Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews

SATAN , AIR RAID , NIGHT DEMON , TYSONDOG , SACRED STEEL , RAVEN , SAD IRON , TOKYO BLADE - VERY 'EAVY FESTIVAL V - Stadskanaal, De Spont

Gratulation! In diesem Jahr ist das Very `Eavy Festival bereits zum fünften Mal am Start und kann dabei sogar erstmals volles Haus melden. Kein Wunder, auch diesmal haben die Veranstalter mit Bands aus fünf Ländern wieder ein hochinteressantes Line-up an den zwei Tagen am Start. Ort des Geschehens ist eine abgetrennte Turnhalle mit angeschlossenem nettem Barbereich. Hinzu kommen kostenlose Parkplätze direkt dem Gelände gegenüber, wo sich auch ein Supermarkt befindet. Letztlich optimale Rahmenbedingungen gleich hinter der deutschen Grenze im Norden unseres Nachbarlandes.

Freitag:

Am Eröffnungsabend geht es mit vier Bands los. Opener sind ENCHANTRESS aus Belgien. Über eine Vorausscheidung hat sich das Quintett mit einer Schlagzeugerin seinen Startplatz erkämpft und das zu Recht. Obwohl die Musiker der Truppe vom Alter her eher die Kinder der meisten Anwesenden sein könnten, haben sie den Spirit der Achtziger, bzw. der NWOBHM perfekt aufgesogen. Dass man stellenweise etwas verschüchtert auftritt, macht gar nichts, denn auch die Unbekümmertheit trägt zum Charme des 45-minütigen Gigs bei. Neben dem eigenen Material kann man aber auch mit Covers von Def Leppard (`Wasted`) und Riot (`Swords and Tequila`) punkten. Da sich die Reihen der Achtziger-Helden nach und nach lichten werden, macht eine Truppe wie diese Hoffnung. Ob man allerdings mit einer NWOBHM (New Wave Of Belgium Heavy Metal) rechnen kann, ist eher unwahrscheinlich. Zunächst darf man auf das bald erscheinende erste Demo der Truppe gespannt sein.

VERGIF sind eine holländische Venom-Coverband und im Jahr, in dem ihre Vorbilder und auch Mantas mit seinem Ableger die deutschen Bühnen beglücken werden, kann man sich auf die Show als Warm-up freuen. Und es fängt erst mal ganz ordentlich an: `Countess Bathory`, `In League With Satan` und `In Nomine Satanas` kommen authentisch rüber und wissen zu gefallen. Doch dann nimmt der Set eine unerwartete Wendung. Technische Probleme mit Bass und Mikro lassen beim Frontmann Reza Spoelstra die Sicherungen durchbrennen. Erst wirft er seinen Bass wutentbrannt von der Bühne, bringt die Nummer aber ohne sein Instrument zu Ende. Und als die Probleme nicht aufhören und er auch das Mirko zu zerstören plant, wird der Band der Strom abgedreht. Letztlich absolut verständlich, aber auch schade. Bis zu den Auftritten der Originale ist es ja nicht mehr weit. Insofern ist das Fiasko verkraftbar.

Ganz anders die nachfolgenden NIGHT DEMON. Nein, das Trio kommt nicht aus England und besteht auch nicht aus Veteranen, aber sie haben den Spirit der NWOBHM wie kaum eine andere US-Band der Gegenwart perfekt verarbeitet. Dementsprechend gibt es einen furiosen Set, bei sich ein Knaller an den anderen reiht und der mit `Road Racin` (Riot) und dem abschließenden `Axe Crazy` (Jaguar) zwei Nummern aus dem letzten Jahrtausend im Programm hat. Göttlich schon das Eröffnungsquartett mit `Screams In The Night`, `Full Speed Ahead`, `Curse Of The Damned` und `Ritual`. Seit Ende Januar ist das Trio bereits in Europa und hat über 40 Auftritte hinter sich. In Kürze geht es nach Hause und da kann man die Gewissheit mitnehmen, dass man sich dieses Jahr auf unserem Kontinent einen nachhaltigen Ruf erspielt hat. Das nicht zuletzt wegen der unbändigen Spielfreude der Kalifornier und ihres Frontmanns Jarvis Leatherby, der bereits nach Minuten wieder nassgeschwitzt ist.

Da hat es der Headliner des ersten Abends ELISE nicht einfach. Neben Ear Danger und Sad Iron sind sie die dritte Band des Festivals, die auf dem kürzlich erschienenen „Dutch-Steel“-Sampler vertreten sind. Und natürlich spielt die Truppe den darauf befindlichen Ohrwurm `Seven Witches`. Fast in der Originalbesetzung beisammen bieten die Herren eine Zeitreise bei der ihr 1990er Album „No Time For Masquerade“ im Mittelpunkt steht und dessen Nummern gut ankommen. Stilistisch nicht unweit der alten Vengeance angesiedelt, bietet das Quintett einen souveränen Auftritt und beschließt den ersten Abend würdig.

Samstag:

Den zweiten Tag eröffnen EAR DANGER aus den Niederlanden und mit THE DEEP steht die erste britische Band des Samstags auf der Bühne. Es folgen AIR RAID aus Schweden, die immer souveräner werden und einen leckeren Vorgeschmack auf ihren Auftritt im Mai in Gelsenkirchen bieten. Angesagt ist klassischer Achtziger Metal mit starken Priest-Einflüssen und ansteckender Spiellaune. Bezogen auf die Besetzung fällt auf, dass Frontmann Arthur W. Andersson mittlerweile wesentlich souveräner als noch beim KIT oder Swordbrothers agiert. Auch beeindruckend, wie der kurzfristig eingesprungene Ersatzgitarrist integriert ist. Im Mittelpunkt steht das zweite Album „Point Of Impact“ und spätestens heute wird klar, dass man sich hinter seinen Landsleuten wie Enforcer nicht verstecken muss. Höhepunkte sind die alte Nummer `When The Sky Turns Red` von der EP und der neue Kracher `Madness`.

TYSONDOG werden als NWOBHM-Legends angekündigt, aber die Beschreibung stimmt nicht so ganz. Egal, die Herren aus der Nähe der Stahlschmiede Newcastle standen zwar eigentlich zu Recht nur in der zweiten Reihe, haben aber dennoch ihren Reiz. Heute treten die Briten mit Ausnahme des Drummers mit der Besetzung der Achtziger an und bieten eine ordentliche Werkschau ihrer drei Alben. Erwartungsgemäß kommen `Hammerhead` und `Don't Let The Bastards (Grind You Down)` am besten an. Letztlich ein ordentlicher Auftritt der Veteranen, die sichtlich Spaß haben und die auch mit ihrem neuen Album („Cry Havoc“) überzeugen können.

SAD IRON hat man noch wegen ihres albernen Schriftzuges, den albernen Covern und den bescheidenen Songmaterial („The Antichrist“ und “Total Damnation“) aus den Achtzigern in schlechter Erinnerung. Ärgerlich auch die Mogelpackung mit dem Line-up bei welchem von der Albumveröffentlichung nur noch Gitarrist Bernard Rive dabei ist. Umso überraschender, dass der Auftritt gar nicht mal so schlecht ist. War man früher eher eine klassischen Heavy-Metal-Band, bringt man das alte Material heute wesentlich schneller und aggressiver rüber, so dass man damit fast schon in die Thrash Metal Kategorie passt.

Da beginnt das abschließende britische Triple. TOKYO BLADE haben in den letzten Jahren einige ordentliche Konzerte geboten und auch das letzte Album „Thousand Men Strong“ hat voll überzeugt. Und so legt man den Schwerpunkt der Setlist auf eben dieses Album und die Achtziger-Knaller bis einschließlich 1984. Eine gute Wahl, denn neben neueren Nummern wie `Lunch-Case`, `Forged In Hell's Fire` und `Thousand Men Strong` reiht sich mit `Night Of The Blade`, `Death On Main Street`, `Dead Of The Night`, `Lightning Strikes`, `Mean Streak`, `Love Stuck`, `Someone To Love`, `Sunrise In Tokyo` und natürlich `If Heaven Is Hell` ein Übersong an den anderen. Einen tollen Job macht dabei Chris Gillen, der wieder zur Band zurückgekehrt ist und besser als sein deutscher Vorgänger zur Truppe passt und den melodischen Heavy Metal der Briten gekonnt veredelt.

Kurz bevor RAVEN sich mit ihrem neuen Album zurückmelden, sieht es nach einem zweiten Frühling für die britisch-amerikanische Verbindung aus: Erst die überwundene Beinverletzung von John Gallagher, dann die Südamerikatour und jetzt ein saustarkes Album in der Hinterhand. So legt das Trio aus Newcastle furios los. Und das mit einer ganz alten Nummer: `Hard Ride`, ihrer Single von 1981. Ansonsten gibt es eine Hörprobe zum neuen Album und sonst nichts als britisches Kulturgut wie `Live At The Inferno`, `All For One` (Bandmotto). `Rock Until You Drop` (ebenso Bandmotto), `Stay Hard` (auch Bandmotto), `Faster Than The Speed Of Light`, `On And On`, `Break The Chain`, `Mind Over Metal`, `Don`t Need Your Money`, `Speed Of The Reflex`. Beeindruckend die Bühnenpräsenz der beiden Gallagher-Brüder, die nach all den Jahren unkaputtbar sind und ohne die es den Thrash Metal nicht geben hätte. Weltklasse Auftritt.

Zu den undankbarsten Aufgaben auf einem Festival zählt es nach Raven auf die Bühne zu müssen. SATAN haben dieses Los gezogen. Wer von Raven noch ausgepowert ist, kann sich auf die Empore zurückziehen, die erst am Abend geöffnet wurde und so für etwas mehr Auslauf in der Halle bietet, und die für einen genialen Blick auf die Bühne sorgt. Wie schon beim Metal Assault bietet das Quintett einen souveränen Auftritt ,und das sauch die Setlist die gleiche ist, macht nichts. Besonders bemerkenswert, wie gut sich das neue Material in den Set einfügt. Dass man keine Nummern von der „Into The Future“-EP, die ohne Brian eingespielt wurde bringt, ist klar. Gerührt von den Publikumsreaktionen geben die Herren ihr Bestes und schaffen es, das Niveau des Raven-Sets fast zu halten. Kompliment genug.

Fazit: Das Very `Eavy V hat sich gelohnt. Liebevoll organisiert, mit einen tollen Line-up und einem geschmackssicheren Publikum sollte niemand den Ausflug nach Stadskanaal bereut haben. Ein wirklich gelungenes Festival, was hoffentlich 2016 seine Fortsetzung finden wird.

SETLIST SATAN:

Trial By Fire
Blades Of Steel
Time To Die
Twenty Twenty Five
Break Free
Cenotaph
Life Sentence
The Ritual
Siege Mentality
Oppression
Incantations
Testimony
Alone In The Dock
+++
Heads Will Roll
No Turning Back
Kiss Of Death

Pics: "Metal Mike" van Rijswijk

Bands:
RAVEN
SATAN
TOKYO BLADE
SAD IRON
AIR RAID
TYSONDOG
NIGHT DEMON
SACRED STEEL
Autor:
Wolfram Küper

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