Titelstory-Blog

Titelstory-Blog 14.04.2022, 17:55

RUSH - Bewegte Bilder

Es gibt wahrlich nicht viele Alben, bei denen sich die Heavy-Rock-Gemeinde einig ist. Vielleicht ist das gerade mal bei „No Sleep ´Til Hammersmith“, „Master Of Puppets“, „Back In Black“ und einer Handvoll anderer Platten der Fall. „Moving Pictures“ gehört auch in diese Kategorie, es ist das zugänglichste und erfolgreichste Album einer durch und durch außergewöhnlichen Band: Rush.

Fan des kanadischen Dreigestirns zu werden, ist allerdings nicht soooo easy. Die Frühphase mit dem hohen Gesang und den langen Fantasy-Epen ist eher was für konzeptorientierte Nerds, der spätere Achtziger-Style mit New-Romantic-Frisuren und üppigen Keyboard-Sounds ebensowenig leichte Einsteiger-Materie. Und das war längst nicht alles aus über 40 Jahren, in denen die Band in identischer Besetzung zusammenspielte.

Mich hat der livehaftige Multimedia-Ansatz des Trios fasziniert, der ab 1988 auch in Europa regelmäßig zu sehen war. Davor waren Rush eher ein Phänomen des nordamerikanischen Kontinents. Es hieß immer, sie könnten ihre große und teure Show nicht in Europa aufbauen. Mit zunehmender Popularität und technischer Entwicklung konnten Rush ihren „Wahn“ jedoch immer liebevoller und sogar weltweit ausleben. Sie spielten im hohen Alter noch dreieinhalb Stunden für ihre Fans (mit Pause, damit man aufs Klo gehen konnte...), boten das beste Drumsolo weit und breit, machten in Einspielfilmen Witze über sich selbst und verwandelten Verstärkertürme in Waschmaschinen und Hähnchenbratereien (was im Gegensatz zu den oft ernsten und hochphilosophischen Texten stand). Jeder Song hatte einen eigenen Lichteffekt und/oder ein Video zu bieten, während die drei Musiker jeden einzelnen Ton live erzeugten, zur Not mit Samples, Pedalen und elektronischen Drums, die parallel zu Gitarre, Bass, Drums und Keyboards bedient wurden. Es war eine hochkonzentrierte Kreativschlacht von nur drei Typen, wie es sie vermutlich nie wieder geben wird.

Was fürchterlich kompliziert klingt, war mitunter aber auch sehr präzise und gefühlvoll auf den Punkt gebracht. Zusammen mit Terry Brown fabrizierte die Band Anfang der Achtziger in der Einöde Kanadas ihr bestes Album und befreite sich vom aufwändigen Ballast der ersten Platten. Die Single ´The Spirit Of Radio´ vom Vorgängeralbum „Permanent Waves“ hatte den Ausschlag gegeben. Jetzt wurde im Le Studio nur das Nötigste aufgenommen, und jeder der drei Einzelkönner hatte seinen Platz, um sich musikalisch im Sinne der Songs auszutoben. Spielte Bassist/Sänger Geddy Lee Keyboards, fehlte an der Stelle fortan der Bass. Alles sollte so live und direkt wie möglich klingen. Und das tat es dann auch.

So viel Klarheit, Mut und musikalischen Durchblick würde man den Bands jedenfalls heute noch wünschen. Taucht ein in die Welt der „Moving Pictures“!

Bands:
RUSH
Autor:
Holger Stratmann

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