Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 19.08.2009

WALLS OF JERICHO , AMON AMARTH , MOTÖRHEAD , HATEBREED - WITH FULL FORCE XVI

Das 16. WITH FULL FORCE war mit gut 25.000 Besuchern einmal mehr ein voller Erfolg - auch wenn es einen tragischen Unfall gab.

Am Morgen des ersten Festivaltages wurde ein 23-jähriges Mädchen tot in ihrem Zelt aufgefunden. Die Polizei schließt laut WFF-Veranstalter Mike Schorler ein Gewaltverbrechen aus. Es handele sich um einen tragischen Unfall, um eine Vergiftung durch Kohlenmonoxid. Die näheren Hintergründe waren bei Redaktionsschluss noch unklar; neuere Wissensstände könnt ihr unserer Homepage entnehmen.

Da dieser Unfall, den das gesamte WFF-Team zutiefst bedauert, in keinem direkten Zusammenhang mit dem Festival steht, wollen wir hier nicht weiter spekulieren oder gar Schuldzuweisung betreiben, sondern uns auf das musikalische Geschehen beim WFF konzentrieren. Der Familie der Toten und ihrem Freundeskreis sprechen wir unser herzliches Beileid aus. (gk)

FREITAG

Auch wenn With-Full-Force-Mitveranstalter Sven Borges von einem halbstündigen Regenschauer erzählt, der gestern für willkommene Abkühlung gesorgt hätte: Am Feitagmittag ist nicht ein Wölkchen am Himmel zu sehen, als FACEBREAKER die Hauptbühne stürmen. Stattdessen knallt der Lorenz unerbittlich, was die zigtausend Zuschauer, die pünktlich zum Start das Gelände bevölkern, allerdings wenig stört. Der Schweden-Fünfer hat leichtes Spiel und holzt mit seinem nur durch gelegentliche Midtempo-Parts aufgelockerten Old-School-Death-Metal durch die Botanik. Fans von Dismember oder Grave, also Menschen der Gattung Metallicus Albrecht, kommen auf ihre Kosten, ich fühle mich nach einer knappen halben Stunde aber eher wie ein Kotelett bei seinem eigenen Barbecue und wanke durchgeschwitzt vor die Zeltbühne, auf dem die Leipziger Hardcoreler MYRA ein echtes Heimspiel haben. Bei gefühlten 60 Grad im Schatten gibt´s auf und vor der Bühne akrobatische Leibesübungen zu bestaunen, der Fünfer überzeugt mit einer coolen Mischung aus Metalcore und gelegentlichen Death-Metal-Einschüben und wird am Ende der Show begeistert gefeiert. So sehen Gewinner aus!

GOD FORBID haben es da mit ihrem komplexen Songmaterial auf der Mainstage weniger leicht. Nur ein paar hundert Zuschauer machen dem Quintett, bei dem der frühere Himsa-Gitarrist Matt Wicklund den kürzlich ausgestiegenen Dallas Coyle ersetzt, ihre Aufwartung. Spätestens mit der vorletzten Nummer des Sets, ´To The Fallen Hero´, knacken die Jungs aber den bis dato zurückhaltenden Mob.

Es folgt eine fies-brachiale Hardcore-Ohrlasche der Belgier NASTY, ehe STATIC-X Zuschauer und Rock-Hard-Belegschaft in zwei Lager teilen. Während Herr Mühlmann und Frau Schiffbauer gemeinsam mit den ersten 20 Reihen im Publikum ein göttliches Riffgewitter mit Ministry- und Prong-Schlagseite erkennen wollen, erinnert mich das Gerumpel wegen seiner stumpfen Monotonie eher an Techno-Schwachsinn der Marke Scooter. „Cool“ auch die Ehefrau von Fronter Wayne Static, die im knappen Bikini auf der Bühne Getränke an die Musiker verteilt, ihr Hinterteil ins Publikum streckt, die abgeklebte Silikon-Oberweite wippen lässt oder in ungelenker Manier Ausdruckstänze zum Besten gibt. Nee, da kommen die holländischen Old-School-Hardcoreler NO TURNING BACK weitaus besser, krachiger und authentischer rüber.

DEVILDRIVER gehören inzwischen zum WFF-Inventar und können erwartungsgemäß nicht viel falsch machen. Der explosive Soundcocktail aus Thrash-, Death- und Modern Metal groovt, knallt und zündet mächtig, und ganz Roitzschjora macht mit. Dez Farfara bekommt (natürlich) den geforderten Circle-Pit, war stimmlich aber auch schon mal besser in Form. Trotzdem ein guter Gig. (tk)

Das Zelt füllt sich langsam ein bisschen mehr, und die CRUSHING CASPARS geben dem Publikum, wonach es ihm dürstet. Obwohl im Frühjahr das Besetzungskarussell mit gleich drei neuen Bandmitgliedern ordentlich rotierte, machen die Rostocker eine gute Figur und ernten für Songs wie ´Baltic Sea For Life´ und ´Eye For An Eye´ amtliche Reaktionen, die weit über den üblichen Nachmittagshöflichkeitsapplaus hinausgehen.

Im direkten Anschluss kommen LEGION OF THE DAMNED auf der Hauptbühne nicht so wirklich in die Gänge. Der Sound ist weder sonderlich gut noch besonders laut, und das Publikum lässt sich kaum aus der Reserve locken. Da geht im Artist-Bereich schon ein bisschen mehr. Mittlerweile ist der Cavalera-Clan aufgeschlagen und verteilt sich aufs Catering-Zelt, den Kickertisch und daddelt im „Rock Band“-Zelt an der Playstation, Dimmu-Borgir-Fronter Shagrath führt seine baldige Angetraute - Nicolas Cages Ex-Frau und Schauspielerin Christina Fulton - spazieren, und Ex-Porno-Darstellerin und Wrestlerin Jasmin St. Claire dreht mit unserem Kameraboy Ronny (alias Spielberg) als Musiker-Interviews getarnte schmutzige Filmchen. Das behaupten zumindest Quellen, die es vorziehen, anonym zu bleiben, während sie sich dabei den siebten oder zwölften Wodka-Tonic des Tages in die Gurgel schrauben.

Mastodon hatten eigentlich angekündigt, ihre Freunde von THE RED CHORD auf der Zeltbühne mit Obst zu bewerfen, ziehen es dann aber wohl doch vor, sich auf ihre eigene, kurze Zeit später stattfindende Show vorzubereiten. Schade eigentlich, denn diese Performance hätte beim Publikum mit Sicherheit für noch mehr Fragezeichen in den Gesichtern gesorgt, als es der Relativitäts-Metal der Amerikaner eh schon tut. Wozu braucht man eigentlich zwei Sänger - ´tschuldigung: Brüllaffen -, die sich nur dadurch unterscheiden, dass der eine ´ne Gitarre um den Hals hängen hat und der andere nicht? Das Publikum weiß es auch nicht und sagt zum größten Teil bereits nach wenigen Songs leise servus.

Dass es gegen Ende des Sets dann doch wieder richtig voll im Zelt wird, dürfte einzig und allein dem Umstand geschuldet sein, dass MAROON im direkten Anschluss laut eigenen Aussagen einen der intensivsten und besten Gigs ihrer Karriere hinlegen. Die Hütte platzt aus allen Nähten, die Zuschauer drängeln sich noch weit außerhalb des Zelts, es gibt eine Wall Of Death von der Bühne bis zum hinteren Zeltausgang, die Band widmet ihren Klassiker ´Wake Up In Hell´ Michael Jackson und ballert sich bei klarem und kraftvollem Sound durch einen Set, dass MASTODON auf der Hauptbühne wohl vor Neid erblassen würden, bekämen sie etwas vom hiesigen Geschehen mit. Nicht nur, dass es vor der Mainstage wesentlich leerer ist; das Publikum dort erreicht nicht mal annähernd den Stimmungspegel, den die Thüringer ein paar Meter weiter entfachen. Dabei gibt´s an der Performance der Amerikaner eigentlich nichts zu meckern. Songs wie ´Oblivion´ oder ´Blood And Thunder´ werden anständig dargeboten, aber im Publikum regt sich einfach nichts.

Jetzt könnte man vielleicht mutmaßen, dass das anspruchsvolle Material von Mastodon auf einer Hauptbühne nicht funktioniert und die Band im Zelt besser aufgehoben wäre, aber um´s vorwegzunehmen: An der Stimmung vor der Hauptbühne wird sich auch bei den folgenden Auftritten von DIMMU BORGIR und Soulfly nicht viel ändern. Die Norweger agieren zu routiniert und statisch und verlassen sich zu sehr auf ihre Pyroshow, die zwar ganz nett ist, es mit den Dimensionen z.B. einer In-Flames-Show aber nicht mal im Ansatz aufnehmen kann und in der heutigen Zeit wohl kaum noch für offene Münder sorgt.

Unwesentlich besser ergeht es Max Cavalera und SOULFLY. Die Band und vor allem Max mit seinem Nebenprojekt Cavalera Conspiracy waren in den letzten Jahren einfach zu präsent. Da nützt es auch nichts, wenn man objektiv eine musikalisch solide und professionelle Show abliefert, die subjektiv aber null Endorphine freisetzt. Hier würde das eine oder andere Jährchen Pause durchaus mal guttun.

Ganz anders sieht die Sache bei DIE KASSIERER im Zelt aus. Mehrere tausend Zuschauer drehen zum Asi-Rock der Wattenscheider gnadenlos durch, erfreuen sich am Strip von Sänger Wolfgang „Wölfi“ Wendland und feiern Karneval in Roitzschjora, weil sie alle wissen: ´Das Schlimmste ist, wenn das Bier alle ist´. (ah)

Knüppelnacht

Danach ist im Zelt die traditionelle „Knüppelnacht“ angesagt. Während Conny „Hasinger“ Schiffbauer ihrem Andreas „Hodinger“ Himmelstein etwas von „unserer privaten Knüppelnacht“ ins rot anlaufende Ohr haucht und - mit ihrem Liebsten an der Hand - in die dunkle Nacht von Roitzschjora entschwindet, schleiche ich mich pflichtbewusst zur Bühne und masturbiere schön langsam, aber rhythmisch zu PESTILENCE. Auch eisenharte Metaller brauchen eben Liebe.

Der Soundtrack zu meinem romantischen Date mit der rechten Hand könnte nicht besser sein: Die optisch stark veränderte Band (alle Haare ab) spielt so tight wie selten zuvor, was auch am unglaublichen (Gast-)Drummer Peter Wildoer liegt, der mich fast von meiner wunderschönen Tätigkeit ablenkt. Die Band bekommt einen Riesenapplaus, obwohl das Pestilence-Material bekanntlich sehr kompliziert und nicht immer leichtverdaulich ist. Pünktlich zum letzten Gong spritze ich dann in die vor Staunen offenen Münder meiner Nebenleute. Sorry, Freunde, kann im Eifer des Gefechts passieren.

Dabei hätte ich mich lieber für den gekreuzigten blonden Nackedei der GOD SEED-Show aufheben sollen, auch wenn der inzwischen sturztrunkene Zompf „eine erhebliche Neigung zur Orangenhaut“ am sonst knackigen Hintern auszumachen glaubt. Zompf steht taktisch besser als ich, wankt direkt hinter dem Kreuz herum, so dass ihn die Fans für einen Teil der Show halten müssen (satanic monk on dope?), und hat wahrscheinlich recht. Außerdem ist die Kleine die Freundin von God-Seed-Basser King, der heute zum letzten Mal mit seinem alten Kollegen Gaahl auf der Bühne steht. Zum letzten Mal? Jawoll. Näheres könnt ihr auf den Newsseiten dieser Ausgabe nachlesen. Gaahl ist zum Abschluss übrigens in Höchstform und krächzt erheblich besser als zuletzt mit Gorgoroth.

Die Nächsten im Bunde sind ASPHYX, die ihre beiden Knüppelnacht-Vorgänger mal eben mit links toppen und - Achtung, das meine ich todernst - eine der besten Death-Metal-Shows der letzten Jahre abliefern! Unglaublich, wie frisch, spielfreudig, heavy, tight und beseelt die Holländer zur Sache gehen! Kein Bandmitglied steht auch nur zwei Sekunden am Stück still; die komplette Band thrasht und bangt sich von der ersten bis zur letzten Sekunde den Arsch ab und zeigt der begeisterten Menge vor der Bühne, „was Death Metal wirklich ist“. Spätestens bei ´The Rack´ toben auch hinter der Bühne alle. Selbst Mitveranstalter Bogo verschüttet vor Begeisterung sein (und mein) Bier. Killer! (gk)

HELHEIM entern als Nächstes die Bühne und entführen das Publikum mit ihrem experimentellen Black Metal in die düstere Wikinger-Ära. V´gandrs Stimme erschafft im Zusammenspiel mit epischen Instrumental-Parts eine mystische Atmosphäre. Visuell unterstützt wird die Show von einer eindrucksvollen Video-Projektion. Zu sehen gibt´s eine Collage aus brennenden Drachenbooten, finsteren norwegischen Wäldern, Schlachten und Runen. Leider leert es sich im Zelt merklich, dennoch überzeugen Helheim mit ihrem außergewöhnlichen Sound und starker Performance auf ganzer Linie. Im letzten Drittel des Sets legen die Mannen dann noch mal ordentlich an Tempo zu und reißen das Publikum mit schnellen, aggressiven Songs aus seiner Trance.

Bei VADER wird es dann zu fortgeschrittener Stunde noch mal richtig voll vor der Bühne. Mit gewohnter Qualität und Spielfreude prügeln sich die Polen durch ihren Set und holen die letzten Energiereserven aus der Meute raus - Death Metal galore! Bei Liedern wie ´Silent Empire´, ´Black To The Blind´ und ´Epitaph´ rotieren die Mähnen und recken sich die Fäuste und Pommesgabeln gen Zeltdach. Die Band stellt wieder mal beeindruckend unter Beweis, dass sie live eine absolute Macht ist. Definitiv das Highlight der diesjährigen Knüppelnacht!

Flankiert von zwei großen Thüringen-Bannern, läuten EISREGEN mit einer ordentlichen Portion Lokalpatriotismus das Knüppelnacht-Finale ein. Während draußen schon die Morgendämmerung anbricht, beglückt der selbsternannte „Tod aus Thüringen“ die letzten Standhaften mit seinem provokanten, deutschsprachigen Dark Metal. Eisregen sind bekanntermaßen Geschmackssache, und leider schafft es die Band heute nicht, zu begeistern. Nach den ersten paar Songs (u.a. ´Eisenkreuzkrieger´ und ´Treibjagd´) hat man demnach genug gesehen. (mg)

SAMSTAG

In der prallen Mittagshitze spielen mit Hackneyed und Callejon zeitgleich zwei Nuclear-Blast-Hopefuls um die Gunst der Zuschauer. Das war zumindest der Plan. Weil sich Callejon-Drummer Bodo kurz vor dem Gig die Hand bricht, entfällt der Zelt-Auftritt des Zombieactionhauptquartiers. Dadurch treibt es viele Leute zu HACKNEYED vor die Hauptbühne, wo es zu früher Stunde recht voll wird. Die Aalener wissen die Chance zu nutzen: Die Death-Metal-Jungspunde - alle im Alter zwischen 15 und 19 Jahren - knüppeln sich trotz enormer Bewegungsfreudigkeit erstaunlich tight durch ihren Set und sorgen bei so manchem Besucher für eine runterklappende Kinnlade. Aber was kann man mit Knallern wie ´Gut Candy´ im Programm auch schon falsch machen?

MAKE IT COUNT eröffnen anschließend mit reichlich Energie die Hard-Bowl-Attacke. Hier gibt´s keinerlei Firlefanz, sondern Hardcore in seiner reinsten Form. Zu früher Stunde schiebt sich das Publikum im Circle-Pit durchs Zelt, während sich die Gitarrenfraktion auf der Bühne im Hochsprung übt.

Die aus Dubai stammenden NERVECELL spielen parallel auf der Hauptbühne ihren ersten WFF-Gig - allerdings interessieren sich zu Beginn nur einige hundert Nasen für den technisch einwandfrei dargebotenen Thrash- und Death Metal. Die Band besitzt neben dem Exotenbonus durchaus Potenzial und dürfte dem geneigten Festival-Besucher demnächst sicherlich noch das eine oder andere Mal über den Weg laufen.

NARZISS setzen nicht nur auf dem neuen Album „Echo“ auf Facettenreichtum, sondern streuen auch live einige ruhige Klänge ein. Allerdings wirkt die Performance einer atmosphärischen Ballade im Hard-Bowl-Zelt etwas deplatziert. Auch die Musiker wissen während der vielen Keyboard-only-Passagen nicht so recht, was sie tun sollen.

Solche Probleme kennen WARBRINGER nicht. Auch wenn man sich auf der neuen Scheibe vielseitiger und technischer präsentiert, ist die Band live immer noch ein Thrash-Metal-Abrisskommando allererster Kajüte. Vor allem Fronter John Kevill beeindruckt auf der Hauptbühne mit eigenwilligen Posen und psychopathischen Grimassen. Basser Ben Bennett bearbeitet unterdessen seinen Tieftöner in bester Cliff-Burton-Manier. Besonders im melodischen Mittelteil von ´Prey For Death´ beweist der Bassist sein unbestreitbares Potenzial. Keine Frage: Der Gig macht verdammt viel Spaß, und Warbringer mausern sich zum Highlight des Samstagvormittags.

Bei ALL SHALL PERISH wird es voll auf dem Gelände. Die Band trifft eindeutig den Nerv des Publikums: Die Mischung aus wirrem Geballer, raffinierten Death-Metal-Gitarrenläufen und einem Schuss Metalcore begeistert sowohl die Stumpf-ist-Trumpf-Fraktion als auch die Musikerpolizei. Allerdings wirkt die Mucke der Robb-Flynn-Faves manchmal ein wenig zusammengeschustert. Bei aller technischen Raffinesse ist mir das Ganze zu wenig Song und zu viel konstruiertes Gefrickel. (rb)

Das kann man den EMIL BULLS, die ihren melodischen Hardcore ins gut gefüllte Zelt kloppen, nicht vorwerfen. Die Band gibt sich enagiert und bemüht, kommt auch ganz gut an, haut mich persönlich aber nicht aus den Latschen. Breakdown-Kaiser Boris hätte das möglicherweise anders gesehen.

Auf MUCKY PUP dagegen freue ich mich richtig, denn die alten Crossover-Helden um den fülliger gewordenen Frontmann Chris Milnes habe ich seit Ewigkeiten nicht mehr gesehen. Zompf geht es ähnlich, und so werden wir Zeuge einer... leider ziemlich enttäuschenden Show, deren Höhepunkte mit den Bandhits ´3 Little Pigs´ und ´Death By Cholesterol´ sowie einem Strip von Komiker Chris schnell aufgezählt sind. Nett, aber (zu) harmlos.

SUICIDAL TENDENCIES dagegen sind die großen Gewinner des gesamten Festivals und legen auf der Hauptbühne eines der beeindruckendsten Comebacks hin, die ich in den letzten Jahren gesehen habe! Wir reden hier von Sacred-Reich-Dimensionen und einem restlos begeisterten Publikum, das Mike Muir und seiner (neuen) Mannschaft spätestens nach dem dritten Song aus der Hand frisst! Hier stimmt das Energielevel, hier stimmt die Songauswahl (ein brandneues Stück, ansonsten nur Klassiker), und hier stimmt auch der Entertainment-Faktor. Letzterer geht zu einem Großteil auf das Konto von Vier-Zentner-Drummer Eric, dessen Solo ein echtes Erlebnis ist. Eric, you rule!

Auch im Zelt geht´s richtig zur Sache: Deutschlands erfolgreichste Oi-Skin-Band, STOMPER 98, räumt so ab wie sonst nur Discipline oder The Business auf dem WFF und schraubt den Energiepegel in Suicidal-verdächtige Höhen. Da stört nicht mal das für Metal-Ohren gewöhnungsbedürftige Saxophon, und die antirassistischen (deutschen) Texte verdienen sowieso Beifall. Coole Band, gute Musik, nette Leute - und genauso authentisch wie Rose Tattoo.

SEPULTURA können da auf der Hauptbühne nicht mithalten, obwohl sie sich redlich Mühe geben und beileibe nicht schlecht ankommen. Relativ viele neuere Songs mischen sich unter die alten Klassiker, wodurch die Stimmung im Laufe des Sets etwas leidet. Parallel dazu ist bei BRING ME THE HORIZON im Zelt die Hölle los. Junge Kids prügeln für andere junge Kids erstaunlich versiert auf ihre Instrumente ein und entfachen einen Circle-Pit, der durchs gesamte Zelt wütet. Metal-Attitüde hat die Band allerdings für keine fünf Pfennig, weshalb sie für Rock-Hard-Leser relativ belanglos bleiben wird.

Auf der Hauptbühne muss sich DER W (alias Stephan Weidner) zum ersten Mal in seiner Karriere vor „fremdem“ Publikum beweisen, und das wird - darüber ist sich Stephan völlig im Klaren - kein Spaziergang. Während ihn die ersten 20 Reihen euphorisch begrüßen, werden weiter hinten im Publikum sogar „No W!“-Spruchbänder (ihr Vollidioten!) hochgehalten. Die Band selbst macht keinen Fehler und gibt Vollgas, auch wenn ihre Art von Musik - nennen wir´s mal Modern (Punk) Rock - nicht jedermanns Sache ist. Stephan macht als Frontmann ohne Bass in der Hand eine erstaunlich gute Figur und bedankt sich dafür, dass er „die Bühne mit Bands wie Suicidal und Social D. teilen darf“. Dafür erntet er Beifall, und die Skeptiker kommen ins Grübeln. Ist Onkel Weidner etwa doch kein arrogantes Arschloch? Nein, ist er nicht. Er freut sich sogar laut darüber, „hier akzeptiert worden“ zu sein. Sehr sympathisch. Schlacht gewonnen. (gk)

Respekt, wie sich WALLS OF JERICHO innerhalb weniger Jahre vom Underground-Tipp zur festen Szenegröße entwickelt haben. Zu Recht spielt das Quintett auf der Headliner-Position der Hard Bowl und kann bezüglich der Zuschauermenge ordentlich gegen den gleichzeitig zockenden DER W punkten. Front-Kraftpaket Candace tobt, trippelt, springt und boxt wie ein tollwütiger Gummiball über die Bühne und poliert den Fans dermaßen die Gehörgänge, dass noch nicht mal auffällt, dass auch ihre Bandkollegen gelegentlich versehentlich Opfer ihrer wild rotierenden Arme werden.

Dann geht´s weiter zu AMON AMARTH, die nicht nur einen starken 75-Minuten-Set spielen, sondern ihre Show auch noch optisch mit aufsteigenden Feuerbällen, Funkenregen und in einem meterbreiten Drum-Podest leuchtenden Lampen aufwerten. Highlights des Auftritts sind das mächtige ´Victorious March´, das mit atmosphärischem Schwarzlicht eröffnete ´Cry Of The Blackbirds´ sowie der von den Fans lautstark verlangte Schlusstrack ´Death In Fire´.

Headliner des Abends - wenn nicht sogar die Band mit dem größten Zuschaueransturm des Festivals - sind HATEBREED. Bis weit hinter den FOH-Turm stehen die Fans, als Frontmann Jamey Jasta sein 70-minütiges Metalcore-Gewitter im Sodom-T-Shirt abfeuert. Untypisch für Bands aus der Hardcore-Szene, peppt das Quintett seinen Auftritt mit allerlei visuellen Special Effects auf. Vor einem mächtigen Backdrop glühen 24 Leuchtröhren in wechselnden Farben, Pyrobälle explodieren, und auch bei der Fan-Interaktion greift Jamey Jasta auf Show-Einlagen der metallischen und rockenden Fraktion zurück. Mal fordert er das Publikum auf, mit den Armen hin und her zu wedeln, und mal bittet er die Männer, alle Mädels auf die Schultern zu nehmen. Damit die Aufforderung im Zweifelsfall auch auf deutsch klappt, klebt auf dem Drumriser ein Schild mit den Worten „Alle Mädschen auf die Schultern - ihr seid zupa (geil)!“. Der Hardcore-Spirit geht trotz aller Showeinlagen nicht verloren. Regel

mäßig bilden sich Circle-Pits, so weit das Auge reicht werden Fäuste in die Luft gehalten, und Jamey gesteht, dass Hatebreed zwar schon mit Korn und Slipknot auf Tour gehen durften, aber dass ein Headliner-Auftritt auf dem With Full Force „simply unbelievable“ sei.

Saturday Night Fever

Bei den Showeffekten gehen THE CARBURETORS, die das „Saturday Night Fever“ um Mitternacht auf der Zeltbühne eröffnen, nicht minder geizig zur Sache. Der Bandname thront als Leuchtschrift vorm Backdrop, fette Boxentürme säumen die Drums, Nebel und Funken sprühen vom Bühnenrand, und Feuerfackeln werden durch die Luft gewedelt. Dazu gibt´s eine satte Portion Dicke-Hose-Rock´n´Roll aus Skandinavien, der für ein ordentlich gefülltes Zelt sorgt. Am Schluss kann man noch einen goldenen Flitterregen sehen, und dann sind auch schon RENO DIVORCE an der Reihe. Zwar tummeln sich deutlich weniger Zuschauer im Publikum als bei der Vorband, aber das sind immer noch mehr als der einzige zahlende Gast, der das Quartett aus Denver einst bei einem Gig im Berliner „White Trash“ bestaunte. Die Jungs sind erst zum zweiten Mal in Deutschland, doch von der erwähnten Aufregung ist beim Auftritt nichts zu spüren. Stattdessen gibt´s soliden, wenn auch nicht großartigen Country-Punk mit Social-Distortion-Anleihen zu hören.

Als SMOKE BLOW ihren Gig eröffnen, ist es wieder deutlich voller im Zelt. Die Kieler Proll-Punks mit ihren wild rumspringenden Frontköpfen Jack Letten und MC Straßenköter haben das Publikum fest im Griff und sorgen für super Stimmung. Gelungener Schlusspunkt des Auftritts ist das Billy-Idol-Cover ´Rebel Yell´.

D-A-D spielen wie schon beim Rock Hard Festival einen gelungenen Best-of-Set, doch zunächst scheinen sich nur die wenigsten Zuschauer dafür zu interessieren. Erst im Verlauf des Konzerts füllt sich das Zelt, und zunehmend mehr Kids bestaunen die astreinen Soli, die skurrile Show und die glamourösen Verkleidungen der Dänen. In den frühen Morgenstunden hat sich die anfänglich kleine Fanschar sogar zu einem begeisterten Pulk entwickelt, der nach den letzten Klängen lautstark nach einer Zugabe verlangt. (cs)

SONNTAG

Eigentlich sollte ´ne Kapelle wie ELSTERGLANZ erst auftreten, wenn das Publikum lattenstramm ist. Aber es klappt scheinbar auch mit dem Restalkohol vom Vorabend. Der ziemlich undankbare Hauptbühnen-Eröffnungs-Slot am Sonntagmittag wird von den extra fürs WFF in Bandstärke antretenden sächsischen Mundart-Komödianten jedenfalls zum Triumphzug umfunktioniert. Aus zwei ollen Waschmaschinen fackeln fette Stichflammen, irgendwelche verstrahlten Bandkumpels sorgen als Fliesenleger, Ringer und in Löwenkostümen für Action, und wer des Sächsischen sowohl sprachlich als auch humorkulturell mächtig ist, versteht sogar, warum bis zum Mischpult die Arme der Fans oben sind und der erste Circle-Pit des Tages in Gang kommt (der allerdings eher wie ´ne Polonäse aussieht).

Auch im Zelt steht man um 14 Uhr dicht gedrängt und stürzt sich bereits vor dem Frühstück in sportliche Aktivitäten. Mit dem Gute-Laune-Dance-Classic ´I Wanna Be Free´ als Intro stürmen AUGUST BURNS RED die Bühne. Die Christen-Metalcoreler haben ihre textsicheren Jünger auch ohne optischen Firlefanz sicher im Griff und sind hierzulande inzwischen unübersehbar eine feste Größe.

Wesentlich leerer ist es vor der Mainstage, als SCARAB losrumpeln. Die Ägypter haben im Nahen Osten den „United We Rock“-Wettbewerb und damit den Gig auf dem WFF gewonnen. Mehr als Exotenbonus ist hier allerdings nicht zu entdecken. Ein paar Anhänger von leidlich spannendem US-Death-Metal spendieren etwas Applaus, auf den von der Band geforderten Pit haben sie allerdings keinen Bock. Immerhin agieren Scarab recht sicher auf der Riesenbühne, haben Spielspaß und fühlen sich aufgrund der Hitze wahrscheinlich eh wie zu Hause.

THE SORROW werden im nach wie vor gut gefüllten Zelt zwar mit einer heimischen Österreich-Flagge begrüßt, ansonsten aber zunächst etwas skeptisch begutachtet. Die robuste Performance der um Echtmetalligkeit bemühten Stretchjeans-Fans findet aber nach ´ner Weile durchaus Anklang im Publikum. Und der Circle-Pit klappt auch.

DEADLOCK spendieren das zweite Dance-Musik-Intro des Tages und reichern ihren Modern Metal ohnehin gern mit einer gewissen Pop-Affinität an. Dazu passt ´ne Wall Of Death dann allerdings nicht wirklich, und die Vocals von Co-Sängerin Sabine Weniger sind einfach zu dünn, um heute mehr als unausgegorenes Jugendheim-Flair zu versprühen. Die Hauptbühne ist für Deadlock definitiv noch ´ne Nummer zu groß.

ARCHITECTS hingegen gehören längst zu den wirkungsvollsten Vertretern der NWOBEM (New Wave Of British Epileptiker-Metal) und zucken zu ihrem Frickel-Gewitter imposant über die Bretter. Das Zelt-Publikum dankt mit unrhythmischer Sportgymnastik.

Die dänischen Modern-Metaller RAUNCHY haben den Vorteil, dass sie die erste Sonntagsband sind, deren Songs recht flott ins Ohr gehen. Das liegt zum Großteil an den cool eingestreuten Clean Vocals des Keyboarders. Der Hinweis auf das Ableben des selbsternannten King of Pop wird von der Mainstage-Crowd mit völliger Ignoranz quittiert, das folgende Rockwell-Cover ´Somebody´s Watching Me´ (das im Original eh wie ein Jackson-Song klingt) funktioniert hingegen recht gut.

BACKFIRE wirken wie ein Relikt aus jenen längst vergangenen Zeiten, als man bei den ganzen Core-Abarten den tatsächlichen Core noch nicht mit ´ner Lupe suchen musste. Die Holländer feuern eine imposante Old-School-Hooligan-Breitseite ab und sind die perfekte Vollbedienung für die Zeltbühne. Die Luft brennt, der Classic ´Still Dedicated´ ist auch 2009 noch ein fetter Shitkicker, und nicht mal die miefige Räucherstäbchen-Attacke der parallel eintreffenden Cro-Mags-Crew bremst die Begeisterung. (jj)

Armes Australien. Vorbei scheinen die Zeiten, in denen drei Akkorde der Stein der Weisen waren. Heutzutage schickst du uns Krawallbrüder wie PARKWAY DRIVE in die Alte Welt. Mal im Ernst: Die Metal-Death-irgendwas-Coreler donnern auf einem viehischen Aggressionslevel, dass dir Hören und Sehen vergeht - und logischerweise dreht die U21 auf dem Acker auch komplett am Rad. Das, was da auf der Bühne passiert, ist wie ein Klassenausflug des örtlichen Tierheims. Aber wo zum Teufel sind die Songs? Reicht heutzutage nur noch Energie?

Energie hat auch die nächste Band - und coole Texte, von wegen ´Rock´n´Roll Diktator´ und so. Aber dummerweise versteht man die klugen Worte im Festivalzelt nicht. Und so bleiben V8WIXXXER unter den Erwartungen, denn ihr Punk´n´Roll lebt überwiegend von den Lyrics. Eine engagierte Show, aber die Ausrufezeichen im Zelt setzen heute andere Combos.

IGNITE haben mit Zoltan „Zoli“ Téglás einen der besten Sänger des Festivals in ihren Reihen. Wie sich der muskelbepackte Ungar durch die Melodic-Core-Hymnen jubiliert, ist eine echte Attraktion. Noch immer betouren die Originale aus Orange County ihr brillantes „Our Darkest Days“-Album - es wird Zeit, dass man nach knapp vier Jahren mal wieder neue Songs schreibt. Oder wollen die Herren in Sachen Gemütlichkeit ihren Nachbarn von Social D nacheifern? Zumindest grüßt Zoli seinen Kollegen Mike Ness von der Bühne.

Wer oder was sind eigentlich die echten CRO-MAGS? Das weiß wohl keiner so richtig, aber die besseren Cro-Mags sind die mit John Joseph. Sagen zumindest einige Fans der Band. Joseph ist fit wie ein Turnschuh und bellt sich akzentuiert durch das komplette „The Age Of Quarrel“-Album. Das interessiert jedoch bei weitem nicht so viele Fans wie der brutale Auftritt der Old-Schooler von Backfire. Es gibt aber auch genügend Stimmen, die die Mags in ihrer jetzigen Form einfach nur peinlich finden, u.a. weil Oberproll Harley Flanagan nicht mit von der Partie ist. Dieser titulierte die Zusammenrottung rund um Joseph mal als No-Mags - und die Tatsache, dass Greg von Sick Of It All, ein Typ von Leeway (kennt die noch jemand?) sowie Miet-Trommler Mackie hier ihr Geld verdienen, spricht deutlich dafür, dass man dieses Projekt besser unter einem anderen Namen laufen lassen sollte.

Machtvoll dröhnender, räudiger Gitarrendonner, gespielt von bösen alten Männern, die alle Weltmeere des Lebens durchkreuzt haben, sowie eine Hoheit von Stimme, die in der Tragik und im Whiskey ihr Zuhause gefunden hat: Das sind DOWN, die schwerste, ernsteste, anspruchsvollste, sonnenverbrannteste, besoffenste, schwärzeste und vor allem mit großem Abstand kompletteste Band dieses Festivals. Fünf Charakterköpfe mit riesigem Charisma entfachen eine Orgie der Leidenschaft. Sie lachen, necken, ärgern und küssen sich. Sie sind keine Band im organisatorischen Sinne, sondern fünf tollwütige Blutsbrüder, die hin und wieder von der Kette gelassen werden, damit sie Musik zaubern. ´New Orleans Is A Dying Whore´ widmen sie sich selbst, ´On March The Saints´ geht nach oben zu Dimebag Darrell, und ´Lysergic Funeral Procession´ ist der akustische Trip, der Drogen unnötig macht. Phil Anselmo sagt die Nummer netterweise so an: „Für alle, die in der Sonne rumliegen und si

ch ihre Muschis und Schwänze rösten lassen!“ Zum Abschluss dieses 45-minütigen Manifests überlassen die Musiker ihren Crewmitgliedern die Instrumente, und der Auftritt gerät zur lustigen Jam. Ja, Down beben bei uns noch tagelang nach.

Mike Ness ist eine coole Sau, aber auf einer großen Festivalbühne funktionieren SOCIAL DISTORTION nur bedingt. Dafür ist der Aktionsradius des Punkgotts und seiner neben ihm verblassenden Begleitband viel zu klein. Hinzu kommt eine gewisse Unattraktivität von inhaltsleeren, weitgehend genuschelten Ansagen, die logischerweise wenig Wirkung erzielen. Dennoch herrscht Freude auf ganzer Linie, denn diese Band hat ein großes Arsenal an wunderbaren Songs. Und so ist es vor der Bühne gerammelt voll, als Wunderwerke wie ´Don´t Drag Me Down´, ´Ring Of Fire´, ´Reach For The Sky´ und (einer meiner Lieblingssongs) ´Highway 101´ gepunkrockt werden. (wrm)

TERROR machen sich hinter der Zeltbühne schon mal zu den letzten Songs der Cro-Mags warm. Und während jene bei den Fans nicht gerade für Ekstase sorgen, erwartet man von den fünf Ami-Prolls jetzt ein echtes Inferno. Terror haben zwei absolute Pluspunkte: Ihr Hardcore zwischen alter Schule, Mörder-Grooves und einer leichten Metallglasur explodiert vor Energie, und Frontmann Scott Vogel ist komplett irre. Effizientere Hardcore-Ansagen als „Circle-Pit, Circle-Pit, Circle-Pit, Circle-Pit, Circle-Pit, Circle-Pit, Circle-Piiiiiiit!“ oder „Everybody bounce, bounce, bounce, bounce, fucking boooouuuuunce!“ muss man erst mal hinkriegen. Scott steht nie still, schimpft über den Stagediver-feindlichen Fotograben und fordert die Fans zum Entsetzen der Security auf, die Bühne zu stürmen. Das klappt zwar nicht, dafür ist der Schreihals aber stolz wie Oskar, dass die Metall-Stützpfeiler im Zelt sicherheitshalber mit Holzbrettern verkleidet wurden, weil vor zwei Jahren diverse Terror-Fans an den Dingern hochkletterten, um mega-waghalsige Dives in die Menge zu starten. Hatebreeds Jamey Jasta ist ein guter, routinierter Animateur, Scott hingegen ein Besessener. Auch wenn Terror dieses Mal nicht wegen ´ner Schlägerei von den Bullen einkassiert werden, sind sie eine der Zeltbands mit der größten Durchschlagskraft.

Social Distortion sind keine zehn Sekunden von der Bühne, da ist schon die MOTÖRHEAD-Crew am Arbeiten und richtet für Lemmy eine Art Wohnzimmer ein. Ein Teppich wird verlegt, Ventilatoren sorgen für Luftzug, eine „Schrankwand“ aus Marshalls wird aufgestellt (normaler Monitorsound ist für Lemmy längst viel zu leise), und dahinter wartet eine kleine Bar mit Whiskey, Cola, Eis, einem Aschenbecher und einem persönlichen Betreuer, der Handtücher reicht, Zigaretten anzündet und Getränke mixt. Wenn die Kollegen Phil Campbell (g.) und Mikkey Dee (dr.) im Laufe des Sets ihre faden bzw. hammerfetten Solo-Exkurse durchziehen, kommt auch mal Downs Phil Anselmo vorbei und umarmt den alten Recken - oder Skew Siskins Nina C. Alice darf an Lemmys Whiskey-Cola nippen. Sir Kilmister betritt sein Reich mit frisch geputzten Stiefeln und schwarz gefärbter, ziemlich schütterer Mähne. ´Iron Fist´ und ´Stay Clean´ donnern zur Eröffnung schwer und druckvoll durch die P.A., und vor der Hauptbühne ist es genauso voll wie beim Samstags-Headliner Hatebreed. Lemmy wirkt routiniert und halbwegs fit, Mikkey bleibt einer der besten Power-Drummer der gesamten Szene, und Phil fällt immerhin nicht unangenehm auf. Neuere Songs bleiben in der Minderheit, und die Standards sind mal wieder die gleichen (´Metropolis´, ´Killed By Death´, ´Going To Brazil´ und so). Aber das Einbauen von bis zu 30 Jahre alten Single-B-Seiten (´Over The Top´, ´Just ´Cos You´ve Got The Power´) und von vielen Fans eher missachteten Perlen (´Another Perfect Day´!) sind echte Gänsehautmomente. Und auch wenn es inzwischen arg vorhersehbar ist, bleibt das abschließende Doppel ´Ace Of Spades´/´Overkill´ eine der unzerstörbarsten Kombinationen der gesamten Rock-Geschichte. Obwohl man Motörhead schon deutlich dynamischer gesehen hat, bleibt uns das Trio hoffentlich noch ´ne Weile erhalten.

The Last Supper

Trotzdem reicht es tausenden Fans damit längst nicht, und die Zeltbühne wird zum Last Supper ein letztes Mal belagert. Jetzt geht´s allerdings nicht um körperliche Ertüchtigung in fetten Pits, sondern um Exkurse in die düsteren Metal-Niederungen. Die sind jedoch nur vordergründig entspannender. END OF GREEN rocken gut und weitgehend unweinerlich, MY DYING BRIDE erhöhen die Zahl potenzieller Selbstmorde unter SloMo-Rockern um ein Vielfaches (die zerschnittenen Arme der beiden Band-Damen sprechen Bände), und ANATHEMA servieren als endgültiger Rausschmeißer epische Schönheit, die im Publikum für jede Menge Gänsehaut sorgt.

Dass auch das Festival-Finale trotz gegensätzlicher Vorhersagen und diverser Unwetter in der Nähe ohne einen einzigen Tropfen Regen vonstatten geht, ist dann nur noch das i-Tüpfelchen auf einem musikalisch hammermäßig tollen With Full Force XVI! (jj)

Auf dem WFF waren ausschließlich in Circle-Pits unterwegs: Thomas Kupfer (tk), Andreas „Hodinger“ Himmelstein (ah), Ronny Bittner (rb), Jan Jaedike (jj), Wolf-Rüdiger Mühlmann (wrm), Conny „Hasinger“ Schiffbauer (cs), Marianne Göldner (mg), Axel Jusseit (Fotos) & Götz Kühnemund (gk)

Bands:
AMON AMARTH
WALLS OF JERICHO
MOTÖRHEAD
HATEBREED
Autor:
Conny Schiffbauer
Jan Jaedike
Ronny Bittner
Thomas Kupfer
Götz Kühnemund
Andreas Himmelstein
Wolf-Rüdiger Mühlmann

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