Interview

Interview 16.01.2019, 15:39

GHOSTBOUND - Interview mit dem Tipp des Monats 02/19

GHOSTBOUND aus Brooklyn, New York wurde mit ihrem Debütalbum "All Is Phantom" zum Tipp des Monats im Rock Hard gekürt. Im Gespräch erzählt uns Mastermind Alec Head mehr über die besondere Entstehungsgeschichte des Albums.

Alec, GHOSTBOUND existieren erst seit 2013, was hebt die Band von deinen früheren Projekten ab, vor allem was deine Tätigkeit als Gitarrist bei Kosmodemonic betrifft?

»Gute Frage. Ich würde fast sagen, dass der Hauptunterschied darin liegt, dass ich alleine für GHOSTBOUND verantwortlich bin. Das Projekt ist sozusagen meine Vision, mein "Baby" und die Quelle meiner musikalischen Kreativität. Mein "raison d'être", wenn man so will. Kosmodemonic unterstehen eher dem Frontmann Bozz. Ich übernehme dort lediglich die Rolle des Gitarristen und steuere ab und zu mal einen Song oder ein Arrangement bei. Um ganz genau zu sein, steht das Konzept von GHOSTBOUND schon seit meinen Teenager-Jahren. Irgendwann um 2003 begann ich dann Musik zu schreiben, allerdings noch unter dem Namen Timshel. Ich hielt meine Songs so lange zurück, bis ich gleichgesinnte Musiker fand, die mit meiner Musik klarkamen! Der Beitritt zu Kosmodemonic war für mich ein eindeutiges Zeichen, dass ich selbst als Songwriter tätig werden sollte. Der Fakt, dass die Band mit Bozz bereits über einen fähigen Songwriter verfügt und noch ein paar bestimmte Ereignisse in meinem persönlichen Leben haben mich dazu bewegt GHOSTBOUND wiederaufleben zu lassen und das Projekt zu realisieren.«

Wie bist du auf die Idee gekommen, ein Konzeptalbum zu schreiben und wie ist "All Is Phantom" entstanden?

»Um ganz genau zu sein, ist "All Is Phantom" kein explizites Konzeptalbum. Stattdessen findet sich die Thematik der "Reise" in allen Songs wieder. Dabei werden sowohl physische bzw. spirituelle Aspekte als auch meine Gedanken über Isolation, Kummer oder Freude dargestellt. Kummer beispielsweise, zieht sich durch das komplette Album und ist demnach auch in den Lyrics und auf dem Cover-Artwork wiederzufinden. Der Entstehungsprozess erstreckte sich über ca. 15 Jahre. Ungefähr die Hälfte bzw. zumindest die Grundstrukturen der Songs auf "All Is Phantom" stammen aus der Phase, als GHOSTBOUND noch Timshel hießen. Es kostete mich sehr viel Herzblut, Lebenserfahrung, Kopfweh, Freude, Einsamkeit und die bereits erwähnten lebensverändernden Ereignisse in meinem Leben, um "All Is Phantom" zu realisieren.«

Wie war es, ein Album in Eigenproduktion und ohne Label aufzunehmen? War das deine erste Erfahrung als Produzent?

»Nicht, dass ich kleinlich bin, aber das Album wurde weltweit über ATMF/A Sad Sadness Records veröffentlicht. "All Is Phantom" wäre in seiner jetztigen Form nie ohne die Unterstützung des Labels möglich gewesen. Wie dem auch sei, das Label übernimmt lediglich die Promotion. Ansonsten ist das Projekt komplett selbst finanziert. Ich habe auch festgestellt, dass so ein Vorhaben als Einzelperson nicht zu stemmen ist. An dieser Stelle möchte ich vor allem Wegbegleitern und Freunden danken, ohne die das Album nicht realisert hätte werden können. Seien es die Mitglieder der Band, oder jeder, der in irgendeiner Form bei der Entstehung des Albums beteiligt war, angefangen von den Grafik-Designern, Künstlern bis hin zu den Toningenieuren. Vor allem aber unserem Bassisten Noah, der ein enger Freund von mir ist, habe ich einiges zu verdanken.«

Wie sieht der Kompositionsprozess bei dir aus? Hast du bestimmte Techniken oder lässt du dich einfach überraschen, was dir so einfällt? Wie stimmst du dich mit deinen Bandkollegen ab?

»Ich habe keine außergewöhnlichen Techniken verwendet. Ideen für Riffs oder den Gesangspart habe ich jedoch bereits mit meinem Smartphone aufgenommen und meinen Bandkollegen regelmäßig gezeigt. Obwohl ich versuchte, Bass- oder Schlagzeugarrangements ganz in meinem Stil zu realisieren, hatten Noah und unser Schlagzeuger David stets die Freiheit ihre eigenen Ideen einzubringen.

Ein Ereignis, das sich im Nachhinein als extrem förderlich für das Album herausstellte, war die missglückte Zusammenarbeit mit einer Cellistin. Diese trug im Endeffekt musikalisch rein gar nichts zum Album bei. Stattdessen kam es wegen Unstimmigkeiten bezüglich Aufnahmetechniken dazu, dass sie zwei Wochen vor den ersten Aufnahmen ohne jegliche Benachrichtigung absprang. Ich habe demnach die Arrangements der Songs runtergebrochen und konnte so einen engeren Bezug zu diesen finden. Ich konnte die Komposition aus einem neuen Blickwinkel fortsetzen und den offenen Charakter der Songs entwickeln. Vielen Dank dafür, unzuverlässige Cellistin, wo auch immer du jetzt sein magst!«

War es schwierig, die einzelnen Song-Grenzen abzustecken oder siehst du "All Is Phantom" eher als Gesamtkunstwerk?

»Ich finde, dass ein Album, genauso wie ein Film oder ein Buch, für sich stehen sollte und immer als Ganzes betrachtet werden sollte. Ich bin ein Verfechter des Albums als Gesamtwerk. Es sollte Elemente wie Einleitung, Hauptteil und Schluss beinhalten. Ein Album, das lediglich aus einer lieblosen Zusammenstellung von verschiedenen Songs besteht, würde für mich nicht in Frage kommen. Mir ist bewusst, dass sich meine Ansicht nicht mit den aktuellen Trends deckt. Von unüberlegten Veröffentlichungen über Bandcamp oder iTunes halte ich wenig. Aber ich habe mich damit abgefunden. Jetzt, da das gesagt wurde, kann ich ja auch zugeben, dass wir zur Zeit an einer EP arbeiten. Diese wird aus den übrigen Songs bzw. Riffs bestehen, die es nicht auf das Hauptalbum geschafft haben.«

"All Is Phantom" erscheint als CD, könntest du dir auch vorstellen das Album als Vinyl zu veröffentlichen? Gerade bei einem solchen Werk würde sich das ja anbieten.

»Ja, tatsächlich würde ich nichts lieber wollen, als das Album auch als Doppel-Gatefold-Vinyl anzubieten. Unglücklicherweise ist der Release auf Vinyl eine teuere Angelegenheit, die ein kleines Indie-Label an die Kapazitäten bringt. Vielleicht irgendwann mal, vorzugweise bald.«

Welche Geschichte soll das Album erzählen?

»Kurz gesagt, alles und aber auch nichts! Wie bereits erwähnt, geht es um das Motiv der Reise und viel über gestalterische Vorstellungskraft. Textlich geht es viel um Unmut und das Leben selbst. Es hat auch etwas Mystisches, ja fast schon Gespenstisches. Den Albumtitel habe ich mir von der Schriftstellerin Virginia Woolf abgeschaut. Da gibt es eine Passage in "Orlando", in der sie eine Umgebung mit den Worten "All was phantom..." beschreibt, so als würde sie eine gespenstische Stille ausdrücken wollen. Ich wollte dieses Gefühl adaptieren und einen einprägsamen Albumtitel wählen.«

Das Albumcover ist sehr künstlerisch. Wenn man genau hinschaut, lassen sich zwei Personen erahnen. Steht das Cover in direktem Zusammenhang mit der Musik?

»Ja, so ziemlich. Es sollte analog zur Musik bzw. zum Text betrachtet werden. Alles hängt untereinander zusammen und bildet das Gesamtpaket "Album". Es gibt eine bestimmte Geschichte hinter den Bildern, die im Booklet verwendet werden. Aber ich würde die Frage dann doch eher an Agam Neiman weitergeben, der für all die tollen Bilder verantwortlich ist, die wir für das Album verwendet haben. Agams Arbeit kann man übrigens hier finden.«

Was bedeutet "All Is Phantom" für dich persönlich?

»Das Album wird für immer 15 Jahre harte Arbeit bzw. Erfahrung repräsentieren. Es ist wirklich ein Werk aus Liebe und dient als Tribut für unsere verstorbenen Freunde. An diesem Punkt wage ich es mal zu behaupten, dass das Album für mich eine Art Vergöttlichung als Musiker darstellt. Niemand kann mir mehr wegnehmen, was seit Ewigkeiten in meinen Gedanken geschlummert hat. Aber das heißt ja noch nicht, dass nicht vielleicht das nächste Album das Ganze ersetzen oder sogar übertreffen kann. Ist das nicht auch irgendwie immer das Ziel eines neuen Albums?!«

Gibt es für dich ein Lieblingslied oder eine Lieblingsstelle?

»Auf jeden Fall. 'Night Time Drowning' ist ohne Frage mein Lieblingssong. Es handelt sich um einen Track, den ich erst kürzlich geschrieben habe. Für mich bringt er die meisten dramatischen, spannenden bzw. dynamischen Momente mit sich. Zusätzlich kommt dort auch noch meine Liebe für Post-Punk/Death-Rock zur Geltung, mehr als in jedem anderen Song. Es gibt eine Stelle nach ca. vier Minuten, bei der ein klein bisschen Klargesang mit eingemischt wurde. Ich bin absolut begeistert davon. Es fühlt sich wirklich so an, als würde die ausgedrückte Verzweiflung weiter vorangetrieben werden und der entstandene Sound den Song aus den vorgegebenen Grenzen heben. Zusätzlich mag ich noch 'Goodbye', den letzten Song des Albums, sehr gerne. Es gibt mir einfach ein befreiendes Gefühl, das Lied zu singen. Ich habe es in kürzester Zeit geschrieben und denke, dass es genau das ausdrückt, was ich derjenigen Person sagen wollte, an die der Song gerichtet ist. Das Finale des Albums sollte sich langsam aufbauen und einen Höhepunkt darstellen. Vor allem unser Schlagzeuger macht den Song zu dem was er geworden ist. Und natürlich ist noch 'The Gallivanter' als Opener zu nennen. Es war der erste Song, den ich jemals für "All Is Phantom" geschrieben habe. Als ich das Vocal-Playback im Studio zum ersten Mal hörte, noch bevor irgendetwas anderes dazu kam, wurde mir bewusst, dass ich genau den Sound erreicht habe, den ich mir schon so lange vorher in meinem Kopf ausgemalt hatte.«

www.facebook.com/GhostboundThrone

https://ghostbound.bandcamp.com

Bands:
GHOSTBOUND
Autor:
Julian Löhner

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