Interview

Interview 14.10.2019, 16:51

VOLDT - Interview mit der Demo-/Eigenproduktionsband 11/19

Das Hamburger Trio VOLDT ist eine neue innovative und facettenreiche Metal-Band, die mit ihrem Erstlingswerk dieses Jahr auf sich aufmerksam macht. Die in Eigenproduktion veröffentlichte EP „Voken“ wurde bei uns zum Tipp des Monats gekürt. Um die Band besser kennenzulernen, sprachen wir mit Songwriter/Sänger/Gitarrist Al Shirazi.

Al, wie geht es euch nach der Veröffentlichung eurer Debüt-EP und dem durchaus positiven Feedback quer durch den Metal-Blätter-Wald?

»Gut! Bislang haben wir tatsächlich durch die Bank weg äußerst positive Kritiken geerntet. Wir warten noch darauf, dass jemand uns für unser ausgiebiges Besudeln des Metal-Reinheitsgebotes ordentlich in die Pfanne haut, aber bei unserem Status nehmen tendenziell abgeneigte Magazine sich da die Freiheit, gar nicht erst auf uns einzugehen. Spaß macht die öffentliche Lästerung ja auch erst, wenn die Band sich bereits eine gewisse Fallhöhe erarbeitet hat, was uns hoffentlich noch bevorsteht.«

Wie ist euer Bandname entstanden und was bedeutet der Albumtitel "Voken"? Wofür steht die Katze oder der Kater auf dem Album-Cover?

»VOLDT steht für Spannung, das „DT“ soll uns ein Alleinstellungsmerkmal geben und außerdem beim problemlosen Googlen behilflich sein. Darüber hinaus verleiht es dem Namen etwas altehrwürdig Deutsches, was ja nunmal unsere geografische Lage beschreibt, welche die Musik von VOLDT mit all ihren Facetten und nicht zuletzt ihrer musikalischen Geschichte geprägt hat. Ich bin in einer Familie aufgewachsen, in der das Erlernen eines Musikinstrumentes verpflichtend ist. Somit bilden Bach und Beethoven, Chopin und Rachmaninow wohl irgendwie das Fundament für das, was VOLDT vergeblich versucht, zu konventionellem Heavy Metal zu verwursten. „Voken“ steht für das Erwachen von VOLDT. Für unser Erwachen in Form der offiziellen Erstveröffentlichung und unser Erscheinen in der Metalwelt. Das „V“ ist stilbildend und dient der Festigung des Gesamtkonzeptes. Und die Katze… tja, wir mögen Katzen. Sie passen zu unserem Eigensinn, unserer latenten Sozialphobie und unserer Unfähigkeit, uns in eine „Szene“ einzureihen. Als Shirt-Motiv erfreut sie sich übrigens außerordentlicher Beliebtheit.«

Drei der sechs Songs sind vom Demo 2017 mit auf der EP. Was war der wichtigste Faktor, diese erneut für „Voken“ einzuspielen und wie lange habt ihr für diese Produktion und die Aufnahmen gebraucht?

»Das stimmt. Das Demo haben wir damals publik gemacht, weil es strategisch gesehen ein sinnvoller Schritt war, etwas Nährboden zu schaffen, um dann mit der ersten, „richtigen“ Veröffentlichung nicht ins Leere zu schießen. Da die sechs Songs, die nun auf der EP zu hören sind, in einem zusammenhängenden Zeitraum entstanden sind, hat es für uns Sinn ergeben, sie nochmal als Einheit zu veröffentlichen. Die Produktion hat alles in allem etwa ein Jahr gedauert. Es war nicht ganz unaufwändig, das als Band ohne Label und ohne nennenswertes Kapital organisiert zu kriegen, aber die Mühe hat sich gelohnt.«

Gibt es für euch einen Favoriten auf dieser Scheibe? Die Tracks vermitteln einen sehr individuellen, technisch hohen Anspruch und bewegen sich zwischen mehreren Genres. Wie würdet ihr euren Musik-Stil am ehesten beschreiben? Oder öffnet sich hier eine neue Metal-Genre-Schublade?

»Wir taufen unseren Musikstil „Blackened Progressive Heavy Metal Madness“. Auch wenn der Black-Metal-Anteil nicht unbedingt vordergründig herauszuschmecken ist, so bildet er für uns einen wichtigen Teil unserer musikalischen Vergangenheit und hat sich unweigerlich in die harmonischen Gerüste von VOLDT integriert. Auf der kommenden Scheibe wird er jedenfalls wieder stärker zur Geltung kommen, als es momentan der Fall ist – wenn auch in anderer Form, als man es eventuell erwarten würde. Da wir die Songs auf der EP allesamt schon ziemlich lange spielen, lässt sich die Frage nach unserem Favoriten nur schwer beantworten; schließlich wird die Wahrnehmung der anfänglichen Idee hinter den Stücken mit der Zeit getrübt und verschoben. Aber ich schätze, ich kann für uns alle sprechen, wenn ich behaupte, dass 'End Of Times' sich am meisten von seinem ursprünglichen Glanz bewahrt hat. Deshalb haben wir den auch zur Single und Grundlage für unser Musikvideo erkoren.«

Was ist die Inspiration für eure Musik? Wo kommen eure Ideen her und wer schreibt und komponiert die Titel? Drum-, Gesangs- und Riff-technisch klingt ihr sehr mannigfaltig, interessant und facettenreich. Eure Gitarren sind ein wenig heruntergestimmt. Welches Tuning benutzt ihr und wechselt ihr die "Stimmungen" bei den verschiedenen und fein basslastigen Tracks oder zum Gesang?

»Ich bin der Haupkomponist. Inspirieren tut mich vornehmlich Zeit, die ich allein und draußen in der Natur verbringe. Gleichmäßige, körperliche Bewegung ist für mich eine gute Methode – sie schafft einen gleichbleibenden Puls, regt die Durchblutung an und lässt das Hirn arbeiten. Wenn ich einen Chorus und ein Gitarrenriff einen ganzen Spaziergang im Gedächtnis behalte, ohne sie je gehört oder gespielt zu haben, dann ist dies ein Indiz dafür, dass es sich lohnt, dem weiter nachzugehen. Wenn der Grundstein steht, arbeiten wir im Anschluss gemeinsam die Schlagzeug- und Bass-Spuren aus. In der Hinsicht sind wir ein eingespieltes Team und es geht meist relativ zügig vonstatten. Die Texte kommen meist unmittelbar mit der Musik. Wenn nicht, ist es ein zäher Prozess, der viel Ruhe, wenig Licht und ein bisschen Alkohol braucht. Was die Stimmung angeht, hast du richtig gehört. Unser VOLDT-Signature-Tuning geben wir leider nicht heraus. Lediglich der Closer 'Black' ist in Dropped-D gestimmt.«

Habt ihr alle professionell euer Instrumenten-Spiel gelernt? Was macht ihr neben der Musik? Arbeitet ihr in Vollzeit- oder Teilzeit-Jobs? Und wenn ja, wie bekommt ihr das alles unter einen Hut?

»Johannes (Bass/Backings) und ich sind beide studierte Musiker. Unser Geld verdienen wir jedoch anderweitig im Medien- und Wissenschafts-Bereich. Wanja (Schlagzeug) hat ja seit einiger Zeit schon seinen YouTube-Channel, der ganz gut läuft, und ist mehr oder minder Vollzeit-Schlagzeuger. Nebenbei hat er aber immer noch ein, zwei Minijobs am Laufen. Die Frage mit dem Hut verstehe ich nicht ganz, schließlich muss jeder Musiker auch irgendwie seinen Lebensunterhalt verdienen und die Meisten haben reguläre Jobs, die nichts mit Musik zu tun haben. Ich habe mal eine Weile Gitarre unterrichtet und relativ schnell gemerkt, dass ich das niemals beruflich machen möchte. Lieber trenne ich das ganz klar, verdiene mein Geld in einer anderen Branche und muss mir musikmäßig von niemandem sagen lassen, was ich zu tun oder zu lassen habe.«

Welche Musik hört ihr persönlich in eurer Freizeit und welche Künstler, Bands, Alben haben euch animiert oder geprägt und letztlich zum eigenen Mucke-Machen befeuert?

»In meiner Playlist tummelt sich neben den ollen Metal-Kamellen und Achtziger-Schmacht zur Zeit allerlei Post-Punk-, Synthwave- und Elektrokram, zwischendurch auch mal Ambient und Trip-Hop. Johannes konsumiert viel Post-Hardcore, Prog und Schweinerock und Wanja ist mehr so der Knüppelfraktion treu geblieben – nicht zuletzt durch sein sportliches Drumming. Hinsichtlich des eigenen Aktivwerdens in dem Musikbereich, den wir mit VOLDT bedienen, hat mir meine Tante ziemlich geholfen, indem sie mir immer aus dem Kiosk, in dem sie damals arbeitete, eure Hauptkonkurrenz – den Metal Hammer – mitgebracht hat, inklusive CD-Sampler. Da ich als Kind besessen war von Totenköpfen, Monstern und allem, was irgendwie „verboten“ aussah, hat mich diese Welt vollkommen verschlungen. Zusammengefasst wurde ich angefüttert durch Deep Purple, Black Sabbath und Rainbow; dank Slayer griff ich dann regelmäßig zur Gitarre und fing an, eigene Riffs zu schreiben. Danke, Slayer.«

Welche sind die drei wichtigsten Alben und Bands in deinem Leben? Hast du ein Lieblingsalbum für das Jahr 2019?

»Einen ewigen Ehrenplatz in meinem jungen, verbitterten Herzen haben Sabbath, Slayer und Darkthrone. Diese Bands sind bezeichnend gewesen für drei sehr prägende Phasen in meinem Leben und finden deshalb immer wieder ihren Weg in meine Kopfhörer. Alben: Master Of Reality, Seasons In The Abyss, Under A Funeral Moon. Mein persönlicher Höhepunkt für 2019 war das Album „Human Traffic Jam“ von VR SEX. Kann unmöglich getoppt werden.«

Was war das bisher beste Konzert/Festival auf dem du persönlich zugegen warst? Mit welchem Interpreten (dead or alive) würdest du gern einmal zusammen spielen?

»Ich gehe nicht gern auf Konzerte. Versuche es immer wieder, aber es ist für mich mehr Enttäuschung als Genuss, zwischen lauter schwitzenden, fremden Leuten zu stehen und zu realisieren, dass die Musik, die ich in meinem Kopf auf unerreichbare Podeste erhoben habe, in Wahrheit von gewöhnlichen Menschen gemacht wird, die ich jeden Tag auf dem Weg zur Arbeit sehen könnte. Die Bühne teilen würde ich sehr gern mal mit Ghost. Ich finde, sie sind das Aufregendste und Durchdachteste, was Rockmusik aktuell zu bieten hat.«

Wo stehen VOLDT in sechs Jahren? Welche Meilensteine habt ihr euch für das kommende Jahr gesetzt? Ist ein komplettes Album in Planung? Wann wird es realisiert?

»In sechs Jahren haben wir hoffentlich unsere dritte Platte veröffentlicht, unseren Stil weiterentwickelt, uns eine unverkennbare Medienpräsenz erarbeitet und eine Fangemeinde aufgebaut, die genauso unorthodox ist, wie wir es sind. Aktuell macht unser erstes Full-Length-Album bereits seinen Weg durch die Vorproduktion. Wir hoffen, dass sich diesmal ein Label findet, welches zu uns passt und uns bei der Veröffentlichung unter die Arme greift. Wenn nicht, werden wir es wieder auf eigene Faust machen. Da das Ganze in Eigenregie immer nicht ganz so leicht zu kalkulieren ist, können wir für kein genaues Datum garantieren. Grob angepeilt haben wir aber schonmal Winter 2020. Konzerttechnisch nehmen wir mit, was uns als sinnvoll erscheint und terminlich passt. Wem gefällt, was wir tun, den hoffen wir, vor der Bühne und anschließend bei ein, zwei Bier am Merch-Stand anzutreffen. Und euch vom Rock Hard danken wir ganz besonders, dass ihr euch die Zeit für uns genommen habt und aufstrebenden Bands so zu mehr Reichweite verhelft. Auf ein Neues!«


www.facebook.com/voldt

Bands:
VOLDT
Autor:
Dirk Wendland

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