Festivals & Live Reviews

Festivals & Live Reviews 20.07.2011

MEGADETH , METALLICA , ANTHRAX , SLAYER - Gelsenkirchen, Veltins Arena

Endlich ist es so weit: Die „Big 4“ besuchen Deutschland. Da muss man hin, da freut man sich drauf. Das pure Vergnügen sollte es trotzdem nicht werden. Aber der Reihe nach:

Wenn man gegen 16 Uhr am Gelsenkirchener Hauptbahnhof ankommt, sollte man davon ausgehen können, dass es möglich sein sollte, eine Stunde später auf seinem Platz im Stadion zu hocken. Pustekuchen! Man kann den Eindruck bekommen, dass die Bogestra von dem Andrang vollkommen überrascht wurde. Allzu viele Sonderbahnen zur Arena werden jedenfalls nicht eingesetzt, und so vergeht mehr als eine halbe Stunde, bis man in einer Bahn steht. Weil die Fahrt an sich auch noch reichlich Zeit in Anspruch nimmt, kann ich die ersten Songs von ANTHRAX nur von draußen hören. ´Among The Living´ und ´Indians´ kann man sogar erkennen. Endlich bin ich in der Arena - pünktlich zum sehr geilen neuen Song ´Fight ´Em Til You Can´t´, der durchaus wohlwollend von der Menge aufgenommen wird. So sie denn überhaupt herausfiltern kann, was da auf der Bühne gerade gespielt wird. Der Sound ist nämlich ´ne ziemliche Katastrophe. Matsch pur. Hätte Joey Belladonna den nächsten Song ´Medusa´ nicht angesagt, ich hätte ihn nur schwerlich erkannt. Aber eine Premiere gibt´s noch zu feiern: Zum ersten Mal in ihrer Karriere stehen Anthrax ohne Scott Ian auf der Bühne, der gerade Vater eines gesunden Jungen geworden ist. Ihn ersetzt Sepultura-Klampfer Andreas Kisser, dem das sichtlich Vergnügen bereitet. Ihm zu Ehren spielen Anthrax noch ´Refuse/Resist´ an, um sich mit ´I Am The Law´ zu verabschieden.

„Ich gehe dann mal kurz zwei Bier holen!“, sage ich zum Kollegen Trojan. „Kurz“ ist in diesem Zusammenhang aber das falsche Wort, wie ich schnell feststellen muss. Da hätten wir zunächst das Thema „Knappenkarte“: Man muss diese Verzehrkarte erwerben, bevor man sich an den Verpflegungsständen etwas kaufen kann. Das Problem ist dabei, dass im Gegensatz zum Betrieb in der Bundesliga heute 98 Prozent aller Besucher KEINE solche Karte besitzen. Auf die Idee, deswegen ein paar Karten-Verkaufsbuden mehr einzurichten, sind die Organisatoren offensichtlich nicht gekommen. Mit dem Resultat, dass sich übelst lange Schlangen bilden. Und auch weiterhin ist Geduld gefragt, denn die Arena-Kioske sind vollkommen überlastet. Ein Minimum von 30 Minuten muss man einkalkulieren, bevor man ein Erfrischungsgetränk seiner Wahl in den Händen halten kann. Ich kann mir wirklich nicht vorstellen, dass das bei Schalke-Spielen ebenso lange dauert. Die königsblauen Fußballfans würden sicher auf die Barrikaden gehen. Und noch eine unangenehme Überraschung gibt es: 3,90 Euro werden für 0,4 Liter Bier oder Alkoholfreies ausgerufen. Bei Spielen des ortsansässigen Fußballclubs zahlt man 3,60 Euro - für einen halben Liter. Keine Ahnung, wer hier noch mal extra die Hand aufhält.

Doch all der Ärger ist verflogen, als MEGADETH die Bühne betreten und mit ´Trust´ einen guten Einstieg finden. Der Sound ist zwar immer noch nicht viel besser, aber zumindest die Gitarren braten ordentlich, während man von Mustaines Gesang nicht besonders viel hört. Was nicht unbedingt ein Nachteil sein muss, hüstel... Wie dem auch sei: Die Setlist ist ein absoluter Hammer: ´Hangar 18´, ´Wake Up Dead´, ´Head Crusher´, ´Rattlehead´, ´Symphony Of Destruction´ - ein Dum-Dum-Geschoss jagt das nächste, die Nackenmuskeln fangen an zu schmerzen, während Mustaine bei einigen Tracks auf seiner Doppelhälsigen brilliert und bei den Ansagen richtig sympathisch wirkt. Geiler Set!

Die Umbaupause nutze ich für einen Ausflug zum Merchandise-Stand und werde positiv überrascht. Die Shirts werden durch die Bank für 25 Steine angeboten. Das ist zwar immer noch kein Schnäppchen, aber im Vergleich zu dem, was andere große Acts mitunter verlangen (ich erinnere mich an die 40 Euro, die Maiden und Priest für ihre Leibchen haben wollten), echt okay.

Bei SLAYER ist die Arena dann richtig voll. Unangenehm voll. Auf den Tribünen lässt es sich noch gut aushalten, aber der Innenraum sieht ungemütlich aus. Und die Stehplatz-Nordkurve wirkt definitiv überfüllt. Da sind mit Sicherheit deutlich mehr Leute drauf als bei Fußballspielen. Ein schreibender Kollege hält mich über die Entwicklungen im Innenraum auf dem Laufenden. Es gibt zu wenige Toiletten dort, und aufgrund der Enge schaffen es viele Leute gar nicht mehr, die im hinteren Bereich aufgestellten Dixis zu erreichen. Das hat zur Folge, dass sich zahlreiche Menschen in den Tunnelzugängen zum Innenraum entleeren, wo regelrechte Urin-Bäche entstehen. Sehr unschön. Auf der Bühne erzeugen Slayer derweil richtig Druck. Tom Arayas Stimme klingt viel besser als noch im letzten Sommer, die Songauswahl ist auch hier gelungen, und Gastgitarrist Gary Holt fügt sich gut ins Gesamtbild ein. Schade nur, dass bei den ersten Nummern seine Klampfe fast gar nicht zu hören ist.

Letzte Umbaupause. Noch mal überall ewig lange anstehen, dann zurück auf den Platz. Was inzwischen etwas schwierig geworden ist, denn mittlerweile stehen auch in den Aufgängen viele Fans dicht gedrängt - und trotzdem sind alle Tribünenplätze belegt. Ich habe natürlich keine Beweise, aber man hat schon das Gefühl, dass hier ein paar Karten zu viel verkauft wurden. Negative Vibes werden aber sofort von METALLICA weggepustet. ´Hit The Lights´, ´Master Of Puppets´, ´The Shortest Straw´, ´Seek And Destroy´, ´Welcome Home (Sanitarium)´ - was für ein Einstieg! Da bleibt keine Zeit zum Luftholen, zumal der Sound jetzt nahezu perfekt ist. Das Bühnenbild ist diesmal schlicht gehalten, es gibt lediglich zwei Treppen, die auf eine höhere Ebene führen. Mehr braucht es aber auch nicht, denn Metallica begeistern einfach mit enormer Spielfreude und einer feinen old-schooligen Songauswahl. Zum Einstieg von ´One´ gibt´s Pyros satt: Kanonenschläge, Feuersäulen. Und aus der Ecke, in der sich der (heute leere) Gäste-Fanblock befindet, werden Raketen gestartet. Das gibt mindestens zwei Jahre bundesweites Stadionverbot. Der Zugabenteil wird später mit ´Helpless´ eröffnet, bei dem Metallica Unterstützung von Anthrax und Megadeth bekommen, ´Battery´ und ´Creeping Death´ beschließen ein famoses Konzert. Come back soon, boys!

Setlist METALLICA:

Hit The Lights
Master Of Puppets
The Shortest Straw
Seek And Destroy
Welcome Home (Sanitarium)
The Memory Remains
All Nightmare Long
Sad But True
Wherever I May Roam
The Call Of Ktulu
One
For Whom The Bell Tolls
Blackened
Fade To Black
Enter Sandman
-----------
Helpless
Battery
Creeping Death

Setlist SLAYER:

World Painted Blood
Hate Worldwide
War Ensemble
Postmortem
Stain Of Mind
Disciple
Dead Skin Mask
Snuff
South Of Heaven
Raining Blood
Black Magic
Angel Of Death

Setlist MEGADETH:

Trust
In My Darkest Hour
Hangar 18
Wake Up Dead
Head Crusher
Rattlehead
Symphony Of Destruction
Peace Sells
Holy Wars... The Punishment Due

Bands:
ANTHRAX
METALLICA
SLAYER
MEGADETH
Autor:
Frank Albrecht

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