Vorwort

Vorwort 17.04.2019, 11:54

Liebe Leser!

In diesem Monat glotzen auf dem Rock-Hard-Cover zwei Thrash-Metal-Veteranen durch ihre Sonnenbrillen. Kaum zu glauben, dass die Ursprünge dieser Musik inzwischen satte 35 Jahre alt sind. Umso bemerkenswerter, dass viele Bands noch „alive & kickin´“ sind.

Es geht also nicht (wie sonst!) um Jugend und Schönheit, sondern um Durchhaltewillen und Leidenschaft, zwei Eigenschaften, die die Protagonisten unserer Titelgeschichte offenbar im Überfluss im Blut haben. Zwischen den Zeilen liest man allerdings auch, dass nicht immer alles glatt gelaufen ist. (Kann sich noch jemand an die Destruction ohne Schmier erinnern?) Wie im normalen Leben also. Aufstehen. Weitermachen. Overkill konnten sich jedenfalls über eine Belohnung freuen. Ihr letztes Album „The Wings Of War“ erreichte mit Platz fünf die höchste Position für die Band in Deutschland überhaupt!

Trotzdem beinahe Schnee von gestern, denn Overkill und Destruction gehören (wie das Rock Hard vermutlich auch) zur „alten Welt“, die „bald untergeht“, wie uns Netzaktivisten und ihre Follower beinahe tagtäglich in ihren Blogs mitteilen. Nur zu. Jede Generation hat das Recht, Kultur, Musik und Kunst in ihrem Sinne selbst zu gestalten und mit den entsprechenden Konsequenzen zu leben, allerdings bitte nicht auf Kosten unbeteiligter Dritter. Jede „Freiheit“ hat ihre Grenzen. Im Laufe der Debatte zum Urheberrecht ist vor allem aufgefallen, wie viel schrille Desinformation im Spiel war und wie vergiftet die Atmosphäre auch heute noch ist. Für ein Gesetz, bei dem die meisten noch nicht einmal wissen, ob es sie überhaupt jemals persönlich betrifft, während Musiker und andere Kreative seit nunmehr Jahrzehnten um einen winzigen Anteil an den Gewinnen der Internet-Konzerne geprellt werden. Es geht aber nicht nur um Geld, sondern vor allem um die unfreiwillige Vereinnahmung der eigenen Arbeit durch Dritte, der Kreative durch die Digitalisierung ausgesetzt sind. Das kann kein Dauerzustand sein, ebenso wie das Fehlen eines einfachen Lizenzierungsverfahrens für die Sharing-Kultur. Denn natürlich gibt es auch Künstler, die froh sind, wenn sich ihre Kunst massenhaft verbreitet, und die an einer anderen Stelle der Wertschöpfungskette beteiligt werden wollen. Das sollte aber letztlich jeder Urheber selbst entscheiden können.

Deshalb will ich die berechtigte Kritik an dem Gesetz auch keineswegs herunterspielen, man liest nur sehr selten sachliche/fachliche/lösungsorientierte Beiträge zum Thema. Die Erregungskultur – von Suchmaschinen entsprechend gelistet – überspült leider alles. Jung gegen Alt? Sorry, aber ich finde diese Zuspitzung überflüssig. Kreativität und eine Mini-Chance auf ein Leben jenseits des Mainstreams sollten keine Frage des Geburtsdatums sein.

Dass es auch anders geht, können wir erneut beim nächsten Rock Hard Festival beweisen, wenn Fans und Musiker (ganz gleich welchen Alters oder welcher Herkunft) GEMEINSAM feiern. Es wird Jugendliche geben, die ihr allererstes Livekonzert sehen, und Künstler, die vielleicht zum letzten Mal in Deutschland zu sehen sind.

Genauso freue ich mich auf unser exklusives Konzert mit den unvergleichlichen Alcest zwei Wochen zuvor im Piano in Dortmund.

Wir sehen uns vor der Bühne!

Autor:
Holger Stratmann

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