Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 25.02.2015

Würzburg, Posthalle

Auch 2015 eröffnet das Metal Assault das Festivaljahr. Und wie nicht anders zu erwarten, gibt es wieder ein erstklassiges Billing in der geräumigen und angenehm beheizten Halle am Würzburger Hauptbahnhof. Dabei macht sich gerade diesmal die Lage bewährt, weil wegen des Schneechaos in Deutschland viele Leute den Zug als Reisemittel wählen.

Und wer zu spät kommt, der verpasst mit SPACE CHASER gleich einen klasse Opener. Kultig: Frontmann Siegfried, der beim Einstieg mit einer Flasche Bier in der einen Hand und dem Mikro in der anderen nicht so ganz Multitasking-fähig ist. Sein Sirenengesang überzeugt allerdings auf ganzer Linie, und musikalisch bieten die Berliner eine Thrash-Metal-Attacke, die es in sich hat. Geschickt verbindet man offensichtliche Einflüsse von Agent Steel, Realm und Anthrax (deren ´Caught In A Mosh´ gecovert wird) mit einem Funfaktor à la Tankard. Man darf sich auf das Gastspiel des Quintetts im Mai in Gelsenkirchen freuen. (wk)

Bei den Finnen LORD FIST fallen neben den babyblauen Hosen von Sänger und Gitarrist Perttu Koivunen sofort die dominanten Maiden-Gitarrenharmonien auf. Musikalisch haben wir es mit einer starken Vorstellung zu tun, auch wenn nicht jeder Ton perfekt sitzt und die Band showtechnisch etwas unspektakulär wirkt – vor allem angesichts des mächtigen Doppelschlages, der nun folgen soll. Daher zurück zu Herrn Küper. (sg)

DEAD LORD zählen zu den Bands der Stunde. Angesagt ist unbändige Spielfreunde, und dass die Schweden derzeit vor Ideenreichtum nur so strotzen, zeigt sich darin, dass in dem 45-Minuten-Set eine Reihe unveröffentlichter neuer Nummern stehen. Fakt ist, dass keine Band – nicht mal die Black Star Riders mit Scott Gorham – den Spirit der wilden Thin Lizzy derart gekonnt entfachen können. Die Gruppe macht süchtig.

Nein, sie kommen nicht aus England und auch nicht aus den frühen Achtzigern. Aber NIGHT DEMON besitzen den NWOBHM-Spirit (passenderweise gibt es mit ´Axe Crazy´ ein Jaguar-Cover) wie kaum eine andere aktuelle US-Band und verbinden diesen gekonnt mit dem frühen Power Metal aus den Staaten. Nachdem man beim letzten KIT schon abräumte und ein saustarkes Album nachschob, legt das Trio nun gemäß ihres eigenen Songs ´Full Speed Ahead´ richtig los und demonstriert eindrucksvoll seine Klasse. Dass Frontmann Jarvis Leatherby schon nach zwei Nummern schweißüberströmt ist, spricht für sich. (wk)

Bei TYRANT dürfte mit Ausnahme von einigen Mega-NWOBHM-Insidern großes Kopfkratzen angesagt sein, doch die Combo aus Gloucester wird zur Überraschung des Tages: Erstklassige Songs, ein perfekt eingespieltes Team und ein sympathisches Auftreten sorgen für ein perfektes Live-Erlebnis. Mehr davon! (sg)

Niklas Stalvind hat die Wintermonate wohl bevorzugt in der Muckibude verbracht und zeigt dementsprechend stolz seinen gestählten freien Oberkörper. Im Mittelpunkt steht bei WOLF aber die Musik, und da zeigen die Schweden, wie zeitloser Heavy Metal der alten Schule zu klingen hat. Geboten wird eine ausgewogene Setlist, deren Highlight das zum Ende geforderte ´Evil Star´ ist. (wk)

SDI waren sicherlich keine Band, die während ihrer kurzen Karriere in der ersten Liga spielte. Aber ganz offenkundig wird das Trio aus Osnabrück, das laut Sänger und Bassist Reinhard Kruse mit dieser Show seine „kleine 25-jährige Pause“ beendet, mit Spannung erwartet: In den ersten Reihen fliegt von Anfang an die Speed-Kuh, und wenn Reinhard „SDI!“ ins Mikro brüllt, kommt stets ein ohrenbetäubendes „Megamosh!“ zurück, so dass SDI zu den Gewinnern des Festivals zählen.

STORMWITCH-Sänger Andy Mück freut sich offenkundig, dass die Band mehr als zehn Jahre nach ihrer letzten Platte wieder aktiv ist. Durch sein aufgerüschtes Outfit wirkt er ein wenig wie ein französischer Graf, der mit knapper Not der Guillotine entkommen und auf ein Geisterschloss in Schwaben geflüchtet ist, wo er nun mit Meister Mozart ein Tässchen Tee schlürft. Doch die Optik ist Nebensache, denn bei Stormwitch war schon immer der Song der Star, und die Truppe serviert an diesem Abend quasi alle Klassiker, ergänzt durch den belanglosen Neuling ´Last Warrior´ und den deutlich besseren neuen Titelsong.
Zur besten Sendezeit sind WHIPLASH genau das richtige Programm: eine knackige Portion Thrash voll auf die Glocke – von der Band tight dargeboten und soundtechnisch bestens ausbalanciert. Zwar ist bei dem Dreier Sänger und Gitarrist Tony Portaro an sein Mikro gefesselt, doch Bassist Dank DeLong ist völlig außer Rand und Band und schwingt derart furchterregend seine Mähne, dass man nie den Eindruck hat, die Bühne sei zu groß für die Band. (sg)

„Is it (yes it is) the Exxplorer“ – und erstmals treten EXXPLORER bei uns in der Originalbesetzung ihres legendären Debüts auf. Passend zum 30-jährigen Jubiläum wird das Album in seiner Gesamtheit zelebriert. Zwar nicht in der chronologischen Reihenfolge, aber auch so wird einmal mehr deutlich, dass „Symphonies Of Steel“ zu den besten US-Metal-Scheiben aller Zeiten zählt und immer für Gänsehautmomente gut ist. Eine besondere Leistung bietet Frontmann Lennie Rizzo, der trotz fieser Erkältung das Optimale rausholt und damit für den besten der bisherigen vier Auftritte des Line-ups in Europa sorgt. (wk)

Ab sofort steht fest, dass bei der Story mit dem Gehörnten und der Vertreibung aus dem Paradies etwas schiefgelaufen sein muss. Denn: Das Metal Assault ist definitiv der Himmel für alle Metaller, und zugleich sind nachweislich SATAN am Start – und zwar sogar als Headliner. Als wichtigste Erkenntnis des Auftritts kann man mitnehmen, dass die Kombination aus alten Klassikern und Songs von der 2013er Scheibe „Life Sentence“ hervorragend funktioniert und zudem Brian Ross immer noch einer der ausdrucksstärksten und charismatischsten Sänger und Frontmänner der Szene ist. Somit setzen Satan den paradiesischen Schlusspunkt unter ein wundervolles Festival – die Hölle bricht erst auf der Heimfahrt in Form eines monströsen Schneesturms über uns herein. (sg)

Das Metal Assault genossen in vollen Zügen: Wolfram Küper (wk) und Stefan Glas (sg)

Pic: Stefan Glas

Autor:
Wolfram Küper
Stefan Glas

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