Vorwort

Vorwort 23.01.2019, 08:00

Hut ab!

Die 1995er Demo-CD „Savage Poetry“ auf dem Eigen-Label 08/15-Reckords (nicht zu verwechseln mit dem modifizierten, „offiziellen“ 2000er Album „The Savage Poetry“!) habe ich nicht gehabt, obwohl ich zu der Zeit aufgrund meiner Fanzine-Arbeit selbst leidenschaftlich durch den deutschen Metal-Underground gekrebst bin, aber bereits das 1997er Plattenfirmen-Debüt „Kingdom Of Madness“ (auf AFM) ließ aufhorchen: Mit Edguy schickte sich eine junge Band aus dem beschaulichen Fulda (und Umgebung) an, ihre Träume zu verwirklichen.

Die teutonische Herkunft war dabei unüberhörbar, aber die Dichte an „echten“ Heavy-Metal-Bands Mitte und Ende der neunziger Jahre viel geringer als heutzutage; Acts, die auf einem halbwegs professionellen Level die Errungenschaften von Helloween (ich breche das an dieser Stelle einfach mal auf die Hamburger Vorreiter runter) fortführten, durfte man regelrecht suchen, wahrscheinlich galt im „Mainstream“, auch im „harten“ Rock, zu dieser Zeit keine Musik als uncooler als melodischer Speed- und Power Metal europäischer Machart.

Man muss das alles nicht höher hängen, als es ist bzw. war, und man braucht auch keine Legendenbildung zu betreiben, um an dieser Stelle unsere Titelstory samt dazugehöriger exklusiver Sechs-Track-CD zu „hypen“ - aber man sollte sich das ruhig noch mal ins Gedächtnis rufen: Als kaum ein Hahn nach klassischem Heavy Metal gekräht hat, als - noch vor den ersten Hammerfall-Erfolgen - in Hessen gegen Szene-Widrigkeiten gekämpft wurde, haben die meisten heutigen „Gralshüter“, gleichzeitig eingefleischte „Hater“ in Sachen Edguy und deren „Spin-off“ Avantasia (Mitte Februar erscheint mit „Moonglow“ ein neues Album!), noch ihre Pantera-, Prong- und Ministry-CDs sortiert.

Ob diese frühen Leistungen bereits Respekt verdienen, weiß ich nicht. Es ist mir auch egal, denn man muss sich nicht an Musik-Stilen zerreiben, im Jahre 2019 weniger denn je. Was man allerdings nicht ignorieren kann, ist der - zumindest nach außen hin - transportierte Gleichmut, mit dem Edguy- und Avantasia-Kopf Tobias Sammet diverse Anfeindungen an sich abprallen lässt. Tobi weiß, dass er polarisiert, und der Erfolg hat ihn selbstbewusst genug gemacht, um mit den Schattenseiten umgehen zu können, da sind temporäre Selbstzweifel, von denen er im hochinteressanten wie unterhaltsamen Gespräch mit Alex Michels offen berichtet, nur logisch und wahrscheinlich genau die Bremse, die einen davor bewahrt, am Ende des Tages in unangenehme Selbstüberschätzung abzugleiten.

Tobi Sammet gehört nicht mehr zur Generation von Mille, Schmier, Angelripper, Doro, Kai Hansen, Rock´n´Rolf, Peavy, Gerre, Chris Boltendahl, Mat Sinner & Co. - aber Tobias Sammet steht als aktueller Protagonist der deutschen Metal-Landschaft trotzdem gleichberechtigt in genau dieser Reihe. Das kann man ihm nicht mehr nehmen - und findet man seine Musik auch noch so doof...

Habt ein tolles 2019!

P.S.: Besagte „Savage Poetry“-Original-CD ist übrigens auch im Hause Sammet nicht mehr vorrätig. Ich habe das bereits vor Jahren eruiert.

Autor:
Boris Kaiser

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