Interview


Pic: Cindy van Stralendorff

Interview 26.08.2019, 14:48

WECKÖRHEAD - Interview mit der Demo-/Eigenproduktionsband 09/19

Motörhead-Coverbands gibt es wie Sand am Meer, aber außer WECKÖRHEAD wohl keine, die die Texte von Lemmy und Co. ausschließlich auf Deutsch interpretiert. Nach ihrer EP „.. für Lemmy“ aus dem Jahr 2018 ist jetzt ihr erstes Album „Taub für immer“ erschienen, das es bei uns zum „Tipp des Monats“ im September 2019 gebracht hat. Warum das Bonmot „ohne Proben nach oben“ auf die Band zutrifft, wie viel DIY in WECKÖRHEAD steckt und welches Mitglied die größte Playmobilsammlung hat, haben wir mit Frontmann Wecker geklärt.

Wecker, wie seid ihr auf die Idee gekommen, diese Art von Motörhead-Coverband zu starten?

»Hast du Zeit? (lacht). Ich bin 2016 von Xaja, einer Hardrock-Truppe hier aus der Umgebung, gefragt worden, ob ich bei denen für einen Auftritt auf dem Jubiläumskonzert der Fog Bog Dosenband aushelfen könne, weil der Sänger zu der Zeit im Urlaub in Südafrika war. Ich habe mit drei der Jungs bereits vorher Musik gemacht, wollte aber keine eigenen Songs von ihnen spielen, weil Ralf nunmal die Stimme der Band ist. Wir haben uns dann auf ein Cover-Set geeinigt und unter anderem wollten wir 'Ace Of Spades' spielen, als dann ihr Drummer Holg auf die Idee kam, die Nummer auf Deutsch zu bringen. Ich habe das dann übersetzt und wir haben den Song zweimal gespielt, einmal auf besagtem Gig und kurze Zeit später nochmal auf einem Proberaumkonzert von Xaja. Da kam Rico (Gitarrist von WECKÖRHEAD, mbl) auf mich zu und meinte, dass er mich an der Gitarre unterstützen würde, wenn ich die Nummer aufnehmen will.

Zu der Zeit hatte ich drei Bands, war Trainer in der Fußballmannschaft meiner Tochter und mit vier Kindern und Vollzeitjob voll ausgelastet, daher war das damals keine Option, aber die Idee war geboren. Ich habe also weitere Songs übersetzt und dann mit Rico gesprochen, dass wir das schon machen können, aber das müsste sehr spontan und ohne großartiges Proben laufen. Als zweiten Gitarristen habe ich dann Mitch gefragt, der auch Lust darauf hatte. Mit Jörg bin ich schon ewig befreundet, daher wusste ich, dass er nicht nur Schlagzeuger ist und ein Studio besitzt, sondern dass man auch gut mit ihm arbeiten kann, daher habe ich ihn gefragt, ob er Zeit und Lust hätte, unsere EP „... für Lemmy“ zu betreuen. Am 17. Oktober 2017 haben wir uns ohne eine Probe das erste Mal in dieser Konstellation im Studio getroffen, um die EP einzuspielen. Kurz nach den Aufnahmen hat mir Jörg dann gesagt, dass er fest einsteigen würde, und seitdem kommen wir quasi von der Bühne nicht mehr runter (lacht).«

Ich finde es sehr charmant, dass ihr im Booklet schreibt „drei Proben und fünfzehn Konzerte im Jahr 2018“...

»Das entspricht der Wahrheit (lacht). Einmal wollten wir uns bei Jörg zu einer Probe treffen und haben stattdessen das Video zu 'Am Tod krepiert' gedreht, in dem ich mit dem Mofa über den Deich gefahren bin. WECKÖRHEAD ist eine sehr spontane Geschichte, aber wir passen trotz aller Unterschiedlichkeit gut zueinander und sind mittlerweile eine richtige Band geworden.«

Du hast gerade schon eure Videos angesprochen, von denen ihr jetzt schon vier auf Youtube hochgeladen habt. Wer ist da bei euch die treibende Kraft?

»Das läuft ähnlich wie mit den Aufnahmen, alles ist sehr spontan. Beim Clip zu 'D-Das Pik As' kam die Idee von mir, da haben wir die Kostüme von einer Waldbühne hier in der Nähe ausgeliehen und das Ding dann innerhalb von einem Tag aufgenommen. Bei 'Nach Rio' hatte ich die Idee mit den Playmobil-Männchen schon länger im Kopf, und da meine Kinder gut damit ausgestattet sind, ließ sich das gut umsetzen, auch wenn die natürlich nicht so begeistert waren, als ich das Flugzeug mit der Stichsäge aufgemacht habe, um die Innenszenen zu drehen (lacht). Sie haben dafür auch ein neues bekommen. Die Massen-Szenen habe ich zusammen mit meinen Kindern gedreht, was lustig war, weil dadurch viele Details im Hintergrund entstanden sind. Die Bühne habe ich komplett aus Holz gebaut und die Lampen sind alte Fahrradlampen und Reflektoren. Die steht hier auch noch, vielleicht kommt da auch nochmal was.

'Am Tod krepiert' auf der anderen Seite basiert auf einer Idee von Jörg. Es war ein bisschen surreal, im Herbst mit dem Mofa von den Nachbarn über den Deich zu heizen, während Jörgs Sohn im Skateboard als Tod verkleidet hinter mir her fährt. Der Junge war nach dem Dreh besonders gebeutelt, weil wir vier Mal rauf und runter gefahren sind und er zu allem Überfluss in der Nacht zuvor auf einer LAN-Party und deswegen nach dem Dreh echt fertig war (lacht).«

Wie geht ihr bei der Songauswahl vor? Ich meine, Motörhead haben ja ein bisschen was in ihrem Backkatalog...

»"Ein bisschen was" ist gut (lacht). Da gibt es zwei Kriterien: Der Song muss einerseits gut abgehen und vor allem einigermaßen gut zu übersetzen sein. Es gibt einige Lieder, die ich zwar angefangen habe, bei denen es aber schwierig ist, sie adäquat zu übersetzen. Andere gingen ziemlich schnell und ich habe auch noch einige auf Halde liegen, die wir aber noch nicht gemacht haben. Ein Beispiel dafür ist 'Snaggletooth', der bei mir 'Hackfresse' heißt. Generell liegt es an mir, welche Songs sich da anbieten, und ich möchte auch noch einige Tracks machen, die man nicht von jeder zweiten Motörhead-Coverband hört.

Ich habe in den letzten Jahrzehnten viele Motörhead-Konzerte gesehen, aber ich habe mich lange nicht mit den Texten auseinandergesetzt. Mittlerweile macht mir das richtig Spaß, weil man da auch viel von Lemmys Persönlichkeit und Einstellung mitbekommt und sie vielleicht auch etwas besser versteht.«

Wie schwierig ist es, solche Texte ins Deutsche zu übertragen?

»Das ist ganz unterschiedlich. Natürlich sitze ich an einigen Textpassagen länger, weil sie sich nicht wörtlich übersetzen lassen oder weil es auf Deutsch sonst blöd klingt. Beispielsweise bei 'Killed By Death' heißt es ja „I ain‘t gonna be easy, easy“, was sich wortwörtlich übersetzt wie schlechtes Denglisch anhören würde, weshalb ich daraus „Ich bin schwierig“ gemacht habe. Ein anderer Song, der mir sehr am Herzen liegt, ist die „Bastards“-Nummer 'Don‘t Let Daddy Kiss Me', bei der eine gute Übersetzung wirklich haarig ist.«

Die LP-Version von „Taub Für Immer“ ist auf 323 Stück limitiert...

»Das stimmt nicht ganz, die schwarze Version gibt es so häufig. Die krumme Zahl hat damit zu tun, dass die Presswerke immer ein paar mehr produziert, die wir aber auch abgeben wollen. Dazu kommen aber nochmal 110 Stück in klarem Rot mit schwarzen Schlieren und 110 Stück in lila-klar meliert. Insgesamt gibt es also etwas über fünfhundert Stück, die gerade bei mir im Wohnzimmer stehen. Als ich die gesehen habe, habe ich kurz überlegt, sie alle selber zu behalten, weil ich die einfach so schön finde, aber meine Frau war von der Idee nicht so begeistert.« (lacht)

Ich kann mir vorstellen, dass das ein riesiger Aufwand ist, alles selber zu machen.

»Das stimmt, aber so ist das eben. Andere Leute sammeln Briefmarken (lacht).«

Ist es eigentlich eine kreative Entscheidung oder eine Notwendigkeit, nicht mit einem Label zu arbeiten?

»Es ist irgendwie beides. Ich möchte mir nicht reinreden lassen, wie die Texte aussehen, wo wir spielen oder wie das Artwork aussieht. Wir machen unser eigenes Ding, und wer eine Coverband inklusive hochgestelltem Mikrofon und aufgeklebter Warze sehen möchte, hat sicherlich genug Möglichkeiten dafür. Andererseits ist der Tonträgermarkt ziemlich übersättigt und wir verkaufen unsere Platten hauptsächlich auf Konzerten, so nach dem Motto „Wenn du die Leute kickst, dann wirst du auch eine Platte los!“«

Zum Abschluss möchte ich nochmal auf euer Booklet zurückkommen, dass mit den Worten endet „...dieses war der zweite Streich...“ und du hast ja auch gerade schon durchblicken lassen, dass du weiterhin Sachen in der Mache hast. Was können wir von WECKÖRHEAD demnächst erwarten?

»Das läuft, wie alles in der Band, relativ spontan, die Platte haben wir ja auch in nur zwei Tagen eingespielt. Jetzt wollen wir erstmal spielen, das Wohnzimmer muss auch bis Weihnachten wieder leer sein (lacht). Ich glaube, mit der Platte haben wir erstmal eine gute Visitenkarte und es stehen auch schon einige Konzerte fest, zum Beispiel werden wir am 4. Oktober zusammen mit Anvil im Zollhaus in Leer spielen und am 4. Januar im Rosenhof in Osnabrück, aber dazwischen gibt es auch noch einige kleinere Gigs.«

WECKÖRHEAD live:

29.08.19 Oldenburg - Stadtfest Oldenburg
14.09.19 Rhauderfehn - KUKZ Open Air
04.10.19 Leer - Zollhaus - Leer (mit Anvil)
23.11.19 Rhauderfehn - Plümers Gaststätte
27.12.19 Rheine - Hypothalamus
28.12.19 Offenbach - Bieber TV Halle
04.01.20 Osnabrück - Rosenhof
21.03.20 Spiekeroog - Inselkino
14.08.20 Rock im Watt - Fähre ab Neuharlingersiel

www.weckoerhead.de

www.facebook.com/Weckoerhead

Bands:
WECKÖRHEAD
Autor:
Maximilian Blom

Melde dich für unseren Newsletter an und verpasse nie mehr die wichtigsten Infos

Diese Seite verwendet Cookies. Erfahrt in unserer Datenschutzerklärung mehr darüber, wie wir Cookies einsetzen und wie Ihr Eure Einstellungen ändern und Cookies deaktivieren könnt. Darüber hinaus verwenden wir Cookies Dritter für die Einbindung audiovisueller Inhalte durch Youtube, Spotify und Soundcloud. Dem könnt ihr hier zustimmen oder dies ablehnen. Datenschutzerklärung ansehen.