Interview

Interview 25.09.2019, 11:09

WOLFSKULL - Interview mit der Demo-/Eigenproduktionsband 10/19

Die Essener Hardrocker WOLFSKULL beeindrucken auf ihrer „Hexum“-EP mit harten Riffs, atmosphärischen Soli und der besonderen Stimmfarbe von Sänger Pete 9, weshalb die Scheibe zum Tipp des Monats unter den Eigenproduktionen gekürt wurde. Über die erfolgreiche EP „Hexum“, die kommende Platte und einiges mehr sprechen wir mit den beiden Gitarristen Boarz und Feratu bei einem Treffen in Essens Kultkneipe Café Nord.

Zunächst einmal Gratulation! Ihr habt wirklich eine starke EP abgeliefert. Seid ihr zufrieden damit?

Feratu: »Die Band und ich sind sehr zufrieden mit „Hexum“. Es steckt viel Arbeit und Kreativität darin und wir haben uns auch die nötige Zeit genommen. Nach einigen Feinabstimmungen – hier nochmal eine Gitarre daruntergelegt oder den Gesang gedoppelt – und nach mehrmaligen Drüberhören sind wir sehr zufrieden mit der EP und der Produktion. Die Songs und den Sound betreffend würden wir nichts anders machen wollen.«

Ihr habt euch im Frühjahr 2018 gegründet. Kanntet ihr euch vorher? Ihr kommt ja aus verschiedenen Bands. Kann man sagen, dass hier Profis zusammengeführt worden sind?

Feratu: »Anfang 2018 habe ich die einzelnen Musiker, die ebenfalls gute Freunde oder Bekannte von mir sind, zusammengetrommelt. Sie alle können schon 15 bis 20 Jahre Musikerfahrung vorweisen und ich habe mit jedem in der Band schon mindestens einmal gearbeitet oder auf der Bühne gestanden. Ich habe den Künstlern Demos und Ideen von mir geschickt und sie waren alle bereit, bei diesem Unterfangen mitzumachen. Wie gesagt, ich kannte die einzelnen Musiker schon im Vorfeld, aber die Jungs untereinander kannten sich persönlich noch nicht.«

Boarz: »Wir mussten uns erst einmal musikalisch und menschlich herantasten, ausprobieren und schauen, ob die Chemie stimmt und das tat sie. Die Band ist aus dem Nichts entstanden.«

Feratu: »Na klar, die Ambitionen sind definitiv professionell, obwohl wir unseren Lebensunterhalt natürlich mit anderen Jobs verdienen.«

Ist eure Combo ein Projekt oder eine vollwertige Band? Einige von euch stehen weiterhin mit ihren anderen Acts in den kommenden Wochen und Monaten auf der Bühne.

Feratu: »WOLFSKULL ist eine vollwertige Band, trotz der Bindung zu den anderen Combos. Sänger Pete 9 bleibt definitiv bei Fryders, weil er Spaß hat und die Leute aus seiner Stadt persönlich kennt. Ich habe zur Zeit keine andere Band und konzentriere mich mit vollem Einsatz auf WOLFSKULL.«

Legt ihr großen Wert darauf, ein hohes Maß an technischem Anspruch in eure Musik zu bringen?

Feratu:»Wir wollen mit der Band durchstarten und das durch gutes Riffing, Melodien und eine gewisse gitarrentechnische Raffinesse erreichen.«

Boarz: »Nicht die reine Technik über das Gefühl stellen, das ist unser Credo. Es muss sich gut anhören und Qualität haben, sauber und gut arrangiert.«

Feratu: »Es soll schon schnell beim Hörer funktionieren ohne komplex zu wirken und gleichzeitig geil und eingängig sein. Man soll die Nuancen beim mehrmaligen Durchhören erkennen.«

Wo hört Hardrock auf und wann beginnt Heavy Metal aus eurer Sicht? Werden zukünftige Songs härter werden?



Boarz: »Wir werden dem Hardrock schon treu bleiben. Dass irgendwann Death- oder Thrash-Riffs in die Songs einfließen, kann auf jeden Fall ausgeschlossen werden.«

Feratu: »Ich vergleiche unseren Metal/Hardrock-Stil ein wenig mit The Cult oder auch Danzig, wo man auch nie genau wusste, ob es Rock oder Metal ist. Ich denke wir bilden da eine gesunde Schnittmenge und sind mit unserer Musik zwischen den Genres, was für uns kein Problem sondern vielmehr ein Bonus ist. 
Wir sprechen innerhalb der Band die gleiche musikalische Sprache und sind mit der momentanen Aufstellung und dem Sound zufrieden. Unsere auf "D" herabgestimmten Gitarren bringen den Hardrock, den Gesang von Pete 9 und den eingängigen WOLFSKULL-Stil am Besten rüber. Wir haben da unseren eigenen roten Faden, unsere Linie gefunden.« 


Boarz: »Mit dem Gesang von Pete habe ich die richtige Richtung der Band herausgehört und erkannt. Das teile ich unanzweifelbar mit allen bei WOLFSKULL.«

Wie kam es zu eurem Bandnamen? Den Namen WOLFSKULL tragen weltweit drei weitere Truppen. Wusstet ihr das?

Feratu: »Wir machen uns dazu keine großen Gedanken, weil die anderen Bands ebenfalls wenige Follower und derzeit kein größeres Standing besitzen. Der Name war schon für meine Demosongs ein Arbeitstitel und ein Freund hat mich damals dahingehend inspiriert. Die Band hatte eine Zeit lang sehr verkopft über einen Bandnamen sinniert, aber dann meinte Boarz, dass der Name WOLFSKULL einfach geil klingt und unsere Songs einfach perfekt und konsequent widerspiegelt. Es ist ein Name, der die Naturverbundenheit widerspiegelt und zu dem warmen, erdigen, analogen Sound passt. Es ist und bleibt Hardrock und der Name WOLFSKULL klingt genau so und das ist gut so.«

Wie habt ihr auf die "Tipp des Monats"-Auszeichnung im Rock Hard reagiert?

Feratu: »Wir sind sehr stolz. Wir haben darüber schon über den Rezensenten Marcus Schleutermann erfahren, dass wir „Tipp des Monats“ werden – nur nicht in welcher Ausgabe das Review erscheinen wird. Das ist eine tolle Bestätigung, die zeigt, dass man vieles richtig gemacht hat und wir auf einem guten Weg sind. Wir freuen uns wirklich sehr darüber.«

Boarz: »Dass man in einem Magazin, wie dem Rock Hard – das man selber Jahrzehnte gelesen hat – selbst einmal mit dem "Tipp des Monats" steht, ist schon ein erhebendes Gefühl. Als nächstes Ziel kommt dann die "Platte des Monats".« (lacht)

Wie und wann schreibt, probt und arrangiert ihr eure neuen Ideen/Tracks? Als gestandene Mucker braucht ihr sicher weniger Probe-Sessions als junge Bands.

Feratu: »Ich sende meine Demos meistens mit zwei, drei Gitarrenspuren und einem Schlagzeug per E-Mail an die Mitglieder der Band. Jeder hört sich das zu Hause in Ruhe an und kommt dann zur Probe. Das Song-Gerüst wird im Proberaum ausprobiert, arrangiert und weiter ausgearbeitet. Danach wird es von allen bewertet - ist es zu lang, zu kurz und so weiter. Dann kommen die Feinheiten. Man geht alles nochmal durch und optimiert Teile der Tracks. Final nehmen wir die Vorproduktion im Studio beim Boarz zu Hause auf, das heißt: alle Gitarren- und Bassspuren, die Gesangslinien und Harmonien. Mit den ID-Spuren können wir dann sogar im Studio weiterarbeiten und müssen diese nur noch reampen. Das spart Zeit und natürlich auch Geld.«

Ihr seid eine neue Band im mittleren Alter, die ziemlich ehrgeizig und mit einem hohen Anspruch an euch selbst durchstarten will. Was erwartet ihr von der Zukunft?

Beide lachen und Boarz verrät: »Wir nehmen das Ding, also die Band, sehr ernst und wir wollen Qualität und gute Songs abliefern, die eingängig sind und den Leuten gefallen, gerade weil die Qualität und der damit einhergehende Ehrgeiz gute Lieder zu schreiben, mitschwingt. Auf zwei Stadtfest-Gigs im Jahr zu spielen, ist nicht unser Anspruch. Wir wollen step by step weiter vorwärts kommen.« 

Feratu: »So professionell wie es geht, ohne den Hauptjob schmeißen zu müssen. Unsere Work-Life-Balance ist uns allen wichtig. Gern würden wir 20 bis 30 Gigs im Jahr spielen. Ziel ist es, einen Labelvertrag mit Rückenwind, Promotion und Vertrieb zu gewinnen und dadurch natürlich mehr Auftrittsmöglichkeiten und eine Booking-Agentur zu generieren.«

Boarz: »Ich hatte letztes Jahr eh meinen Job geschmissen und habe zur Zeit eine halbe Stelle, mit der ich aktuell sehr zufrieden bin.«

Wann kommt ein Langspieler von euch heraus und geht ihr mit WOLFSKULL auf Tournee?

Feratu: »Zunächst spielen wir ein paar Einzelshows: am 11.10.2019 sind wir in der „Banditen Wie Wir“-Bar in Essen-Rüttenscheid zu sehen. Das wird eine kleine CD-Release-Show, bei der wir auch coole Merch-Bundles anbieten, der Eintritt ist gratis, also kommt vorbei! Und Anfang Dezember spielen wir als Vorband für die deutsche Gothic-Band Unzucht im Oberhausener Kulttempel.« 

Boarz: »Wir schreiben gerade Songs und wollen sehr wahrscheinlich im Januar oder Februar ins Studio gehen. Zum Frühjahr sollte der Longplayer im Kasten sein.«

Feratu ergänzt: »Dann werden wir allerdings erst einmal etwas Labelshopping machen und schauen, ob und wer so alles Interesse zeigt. Es bleibt also spannend.«

Glaubt ihr, dass sich immer noch genügend Hörer die Zeit nehmen und zu einem Album auch mal das Booklet in die Hand nehmen? Das Cover und der Wolf-Skull sieht auf jeden Fall sehr professionell und eindringlich aus - ja bald ein Alleinstellungsmerkmal wie Eddie von Iron Maiden beispielsweise?

Feratu: »Also ich denke, dass es bei guten Alben schon passiert, bzw. wenn man ein Album geil findet, wird man sich auch öfter intensiver damit beschäftigen wollen. Ich kaufe immer noch viel Vinyl und teilweise auch noch CDs, habe aber auch das „Apple Music“-Abo, um unterwegs ebenfalls meine Musik dabei zu haben oder auch um in neue Bands und Releases reinzuhören. Wenn's mich kickt, dann kaufe ich mir das physische Format. Das Spektrum ist heute größer, es gibt immer mehr Bands, aber jede Band hat gleichzeitig auch die Chance, auf der ganzen Welt gehört zu werden. Es hat Vor- und Nachteile, aber man kann die Entwicklung nicht aufhalten.
Der Hexen-Totenkopf ist für den Song „Hexum“ ideal und stark, aber als Bandsymbol eher nicht vorgesehen.« 


WOLFSKULL arbeiten an weiteren Tracks und wollen etwa sechs bis sieben Songs auf den Live-Gigs spielen. Für das kommende Album, welches wohl zehn Tracks beinhalten wird, ist noch kein Titel bekannt. Die Band würde gern auf dem Rock Hard Festival auftreten auch wenn noch keine Platte veröffentlicht wurde.

www.wolfskull.rocks

www.facebook.com/wolfskullrocks

Bands:
WOLFSKULL
Autor:
Dirk Wendland

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