Interview


Pic: Stefan Krovinovic von SKOP (Promo)

Interview 28.10.2022, 12:35

MULBERRY SKY - Interview mit dem Tipp des Monats 11/22

Es kommt heutzutage gar nicht so oft vor, dass man für ein Interview die gesamte Band vors Aufnahmegerät bekommt. Umso schöner, dass sich unser aktueller Tipp des Monats MULBERRY SKY, eine geschmackssichere und grundsympathische Classic-Rock-Combo aus dem bayerischen Bruckmühl, in kompletter Besetzung zum Zoom-Call schalten. Frisch von der Arbeit machen es sich Sängerin Catherine van Bruce, Gitarrist Dom Raygun, Bassist Lucky Lerchl und Drummer Simon Petrosa im bandeigenen Proberaum bequem, um uns die Farben des Maulbeerhimmels und das Debütalbum „Who’s There?“ näherzubringen.

Meine Damen und Herren, Glückwunsch zu einem tollen Debüt! Es klingt so, als hättet ihr eine Menge Arbeit in „Who’s There?“ gesteckt. Wie ist euch die Entstehung der Scheibe in Erinnerung geblieben?

Cathy: »Das war schon eine sehr intensive Zeit. Wir haben diesen Raum sehr häufig von innen gesehen. (Lacht)«

Dom: »Jeder von uns muss erst einmal ins Sanatorium. Erst einmal die jährliche Durchlobotomierung, dann passt das schon wieder. (Allgemeines Gelächter)«

Cathy: »So schlimm war es nicht, auch wenn es wirklich ein Haufen Arbeit war. Aber es macht auch Spaß. Man verbringt viel Zeit miteinander.«

Fangen wir am Anfang an. Wie habt ihr euch in der Konstellation, in der ihr heute hier sitzt, zusammengefunden?

Dom: »Mit der Cathy war ich auf Facebook befreundet, im echten Leben sind wir uns nur an der Tankstelle und auf Festen mal über den Weg gelaufen. Das waren noch die Zeiten, als du dein Bier an der Tankstelle verkauft hast.«

Cathy: »Genau, ich habe viel an der Tanke gearbeitet.«

Dom: »Der Kontakt, wer wer ist, war schon da. Ich habe dann mitbekommen, dass sie Gitarre spielt und auch singt und in diese Richtung einen Aufruf veröffentlicht hat, dass sie eine Band gründen will. Ich dachte mir nur: „Mit dieser Stimme würde ich gerne dabei sein.“«

Cathy: »Das war eine lustige Zeit, 2018. Ich hatte damals echt lange keine Musik gemacht und wollte unbedingt eine Band. Wir haben uns dann das erste Mal getroffen und festgestellt: Das passt. Auch vom Menschlichen her, wir verstehen uns. Lass uns mal noch einen Basser und einen Schlagzeuger suchen! Wir hatten das Glück, dass wir schnell Lucky und Simon ins Boot holen konnten und im Februar 2019 war dann schon alles fix.«

Warum traut man sich, im Jahr 2019 eine Band gründen? Es wird ja nicht gerade leichter, sich auf dem Musikmarkt zu behaupten.

Cathy: »Ich hab da überhaupt nicht dran gedacht, was mit dem Musikmarkt los ist. Ich wollte Musik machen und neue Leute kennenlernen, meinen Horizont erweitern.«

Dom: »Also ich mache das natürlich nur wegen des Geldes. (Gelächter)«

Cathy: »Der Dom macht das für die 5,20 Euro, die er monatlich ausgibt.«

Dom: »Jeder hat irgendwie innerlich einen Drang, das zu machen. Wenn man diesen Drang hat, ist man sowieso schon im Kreis der Berufenen dabei und dann muss man es einfach durchziehen. Wenn ich keine Musik machen würde, dann würde ich mir jetzt schon wie ein Teilzeitrentner vorkommen.«

Was macht ihr denn alle abseits von der Band beruflich?

Cathy: »Ich arbeite im Marketing, im Digitalisierungsbereich.«

Lucky: »Ich arbeite als Kraftwerksmeister im Institut für Licht und Wärme.«

Dom: »Er ist für die Atomreaktoren zuständig.«

Lucky: »Nein, nicht ganz. (Lacht)«

Simon: »Ich arbeite in einer Papierfabrik.«

Dom: »Und ich als Konstrukteur in einer Firma, die Kabinen für Baumaschinen herstellt.«

Eine schöne bunte Mischung also. Ihr seid relativ bald nach eurer Gründung in die Pandemie gerutscht. Wie hat euch das als junge Band getroffen?

Cathy: »Das war schon ätzend. Wir hatten schon so schön Gigs gesammelt für 2020, auch unbekannterweise. Wir wurden einfach gebucht, weil es spannend war, dass wir hier in der Region eine Band hatten. Das war noch eine Aufschwungzeit. Im April haben wir dann unsere EP „Knock, Knock!“ rausgebracht, genau zur Zeit des ersten Lockdowns. Wir konnten uns nicht einmal treffen, weil es verboten war und haben für die „Release-Party“ alle selbst mit Konfetti geschmissen.«

Welche Live-Erfahrungen konntet ihr bis zum ersten Lockdown und vielleicht mittlerweile auch schon wieder sammeln?

Cathy: »Da waren schon ein paar spannende Sachen dabei, vor allem hier regional. Es gibt ein paar Kneipen hier, in denen musikalisch was los ist. Eine bleibende Erfahrung war aber Eisenhüttenstadt, da wurden wir in die Rockhütte eingeladen. Da kam aus dem Nichts die Anfrage, ob wir nicht gerne mal von Bruckmühl ins sehr weit entfernte Eisenhüttenstadt reiten möchten. Wir hatten uns nicht mal irgendwie beworben, wollten uns das aber nicht entgehen lassen. Schlussendlich waren wir neun Stunden unterwegs, haben unseren Gig abgefeiert und sind am nächsten Morgen wieder neun Stunden nach Hause gefahren. Ich mache auch immer die Erfahrung, wenn wir live spielen, dass die Leute danach zu mir kommen und sagen: „Ich hab euch schon auf Spotify gehört, aber live, das ist es einfach!“ Deshalb freuen wir uns sehr darauf, wenn sich 2023 ordentlich was rührt. Diese glänzenden Äuglein würde ich gerne öfter sehen.«

Gibt es denn schon Pläne für nächstes Jahr?

Cathy: »Wir stecken momentan mitten im Booking. Richtig fest steht noch nichts, aber wir hoffen natürlich, dass sich über die Berichterstattung und das Album nochmal ordentlich was tut.«

Dom: »Wir müssen auch erstmal wirklich ausloten, wie der Markt in diesem Bereich wird. Momentan gibt es ja sehr viele Veranstalter, die sich nach dem Kartenvorverkauf richten. Als dieses Jahr wieder alles geöffnet hat, ist eigentlich jeder mit angezogener Handbremse gefahren. Lieber vorsichtiger als auf Risiko. Das hören wir sogar von befreundeten Bands aus Amerika. Die trauen sich nicht mehr, kleine oder mittelgroße Sachen in Deutschland zu spielen. Ich habe schon ein bisschen Angst davor, dass genau die Bandgröße, der wir entsprechen, für den spontanen Konzertgänger eventuell nicht mehr stattfinden wird.«

Ihr seid eine klassische Do-It-Yourself-Band. Fändet ihr es in dieser Situation nicht besser, ein Label im Rücken zu haben?

Simon: »Kommt auf’s Label an, würde ich sagen.«

Cathy: »Ich kenne das halt von vielen anderen Bands, die eher bei kleineren oder mittelgroßen Labels untergekommen sind, wo es aber mit Blick auf Promotion und Marketing besser wäre, wenn sie es noch selber machen würden. Momentan finde ich es aber gut, so wie es ist. Es fühlt sich schön frei an und wir haben die Zügel selber in der Hand.«

Habt ihr euch denn schon mal nach Label-Angeboten umgeschaut?

Cathy: »Nicht direkt. Wenn ein gutes Angebot kommt, würden wir uns das aber wahrscheinlich überlegen. Ich glaube schon, dass man an größere Gigs und leichter an eine Support-Tour kommen würde, aber ich denke auch, dass es noch andere Wege gibt.«

Heute gibt es ja viel mehr Eigenvermarktungsmöglichkeiten. Ihr dreht und produziert auch eure Musikvideos größtenteils selbst, richtig?

Cathy: »Die meisten Videos dreht tatsächlich mein Mann. Dem drücken wir ein Handy in die Hand und er muss versuchen, unsere wahnwitzigen Ideen einzufangen. Ich setze mich dann hin und schneide das Ding. Was die Musikproduktion angeht, da kann dieser junge Mann sehr viel dazu erzählen. (Zeigt auf Simon) Wir befinden uns in seinen heiligen Hallen.«

Simon: »Ich habe den Luxus, mit meiner Frau und meinem Sohn in einem Haus zu wohnen. Wir haben zwei komplette Kellerräume nur für Musik und über die Jahre hat sich auch ein bisschen Equipment angesammelt. Ich habe viel geübt und mir macht es auch Spaß, das alles selbst zu produzieren. Ich bin froh, dass ich mich hier verwirklichen kann.«

Cathy: »Das einzige, was wir rausgegeben haben, war das Mastering. Da haben wir bei den Singles davor schon mit Anbietern experimentiert und uns dann auf einen geeinigt.«

Ihr habt sehr bildhaft beschrieben, wie ihr zu eurem Bandnamen gekommen seid. Inwiefern hat es sich denn tatsächlich so zugetragen, dass ihr eines Tages unter einem „maulbeerig rot-violetten“ Himmel zusammengesessen seid?

Lucky: »Exakt so. (Allgemeines Gelächter)«

Dom: »Unser Pressetext beschönigt den Bandnamen natürlich ein bisschen in die Romanik-Ecke. Ursprünglich stammt die Idee, dass wir den Begriff „Mulberry“ nehmen, aber aus der Kernphysik. Mulberry ist eine oxidationsstabile Uranlegierung, die im Atomwaffenbau Verwendung findet.«

Das ist dann doch eher weniger romantisch.

Dom: »Wir saßen an einem Abend zusammen, mit viel Feuerwasser natürlich und mal einem Bier dazwischen zum Runterkommen, und kamen einfach nicht auf einen gemeinsamen Bandnamen. Der Lucky holt sein Handy raus, sagt: „Mulberry“ und liest irgendeinen Wikipedia-Beitrag dazu vor. Die Doppelbedeutung des Wortes hat uns gefallen. Dass man es romantisch als Abendhimmel verkaufen kann. Die Farbe Lila, die gleichzeitig Wärme aber auch Kälte, Blau und Rot verbindet. Andererseits kriechen im Hinterkopf aber die restlichen Strahlungselemente vom Fall Out hervor.«

Lucky: »Ein Abendhimmel kann auf zwei Arten rot werden. (Gelächter)«

Irgendwie ist das Thema zurzeit leider auch recht aktuell.

Cathy: »Deswegen ist es wahrscheinlich auch eher die romantische Geschichte, mit der wir an die öffentliche Öffentlichkeit treten.«

Dom: »Weniger durch Panikmache und mehr durch Biedermeier. (Lacht)«

„Who’s There?“ klingt über weite Strecken sehr amerikanisch, hat aber auch Einflüsse aus dem skandinavischen Raum vorzuweisen. In welche Ecke stellt ihr euch selbst?

Simon: »Das ist schwierig, denn letzten Endes prägt einen alles, was man irgendwann einmal gehört hat. Der Geschmack ändert sich ja auch ständig. Ich würde nicht sagen, dass das, was ich höre, einen großen Einfluss hat auf das, was ich spiele. Ich höre hauptsächlich härteren Metal oder Popmusik.«

Dom: »Für mich ist das Amerikanische diese Offenheit und dass es darum geht, den Sound, wie er aus den Elementen entsteht, laufen zu lassen. Wenn man Deutsch denken würde, würde das in unserer Musik viel kaputt machen. Wir sind da eher offener und experimentierfreudiger. Wir schneiden auch fast jede Bandprobe mit, damit kein Riff und keine Idee verloren geht.«

Wie habt ihr euch schlussendlich auf die Musikrichtung geeinigt, die ihr spielen wollt?

Cathy: »Es war klar, dass es auf jeden Fall Rock wird.«

Dom: »Ich kann nichts anderes spielen. (Gelächter)«

Cathy: »Toll, Dom! Ich wollte immer in einer Jazz-Band spielen!«

Eure erste EP trägt den Titel „Knock, Knock!“, die darauffolgende LP habt ihr „Who’s There?“ getauft. Wer steht denn da vor der Tür?

Cathy: »Wir haben uns damals beim EP-Namen schon auch wegen der Knock-Knock-Witze auf „Knock, Knock!“ geeinigt. Wir haben alle einen sehr schlechten, flachwitzgeprägten Humor und das passt einfach zu uns. „Knock, Knock!“ hat uns aber auch deshalb gefallen, weil wir damit an die verschiedenen Türen im Rockbusiness klopfen wollten, um auf uns aufmerksam zu machen. Dass wir dann mit „Who’s There?“ weitermachen und die Erwartungshaltung aufrechterhalten, ist natürlich eine coole Sache.«

Simon: »Aber wer vor der Tür steht, wissen wir selber noch nicht.«

Cathy: »Ihr vielleicht nicht. (Lacht)«

Wo darf es in Zukunft mit MULBERRY SKY noch hingehen?

Lucky: »Steht doch im Namen. Bis in den Himmel.«

Simon: »Ich denke, bis dahin, wo es aufhört, Spaß zu machen.«

Cathy: »Als Texterin, Songwriterin und Sängerin hofft man immer, dass die Leute zu einem Konzert kommen und die Texte mitsingen. Das würde ich supergerne mal erreichen, dass Leute einen Song fühlen, ihn schon tausend Mal gehört haben und auf einem Konzert von uns mitsingen können.«

www.mulberry-sky.com

www.facebook.com/mulberryskyband

Bands:
MULBERRY SKY
Autor:
Simon Bauer

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