Festivals & Live Reviews

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DREAM THEATER , PERIPHERY - Düsseldorf, Mitsubishi-Electric-Halle

Ich nominiere „A Dramatic Turn Of Events“ für den Titel „passendster Albumtitel des Jahres“. Die dazugehörige Tour ist der Test, ob das neue Line-up das kritische Urteil der Fans überstehen kann.

Zumindest die Preisgestaltung ist unverändert – 46 Euro Eintritt, 30 Euro für ein Shirt, blanker Wucher, dennoch werden einige neue Tour-Shirts spazieren getragen. Was sich dagegen verschlechtert hat, ist das Vorprogramm: Konnten in den vergangenen Jahren Bands wie Opeth oder Symphony X glänzen, sind heute PERIPHERY dran. Eine Fehlentscheidung, denn der unausgegorene Mix aus Alternative, Deathcore, etwas brutalerem Progressive Metal der Mastodon-Schule und reichlich Harmonie- und melodiefreien Lärm stößt trotz des Charismas des Sängers auf wenig Gegenliebe. Einziger Höhepunkt ist das spontane, lässige Schlagzeugsolo.

Umso gespannter ist man auf den Headliner, der einiges auffährt: Vor dem großen Banner befinden sich drei perspektivisch konstruierte Würfel, auf denen Filmchen, Kollagen oder Livebilder abgespielt werden, dazu gibt es eine beeindruckende Lichtshow. Nach einem selbstironischen Introfilmchen starten die bestens aufgelegten Musiker mit 'Bridges In The Sky' in einen zwei Stunden langen Set. James LaBrie wirkt gelöst wie selten und lässt sich auch zu ein paar längeren Ansagen hinreißen. Auch wenn seine Stimme heute nicht ganz so glänzt wie bei manch anderem Konzert, führt er souverän durch einen Set, das sich auf das neue Album konzentriert. Mit '6:00' kommt allerdings früh ein „Awake“-Klassiker zum Zuge, bevor mit 'Built Me Up, Break Me Down' der erste Höhepunkt folgt. Das altersmäßig gut durchmischte Publikum zeigt sich bereits hier äußerst textsicher, erstaunlicherweise vor allem bei den neuen Songs. Liegt es daran, dass DREAM THEATER viele verschiedene, aber kein wirklich schlechtes Album veröffentlicht haben und jeder seine eigenen Lieblinge hat? Songs wie das erwähnte 'Built Me Up, Break Me Down' oder 'On the Backs Of Angels' sind heute der kleinste gemeinsame Nenner, obwohl die Setlist auch sonst viel zu bieten hat: 'Sorrounded' und die Pianoballade 'Wait For Sleep' von „Images And Words“ kommen genauso zum Zuge wie das den Härtegrad mächtig nach oben fahrende 'The Test That Stumped Them All' oder 'Dark Eternal Night'. 'The Spirit Carries On' sorgt für besinnliche Momente und 'As I Am' ist ein passender Rausschmeißer. Leider kommt Düsseldorf, anders als andere Städte, nicht in den Genuss von 'The Silent Man' oder dem Überhit 'Pull Me Under', aber bekanntermaßen kann man ja nicht alles haben.
Noch ein Wort zum neuen Mann hinter den Kesseln: Mike Mangini ist mit viel Engagement bei der Sache, und auch wenn er noch nicht ganz die Sicherheit seines Vorgängers hat, treibt er DREAM THEATER stark an. Und sein Drumsolo gehört zum besten, was es derzeitig auf europäischen Bühnen zu sehen gibt. Eventuelle Bedenken waren also fehl am Platze, und die Prog-Metal-Legende kann zu neuen Ufern aufbrechen. Es wird spannend sein, sie dabei zu beobachten.

Bands:
PERIPHERY
DREAM THEATER
Autor:
Felix Patzig

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