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Foto: Buffo

Classic Albums 13.04.2019, 13:35

LITTLE CAESAR - Klassiker - die Story hinter dem Meilenstein: Little Caeser (1990)

Trotz eines fürstlich dotierten Plattenvertrags beim Majorlabel Geffen, vieler exzellenter Kritiken und Mördernummern wie ´In Your Arms´, ´From The Start´, ´Midtown´ oder der grandios gecoverten The-Temptations-Ballade ´I Wish It Would Rain´ erlitten die Blues- und Soul-affinen Hardrocker LITTLE CAESAR aus Los Angeles mit ihrem formidablen selbstbetitelten Debütalbum Schiffbruch. File under „Shark Tank Music Business“.

Befeuert durch die Erfolge von Acts wie Metallica, Mötley Crüe & Co., waren Deals bei großen, global tätigen Plattenfirmen wie Atlantic, Elektra, Chrysalis, Columbia oder eben Geffen Ende der Achtziger, Anfang der Neunziger auch im Hardrock- und Metal-Sektor keine Seltenheit. Neben Bands wie Metal Church, Flotsam And Jetsam, Malice, Savatage oder Armored Saint profitierte auch die Kapelle um den schwerstens tätowierten Frontmann Ron Young von diesem „Trend“.

»Bei unserer zweiten Show in L.A. war jemand von Jimmy Iovines (Musikmanager, der als Entdecker von Eminem gilt und Alben von Künstlern wie U2, Tom Petty und den Dire Straits produziert hat - buf) Office im Publikum«, erzählt Young. »Wenig später rief mich Jimmy in meiner Mittagspause – ich arbeitete damals bei einem Paketzusteller – an und teilte mir mit, dass er uns gerne managen und uns einen Plattenvertrag besorgen würde. Zwei Wochen später haben wir bereits Demos aufgenommen, und die ersten Angebote von Labels wie Polygram und Atlantic lagen uns auch schon vor. Letztlich unterschrieben wir dann aber bei Geffen, weil wir dort mit den beiden A&R-Managern John Kalodner und Mio Vokovic zusammenarbeiten konnten, die auch schon unsere Kumpels Guns N´ Roses und Junkyard unter Vertrag genommen hatten. Meines Wissens nach war das damals der bestdotierte Vertrag für eine Newcomerband ever.«

Der ehemalige Türsteher Young weiß knapp drei Jahrzehnte später allerdings nicht mehr so recht, welche Summen damals geflossen sind.

»Ich weiß nur noch, dass es sehr viel Geld war. (Zu seinem Drummer Tom Morris:) Tom, kannst du dich noch erinnern?«

»Ich glaube, der Deal belief sich auf 1,2 Millionen Dollar.«

»Stimmt, jetzt erinnere ich mich wieder. Außerdem noch je 250.000 Ocken Vorschuss vom Verlag und fürs Merchandising. Allerdings haben wir uns nur 250 Dollar pro Woche und Nase als Gehalt ausbezahlt. Jimmy hat einige hunderttausend Kröten eingesackt, und unser Anwalt Gary hat 110.000 Dollar für seine Arbeit bekommen, d.h. jeder hat sich ein großes Stück vom Kuchen genommen, und für uns waren nur noch Peanuts übrig. Damals hat uns das aber nicht sonderlich gestört, weil wir unsere Jobs kündigen und fünf Mal die Woche proben konnten. Wir haben uns immer gegen 13 Uhr in einem Gitarrenladen auf dem Sunset Strip getroffen und abends im Sunset Grill Burger verspeist. Übrigens haben wir damals den alten Proberaum von Guns N´ Roses übernommen.«

Den LITTLE CAESAR ab Herbst 1989 für sechs (!) Monate gegen die Little Mountain Sound Studios im kanadischen Vancouver eintauschten, wo die Jungs ihr selbstbetiteltes Debütalbum unter der Ägide von Big-Name-Producer Bob Rock (damals Mötley Crüe, Kingdom Come, The Cult, später u.a. Metallica, Bon Jovi, Skid Row - buf) einspielten.

»Bob wollte leider nicht zu uns nach L.A. kommen, er ist jeden Abend nach getaner Arbeit nach Hause gegangen. Das ist natürlich ins Geld gegangen. Außerdem ging uns das Wetter nach zwei schönen Monaten auf den Sack, als es erst anfing, permanent zu regnen, und später arschkalt wurde. Unsere Nächte haben wir häufig in den zahllosen Bars und Nachtclubs verbracht, die auch schon von Mötley Crüe, The Cult und vielen anderen Bands unsicher gemacht wurden. Anfangs gingen sämtliche Drinks aufs Haus, aber nach zwei Wochen haben wir nur noch eine Flasche Jacky am Abend bekommen, nachdem die Barkeeper gesehen hatten, wie trinkfest wir sind.«

Veröffentlicht wurde „Little Caesar“ im Frühjahr 1990, aber auch der Videoclip zu ´Chain Of Fools´, einem Remake des Sixties-Hits der Soul-Queen Aretha Franklin, brachte der Band kein Glück.

»Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll, so viel ist damals schiefgegangen«, stöhnt Ron. »Einen Tag bevor unser Debüt rauskam, haben uns Geffen zu unserer großen Überraschung mitgeteilt, dass es bereits eine nationale Pizzakette mit dem Namen Little Caesars gibt. Außerdem sagte man uns einige Wochen vor der Veröffentlichung: „Jungs, hört zu: Euer Album erscheint nicht direkt bei Geffen, sondern bei unserem neuen Sublabel DGC. Neben euch werden darauf auch die neue Nelson-Scheibe und die Platte einer College-Indie-Band namens Nirvana erscheinen, die keine 30.000 Einheiten verkaufen wird.“ Demzufolge standen wir plötzlich praktisch bei einem brandneuen Label mit einem brandneuen Boss namens Marco unter Vertrag. Anfangs klappte auch alles bestens. So lief das Video zu ´Chain Of Fools´ auf MTV auf Heavy Rotation, und die dazugehörige Single wurde von 120 Radiosendern rauf und runter gespielt. Das hatte zur Folge, dass wir in den ersten beiden Wochen mehr Alben verkauft haben als beispielsweise The Black Crowes. Drei Wochen nach Veröffentlichung hat David Geffen das Label dann aber verkauft, was auch einen Vertriebswechsel von Warner Brothers zu BMG beinhaltete, sprich: „Little Caesar“ war in den Läden nicht mehr erhältlich. Daraufhin sind die Verkäufe eingebrochen, obwohl die Nachfrage aufgrund des Airplays von MTV und den Radiostationen nach wie vor da war. Eine weitere Woche später hat der Boss unseres neuen Labels dann unter dem Einfluss von Ecstasy und Kokain seiner Sekretärin auf den Schreibtisch gewichst, woraufhin die Dame sein Sperma in einen Becher packte und mit dem Beweisstück die Company verklagte. Als Schadenersatz hat sie zwei Millionen Dollar bekommen, und der Typ wurde natürlich gefeuert. Kurz vor seiner Entlassung hat übrigens derselbe Kerl zu allem Überfluss auch noch versucht, aus uns tätowierten Biker-Rockern eine Top-40-Band zu machen. U.a. wollte er unsere Ballade ´In Your Arms´ als zweite Single bei den Radiosendern platzieren. Die hatten uns in der Zwischenzeit aber fallen gelassen. Das alles ist innerhalb von nur drei, vier Wochen passiert, weshalb allenthalben Panik ausbrach. Noch schlimmer wurde die Situation, als Jimmy Iovine ankündigte, mit Interscope ein neues Label zu gründen, für das David Geffen den Vertrieb übernehmen wollte. Das wollte Jimmy aber nicht, woraufhin zwischen den beiden ein Riesenstreit ausbrach, infolgedessen wir von David gezwungen wurden, Jimmy zu feuern.«

Was besonders Ron derart aufs Gemüt schlug, dass er anfing, Drogen zu nehmen.

»Ich war von 1992 bis 1999 heroinabhängig, weil aus dem kleinen Ronny kein Rockstar geworden ist, wie man es ihm versprochen hatte«, jammert der eher schmächtige Front-Caesar, der im Hollywood-Blockbuster „Terminator 2“ eine kleine Nebenrolle spielt, selbstironisch. »Dass unsere Karriere innerhalb kürzester Zeit den Bach runterging, hat mich echt abgefuckt. Nach unserem zweiten Album „Influence“ rief mich unser damaliger Manager Herbie Herbert, der u.a. auch für Journey, Santana und die Steve Miller Band arbeitete, an und meinte, dass Geffen mit uns fertig seien. Das hat uns anfangs nicht sonderlich beunruhigt, da uns fünf Angebote anderer Labels vorlagen, doch bei einem Meeting mit David Geffen, Eddie Rosenblatt (ehemaliger Geffen-CEO - buf) und Herbie wurde ich eines Besseren belehrt. Ich erinnere mich noch sehr gut daran, wie David meinte: „Ihr habt noch Vertrag, und ich werde euch nicht zu einem anderen Label gehen lassen. Wenn euch das nicht passt, dann fragt mal Neil Young und Don Henley, wie das für sie gelaufen ist. Ich besitze meine Künstler, wie ich meine Kunstwerke besitze, und wenn ich euch in meine Abstellkammer packen will, dann tue ich das.“ In dem Zeitraum habe ich leider angefangen, regelmäßig Heroin zu nehmen, nachdem ich während der Aufnahmen zu „Influence“ anfangs nur ein bisschen damit herumexperimentiert hatte.«

Gottlob ging wenigstens das „Experiment“ mit dem Albumcover, auf dem eine Popeye-artige Gestalt zu sehen ist, nicht in die Hose.

»Wir wollten partout kein frauenfeindliches Artwork mit einem kriechenden, halb nackten Mädel haben, wie es damals Usus war, und auch ein Totenkopf oder ein Teufel kam für uns nicht in Frage. Wir wollten uns von vielen anderen Bands aus der Ära abheben, die sich unserer Meinung nach viel zu ernst nahmen. Deshalb kamen wir auf die Idee mit dem cartoonartigen Maskottchen, das vom Stil her stark an die Vierziger und Fünfziger erinnert. Diese Idee wurde von einem Kumpel von uns dann auch optimal umgesetzt.«

www.littlecaesar.net

www.facebook.com/littlecaesarofficial

DIE SONGS

Down-N-Dirty
Hard Times
Chain Of Fools
In Your Arms
From The Start
Rock-N-Roll State Of Mind
Drive It Home
Midtown
Wrong Side Of The Tracks
Cajun Panther
I Wish It Would Rain
Little Queenie


DAS LINE-UP AUF „LITTLE CAESAR“

Ron Young (v.)
Jimmy Hayne alias Apache (g.)
Loren Molinare (g.)
Fidel Paniagua (b.)
Tom Morris (dr.)

FAKTEN, FAKTEN, FAKTEN

Songs: 12
Spielzeit: 55:14 Minuten
Produzent: Bob Rock
Studio: Little Mountain Sound Studios, Vancouver/Kanada
Cover: Van Arno


DISKOGRAFIE

Name Your Poison (EP, 1989)
Little Caesar (1990)
Influence (1992)
This Time It´s Different (1993)
Redemption (2009)
Knuckle Sandwich (EP, 2012)
American Dream (2012)
Brutally Honest - Live From Holland (2016)
Eight (2018)

Bands:
LITTLE CAESAR
Autor:
Buffo Schnädelbach

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