Classic Albums

Classic Albums 17.02.2010

D-A-D - Classic Album: No Fuel Left For The Pilgrims (1989)

Fast jede erfolgreiche Band hat einen Song, der sie praktisch bis ins Grab verfolgt. Im Falle von D-A-D ist das ´Sleeping My Day Away´, die Ode an alle Langschläfer vom dritten Longplayer „No Fuel Left For The Pilgrims“, mit der die fidelen Dänen vor gut zwei Dekaden nicht nur in ihrer Heimat richtig durchstarteten.

»Wir hatten vorher bereits zwei Alben über das dänische Label Mega Records veröffentlicht, waren uns aber nicht schlüssig, ob wir mit der Company weiterarbeiten sollten. Damals hatten Mega nämlich vor allem Acts wie Modern Talking und Falco unter ihren Fittichen. Wie es der Zufall aber so wollte, war eine andere kleine Firma namens Medley an uns interessiert, die wenig später von der EMI aufgekauft wurde, wodurch wir plötzlich bei einem Major unter Vertrag standen. Leider dachte der Boss der Firma, mit einem Engländer namens Jeremy Allom den perfekten Produzenten für „No Fuel Left For The Pilgrims“ zu haben«, nuschelt Sprachrohr Jesper Binzer (v./g.) ins Diktiergerät.

»Im Endeffekt hat sich der Typ aber als absolute Niete entpuppt. Ich kann mich noch gut entsinnen, dass er damals zusammen mit seiner Freundin und einem Joint in der einen und einer Flasche Brandy in der anderen Hand bei uns im Studio eingelaufen ist. Seine erste Amtshandlung bestand darin, dass er erst mal drei Geräte von Yamaha durchgeblasen hat. Weil auch seine Ideen schlecht waren, haben wir den Boss unseres neuen Labels schnell gebeten, Jeremy feuern zu dürfen. Nachdem das erledigt war, haben wir mit Nick Foss und Lars Overgaard die beiden Jungs zurückgeholt, die einige Monate zuvor schon die Demos zur Platte in Stigs Sommerhaus produziert hatten. Mit dem Ergebnis waren wir dann auch mehr als happy, obwohl die Jungs damals vor allem mit Pop-Acts zusammengearbeitet haben. Von den 13 Songs, die wir damals geschrieben haben, sind bis auf einen - ich weiß leider nicht mehr, welcher - dann auch alle auf dem Album gelandet. Mit etwa 10.000 verkauften Exemplaren der beiden Vorgängeralben waren wir Ende der Achtziger nicht gerade eine große Band. Die 95.000 Einheiten, die von „No Fuel Left For The Pilgrims“ dann zwischen März und Juli in Dänemark über die Ladentheken wanderten, kamen für uns letztlich ziemlich überraschend. Inzwischen dürften wir in unserer Heimat etwa 130.000 und weltweit eine gute halbe Million Exemplare von dem Album verkauft haben.«

Dazu trugen neben ´Sleeping My Day Away´ weitere Spaßnummern wie ´Girl Nation´ und ´Jihad´ entscheidend bei. Wobei man meinen sollte, dass der Titel des letztgenannten Tracks damals für reichlich Ärger respektive Kontroversen sorgte.

»Glücklicherweise gab es hier in Skandinavien keinen Stress wegen des Songtitels. Das lag sicher auch daran, dass der Begriff für Europäer damals noch relativ neu war. Allerdings haben auf Zypern und vor allem in Israel Leute Ärger bekommen, als sie mit unseren „Jihad“-Shirts rumgelaufen sind. Kurioserweise haben wir im selben Jahr einen Deal bei Warner Bros. für Amerika unterschrieben, ohne zu wissen, dass das Musikbiz in den Staaten stark jüdisch geprägt ist. Weil wir damals noch sehr jung und vielleicht auch etwas zu ignorant waren, haben wir uns beim Song ´Jihad´ und den Palästinensertüchern, die wir seinerzeit oft trugen, nichts weiter gedacht. We were just bimbos at that time.«

In den USA erschien das Album allerdings nicht unter dem in Europa damals noch gebräuchlichen Bandnamen Disneyland After Dark, sondern unter dem später auch weltweit gültigen Kürzel D-A-D.

»Um auch den amerikanischen Musikmarkt in Angriff nehmen zu können, mussten wir damals einige Kompromisse eingehen. Darunter auch die Namensänderung, was uns aber nicht störte. Im Gegenteil: Wir fanden es irgendwie ziemlich cool, zwei Namen zu haben«, grinst der redselige Mittvierziger der zu drei Vierteln noch im „No Fuel Left For The Pilgrims“-Line-up aktiven Kapelle verschmitzt.

Überhaupt verfügen Jesper und Konsorten über einen Humor, wie man ihn in der Hardrock-Szene viel zu selten findet. Dabei dient(e) den vier Skandinaviern das wahre Leben häufig genug als Blaupause.

»´Sleeping My Day Away´ ist in Stigs Sommerhäuschen entstanden. Damals haben wir regelmäßig die Nacht zum Tag gemacht, was zur Folge hatte, dass wir erst am späten Nachmittag wieder aufgestanden sind. Irgendwann kam dann Jacob mit dem Intro-Riff zu dem Stück an, und wie es der Zufall so wollte, hatte Stig unabhängig davon die Textzeile „From the pale lips of a youth who lay, I´m sleeping my day away“ auf ein Taschentuch gekritzelt. Daraus entstand letztlich dann der Song, wobei uns auch ´Big Bang´, ein Hit der aus zwei singenden Girls bestehenden Pop-Combo Cheetah, ein Stück weit als Inspirationsquelle diente. Vor allem die großartige Strophe. Auch ´Girl Nation´ hat einen starken Bezug zur Realität. Zu dem Zeitpunkt hatten wir alle unsere ersten Beziehungen hinter uns. Wir tobten uns also richtig aus, indem wir uns regelmäßig in diversen Kopenhagener Nachtclubs die Lichter ausschossen und bei der Gelegenheit ständig neue Girls abschleppten. Weil wir kurz zuvor unsere Dayjobs aufgegeben hatten, konnten wir uns das auch erlauben. Unser Drummer Peter hatte bis dahin in einer Krabbelstube gearbeitet, ich war in einem Kindergarten für drei- bis sechsjährige Kids tätig, Stig hatte Wohnungen verstorbener Rentner entrümpelt und dann gereinigt, und mein Bruder Jacob durfte nach der Schule eine Weile Dildos und anderen Sexkram von Beate Uhse verkaufen.«

Neben den bereits erwähnten Gassenhauern ´Sleeping My Day Away´, ´Jihad´ und ´Girl Nation´ zählen noch einige weitere Stücke von „No Fuel Left For The Pilgrims“ immer mal wieder zum Liveset der Cowpunk-Rock´n´Roller.

»´Rim Of Hell´ haben wir letzten Sommer zum ersten Mal seit zehn Jahren wieder live gespielt, um die Flammenwerfer, die wir uns kurz zuvor in Deutschland gekauft hatten, adäquat einsetzen zu können, und mit ´Siamese Twins´ haben wir unseren Set vor einigen Jahren jeden Abend begonnen. ´ZCMI´ und ´Ill Will´ haben wir schon lange nicht mehr im Programm, obwohl es Spaß macht, sie zu spielen. Im Gegensatz zu ´Wild Talk´, dem schwächsten Track der Scheibe. Ob es uns nervt, jeden Abend ´Sleeping My Day Away´ zu spielen? Nein, denn wir versuchen, den Song jeden Abend neu zu erfinden, indem wir auf der Bühne reichlich improvisieren.«

www.d-a-d.dk

www.myspace.com/dad

DISKOGRAFIE (nur Studioalben)

Call Of The Wild (1986)

D.A.D. Draws A Circle (1987)

No Fuel Left For The Pilgrims (1989)

Riskin´ It All (1991)

Helpyourselfish (1995)

Simpatico (1997)

Everything Glows (2000)

Soft Dogs (2002)

Scare Yourself (2005)

Monster Philosophy (2008)

Bands:
D-A-D
Autor:
Buffo Schnädelbach

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