Interview

Interview 16.12.2020, 14:40

SCORCHED OAK - Interview mit der Demo-/Eigenproduktionsband 01/21

Das Dortmunder Trio SCORCHED OAK bietet Hardrock mit Stoner-Vibes und gemischtgeschlechtlichem Gesang. Gitarrist/Sänger Ben nimmt sich Zeit und spricht mir uns über die Bedeutung von Genres und Bandnamen sowie individuelle Aufnahme-Bedingungen.

Ben, fangen wir doch mal vorne an: Euch gibt es schon seit 2016. Wie kam es damals zur Gründung?
»Wir hatten am Anfang noch einen zweiten Gitarristen. Er und unser jetziger Schlagzeuger Freed haben gemeinsam in einer Cover-Band gespielt und wollten etwas Eigenes starten. Über eine Facebook-Gruppe kam ich dann dazu. Damals haben wir noch in Balve im Sauerland geprobt, wo es allerdings nicht ganz so einfach war, Musiker zu finden. Wegen des Studiums sind die beiden nach Dortmund gezogen und wir haben dann auch dort nach weiteren Bandkollegen gesucht – in einem Ballungsgebiet ist es doch einfacher Leute zu finden. Recht schnell haben wir dann Linda gefunden, damals nur am Bass, denn wir hatten am Anfang noch eine Sängerin. Sprich wir hatten die klassische Aufteilung: Gesang, zwei Gitarren, Bass und Schlagzeug. Nachdem sich unsere Sängerin neu orientiert hatte, gab es ein paar erfolglose Castings. Daraufhin haben Linda und ich uns gesagt, wir versuchen das mit dem Gesang und haben Gesangsunterricht genommen. Wir waren ganz zufrieden damit und haben uns mehr oder weniger 50:50 aufgeteilt, was uns ein Stück weit auch ein Alleinstellungsmerkmal gibt. Nach der EP musste unser Gitarrist aus gesundheitlichen Gründen aufhören. Wir wollten uns nicht nochmal auf die Suche begeben und haben uns gedacht: ein Power-Trio ist eine gute Sache. Also haben wir es ausprobiert, waren zufrieden damit und sind bis heute happy, denn auch beim Jammen merken wir: Es ist einfach eine runde Sache.«

Perfekt! Wie würdest du denn euren musikalischen Stil beschreiben, für jemanden, der euch noch nicht kennt?
»Wir sagen, es ist eine Mischung aus Stoner, Doom und hartem Blues. Das ist eine ganz gute Zusammenfassung. Ich persönlich möchte auch vermeiden, ein neues Genre zu erfinden, was heutzutage Gang und Gebe ist. Ich weiß nicht, ob man das muss.«

Stimmt, es braucht wahrscheinlich nicht alles direkt einen neuen Namen. Apropos Namen: Hat euer Bandname eine spezielle Bedeutung für euch?
»Hm, nicht richtig. Es war so wie bei vielen Bands, wenn man es ganz realistisch sieht: Es muss irgendwie zum Thema passen und rund klingen. Wir haben auch letztens nochmal darüber diskutiert (lacht). Manche Bands haben eine Geschichte oder eben auch eine fiktive Geschichte dazu, weil sie nachher gemerkt haben: wir bekommen diese Frage gestellt und brauchen eine gute Story.«

Wer weiß, was im Nachhinein alles dazu erfunden wird.
»Ich will gar nicht ausschließen, dass es Bands gibt, bei denen der Name aus einer Story heraus entstanden ist. Das ist dann auch cool, wenn es authentisch ist. Aber zwanghaft etwas zu erfinden – ich weiß ja nicht. Dann lieber ehrlich sein. «

Im Pott kennt man euch schon als Live-Band. Wie kam es denn dazu, dass ihr ausgerechnet in einem so besonderen Jahr wie diesem euren ersten Langspieler herausgebracht habt?
»Es war schon im letzten Jahr geplant, dass wir ihn 2020 rausbringen. Anfang des Jahres haben wir aufgenommen, als der erste Lockdown vorbei war. Wir haben dann auch hin und her überlegt: bringen wir es raus oder nicht. Der wichtige Faktor, also das Live-Spielen, fehlt aktuell natürlich. Uns ist im November auch auf den letzten Drücker die Release-Party ins Wasser gefallen. Letztendlich haben wir das Album doch rausgebracht, weil wir einfach Bock darauf hatten und uns auch gedacht haben, dass jetzt zwar keine Konzerte sind, aber viele Leute Zeit haben und Musik mehr über das Internet hören.«

Da drücke ich euch die Daumen, dass die Leute da draußen euer Album jetzt rauf und runter hören.
»Danke. Bisher scheint es zu klappen.«

Super! Wo habt ihr eure Platte denn aufgenommen?
»Wir haben sie tatsächlich im Proberaum eingespielt, allerdings mit einem Kollegen, Robin Stirnberg, der das professionell macht mit dem Recording. Er hat anschließend auch den Mix übernommen und Dennis Koehne hat das Mastering erledigt. Robin Stirnberg hatte zuletzt die aktuelle Daily Thompson aufgenommen, was für uns auch ein Stück weit Referenz war. Wir sind mit der Aufnahme, sowohl wie es gelaufen ist – also das ganze Zwischenmenschliche und Organisatorische – als auch mit dem Endergebnis absolut zufrieden. Ich habe das jetzt schon das Öfteren gehabt, dass ich mit Leuten gesprochen habe und sie überrascht waren, dass wir das im Proberaum aufgenommen haben, weil sie auch von der Qualität begeistert waren.«

Stimmt, man kann das nicht unbedingt hören und vielleicht hat es auch dazu beigetragen, dass ihr euch noch wohler gefühlt habt und richtig Bock hattet, was ihr dann auch mit in die Aufnahme eingebracht habt.
»Ja, genau. Das war auch ein Punkt. Im Studio hat man eine neue Umgebung und ist sowieso aufgeregt, wie das alles so läuft. So waren wir quasi in unseren eigenen vier Wänden und haben das komplett alle zusammen live eingespielt – bis auf den Gesang, der kam natürlich separat dazu. Dadurch hatten wir nicht die typische Spur-für-Spur-Aufnahme, sondern es war eher old school.«

Cool, das passt auch ganz gut zu euch.
»Ja, es hatte einen Live-Charakter und ein bestimmtes Feeling. Wenn ich arg technische Sachen machen würde, zum Beispiel technischen Death Metal, dann würde ich das genau so nicht machen. Wenn man dann zusammen aufnimmt, ergibt das nur Brei.«

Lass uns gerne noch etwas genauer über das Album sprechen. Von den einzelnen Songtiteln her könnte man meinen, dass da ein Konzept hinter steckt. Stimmt das?
»Ja, das ist so. Das war letztendlich eine bewusste Entscheidung. Wir haben auch viel darüber diskutiert und uns überlegt, welche Themen interessieren uns. Es ist nicht so, dass wir eins zu eins die Themen der Songtitel besprechen. Die Titel sind eher Metaphern. Jeder Song hat seine eigene, abgeschlossene Geschichte, was sich aber wiederum zu einem Gesamtwerk zusammensetzt. Ich denke, das merkt man auch beim Anhören, zum Beispiel bei den fließenden Übergängen. Gerade auf der B-Seite der Platte sind nur zwei Songs, die vom Sound her auch ineinander übergehen.«

Alle Songtitel verweisen auf die Natur. Spielen denn Natur und Umwelt eine besondere Rolle für euch?
»Es ist schon so, dass uns das besonders am Herzen liegt, aber es ist bei dem Album eben nicht nur dieses Thema. Es geht allgemein um Themen, die uns beschäftigen. Ein gutes Beispiel ist 'Swamp', was ja der Sumpf ist, wo es textlich aber mehr um miese Leute, also die „toxic people" geht.«

Bei euch gibt es nicht wie bei so manch anderen Bands durchgehend Lyrics. Ist es für euch wichtiger, einen Fokus auf die Instrumente zu setzen?
»Stimmt, die Lyrics sind überschaubar, spielen aber auch eine Rolle. Wenn uns das völlig egal wäre, hätten wir es instrumental machen können, was in der Szene durchaus gut funktioniert. Da gibt es genügend Bands, die zeigen, dass es ganz ohne geht. Wir wollten aber bewusst diesen Mix und haben gesagt, dass wir die Songs nicht zwangsläufig zuknallen mit Texten und eine Pop-Charakteristik haben, sondern sie bewusst einsetzen. Ein gutes Beispiel wäre 'Tide':Dort gibt es wenig Text und der ganze Song lebt von reiner Atmosphäre.«

Wie waren denn die letzten Monate für euch? Konntet ihr zwischendurch live auftreten?
»Wir haben tatsächlich seit Corona genau einen Gig auf einer Privatveranstaltung gespielt. Das war eine recht spontane Geschichte mit zwei Wochen Vorlauf. Da sind wir mittlerweile daran gewöhnt. Wir sagen intern schon: Wir sind die Einspring-Band. Letztes Jahr gab es in Hagen das Winter Night Festival, wo unter anderem auch Long Distance Calling und Daily Thompson gespielt haben. Black Vulpine hätten da gespielt und mussten krankheitsbedingt absagen. Da haben wir drei Stunden, bevor wir aufgetreten sind, erfahren, dass wir einspringen sollen.«

Das ist mal wirklich kurzfristig. Das heißt, die Veranstalter wissen jetzt auch, dass ihr spontan einspringen könnt.
»Ja (lacht). Ansonsten war dieses Jahr schwierig. Wir haben „das Glück", dass wir nicht davon leben. Allerdings wäre jetzt der Moment, da wir das Album rausgebracht haben, dass wir live spielen wollen.«

Holt ihr denn eure Release-Show nach?
»Ja, die wird voraussichtlich am 13. März sein. Es weiß keiner, wie es bis dahin aussieht, aber das ist aktuell der offizielle Nachholtermin.«

Die Daumen sind gedrückt. Ich bin mir sicher, dass die Leute richtig Bock auf Konzerte haben.
»Ja, das geht uns wohl allen so, auch unabhängig davon, ob man Künstler ist. Ich würde auch einfach gerne mal wieder auf ein Konzert gehen. Im Sommer sind auch die ganzen Festivals ausgefallen – das fehlt halt.«

Und Festivals sind eigentlich auch der perfekte Ort, um neue Bands zu entdecken. Gibt's denn schon weitere Pläne für das nächste Jahr?
»Wir wollen natürlich das aktuelle Album möglichst viel auf der Bühne präsentieren. Da das gerade nicht geht, schreiben wir schon das Zweite.«

Ach! Also gibt es, je nachdem wie lange das mit Corona weitergeht, möglicherweise bald neues Material von euch?
»Ich weiß nicht, ob wir das direkt nächstes Jahr rausbringen, weil das wäre schon schade, zwei Alben nacheinander herauszubringen ohne das Eine live gespielt zu haben. Aber grundsätzlich wollen wir schon mehr.«

Cool! Dann sind wir gespannt, was die Zukunft bringt. Vielen Dank für deine Zeit!
»Gerne, danke auch!«

SCORCHED OAK sind:

Gitarre, Gesang: Ben Plochowietz
Bass, Gesang: Linda Hackmann
Schlagzeug: Freed Godehardt

„Withering Earth"-Tracks:

Mountain
Swamp
Forest
Tide
Desert

www.scorched-oak.de

www.facebook.com/ScorchedOak

Bands:
SCORCHED OAK
Autor:
Lisa Scholz

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