Interview

Interview 04.12.2018, 13:27

WOLVESPIRIT - Online-Ergänzung zu Rock Hard Vol. 379

Gibt es eigentlich heutzutage noch Rebellen? Glaubt man WOLVESPIRIT-Frontfrau Debbie Craft, dann definitiv. Ergänzend zu unserem Smalltalk im aktuellen Heft findet ihr hier das vollständige Gespräch mit der Sängerin.

Debbie, ´Tell Me Why´ ist ein interessanter Opener, weil die Lyrics ziemlich melancholisch, eigentlich schon tragisch sind, aber die Musik irgendwie stark wirkt und macht. Ist das eine verstecke Message, selbst in schweren Zeiten stark zu bleiben und zu versuchen, daran zu wachsen?

»Dein Eindruck ist richtig, ja. Ich bin zwar nicht religiös, aber sehr spirituell aufgewachsen. Mein Vater kam aus Ungarn, meine Mutter aus Polen. Und durch alle Prüfungen, durch alles, was ich erlebt habe, lernte ich loszulassen, zu verzeihen und weiterzugehen und darum geht es bei dem Song. Auch die größten Feinde muss man lieben lernen.«

In ´No More´ geht es auch etwas darum dem Alltag zu entfliehen. Entsteht in eurer kreativen, zehnköpfigen Künstler-WG überhaupt so etwas wie Alltag?

»Nein, es kommt tatsächlich kein Alltag auf. Soll es auch nicht, denn sonst bist du wieder im System drin und das wollen wir nicht. Es herrscht großer Zusammenhalt und alles, was eingenommen wird, wird geteilt. Ich bin sehr dankbar, dass ich das leben darf – dass ich meine Freiheit leben darf. Niemand sagt mir, wann ich aufzustehen habe, dass ich zur Arbeit gehen muss, oder sonst irgendetwas.«

Warum hast du dich für so ein Leben entschieden? Gerade im Vergleich zu den Sechziger- und Siebzigerjahren ist das Gefühl und die Liebe für die Gemeinschaft irgendwie zurückgegangen, oder?

»Ja leider, die Einsamkeit wächst – auch durch die Technik. Alles hat immer zwei Seiten und es kommt darauf an wie wir damit umgehen. An sich gibt es ja nichts Negatives, nur eine negative Möglichkeit, mit Dingen umzugehen. Der Schlüssel im Leben ist für mich immer das Wie: Wie rede ich, wie denke ich und so weiter. Für mich ist da immer die goldene Mitte der Weg.«

Musikalisch ladet ihr aber auch dazu ein, sich mal zu verlieren, einfach zu tanzen und den Alltag zu vergessen – und das verkörpert auch ´Rock N Roll Gipsy´.

»Da habe ich auch einfach meinen Gedanken freien Lauf gelassen. Ich bin als Kind Gott sei Dank sehr freiheitsliebend aufgewachsen und bin dementsprechend auch ein freiheitsliebender Mensch geworden. Ich finde Freiheit ist das höchste Gut jedes Menschen und jedes Tieres und das soll der Song auch ausdrücken. Keiner hat das Recht, Herr über mich zu sein und ich habe auch nicht das Recht, über irgendjemanden Herr zu sein – wenn wir das endlich mal kapieren, dann lieben wir doch endlich mal in Frieden, oder?«

Ja, da muss man irgendwie die Balance finden, man sehnt sich ja nach Gemeinschaft und nach Beziehungen...

Sie unterbricht: »Ja, doch auch da kann man frei sein. Die Menschen, mit denen du zusammen bist, sollten dir eigentlich die Freiheit geben, denn sonst ist es nicht richtig. Und meine WG gibt mir zum Beispiel die Freiheit.«

Und welchen Song hörst du, um dich glücklich und frei zu fühlen?

»Ich bin ein Mensch, der Abwechslung liebt und niemand, der sich auf eine Richtung limitiert. Ich liebe eigentlich alles – außer bayrische Musik (lacht). Es gibt also keine Linie, das wäre nicht ich. Ich finde Metal geil, aber auch im Rap oder im Techno gibt es ein paar coole Sachen. Musik ist einfach eine vielfältige Sache, die man auch als solche genießen sollte. Es gibt nicht die beste Musik – oder die schönste Frau, den schönsten Mann, oder?«

Nee, das sind eher Beschränkungen und gerade Schönheitsideale sind auch nur Teile des (kapitalistischen) Systems.

»So ist es. Ich meine, ich liebe es, mich schön zu machen, aber weil ich mich liebe. In erster Linie mache ich das für mich, auch wenn ich es wirklich toll finde, das dann auch nach Außen hin auszustrahlen. Außerdem ziehe ich das an, was mir gefällt und nicht das, was die Industrie – oder wer auch immer – für „das Richtige“ hält. Idealen sollte man sowieso nie nachgehen, jeder sollte seine Individualität selbst finden.«

Und du singst „I stand up for what I believe“ - was ist es denn, woran du glaubst?

»An die bedingungslose Liebe. Zu geben, ohne zu fordern. Und was ich mir wünsche ist, dass die Menschheit endlich mal im Einklang mit sich selbst und mit der Natur ist. Ich wünsche mir, dass es keinen fucking Krieg mehr gibt, dass wir uns bedingungslos lieben, die Natur schätzen, aufhören gierig zu sein und die Tiere in Ruhe lassen. Weißt du, ich bin Veganerin, jedoch nicht, weil ich sagen will, dass Fleisch schlecht ist und ich akzeptiere auch alle, die Fleisch essen, weil das zur Toleranz gehört. Ich persönlich mache es aber nicht, weil ich mir sage, dass ich diese Industrie dahinter, sowie das Abschlachten der Tiere und das, was das Tier durchmachen muss, nicht unterstützen will. Davon möchte ich sicherlich keinen einzigen Bissen in meinem Mund haben. Da bin ich ein Rebell in dem Moment. Genauso wenig unterstütze ich die Zuckerindustrie, die nur dazu da ist, um Menschen krank zu machen, denn so verdienen sie dann an dir. Deswegen wünsche ich mir so sehr, dass die Leute aufwachen und das kranke Spiel zwischen den Politikern endlich aufhört. Doch es ist noch ein langer Weg dorthin, glaube ich.«

www.wolvespirit.com
facebook.com/WolveSpiritBand

Bands:
WOLVESPIRIT
Autor:
Mandy Malon

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