My Hometown

My Hometown 25.07.2018, 17:54

GOJIRA - My Hometown: New York mit Joe Duplantier

Mit Mitte 30 erfüllte sich GOJIRA-Frontmann Joe Duplantier einen Kindheitstraum: Er tauschte das französische Provinzleben gegen ein neues Zuhause an seinem Sehnsuchtsort New York. Der Musiker gibt uns einen Einblick in die amerikanische Metropole zwischen umkämpfter Live-Musikszene und Familienalltag auf Brooklyns Spielplätzen.

Joe, du lebst seit einigen Jahren in New York City. Ursprünglich stammst du allerdings aus dem französischen Ondres in der Nähe von Bayonne. Welchen Ort bezeichnest du als deine Heimat?

»New York ist mein Zuhause. Ich liebe die Exzentrizität der Stadt, dieses Brodeln, das kulturelle Leben. New York hat bereits eine starke Anziehungskraft auf mich ausgeübt, als ich noch ein Kind war. Ich entschied schon sehr früh, im Alter von sieben Jahren, dass ich einmal in New York leben werde. Aber dann kam die Band ins Rollen, und ich hing fürs Erste in meiner französischen Geburtsstadt fest.«

Was hat dich als Kind an New York fasziniert?

»Ein Teil meiner Familie stammt aus den USA. Meine Mutter war Amerikanerin. Sie ist leider nicht mehr hier, aber sie war laut, sehr exzentrisch, sehr lustig und zeigte uns etwas, das uns geheimnisvoll erschien. Mit 13 reiste ich das erste Mal in die USA, das war für mich ein sehr wichtiger Trip. Ich besuchte meinen Onkel in Pennsylvania und verbrachte einige Tage in New York. In meinen Dreißigern hat sich die Band gefestigt. Mittlerweile touren wir so viel mit GOJIRA, dass wir dazwischen nicht mehr proben. Dann habe ich also den Schritt gewagt und bin umgezogen. In dieser Zeit habe ich auch meine Frau getroffen, die übrigens aus Litauen stammt. Wir haben uns dazu entschieden, gemeinsam zu gehen.«

Was macht New York heute für dich aus?

»Ich liebe den Spirit der New Yorker. Denen ist es herzlich egal, ob du berühmt bist oder nicht. Du bist einfach ein weiterer Mensch, der versucht, sich in New York durchzuschlagen. Du kannst einen pinken Hut tragen, an dem ein Arm raushängt, und keiner nimmt Notiz davon oder spricht dich darauf an. Das habe ich total gebraucht. Ich bin als sensibles Kind in einer sehr engstirnigen Umgebung auf dem Land aufgewachsen und sehnte mich nach Freiheit und Inspiration. In meiner Heimat habe ich Inspiration vor allem aus der Natur gezogen, aus dem Meer, den Bergen, aber das kannst du natürlich nicht mit der Art Inspiration vergleichen, die du aus einer Stadt wie New York ziehst. Die Stadt verändert sich ständig, sie ist immer in Bewegung. Jeden Tag öffnen neue Restaurants und Galerien, es fühlt sich an, als ob alles möglich sei. Du kannst eine Geschäftsidee verwirklichen, du kannst daran scheitern, und im Gegensatz zu Frankreich ist das völlig okay, und du machst einfach weiter.«

Freunde stehen vor der Tür, und du hast einen Tag Zeit, um ihnen einen ersten Eindruck von der Stadt zu vermitteln. Was unternehmt ihr?

»Wenn mich ein Freund besucht, würde ich mit ihm wahrscheinlich durch einige meiner Lieblingsgegenden laufen, Bushwick, Bed-Stuy (Bedford-Stuyvesant - asr) oder Fort Greene zum Beispiel. Da gibt es tolle Parks. Dann würde ich eine Fähre von Williamsburg in Brooklyn zur Wall Street nehmen. Die Fahrt führt dich unter anderem an der Manhattan Bridge und der Brooklyn Bridge vorbei. Das klingt jetzt total kitschig und klischeebeladen, aber ich bin mit meinen Kids und meiner Frau mal nach Liberty Island zur Freiheitsstatue gefahren und habe da den ganzen Tag verbracht. Eigentlich eine Idee, auf die nur Touristen kommen, doch wenn du an einem Sommertag im Gras liegst, ist es echt toll. Liberty Island gleicht einem Park auf dem Wasser. Ansonsten empfehle ich einen tollen Spaziergang in Manhattan von der West Side, den du bei der 22nd Street beginnst, bis zur South Side.«

Wie schätzt du die Musikszene in New York ein?

»Als Familienvater kenne ich mich auf den Spielplätzen in meiner Gegend wesentlich besser aus als in Clubs (lacht). Aber wenn ich ausgehe, dann sehr gern in eine Bar in Williamsburg, in der am Abend fünf bis sechs Bands spielen. Ob eine Band noch mal wiederkommen darf, entscheidet die Reaktion des Publikums. Die Konkurrenz ist extrem hoch – es gibt unglaublich viele talentierte Musiker. Es ist schwierig zu bestehen, aber auch sehr stimulierend.

Die Metalszene ist stark. Sie besteht fast nur aus Underground-Bands. Nimm meine Kumpels Car Bomb, mit denen wir 2017 getourt sind. Ich war total überrascht, dass sie „nur“ eine der New York Bands sind und nicht wirklich herausstechen. Würden sie in einer Stadt wie Poitiers in Frankreich spielen, bekämen die Leute die Kinnlade nicht mehr hoch.«

Die Umwelt spielte für euch schon immer eine wichtige Rolle. Ihr greift das Thema in Texten auf, engagiert euch aber beispielsweise auch für die Organisation Sea Shepherd. Ist New York für dich eine umweltbewusste Stadt?

»Nein. New York ist ein riesiger Haufen Müll. Die Leute stapeln sich. Aber es gibt jeden Tag einen Bauernmarkt irgendwo in der Stadt, Leute verarbeiten Obst- und Bananenschalen zu Kompost, die Menschen machen sich Gedanken über die Umwelt. Mir selbst ist das Thema sehr wichtig. Ich habe zwei Jahre im Wald gelebt, ganz ohne fließend Wasser. Als ich 20 war, habe ich selbst eine Hütte in der Nähe eines kleinen Flusses gebaut. Strom gab es auch keinen, also habe ich Kerzen benutzt und über dem Feuer gekocht. Diese Erfahrung trage ich in mir. Ich habe gelernt, dass ein Glas Wasser ausreicht, um den Körper sauber zu halten, du musst dich nicht 45 Minuten unter der Dusche verschanzen. Wenn du nichts hast oder alles selbst besorgen musst, dann gehst du anders an Sachen heran. Das versuche ich auch meinen Kindern und Freunden zu vermitteln.«

Zwei Jahre. Wow, das ist eine lange Zeit.

»Das ist ein großer Teil meines Lebens. Ich musste das Projekt aber aufgeben, als die Band mehr Fahrt aufnahm. Ich vermisse dieses Leben. Vielleicht verschwinde ich eines Tages wieder aus New York und kehre in die Wildnis zurück.«

www.gojira-music.com

www.facebook.com/gojiramusic

Bands:
GOJIRA
Autor:
Alice Srugies

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