Vorwort

Vorwort 23.10.2013

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Idealist - oder Mitläufer?

Manchmal muss man die Themen fürs Vorwort mühsam suchen (und mal wieder Froooncks Brathähnchenknuspereien bemühen) - und manchmal drängen sie sich förmlich auf. So wie kürzlich, als Boris, Himmelstein, Kathi und ich zusammensaßen und über Leserreaktionen auf aktuelle Szene-Themen sprachen. Anlass: Boris´ bemerkenswertes Atlantean-Kodex-Interview, das (vor allem in unseren Internetforen) mit einer Leidenschaft, Hingabe, Wut und Vehemenz diskutiert wird, dass man meinen könnte, es ginge um Leben und Tod.
Es spielt dabei überhaupt keine Rolle, ob Atlantean Kodex als Band „groß", „wichtig" oder „gut" genug sind, um über einen Ehren-, äh, -kodex in der Metalszene zu sprechen und grundsätzliche Dinge in Frage zu stellen, oder ob es dafür erst einen Lemmy braucht (der sich in vielen Interviews ja über ganz ähnliche Themen ausgelassen hat), sondern einzig und allein um eines: Da wird offenbar ein Finger in eine Wunde gelegt, die viele schmerzt.

Warum ist das so? Warum bringt es Leute vor und hinter den Kulissen so in Rage, wenn Musiker und Bands wie Atlantean Kodex, Watain, Twilight Of The Gods, Phil Anselmo, The Devil´s Blood, Manilla Road, Procession, In Solitude, Anvil, Desaster, The Ruins Of Beverast, Denial Of God, Heaven Shall Burn oder eben Motörhead die „Szene" mit ihren Werten in Frage stellen? Warum lehnt man sich nicht einfach entspannt zurück und lässt jedem seine Meinung, ohne zurückzuschlagen? Weil die Argumente jeden treffen - so oder so.

Es geht ja darum, ob man Musik als etwas empfindet, das eine Lebensphilosophie transportiert, als etwas, das man authentisch verkörpern muss - als Fan wie als Musiker. Konsumiert man nur noch wie die kritiklose Masse, die einfach ungestört Party machen will (wogegen an sich ja nichts einzuwenden wäre)? Oder sieht man in der Rock- und Metalszene generell viel mehr, das man auch aktiv verteidigen muss? Ist man Idealist (und bereit, Opfer zu bringen) oder Mitläufer?
Auch wir hier beim Rock Hard reden oft über solche Dinge. Auch bei uns gibt es Leute, die die Aussagen in den genannten Interviews fragwürdig, überzogen, provokant, ärgerlich oder schlicht unnötig finden - und andere, denen Manuel Trummer (Atlantean Kodex), Alan Averill (Twilight Of The Gods, Primordial) oder Lemmy (Lemmy) voll und ganz aus dem Herzen sprechen. Überall wird diese Diskussion geführt: in der Kneipe ebenso wie beim Konzert, auf dem Festivalgelände oder im heimischen Wohnzimmer.

Wo stehst du?

Autor:
Götz Kühnemund

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