Interview

Interview 28.04.2021, 11:08

TAME THE ABYSS - Interview mit der Demo-/Eigenproduktionsband 05/21

Corona? Geh weida... TAME THE ABYSS nennt sich das oberbayerische Trio, das mit seiner Debüt-EP „They Came In The Night!" seit Wochen für Maulsperren bei Freunden des gepfefferten Rock'n'Roll sorgt. Überaus berechtigt heimsten Sänger/Gitarrist Georg Raig und seine Mitstreiter den virtuellen Pokal für den Tipp des Monats unter den Eigenproduktionen in Rock Hard Vol. 407 ein. Hier findet ihr das dazugehörige, abgründige Interview.

Georg, wo kommt ihr her, wo wollt ihr hin?
»Servus! Ich komme aus Wasserburg a. Inn, Jan (Szymanski, Bass) aus Ingolstadt und Peter (Schertel, Drums) aus Pfaffenhofen an der Ilm. Wir haben uns aber darauf geeinigt, eine Münchner Band zu sein. Schließlich ist das auch der Standort unserer ranzigen Proberaum-Containersiedlung.«

Welche Abgründe wollt ihr zähmen?
»Am besten jeder seine eigenen! Der Name ist mehr als Aufforderung zu verstehen: Lass dich nicht runterziehen, lass dich nicht verlocken! Im Abgrund lauert oft der innere Schweinehund.«

Du hast mit Shenaniganz drei Alben veröffentlicht und die Club- und Festivalbühnen mit bekannten Namen wie Tito & Tarantula, Rhino Bucket oder den legendären Pretty Things geteilt. Wie sehr nervt es, jetzt nochmal von vorn anzufangen?
»Gar nicht! Ich selbst setze ja die Reise fort und fange sie nicht von vorne an. Die zwölf Jahre mit Shenaniganz hatten einen guten Anfang und ein gutes Ende. Das Kapitel ist geschrieben und ich möchte mich auf ein neues konzentrieren. Shenaniganz war ja meine erste Band überhaupt und ich habe viel gelernt. Das bietet mir jetzt die Chance keine Fehler zweimal zu machen und das Vergangene zu reflektieren.«

Die EP klingt sehr direkt und trotzdem transparent. Wie hoch war euer Produktions-Budget?
»Wir wollten unbedingt live recorden und als Band gleichzeitig einspielen um die Energie im Studio einzufangen. Das Live-Recording kam uns auch beim Budget entgegen, weil es schlicht schneller geht, wenn alle gemeinsam einspielen. Allerdings ist die Anforderung an den Musiker höher. Wenn einer verkackt, müssen alle von vorne beginnen.«

Den Gesang hast du bei der Pro7 Media AG aufgenommen. Wie kam's dazu?
»Das klingt spannender als es ist. Die Studios sind ganz normal buchbar und haben gutes Equipment. Dazu sind Buchungen unter der Woche möglich und Daniel (Grandl, Produzent) kennt jeden Knopf in dem Studio.«

Was war der treffendste/unpassendste Vergleich, den du bisher über euch gehört oder gelesen hast?
»Wir wollen in erster Linie an unseren Live-Auftritten gemessen und meinetwegen verglichen werden. Dank Corona steht unser erstes Konzert immer noch aus, die Publikumsstimmen fehlen uns sehr. Im Studio ist heutzutage so viel möglich, das lässt keinen echten Vergleich mehr zu. Unsere EP könnte auch von der Münchner Freiheit eingespielt worden sein, und niemand würde es merken. Live ist das was anderes.«

Ihr selbst verweist auf visuelle und musikalische Einflüsse aus den 50ern, 60ern, 70ern und 80ern. Gibt's auch noch neuere Bands, die euch beeindrucken?
»Natürlich! Unser Sound ist sehr retro und da macht es Sinn und Spaß aus Vergangenem zu schöpfen, aber wir haben erst kürzlich Spotify-Playlisten mit unseren Lieblingssongs erstellt, um zu zeigen, wo wir musikalisch herkommen. Als Gitarrist finde ich die alten Wegbereiter spannender als aktuelle Spieler, auch wenn 'G.O.A.T.' von Polyphia schon sehr beeindruckend ist.«

Wie sehr hat euch Corona ausgebremst?
»Am Anfang überhaupt nicht, im Gegenteil. Wir hatten viel Zeit um uns um Songwriting, Design, Zusammenspiel und das Drumherum zu kümmern. Aber jetzt scharren wir langsam mit den Hufen und wollen endlich raus auf die Bühne.«

Ihr seid sehr aktiv und kreativ in den sozialen Netzwerken. Die einzige Chance als Band heutzutage?
»Bestimmt nicht, aber Promotion an sich ist momentan das Einzige, was man als Band machen kann. Jede Band geht gerade ins Studio und/oder posted sich die Finger wund, weil der Lockdown alles andere verbietet. Und wenn es dann losgeht, wollen wir nicht in leeren Clubs spielen. Also brauchen wir Fans.«

Was treibt ihr außerhalb der Band?
»Wir haben alle normale Jobs. Diese Antwort ist so fad und langweilig, dass jedem klar sein sollte, warum wir TAME THE ABYSS gegründet haben.«

Was taugt die Szene rund um Rosenheim? Oder seid ihr sowieso meistens in München unterwegs?
»Die letzten Kontakte mit der "Szene" hatte ich vor sechs Jahren. Bands gibt es viele und alle sind von hoher Qualität. Clubs gibt es weniger und es wird sich zeigen, wie viele die Pandemie überleben. Ich denke es wird sich in der Branche einiges ändern und auch ändern müssen. Wenn man Kultur will, muss man auch investieren. Jetzt hatten wir mal eine Pandemie lang keine Livemusik und niemand will, dass das so weitergeht, wenn Corona vorbei ist und es dann keine Live-Clubs mehr gibt.«

Wann kann man euch live erleben?
»Gute Frage... Wir haben jetzt mal vorsorglich das Strom in München für den 19. März 2022 gebucht. Mal schauen ob bin dahin wieder Normalität eingekehrt ist. Im Spätherbst wollen wir eine zweite EP nachlegen, dann geht's ans erste Album.«

www.tame-the-abyss.de

www.facebook.com/tametheabyss

Bands:
TAME THE ABYSS
Autor:
Ludwig Krammer

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