Kolumne

Kolumne 29.08.2018

MANILLA ROAD - MARK SHELTON 1957 – 2018

Das erste Mal aufmerksam wurde ich auf MANILLA ROAD im Jahre 1986. Es war Liebe auf den ersten Blick. Nach zwei Alben auf dem eigenen Label Roadster Records, „Invasion“ von 1980 und „Metal“ von 1982, hatte das französische Label Black Dragon Records 1986, drei Jahre nach der Erstveröffentlichung in Amerika, die dritte Platte „Crystal Logic“ für Europa lizenziert.

Das von mir mitgegründete Fanzine „Iron Pages“ stand glücklicherweise auf der Bemusterungsliste von Black Dragon. Der kauzige Sound von MANILLA ROAD sprach mich sofort instinktiv an, und in den folgenden Jahren und Jahrzehnten ließ ich kaum eine Möglichkeit aus, mit der Band ein Interview zu führen. Seinerzeit zumeist noch per Brief (!) von Berlin über den Umweg Paris nach Wichita. Damals sprach noch niemand von MANILLA ROAD als den „Königen des Epic Metal“, in der etablierten Presse landeten die neuen Studioalben regelmäßig verlässlich auf den letzten Plätzen des Soundchecks. Mark Shelton hat niemals vergessen, wer seine Kunst von Anfang an zu schätzen wusste, hegte aber auch keinen Groll gegen diejenigen, die später mit dem Strom schwammen und aus einem einstigen „Rohrkrepierer“ auf einmal einen „Meilenstein“ zu machen pflegten. Das passt in sein Persönlichkeitsbild. Mark war höflich, zuvorkommend, ehrlich, tolerant und niemals nachtragend. Auf ihn konnte man sich immer und in jeder Situation verlassen. Das werden alle bestätigen können, die auf professioneller Ebene mit ihm zu tun hatten. Im neuen Millennium intensivierte sich unser Kontakt noch einmal. Der Backkatalog von MANILLA ROAD wurde lückenlos wiederveröffentlicht, ich schrieb flankierende Online-Texte für die betreffenden Platten und führte quasi monatlich für die jeweiligen Linernotes neue Interviews mit dem „Shark“.
Im Vorfeld des diesjährigen Headbanger´s Open Air verabredeten wir uns für ein Interview in Rahmen der „Klassiker“-Reihe des Rock Hard. Natürlich sollte es um „Crystal Logic“ gehen. Niemals hätte ich gedacht, dass es unser letztes Treffen werden würde. Und im Grunde genommen kann ich es noch immer nicht fassen. Wenige Stunden nach dem letzten Auftritt von MANILLA ROAD verstarb Mark Shelton nach einem Herzinfarkt am Morgen des 27. Juli 2018 im Krankenhaus in Elmshorn im Alter von 60 Jahren. „The last road to Valhalla.“ Mir fehlen die Worte.

Rest in peace, brother!

Pic: Ludwig Krammer

Bands:
MANILLA ROAD
Autor:
Matthias Mader

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