Vorwort

Vorwort 25.07.2018

Power vom Fass!

Wir haben das zum letzten Mal ausführlich Ende 2015 (Rock Hard 342) im Rahmen unseres großen German-Metal-Specials (mit Roundtable und Doro/Warlock-Seziertisch) thematisiert, aber es gehört an dieser Stelle noch mal gesagt respektive geschrieben: Der Prophet ist im eigenen Lande zumindest manchmal nach wie vor weniger wert als auf der internationalen Bühne, und das gilt im deutschen Metal ganz besonders.

Diverse Bands, denen in gewissen heimischen Kreisen gerne ein „Bauern-Metal“-Stempel aufgedrückt wird, spielen im Ausland auch in Sachen Renommee in der Liga der ganz Großen. Für diese unterschiedliche Wahrnehmung mag es viele Gründe geben, durch zu viel Nähe verliert manches eben seinen Zauber, es scheint auch müßig zu sein, sich zu grämen, ein bisschen schade ist es trotzdem.
Wobei man das jetzt gar nicht unbedingt auf unsere Titelheldin Doro beziehen muss: Frau Pesch dürfte schon lange über Anfeindungen aller Art stehen, wenn es sie denn überhaupt (noch) gibt, sie war diesen Monat die logische Wahl für das Rock-Hard-Cover. Und es war zudem DIE Gelegenheit, unsere Archive zu durchforsten - um eine weltexklusive CD zusammenzustellen, die nicht nur zwei neue Tracks vom in Kürze erscheinenden Doppel-Studioalbum „Forever Warriors, Forever United“ enthält, sondern zudem sechs knackharte Live-Mitschnitte vom 2015er Rock Hard Festival („Old School Set“), die in Sachen Power kaum zu übertreffen sind. Ich hoffe, Ihr habt mit dieser kleinen Rarität genauso viel Spaß wie ich!
 
P.S.: Wer sind/waren eigentlich die wichtigsten Bands für die Entwicklung des deutschen Heavy Metal? Ich finde, eine Liste sollte so aussehen wie unten. Thrash-Truppen habe ich dabei ausgespart; das ist ein ganz eigenes Thema...

10. VICTORY
Zu oft unterschlagen, die inoffiziellen Fargo-Nachfolger haben mit späteren Alben wie dem tollen „Culture Killed The Native“ (1989) und „Temples Of Gold“ (1990) das „internationalisiert“, was sie selbst zusammen mit Sinner, Darxon oder Steeler ein paar Jahre vorher begonnen haben. Heavy Rock at its best!

9. FAITHFUL BREATH/RISK

Fast schon ein Sonderfall. Völlig heterogene Band-Geschichte mit reinen Krautrock-Anfängen („Fading Beauty“, 1974) über recht typischen German Metal (´79 bis ´86) bis zu knackigem, eigenständigem Speed unter dem Namen Risk (´88 bis ´93). Sollte man definitiv nicht unterschätzen!

8. RAGE
Gestartet als Avenger, zockten sich Rage spätestens mit „Execution Guaranteed“ (1987) und „Perfect Man“ (1988) in die erste Liga. Die stärkste Phase war für den Verfasser dieser Zeilen die Zeit zwischen „Secrets Of A Weird World“ (´89) und „Trapped!“ (´92), aber auch Späteres wird nicht nur von Ronny extrem geschätzt.

7. GRAVE DIGGER

Auch heute noch vor allem international ´ne recht große Nummer, die bombastischeren Neunziger-Alben haben Zeichen gesetzt. Wegweisend war allerdings vor allem das ´84er Debüt „Heavy Metal Breakdown“ - harter, knackiger German Metal mit No-bollocks-Garantie (wie auch der ´85er Nachfolger „Witch Hunter“).

6. WARLOCK/DORO
Die vier Warlock-Alben von 1984 bis ´87 sind überraschend gut gealtert und werfen nach wie vor Superhits im dreckigen Dutzend ab. Und über den Stellenwert von Doro herself muss man wirklich keine weiteren Worte verlieren. Auch als Person absolut prägend nicht nur im deutschen Metal!

5. BLIND GUARDIAN
Müssen sich Platz drei und vier geschlagen geben, weil sie eben doch ein paar Jahre später am Start waren - davon abgesehen einflussreich bis zum Gehtnichtmehr und qualitativ vor allem bis 1995 überragend. Danach wird´s zumindest mir persönlich zu bombastisch, aber das kann man natürlich auch anders sehen...  

4. RUNNING WILD
Eigentlich auch ´ne ganz bizarre Vita, die ersten Running-Wild-Gehversuche haben sogar den frühen Black Metal mitgeprägt, und dann folgte die große Zeit des Piraten-Metal mit völlig eigenständigem Songwriting und überragendem (!) Gitarrenspiel, das man nach drei Sekunden erkennt. Legende!

3. HELLOWEEN
Keine andere Band war wichtiger für die Entwicklung des melodischen Speed Metal und sogenannten Euro-Power-Metal als Helloween, zudem DIE Väter von Edguy & Co. Haben zwar auch ganz schön viel Kroppzeug nach sich gezogen, ihr eigener früher Kram ist allerdings unangreifbar.

2. ACCEPT
Die ersten beiden Dreher sind nach wie vor seltsam verzichtbar - aber dann! „Breaker“, „Restless And Wild“, „Balls To The Wall“ - you name it. Eine der besten Metalbands aller Zeiten, in einer Liga mit Priest, Saxon, Dio und Ozzy. Zudem die für mich stärkste Combo dieser Top Ten, was die aktuellen Alben angeht!

1. SCORPIONS
Trotz der großen Accept: Die Hannoveraner stehen jenseits von allem, spielen noch mal in einer anderen Liga, sind DIE deutsche Hardrock/Metal-Band schlechthin. Neun (!) komplett unangreifbare Alben zwischen 1975 („In Trance“) und 1985 („World Wide Live“) - das ist beinahe beispiellos. Maßstäbe setzend!

Pic: Tim Tronckoe

Autor:
Boris Kaiser

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