Titelstory-Blog


Pic: Travis Shinn (Promo)

Titelstory-Blog 21.04.2020, 15:13

LAMB OF GOD - Der entscheidende Moment

Es ist ziemlich genau 20 Jahre her, dass mir zwei Mitarbeiter von Metal Blade in Los Angeles eher beiläufig erzählten, dass sie gemeinsam ein eigenes Label gegründet und auch schon einige Bands unter Vertrag genommen hätten. Prosthetic Records, so der Name der Plattenfirma, entwickelten sich im Laufe der Zeit zu einem Label mit einem guten Riecher vornehmlich für die amerikanische Untergrundszene und boten zahlreichen Extrem-Metal-Bands eine musikalische Heimat. So weit, so gut. Warum ich mich an diese Episode so genau erinnere? Weil die beiden Promoter mir von dieser einen, sehr speziellen Band auf ihrem Label erzählten, in der sie unglaublich großes Potenzial sahen. LAMB OF GOD aus Richmond, Virginia, seien der nächste heiße Scheiß, wären tief verwurzelt in der Mathcore-Szene der Südstaaten, spielerisch von daher über jeden Zweifel erhaben und hätten einen Sänger in ihren Reihen, der zum Star tauge. Wenn er denn vorher nicht sterben würde, so die Prognose der Labelmenschen.

Die Vorab-CD (ja, so was gab es damals noch, Kids…) verschwand erst mal auf unbestimmte Zeit in meiner Reisetasche, aber auf dem Heimflug wurde ich doch neugierig und hörte mir „New American Gospel“ mehrfach hintereinander an. Der rohe Sound erinnerte an eine Garagenband, aber die Energie, die das Quintett nicht zuletzt wegen der abartigen Vocals, der Akzente setzenden Drums und der fiesen Riffs versprühte, war atemberaubend. Für meinen Geschmack zwar deutlich zu Metalcore-lastig, aber nun ja. Ich habe von diesem Zeitpunkt an die Entwicklung von LAMB OF GOD genau beobachtet. Lange aus der Ferne, denn als die Band in den USA schon längst bei der Sony, einem Majorlabel, unter Vertrag stand, Goldauszeichnungen, eine Grammy-Nominierung und ausverkaufte Touren vorzeigen konnte, wurde das Thema hierzulande noch wenig beachtet. Mit dem wüsten LAMB OF GOD-Sound konnte die deutsche Abteilung der Sony wenig bis gar nichts anfangen, weshalb die Veröffentlichungen hierzulande eher beiläufig erfolgten. Das änderte sich erst, als die Band in Deutschland mit dem „Wrath“-Album bei Roadrunner einen Vertrag unterschrieb und in Deutschland und Europa verlorenen Boden gutmachen konnte. Mittlerweile sind die fünf bodenständigen Typen aus Richmond längst nicht nur zum musikalischen Aushängeschild der amerikanischen Metal-Szene avanciert, sondern gelten auch völlig zu Recht als Band, die unbequeme Wahrheiten anspricht und sich politisch eindeutig positioniert. Das ist gut so und in Zeiten wie diesen wichtiger denn je. Für unsere Titelstory haben wir mit Gitarrist Mark Morton, Sänger Randy Blythe und dem Neuzugang an den Drums, Art Cruz, Interviews geführt, zudem kommen einige prominente Musikerkollegen zu Wort. Maik Weichert von Heaven Shall Burn, dessen Statement uns für die Printausgabe leider zu spät erreichte, hat Folgendes über LAMB OF GOD zu sagen:

„Für mich sind LAMB OF GOD ein bandgewordenes Riff. Sie haben über die Jahre ihren absolut eigenen Sound und ihren Stil entwickelt, der einen Groove in sich trägt, dem man nicht widerstehen kann, der knallhart, aber trotzdem organisch ist. Irgendwie als ob damals Pantera von der Highschool aufs College gewechselt wären. Wir waren mit ihnen schon in Südamerika unterwegs, und es sind wirklich absolut liebenswerte Jungs, die hart und akribisch arbeiten, ohne dabei unentspannt zu sein. Mit seiner ganzen Art und Weise der Reaktion auf die Anklage in der Tschechischen Republik damals hat Randy außerdem bewiesen, was für eine außergewöhnlich charakterstarke und integere Persönlichkeit er ist.“

Der Meinung schließen wir uns an und wünschen euch mit der LAMB OF GOD-Titelstory und der gesamten Ausgabe viel Spaß.

Bands:
LAMB OF GOD
Autor:
Thomas Kupfer

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