My Hometown


Foto: Ester Segarra

My Hometown 19.12.2018, 08:00

AMON AMARTH - My Hometown: Tumba, Schweden mit Johan Hegg

Ihre ersten musikalischen Gehversuche machten AMON AMARTH Anfang der neunziger Jahre in der schwedischen 41.000-Einwohner-Kleinstadt Tumba in der Nähe von Stockholm. Abgesehen davon, dass die Band dort ihren Proberaum hatte und ihre ersten Shows spielte, hat Johan Hegg allerdings nicht allzu viel Gutes über seine alte Heimatstadt zu berichten.

Johan, bist du selbst auch in Tumba aufgewachsen?

»Eigentlich in einer noch kleineren Stadt etwa fünf Kilometer südlich von Tumba. Ich habe aber in Tumba die Schule besucht und hatte dort meine erste eigene Wohnung und meine ersten Jobs.«

Was kommt dir als Erstes in den Sinn, wenn du an Tumba denkst?

Er seufzt: »Hach... Ich fand es dort eigentlich immer ein bisschen deprimierend (lacht). Es ist im Grunde eine typisch schwedische Vorstadt. Es ist dort nicht vollkommen furchtbar, aber auch nicht gerade toll. In Tumba gibt es wirklich nichts Besonderes. Früher hatten sie dort ein wirklich hübsches Stadtzentrum mit einem offenen Platz in der Mitte, aber dann kam irgendjemand auf die Idee, daraus ein Indoor-Einkaufszentrum zu machen, und jetzt sieht es echt scheiße aus.«

Gibt es in Tumba und Umgebung irgendwelche interessanten Sehenswürdigkeiten?

»Eigentlich nicht. Ich glaube, das einzig Interessante in Tumba ist, dass dort die Papierfabrik der Schwedischen Reichsbank steht. Und die schwedische Maschinenbaufirma Alfa Laval hat dort ihren Hauptsitz. Das sind eigentlich schon die spannendsten Dinge in Tumba. Als Tourist bekommst du da nicht viel zu sehen. Etwa zehn bis 15 Kilometer südlich von Tumba gibt es allerdings viele Runensteine und die Schären. Ansonsten ist es eine ganz normale, langweilige Stadt.«

Gab es dort zu AMON AMARTH-Gründungszeiten überhaupt eine Rock- und Metalszene, oder musstet ihr immer nach Stockholm fahren?

»Nein, es existierte tatsächlich so etwas wie eine Rock- und Metalszene. Im Lagret, wo wir probten, gab es noch mindestens zwei weitere Death-Metal-Bands. Eine davon war Eternal Oath. In der Nachbarstadt Salem gab es auch noch Desultory, die eine Weile bei Metal Blade unter Vertrag standen, und zwei oder drei andere Death-Metal-Acts. Desultory waren unsere Lokalmatadoren, weil sie die erste Band aus der Gegend mit einem Plattenvertrag waren. Es gab also durchaus eine Metalszene, aber davon abgesehen sind wir immer nach Stockholm gefahren, um feiern zu gehen oder dort rumzuhängen. Es ist auch nur ungefähr eine halbe Stunde Zugfahrt entfernt.«

Hattest du in deiner alten Heimatstadt einen Lieblingsplattenladen, in den du gern zum Stöbern gegangen bist?

»In Tumba nicht, nein. Es gab dort zwar einen Plattenladen, der machte jedoch leider dicht. Sie hatten dort aber auch nur eine sehr kleine Heavy-Metal-Abteilung. Dort habe ich mir „...And Justice For All“ von Metallica gekauft, das weiß ich noch. Aber ansonsten habe ich meist in Stockholm meine Platten gekauft, dort gab es tolle Läden wie Diamond Records und Sound Pollution, und dort waren auch die Clubs, in die wir damals gerne gingen.«

Gibt es aus der Gegend kulinarische Spezialitäten, die du empfehlen kannst?

»Ich weiß gar nicht, ob es typisch für die Gegend um Stockholm ist, aber wahrscheinlich schon, weil man es in anderen Städten wie zum Beispiel Göteborg nicht bekommt. Wenn du bei uns an einen Hot-Dog-Stand gehst, bestell mal eine Tunnbrödsrulle, eine sogenannte Dünnbrotrolle. Das ist ein gefülltes und dann zusammengerolltes Dünnbrot. Meist ist es mit Kartoffelpüree, einem oder zwei Würstchen, Barbeque-Gewürzen, Senf, Ketchup, Salat und Zwiebeln gefüllt. Das wird in Alufolie eingewickelt, und dann isst du es mit einer Gabel. Dazu gibt es noch Krabbensalat. Das ist ein sehr typisches Gericht für Stockholm, schätze ich (lacht).«

Wenn du mal auf Familien- oder Freundebesuch in Tumba bist, wirst du dann oft als lokale Persönlichkeit erkannt, oder kannst du ganz normal durch die Straßen gehen?

»Ich glaube nicht, dass mich da irgendjemand erkennt. Ich habe noch genau einen Freund, der in Tumba wohnt. Und meine Mutter lebt noch dort, aber mein Vater ist ebenfalls weggezogen. Ich weiß, dass noch ein paar alte Schulkollegen da wohnen, das waren allerdings eher Mitschüler und nicht wirklich Freunde von mir, mit denen ich viel Zeit verbrachte. Es gibt in Tumba nicht mehr viel für mich. Ich fahre hin, wenn ich meine Mutter besuche, aber das passiert auch nicht so oft. Normalerweise kommt sie stattdessen lieber mich besuchen (lacht).«

Momentan wohnst du in der Gegend von Örebro. Bist du von Tumba dort hingezogen?

»Nein, ich bin schon vor sehr langer Zeit aus Tumba weggegangen, 1998. Nach Örebro bin ich schließlich gezogen, weil ich meine jetzige Frau kennengelernt und wir geheiratet und dort ein Haus gefunden haben.«

Vermisst du irgendetwas aus Tumba?

»Es gibt im wahrsten Sinne des Wortes gar nichts, was ich vermisse. Ehrlich. Als ich 1998 wegzog, schwor ich mir sogar, dass ich dort nie im Leben wieder hinziehen werde.«

Gibt es denn gar nichts Gutes, was du mit Tumba in Verbindung bringst?

Er lacht schallend und überlegt dann kurz: »Nein. Na ja, doch, ich lernte dort einige wirklich gute Freunde kennen. Dann war da natürlich das Jugendzentrum Lagret, ein toller Ort zum Proben für eine junge Band. Das habe ich wirklich geliebt. Die leisten immer noch ganz hervorragende Arbeit für die Kids aus dieser Gegend. In so einer kleinen Gemeinde aufzuwachsen, ist natürlich als Kind auch nicht schlecht, weil du dann jeden kennst. Davon abgesehen fällt es mir aber schwer, irgendetwas Positives an dieser Stadt zu finden.«

Bands:
AMON AMARTH
Autor:
Alexandra Michels

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