Interview


Pic: Moritz "Mumpi" Künster

Interview 20.05.2019, 14:11

NECK CEMETERY - Interview mit dem Tipp des Monats 06/19

Bei NECK CEMETERY, unserem Tipp des Monats unter den Eigenproduktionen, werden die Achtziger-Metal-Vibes wiederbelebt. Im Kölner „Dungeon of Dänger“ trifft sich das Gitarristen-Duo Boris Dräger und Yorck Segatz, um die handkopierten „Death By Banging“-Demo-Kassetten zu nummerieren. Nachdem das Mikro auf dem Tisch zwischen Totenschädel und Friedhofskerzen platziert ist, erzählen sie von ihrer Gründungsgeschichte und „falschem Metal“.

Ihr seid recht frisch gegründet. Wie kam es dazu? Mit Yorck als SODOM-Gitarrist und Jens Peters, den man oft auf Glam- und Sleaze-Events antrifft, seid ihr ja doch recht unterschiedlichen Musikrichtungen zuzuordnen.

Boris: »Wir kennen uns schon lange, auch aus diversen Bands vorher. Die Idee spukte schon ziemlich lange in unseren Köpfen herum, dass wir mal gemeinsam Heavy Metal machen wollen.«

Yorck: »So das typische „Wir müssen mal was machen“. 2017 haben wir uns dann gegründet.«

Boris: »Ja, im Winter 2017 haben wir beide uns zusammengefunden und Anfang 2018 den Rest der Band rekrutiert.«

Yorck: »Lukáš (Strunck) war der Erste, was naheliegend war.«

Boris: »Genau, wir haben bei Black Sheriff zusammen gespielt. Und letztes Jahr haben wir den Jens auf dem Rock Hard Festival angefragt. Im Februar sind wir zusammen ins Studio und kurz danach ist auch Matthias (Hauser), unser Bassist, dazugekommen.«

Yorck: »Den Matthi kenne ich schon seit Anfang 2000 und er ist mein ältester Metal-Kumpel. Wir wollten auch schon immer mal zusammen Musik machen, da hat das perfekt gepasst.«

Ihr habt gerade schon angeschnitten, dass ihr Heavy Metal machen wolltet. Wie würdet ihr euren Stil genau beschreiben? Ist es wirklich klassischer Heavy Metal aus den Achtzigern oder habt ihr verschiedene Einflüsse verarbeitet?

Boris: »Ich würde ganz klar sagen, es ist Achtzigerjahre-Metal. Heavy Metal, Power Metal und True Metal – das ist so die Mitte, mit Ausreißern Richtung Doom und auch mal bisschen Thrash.«

Yorck: »Von Candlemass bis Slayer ist alles erlaubt, solange es von der Gesamtstimmung zusammengehalten wird.«

Auf dem Cover eures Demos steht auch augenzwinkernd „Rumored since 1984“.

Boris: »So soll es klingen, weil 1984 einfach ein verdammt gutes Jahr für den Heavy Metal war.«

Yorck deutet zustimmend Richtung Wand, die vollgeklebt ist mit Postern und Tickets, unter anderem mit MANOWAR-Postern aus dem Jahre 1984.

Boris: »Das wäre schon eine super Sache, wenn man auch an den Spirit ran käme. Gerade 1984 ist so ein herrliches Jahr im Heavy Metal. Es sind so viele großartige Alben rausgekommen, so viele tolle Touren gewesen. Ich habe Bands gesehen, die verfolgen mich mein ganzes Leben. Das wollte ich aufgreifen.«

Yorck: »Außerdem bin ich Jahrgang 84, da trifft sich das wieder ganz gut.«

Auf eurem Demo sind drei Songs enthalten, unter anderem 'The Night False Metal Dies'. Was ist denn falscher Metal für euch?

Yorck: »Ich würde jetzt spontan mal sagen Nu Metal (beide müssen lachen). Aus meiner Sicht ist auch eine Band wie Powerwolf oder Sabaton richtiger Metal, auch wenn sie gerne mal so dargestellt werden als seien sie Pop-Metal. Also gegen die ist das auf jeden Fall nicht gerichtet.«

Das ist also schon auch mit einem Augenzwinkern gemeint, richtig?

Boris: »Natürlich, wir sind nicht Manowar, auch wenn wir so aussehen.«

Ich habe direkt die Achtziger-Albumcover von Manowar vor Augen.

Boris: »Ja, genau. Normalerweise renne ich hier auch im Fell-Lendenschurz rum (lacht). Mir geht es weniger um die Musik als um die Haltung, was das 'False Metal' angeht. So flach das klingt, Heavy Metal ist auch eine Lebensart und Einstellung. Da geht’s nicht darum, einem schnellen Trend aufzusitzen oder etwas zu machen, was die Leute hören wollen, sondern das muss von einem selber kommen. Dann ist das auch ehrlich und echt. Und wenn es Leuten nicht gefällt, dann ist es halt so, aber man steht zu sich und ist da authentisch.«

Ihr macht also das, worauf ihr Bock habt.

Yorck: »Ganz genau. Bock auf Plastik-Schwerter zum Beispiel und Bock auf Schädel!« (Er deutet grinsend auf die Deko um ihn herum).

Boris: »Ja, wir haben dabei Spaß.« (Den Spaß daran scheint auch Boris' Sohnemann Henri zu haben, der bis eben brav zwischen den beiden auf dem Sofa saß und nun doch vermehrt Interesse an Thors Hammer zeigt).

Auf dem Demo sind noch zwei weitere Songs drauf. Gibt's ein Konzept dahinter?

Yorck: »'Battle The Beast' war der allererste Song, den wir gemacht haben. Das Konzept war insgesamt, dass wir mit Twin-Gitarren arbeiten wollten, die auch ein bisschen Harmonie spielen, sodass man auch mal mehr rausholt als nur zweimal das gleiche Riff.«

Boris: »Der Song liegt irgendwo zwischen Motörhead-Vibe und Exodus-Riffing der „Bonded by Blood“-Ära. Das ist für unsere Verhältnisse am extremsten. Wir sind musikalisch nicht sehr extrem, sondern machen gerade, eingängige und einfache Songs. 'Feed The Night' ist dann eher unsere Doom-Nummer.«

Yorck: »Die ist auf deinem Mist gewachsen (grinst).«

Boris: »Ich denke immer an Candlemass, wenn ich das Riff höre, weil das richtig schön heavy und eher düster ist. Doom, True und Thrash – in dem Spektrum bewegen wir uns.«

Wie läuft euer Kompositionsprozess ab?

Boris: »Oft sind wir beiden es, die zusammensitzen und unsere mitgebrachten Ideen vorbereiten, bis man sich wieder im Proberaum trifft und das ausarbeitet.«

Yorck: »Ich habe gerade gestern wieder zwei Riffs rumgeschickt. Dann überlegt man, ob der andere etwas dazu hat. Wenn wir Melodien haben, schauen wir, ob wir die zu zweit noch interessanter gestalten können. Matthi wird sich jetzt auch mehr einbringen, da er selbst auch eigentlich Gitarrist ist.«

Habt ihr die Demo in einem Studio oder im Proberaum aufgenommen?

Boris: »Da waren wir tatsächlich in einem professionellen Studio, weil es uns wichtig war. Wir haben uns entschieden, das von einem sehr guten Produzenten, Achim Lanzendorf, machen zu lassen.«

Yorck: »Er hat auch mal reingeredet, wenn es scheiße klang. Das finde ich wichtig.«

Wenn ich es richtig verstanden habe, habt ihr schon ein paar weitere Songs in der Pipeline. Was sind eure nächsten Pläne?

Boris: »Wir sind mittendrin am Schreiben und spielen jetzt auch live. Geplant ist es, einen Longplayer nachzulegen. Im Sommer wird noch eine 7“-Platte rauskommen und voraussichtlich wird es einen Videoclip zu einem der Songs geben.«

Ich habe es leider nicht zu eurem ersten Gig in Köln geschafft. Wann kann man euch denn wieder live sehen?

Boris: »Im Juli sind wir im Sonic Ballroom, im September im Club Volta und im Oktober im Valhalla. Wir machen also eine Köln-Tour.«

Sehr gut, dann habe ich ja noch ein paar Chancen, euch dieses Jahr zu sehen. Was spielt ihr denn live? Nur eigene Songs oder auch Cover-Versionen?

Boris: »Der Fokus liegt ganz klar darauf, eigene Songs zu präsentieren. Eine Cover-Version haben wir aber dabei. Die hat eine kleine Geschichte, weil das Original mit zu unserem Bandnamen beigetragen hat.«

Erzählt doch direkt mal die Geschichte dazu.

Boris: »Yorck und ich waren auf einer Party und hatten den Entschluss gefasst, uns an diesem Abend einen Bandnamen zu überlegen.«

Yorck: »Es sollte irgendwas damit zu tun haben, dass der Nacken vom Headbangen glüht.«

Boris: »Es hat eine Band gespielt, die 'Pet Sematary' von den Ramones gecovert hat. Dann meinte Yorck auf einmal: „NECK CEMETERY“. Deshalb covern wir den Song.«

Yorck: »Wir covern ihn auf unsere Art, mit einem anderen Text.«

Coole Sache. Was ist euer großer Traum und das große Ziel, wo ihr mit der Band hinwollt? Oder ist das eher ein Spaß-Projekt?

Yorck: »Nee, das ist schon ernst gemeint, auch wenn das Augenzwinkern hier und da schon da ist.«

Boris: »Erstmal sind wir gespannt, wie die Resonanzen zu der Demo werden. Ich habe am meisten Lust, Shows mit coolen Bands zu spielen, von denen ich selbst Fan bin, und auf Festivals aufzutreten, die ich selber geil finde.«

Gibt es denn eine Band, mit der ihr gerne mal auf Tour gehen würdet?

Boris: »Da fallen mit jetzt hunderttausende ein (lacht).«

Yorck: »Ich würde Visigoth sagen.«

Boris: »Ja, oder Grand Magus.«

Yorck: »Ich finde, es ist wieder eine coole Szene im Kommen. Sowohl in Amerika und Kanada als auch vor der Haustüre, zum Beispiel in Gelsenkirchen. Und dann gibt es natürlich auch die entsprechenden Festivals, zum Beispiel das Keep It True oder Swordbrothers Festival.«

Boris: »Da würden wir uns natürlich total kaputt freuen, wenn da was ginge in der Richtung. Wir geben uns Mühe, einfach guten Scheiß zu machen und vielleicht klappt das dann.«

www.facebook.com/neckcemetery

https://neckcemetery.bandcamp.com/releases

Bands:
NECK CEMETERY
Autor:
Lisa Scholz

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