Titelstory-Blog


Pic: Jen Rosenstein

Titelstory-Blog 15.05.2019, 15:37

KISS - Das (irgendwie) letzte Kapitel

KISS touren unter dem Banner „End Of The Road - The Final Tour Ever“ ein letztes Mal durch Deutschland. Wir widmen den überlebensgroßen Rockgöttern in Rock Hard Vol. 385 eine prall gefüllte Titelstory, für die unser KISS-Ober-Fan Jan Jaedike verantwortlich zeichnet.

Berlin, 1978:

»Kann ich das KISS-Poster aus deiner "Bravo" haben?«, fragt ein Typ aus meiner Grundschulklasse.

Ich kenne die Band nicht. Also antworte ich mit dem Brustton der Überzeugung: »Klar. Das brauch ich nich. Ich find KISS eh scheiße.«

»Du hast ja keine Ahnung«, grummelt der Mitschüler. »Dann hör halt weiter…«

»Blondie!«

Genau das tue ich nämlich. Für ein elfjähriges Pubertier gibt´s momentan nix Schärferes als Debbie Harry. Sie hat soeben mit ´Heart Of Glass´ in Deutschland den Mainstream geknackt. Sie macht jetzt Disco. Manche rümpfen die Nase. Vorher war sie wohl cooler. Vorher habe ICH Abba gehört, und das Original von ´Looking For Freedom´. Also ist mir das egal. Außerdem sind die Bee Gees gerade auch ziemlich super.

Sommer 1979:

KISS knacken in Deutschland mit ´I Was Made For Lovin´ You´ den Mainstream. Sie machen jetzt Disco. Manche rümpfen die Nase. Vorher waren sie wohl cooler. Vorher habe ICH Blondie gehört. Also ist mir das egal. Der Typ, der das KISS-Poster haben wollte, hört jetzt bestimmt AC/DC. In meinem Kinderzimmer gibt´s ab sofort nur noch KISS. Ich erkunde den Backkatalog und finde fast jeden Ton geil, den die Typen je veröffentlich haben. Daran ändert auch das 1980er Album "Unmasked" (Disco-Pop!) nix. Motörhead können KISS mit "Bomber" zu jener Zeit ein bisschen ans Bein pinkeln und sind natürlich viel mehr Rock´n´Roll (genau wie die Sex Pistols und – hormonell bedingt – die Plasmatics), aber irgendwie bleiben Simmons, Stanley und ihre wechselnden Mitstreiter für immer meine heimliche Liebe. Es ist mir egal, ob sie sich an Progrock verheben, trotz des zwischenzeitlich abgelegten Make-ups mehr Rouge tragen als die Nutten vom Berliner Straßenstrich oder plötzlich den Seattle-Depri-Sound channeln. Manchmal schmuggele ich ein neues KISS-Album eher heimlich vom Plattenladen nach Hause ("Animalize", "Asylum", "Crazy Nights") und betrachte nicht in der U-Bahn stolz das Cover, wie man das bei ´ner neuen Scheibe von Slayer oder den Cro-Mags tut, um den Mitfahrern zu zeigen, wie verdammt geil man doch ist. Aber so richtig enttäuschen sie mich nie. 40 Jahre nach ´I Was Made For Lovin´ You´ erreichen KISS nun das "End Of The Road". Ein bisschen traurig darf man natürlich sein. Aber sie haben es sich verdient. Sie treten mit einer Show ab, die jegliche Altersschwäche pulverisiert. Um bei der "Road"-Metapher zu bleiben: Sie kriegen rechtzeitig die Kurve, bevor man denkt, dass sie doch bitte endlich aufhören sollen. Um ihrer selbst willen. Und um uns alten Fans nicht unsere Kindheitserinnerungen kaputtzumachen. Soviel Egoismus darf man sich nach jahrzehntelangem Support einer Band dann doch leisten.

Wir haben für die aktuelle Rock-Hard-Titelstory mit Gene Simmons (b./v.) und Tommy Thayer (g./v.) gesprochen. Beide packten jede Menge coole Anekdoten für uns aus und zeigen kaum Abschiedswehmut. Selbst zum Thema "Singt Paul Stanley auf der "End Of The Road"-Tour nun Playback oder nicht?" bekamen wir eine, zugegeben ziemlich originelle Antwort. Genauso originell sind die Zitate von Mr. Simmons, die wir aus unserem Story-Archiv zusammengetragen haben und die noch mal die Highlights aus früheren Interviews mit dem KISS-Sprachrohr bündeln. Außerdem haben wir uns den gesamten KISS-Katalog vorgenommen und nach unbekannteren, aber dennoch großartigen Songs durchsucht, die völlig zu Unrecht nie den Erfolg einfahren konnten, den sie verdient haben, und die jeder Fan unbedingt mal wieder auf seine Playlist packen sollte. Enjoy!

Bands:
KISS
Autor:
Jan Jaedike

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