Interview


Pic: Tom Jäschke/Frontrow Images

Interview 15.04.2019, 12:44

HARKON - Interview mit der Demo-/Eigenproduktionsband 05/19

Die Band, die unseren Tipp des Monats unter den Eigenproduktionen im Mai liefert, ist zwar in dieser Formation neu, die Beteiligten sind in der Szene aber keine Unbekannten: HARKON bestehen aus Sänger Björn Gooßes (The Very End, ex-Night In Gales), Gitarrist Volker Rummel (ehemals bei Flaming Anger und The Very End aktiv) sowie der Rhythmussektion der Adrian Weiß Band, Basser Marcel Willnat und Drummer Lars Zehner. Trotz dieser Vorerfahrung ist die „Ruins Of Gold“-EP ein eigenständiger Mix irgendwo zwischen modernem Hardrock und progressiven Melodic Metal. Wie es zur Bandgründung kam und was es mit den goldenen Ruinen auf sich hat, verrät uns Fronter Björn im Interview.

Björn, ihr seid vier Musiker, die alle in diversen Combos unterwegs sind oder waren. Wie habt ihr euch zusammengefunden?

»Genau so letztlich. Die Bands sind sich über die Jahre immer wieder über den Weg gelaufen, und wir haben dieses gerade in Musikerkreisen geflügelte Wort „Wir müssen unbedingt mal was zusammen machen!“ einfach durchgezogen. Die offensichtlichste Verbindung besteht sicherlich zwischen Volker und mir, weil wir einige Jahre zusammen bei The Very End gespielt haben. Volker ist nach der zweiten Platte aus Zeitgründen ausgestiegen, aber hat unsere Musik damals sehr geprägt. Dem Gitarren-Nerd werden die Parallelen vielleicht auch an der ein oder anderen Stelle auf der HARKON-EP auffallen. Ihm juckte es einfach wieder in den Fingern. Da gab es diese Szene vor drei Jahren auf dem Graspop Metal Meeting in Belgien, wo wir gemeinsam waren. Da meinte er zu mir, dass er wieder Bock auf eine Band hätte, die aber eher etwas hardrockiger unterwegs sein solle und ob ich nicht Lust hätte, da mitzumachen. Über Volker kam auch Marcel dazu, weil die beiden schon seit über 20 Jahren befreundet sind. Lars kannten wir alle schon durch seine anderen Bandaktivitäten, aber er spielt wiederum mit Marcel bei der Adrian Weiß Band, so dass die beiden auch schon eine eingespielte Rhythmussektion sind. Als das Line-up stand, sind wir dann auch quasi sofort in den Proberaum gegangen, was so im Sommer 2017 war. Wir wohnen zwar über ganz NRW verstreut und proben daher nicht so regelmäßig, aber die Chemie stimmte einfach sofort, daher sind wir recht effizient.«


Man merkt der EP auch an, dass ihr schon einiges an Erfahrung habt und gut vernetzt seid. Zum einen natürlich an der Produktion selber, aber es begibt sich auch nicht jede neue Band sofort in ein Studio, um das erste Lebenszeichen einzuspielen.

»Ich glaube schon, dass viele Bands auch für ihre Demo/Debüt-EP in ein Studio gehen, was dabei qualitativ herauskommt, steht natürlich auf einem anderen Blatt. Aber du hast natürlich recht, dass wir mit der Band zwar bei null starten, aber alle schon wissen, wie so eine Produktion abläuft und auch, wie man die eigene Kreativität in die richtigen Bahnen lenkt. Volker ist als einziger Gitarrist klar der kreative Motor, der die Riffs und Grundideen liefert. Anschließend setzen wir beide uns zusammen, um diese Ideen schonmal zu strukturieren, bevor wir dann im Proberaum dass Finetuning betreiben. Die Tatsache, dass wir zwar schon 2017 angefangen haben, aber erst jetzt unser Debüt herausbringen, ist einfach unserem Denken geschuldet, dass wir nichts überstürzen wollten. Durch unsere Erfahrung wussten wir zwar, dass wir keinen absoluten Mist machen würden, aber wir haben die Nummern in Ruhe reifen lassen, das heißt wir haben die auch mal etwas liegen lassen, um dann mit frischen Ohren nochmal reinzuhören. Dass die Reaktionen auf die EP durchweg gut sind, bestärkt uns in diesem Gedanken auch noch.«


Ich finde auch, dass die Songs im beste Sinne des Wortes erwachsen klingen. Also nicht altbacken, sondern eben ausgereift und kein Schnellschuss.

»Das freut mich, dass du das so siehst! Die Lieder sind im Endeffekt metallischer geworden, als wir das erst überlegt hatten. Wir wollten von Anfang an nicht wie Whitesnake anno 2018 klingen, sondern etwas eigenes kreieren. Diese Musik liegt dem Volker halt, auch wenn er eher in härteren Truppen wie eben The Very End oder Flaming Anger gespielt hat. Wir sind natürlich alle nicht frei von irgendwelchen Einflüssen, aber wir hatten nie den Gedanken, eine Retro-Band zu starten.«


Spannend an eurem Sound ist, dass man den Hardrock-Gedanken zwar hört, aber in diversen Reviews als Referenzen gerne proggigere US-Metal-Bands auftauchen. Andreas Schiffmann nennt in seinem Rock-Hard-Review zum Beispiel von Nevermore.

»Nevermore habe ich in diesem Zusammenhang noch nicht gehört, aber das freut mich sehr, weil ich die Musik sehr gerne mag. Jeder assoziiert natürlich auch ein bisschen aus seiner persönlichen Sozialisation heraus, ich habe auch schon Vergleiche mit Depressive Age oder sogar Queensrÿche gehört. Es stimmt schon irgendwie, dass gerade die vier EP-Songs relativ Metal-lastig sind, aber ich glaube, da blitzt auch immer wieder der Hardrock durch, sei es vom Groove oder in einigen Mittelparts. Am Ende des Tages ist mir das aber ehrlich gesagt völlig wurscht. Ich verstehe, dass Leute Referenzen oder Genre-Schubladen heranziehen, um unbekannte Musik zu beschreiben, aber wir haben HARKON aus der Lust an der Musik gegründet und freuen uns vor allem, dass vielen Leuten die Scheibe zu gefallen scheint.«


Gerade für dich ist das musikalisch aber schon Neuland, weil du früher bei Night In Gales und aktuell bei The Very End viel shoutest, was ja bei HARKON gar nicht der Fall ist.

»Das stimmt, aber das ist auch ein interessanter Aspekt: Einige Leute dachten, dass HARKON für mich eine Art Experiment sei, weil ich eben vorher eher extremer gesungen habe. Das ist es aber gar nicht, weder die eine noch die andere Band. Natürlich schreie ich bei The Very End mehr, aber meine Haupteinflüsse waren immer Bands, die melodisch gesungen haben. Ich stehe natürlich auch auf extreme Sachen, aber die gehen bei mir eher in die Beine und nicht ins Herz. Musik, die mich langfristig beeindruckt hat, ist tendenziell melodiöser, wie „Danzig II-Lucifuge“ oder „Rust In Peace“ von Megadeth, das zwar thrashig ist, aber viel Melodie mitbringt. Ich bin auch großer Dio-Fan, meine Lieblings-Black-Sabbath-Platte ist zum Beispiel „Dehumanizer“, die ja meistens eher stiefmütterlich behandelt wird. Wegen dieser Einflüsse war es für mich total natürlich, jetzt nur clean zu singen.«


Dass deine cleane Stimme auf „Ruins Of Gold“ so zur Geltung kommt, ist ja auch ein Punkt, den Andreas im Review sehr gelobt hat.

»Das freut mich, aber es muss auch in den musikalischen Kontext passen. Es macht mir beides viel Spaß, auch wenn ich es schwieriger finde, geil melodisch zu singen als geil zu shouten. Bei The Very End passt cleaner Gesang auch manchmal nicht oder es gehen bandintern die Geschmäcker auseinander. Das muss sich, alleine vom Bandkonzept her, einfach die Waage halten. Bei HARKON war das interessanterweise gar nicht von Anfang an festgelegt, dass nicht geschrien wird, sondern hat sich organisch so entwickelt.«


Dann gucken wir doch mal inhaltlich auf die EP, denn beim Titeltrack hatte ich so ein bisschen das Ruhrgebiet vor Augen. Das war ja bis in die Siebzigerjahre durch die Schwerindustrie sehr reich und damit sozusagen „golden“, wovon aber heute vor allem die Industrieruinen übrig sind. Geht das in die Richtung oder interpretiere ich da über?

»Jein. Auf der ersten Ebene hat die Nummer zuerst mal einen Fantasy-Metal-Text, aber auf der zweiten gibt es offensichtlich eine Story dahinter. Die ist sicherlich offener interpretierbar als bei anderen Songs, daher ist das okay, wenn du diesen Aspekt darin siehst und keine Überinterpretation. Mir ging es eher um das Thema Vertrauensmissbrauch und den Schmerz, der dadurch entsteht. Die Ruinen, die mal aus Gold waren, ist einfach eine schöne Metapher, die für alles stehen kann, was mal gut war und jetzt kaputt ist – seien es Beziehungen, Freundschaften oder auch dieser regionale Aspekt, den du darin gesehen hast. Hinsichtlich der kompletten Platte gibt es aber kein Konzept oder so. Natürlich erzählt jeder Song eine Geschichte, aber es gibt eben keinen roten Faden auf der Platte. 'Round And Round' geht zum Beispiel über die Erde, die sich immer weiterdreht, egal was man ihr so antut, oder 'Take It Slow' nimmt die Aussage schon im Titel vorweg. HARKON ist die erste Band, wo ich hinsichtlich der Lyrics inhaltlich über alles schreiben kann, was mir in den Sinn kommt. Bei Night In Gales habe ich mir ja über die Jahre ein sehr abenteuerliches Vokabular aufgebaut, was dann sozusagen ein Trademark wurde. Bei The Very End ist der Grundtenor und dementsprechend die Thematik als Bandkonzept eher nihilistisch angelegt. HARKON ist in dem Vergleich offener und mit einer direkteren Sprache versehen.«


Plant ihr denn mit HARKON auch schon ein Album?

»Ja, das planen wir grob für 2020. Wir proben wie gesagt nicht so häufig und lassen Songs auch gerne mal ruhen, aber wir haben bis jetzt inklusive der EP-Tracks sieben oder acht Stücke fertig oder im Feinschliff und wollen auf jeden Fall ein oder zwei Songs EP-exklusiv lassen. Da ist also noch ein bisschen Arbeit zu tun, aber der Masterplan steht, dass wir nächstes Jahr ein Album herausbringen wollen, sei es im Juni oder im Dezember.«


Da bin ich auf jeden Fall gespannt, in welche Richtung ihr gehen werdet, denn auf der EP reißt ihr ja viele Stilmittel etwas an.

»Das wurde tatsächlich in einem Review bemängelt, dass wir gerade den Prog-Anteil nicht konsequent genug durchgezogen haben. Aber auch wenn wir diesen Aspekt im Sound haben, verstehen wir uns nicht als Prog-Band. Wir haben grobe Parameter, an dem wir unsere Songs messen, aber es muss uns vor allem Spaß machen. Die Songs, die schon soweit stehen, sind weiterhin relativ divers und vielleicht dahingehend progressiv, aber wir machen jetzt keine Frickelparts nur der Frickelei wegen, sondern der Song steht im Mittelpunkt.«


Zum Abschluss würde ich gerne noch einen Blick auf eure Live-Aktivitäten werfen. Ihr habt ja vor einigen Wochen euren ersten Auftritt absolviert.

»Genau, bei der „Metal For Mercy“-Konzertreihe in Essen! Das war sehr gut! Vor allem Volker war tierisch nervös, weil es für ihn der erste Gig seit seinem Ausstieg bei The Very End vor sechs Jahren war. Wir anderen haben zwischendurch mit unseren anderen Bands regelmäßiger auf der Bühne gestanden, aber auch für uns war das natürlich spannend, weil eben alles neu war. Es war ein cooler Live-Einstand, vor allem weil das kleine Jugendzentrum, in dem wir gespielt haben, restlos ausverkauft war. Es steht demnächst auch noch die ein oder andere Show an, wir spielen zum Beispiel am 10. Mai im BlackEnd in Dortmund oder im August beim Turock Open Air in Essen.«

www.facebook.com/harkonmusic

Bands:
HARKON
Autor:
Maximilian Blom

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