davon dürften sich noch heute in Mosh-Zirkeln durch die heimischen Fußgängerzonen bewegen. Noch nie waren Anthrax so wertvoll wie heute. Schön, dass das inzwischen auch immer mehr Fans mitkriegen und die Band nach Strich und Faden abfeiern. Für viele die beste Gruppe des Festivals. Stomp, stomp, stomp! (mbo)

Was für eine Kulisse: Eine laue Sommernacht im matten Schein des Halbmonds vor einem sanft dahin rauschenden Fluss (super Fluss auch, der Rhein-Herne-Kanal ... - Red.) - besser konnten die Rahmenbedingungen für die erfolgreichste Fantasy-Metal-Band der Welt kaum sein. BLIND GUARDIAN wussten das souverän zu nutzen und hatten von 'Majesty' über 'Imaginations From The Other Side' bis hin zum legendären 'Bard's Song' (beide Teile!) alles Nötige im Gepäck, um die Massen in Begeisterung zu versetzen. Glücklicherweise dabei war Drummer Thomen Stauch, dessen Einsatz durch eine Verletzung an der Hand zunächst gefährdet war. Sehr schade wäre das gewesen, denn der Mann ist zweifelsohne direkt neben Leuten wie Dave Lombardo oder Gene Hoglan einzuordnen und gehört nicht nur in Deutschland zur absoluten Spitze. Besonders beeindruckend war in diesem Zusammenhang die mörderische Version von 'Another Holy War'. Vor allem im Vergleich zu Anthrax fiel jedoch auf, dass die fünf Krefelder nicht unbedingt mit Charisma gesegnet sind. Insbesondere die Ansagen von Hansi Kürsch kamen eher affektiert als witzig rüber. Die mangelnde Ausstrahlung der Band wurde jedoch ganz gut durch die enorm stimmungsvolle Lightshow wettgemacht, die instrumentale und gesangliche Ausführung war vom Feinsten, und was ihre Songs angeht, sind die Gardinen eh kaum zu schlagen. Ihre Epen wurden live zwar mit etwas weniger Details als auf CD dargeboten, dafür klangen sie aber umso lebendiger und kraftvoller. Die Hymne 'Mirror, Mirror' brachte schließlich den ersten Tag des Festivals zu einem würdigen Abschluss. (tb)

 

Sonntag

Der zweite Tag begann exakt so, wie der erste geendet hatte: mit gnadenlos vom Himmel brutzelnder Sonne! Zur Mittagszeit war es diesmal sogar noch heißer als am Vortag. Kein Wunder, dass ein Großteil der Zuschauer noch ziemlich schlapp übers Gelände schlurfte. Das änderte sich jedoch schlagartig, als DARKANE die Bühne betraten. Vom zu dieser frühen Stunde bereits erstaunlich fit dreinblickenden Kollegen Albrecht als "das Beste, was man derzeit im Thrash-Bereich kriegen kann" angekündigt, legten die Schweden los wie die Feuerwehr. Ganz so, als wollten sie diesem hohen Anspruch um jeden Preis gerecht werden. Wurden sie auch, denn gerade live sind die Jungs in erster Linie eine straight aufspielende und verdammt harte Thrash-Combo. Die wahnwitzigen technischen Details und großartigen Soli der Studioplatten spielen auf der Bühne eine eher untergeordnete Rolle, und die Band konzentriert sich mehr auf eine gute Show. Speziell die beiden Klampfer sind begnadete Evil-Poser. Am beeindruckendsten war aber die Leistung von Drummer Peter Wildoer, der trotz brütender Hitze wie ein Tier hinter seinen Kesseln berserkte und präzise as hell alles in Grund und Boden spielte. Fand wohl auch ein auf dem Rhein-Herne-Kanal vorbeifahrender Schiffer, der vor lauter Begeisterung hinter der Bühne sein mächtiges Nebelhorn ertönen ließ. Besser geht´s nicht! (as)

Seit Woodstock gehört es einfach zu einem echten Festival dazu: das passende Gewitter! Dass es allerdings gleich dermaßen die Botanik verhagelte und gerade die englische Prog-Fraktion THRESHOLD erwischte, war mehr als bedauerlich. Die Band machte bei den ersten heftigen Windstößen noch gute Miene zum bösen Spiel und stieg mit einem superben Sound in 'Phenomenon' ein ("If the storm throws you around it only makes you stronger" heißt es da übrigens im Text). Vor der Bühne hatte sich zwar noch eine recht ansehnliche Crowd zusammengefunden. Wer von denen letztendlich an der Band interessiert war, sei allerdings mal dahingestellt. Viele suchten einfach nur Schutz vor den immer stärker werdenden Regengüssen. Immerhin schafften es Threshold noch bis Lied Nummer vier, doch dann war Feierabend. Als nämlich der Wind drehte und die Sturmböen frontal auf die Bühne trieb, wurde es Band und Stagemanager doch zu gefährlich, und man brach den Gig ab. Schade, schade, denn Threshold waren eine der schillerndsten Farben des Festivals. Unter besseren Bedingungen hätte das Ganze für die Mannen um Karl Groom und Andrew "Mac" McDermott leicht zu einem echten Triumphzug werden können. (mbo)

ARCH ENEMY sahen ihre Show schon davonschwimmen wie das Regenwasser im Rhein-Herne-Kanal. Immerhin krachte und donnerte es fast eine Stunde lang ununterbrochen. Doch dann zeigte Petrus endlich Erbarmen. Die Band traute dem Frieden allerdings nicht so richtig und war sichtlich bemüht, so schnell wie möglich ihren Set herunterzuspielen, bevor sich die Himmelspforten erneut öffneten. Dieses hohe Tempo, vor allem durch Schlagzeug-Wunderknabe Daniel Erlandsson initiiert, verlieh den Songs aber eine ganz besonders kräftige Würze. So brachial und vehement hat man die Band schon seit Jahren nicht mehr erlebt. Die Amott-Saitenfraktion war glänzend aufgelegt; vor allem Michael hatte sichtlich Spaß an diesem Nachmittag. Die Ansagen von Frontröhre Angela sind zwar noch nicht wirklich der Bringer, dafür brüllte Frau Gossow das Rondell allerdings ordentlich zusammen. Über ihre Hüftschwünge wird sich zudem auch das eine oder andere männliche Augenpaar gefreut haben. 
Die Setlist trägt mittlerweile eh den Charakter einer Best-of-Zusammenstellung. Von 'Diva Satanica' über das mächtige 'Ravenous' bis hin zu den "Black Earth"-Klassikern 'Dark Insanity' und natürlich 'Bury Me An Angel' war alles vertreten. Kein Wunder, dass das Publikum frenetisch eine Zugabe forderte, was auf Grund des engen Zeitplans jedoch nicht möglich war. Mächtig! (vw)

Recht hat er, der gute Boris. SOILWORK sind wirklich eine der geilsten Bands, die der Underground in den letzten Jahren hervorgebracht hat. Schade nur, dass die technisch eindrucksvollen Kompositionen von Helsingborg's Finest oftmals unter dürftigem Live-Sound zu leiden hatten und somit viele Details ungehört blieben. Der Sound ging in Gelsenkirchen jedoch durchaus in Ordnung, und dementsprechend gut putzten auch neue Songs wie 'Figure Number Five' oder 'Distortion Sleep' durch die Gehörgänge. Die Tracks des aktuellen Albums wurden geschickt mit bekanntem Material gemischt. Dabei bewiesen Peter Wichers und Ola Frenning einmal mehr, dass sie inzwischen zu einem der besten Gitarrendoppel der Szene gereift sind. 'Follow The Hollow' und 'Natural Born Chaos' machten keine Gefangenen, und 'As We Speak' ist und bleibt der heimliche "Hit" der Schweden. Bassist Ola stampfte wie ein bekiffter Holzfäller über die Bühne, und Frontmann "Speed" Strid dirigierte die Fans nach Belieben. Hochachtung übrigens auch für Neu-Drummer Richard Evensand (Ebony Tears, Dog Faced Gods, Sorcerer), der für den ausgestiegenen Henry Ranta die Stöcke schwang und nur eine knappe Woche Zeit zum Proben des komplexen Materials hatte. Er löste seine Aufgabe jedoch mehr als anständig und dürfte inzwischen wohl als vollwertiges Mitglied gehandelt werden. Insgesamt eine beachtliche Vorstellung. Soilwork sollte man gesehen haben! (mbo)

Nach Trouble am Vortag folgte mit CANDLEMASS am Sonntag der Doom-Metal-Nachschlag. Sicherlich gab es noch nie ein Festival, auf dem die beiden Genre-Kings gemeinsam aufgetreten sind. Doom-Herz, was willst du mehr?
Da sich die Schweden schon im Vorjahr reformierten und alle bedeutenden Festivals bereicherten, wusste man, was einen erwartete: Doom-Entertainment pur! Selbst Petrus vergaß, es über dem Festivalgelände regnen zu lassen, und so kam das Publikum während des Auftritts der Doom-Köpfe in den Genuss einer fast schon nicht mehr für möglich gehaltenen Trockenphase. Angeführt von Energiebündel und Kuttenfanatiker Messiah Marcolin, präsentierte sich die Truppe eingespielter denn je und konnte auf eine mächtige Anzahl an Klassikern zurückgreifen. Zwar war es erneut ein Hochgefühl, zu Ohrgasmen wie 'Solitude', 'Mirror Mirror', 'Bewitched' oder 'Well Of Souls' die Fäuste und Birnen kreisen zu lassen, die Neugier auf neue Songs wächst allerdings mit jedem Auftritt der Nordlichter.
Ein geflügeltes Sprichwort besagt: "Wenn du es eilig hast, gehe langsam." Candlemass verdeutlichten einmal mehr, dass Geschwindigkeit nicht alles ist. Doom shall rise! (wk)

Da Bolt Thrower wegen der anstehenden Geburt des ersten Sprösslings von Sänger Dave Ingram verhindert waren, musste kurzfristig ein gleichwertiger Ersatz beschafft werden. Dankenswerterweise sprangen SODOM in die Bresche. Und anhand der trotz anhaltenden Regens begeisterten Publikumsreaktionen ließ sich ablesen, dass Tom Angelripper & Co. für die meisten anwesenden Banger alles andere als zweite Wahl waren. Wie immer präsentierte die Band einen Querschnitt aus so ziemlich allen Phasen ihrer langjährigen Geschichte, so dass sowohl Songs neueren Datums wie ´M-16´ vom gleichnamigen letzten Album wie auch Uralt-Schoten der Marke ´Blasphemer´ zum Einsatz kamen. Dazwischen rumpelten immer wieder kultige, mit dem ganz speziellen Sodom-Humor versetzte Hymnen wie ´Wachturm´, der "Lieblingssong" aller aktiven Zeugen Jehovas. Zum guten Ton bei Sodom gehört es ja, dass die Fans in praktisch jeder Pause zwischen den Songs lautstark nach dem ´Bombenhagel´ verlangen. Logisch, dass sie ihn auch bekamen. Sollten Tom, Bobby und Bernemann jemals "vergessen", diese Nummer zu spielen, würden sie vermutlich eh gesteinigt. Kurz und gut: Sodom sorgten erwartungsgemäß für mächtig Stimmung in der Arena. (as)

IN FLAMES hatten an diesem Tag entweder den Wettergott bestochen oder Jörg Kachelmann gegen Zahlung der Summe X dazu bewegen können, ein gutes Wort beim Chef im Himmel einzulegen. Denn alle Regenwolken waren verschwunden, als die Publikumslieblinge auf der Bühne erschienen. Mit mächtig Pomp war diese geschmückt worden. Rauch zischte aus allen Ritzen, Donnerschläge explodierten im Minutentakt, und aus Feuertöpfen züngelten Flammen. Inmitten dieses Infernos agierten die Schweden routiniert und selbstbewusst. Besonders die Präzision der Band verdiente Höchstnoten. Die Choreografie aus Musik und Show-Effekten war mustergültig. Zwar wirkte das Stageacting von Frontmann Anders etwas lahm (er litt an einer leichten Erkältung); dafür präsentierte sich vor allem die Gitarren-Fraktion Gelotte/Strömblad in Bestform. In den knapp 70 Minuten ließen die Göteborger alle großen und kleinen Hits ihrer Karriere Revue passieren. Lautstark wurde dabei neues Material wie ´Trigger´ oder ´Cloud Connected´ abgefeiert; aber es schienen auch sehr viele In-Flames-Fans der ersten Stunde im Pit zu sein. Diese zettelten beim "Lunar Strain"-Opener ´Behind Space´ eine ordentliche Keilerei an, die zwei Damen leider eine kleine Zwangspause wegen Nasenblutens einbrachte. Das akustische Taschentuch in Form von ´Moonchild´ folgte kurz darauf, und spätestens da waren wirklich alle zufrieden. Schöne Show! (vw)

Als Überraschungsgast kletterte vor dem Saxon-Gig DORO Pesch samt Band für drei Nummern auf die Bretter - logischerweise bestand ihr Mini-Set aus den bekanntesten Songs ihrer Karriere. »Völlig spontan« sei übrigens ihr Einfall gewesen, die langjährige Freundin und Kollegin Sabina Classen von Holy Moses wenige Minuten vor dem Gang auf die Bühne zum Sangesduett bei ´Burning The Witches´ zu bitten, wie Sabina nach ihrem Kurzauftritt grinsend erzählte. »Ich hab ihr zwar gesagt, dass ich den Text beim besten Willen nicht ohne Aussetzer bringen kann, aber sie meinte, das würde schon irgendwie hinhauen. Also haben wir´s einfach gemacht.« Ebenfalls improvisieren musste Doros Drumtech, der für den verhinderten Stammspieler Johnny Dee hinter der Schießbude saß und sowohl die geballte Metal-Lady-Power beim Opener als auch die beiden Evergreens ´Für immer´ und ´All We Are´ mit kompetentem Gedonner unterstützte. (mb)

Hat schon mal jemand SAXON lustlos oder schlecht auf der Bühne erlebt? Eigentlich unvorstellbar. Die Briten legten, nachdem sie mittags noch auf dem Gods-Of-Metal-Festival in Italien gespielt hatten, einen furiosen Headliner-Gig hin, getreu dem riesigen Backline-Banner "Heavy Metal Thunder". Angekündigt von unserem Moderationstalent Albrecht, beglückte die Truppe das Publikum mit einer Zeitreise durch ihre beeindruckende 25-jährige Karriere. Mit neueren Songs hielt man sich dabei nicht lange auf, sondern setzte den Schwerpunkt des Materials auf die Frühphase der Band, als unser Magazin noch ein feuchter Traum der Gründer war und die meisten der auf dem Festival vertretenen Musiker ihre Instrumente noch nicht mal aussprechen konnten. Ohne Zweifel: Biff und seine Gefährten haben den Heavy Metal geprägt und wurden dementsprechend zu Recht abgefeiert. Es reihte sich Klassiker an Klassiker. Egal, wie oft man das Quintett gesehen hat: Man wird jedes Mal wieder in seinen Bann gezogen. So fliegt der Adler (natürlich wurde das mächtige Stageset benutzt) heute mächtiger denn je, und einen würdigeren Headliner als das britische Metal-Flaggschiff hätte man sich für das Jubiläumsfestival nicht wünschen können. Als Holger, Albrecht und Götz bei "Denim And Leather" den Backing-Chor supporteten, gingen bei den drei Rock-Hard-Bangern sicherlich Jugendwünsche in Erfüllung... (wk)

In Gelsenkirchen schwitzten, feierten, schufteten und rannten hektisch durch die Gegend:
Holger Stratmann, Manni Glamowski, Frank Albrecht, Thomas Kupfer, Boris Kaiser, Michael Rensen, Andy Himmelstein, Klaus Himmelstein, Stefan Büchner, Dani Lipka, Tina Sinovzik, Jenny Rönnebeck, Matthias Breusch, Hansi Daberger, Marion Schulz, Uwe Heine, Frittz Loch, Ute Foerster, Svenja Kleinhaus, Marcus Schleutermann, Melanie Schmidt, Stefan Glas, Axel Jusseit, Friso Gentsch, Stefan Malzkorn, Astrid Westerhoff, Volkmar Weber, Daniel Böhm, Andreas Stappert, Mike Borrink, Wolfram Küper, Buffo, Frank Trojan, Tobias Blum, Sven Stegmann, Ela Rosenkranz, Florian Hube, Stefan Geide, Karsten & Christine Rosenberger, Oliver Klemm (hackedicht wie immer), der legendäre Postminister & Götz Kühnemund

 

Unser Dank geht an:

- unsere Partner Continental Concerts (Gerald, Bea, Heike, Imke, Fleisch, Markus) und ICS/Metaltix (Holger, Sheree, Thomas)
- die ausgesprochen professionelle Security (Special Security Services/Bonn)
- alle Kumpels, die tatkräftig mitgeholfen haben
- alle Rock-Hard-PraktikantInnen, die bis zum Umfallen (und für lau) geschuftet haben
- alle mitwirkenden Musiker
- alle Helfer hinter den Kulissen, im Metal-Market und im Discozelt
- die Bandidos Dortmund & Gelsenkirchen
- und vor allem EUCH!!!

Pics: Friso Gentsch, eye-work.com