Titelstory-Blog

Titelstory-Blog 24.06.2021, 14:34

BLACK SABBATH - Black Sabbath und das Wendejahr 1975

Die Dinosaurier sterben aus. Regen prasselt, Donner hallt, eine übermäßige Quarte jagt dir eiskalte Schauer über den Rücken, eine schwarze Gestalt stiert dich mit feurigen Augen aus der Dunkelheit an, deine Nackenhaare stellen sich auf – BLACK SABBATH! Alte Säcke auf dem Rock-Hard-Titelblatt? Schon wieder? Oh no, no, please God help me! Das riecht doch nach abgelaufenem Rattensalat und alten, ausgelatschten Elfenstiefeln.

Könnte man so sehen, aber: BLACK SABBATH sind BLACK SABBATH, um es mal in Anlehnung an Brexit-Premierministerin Theresa May zu sagen. Während überzeugte Brexiteers allerdings fünf Jahre nach dem Votum zum EU-Austritt immer noch lediglich von „Global Britain“ träumen dürfen, bleibt „Global Sabbath“ auch vier Jahre nach dem Ende der Band ungebrochene Realität. Trotz der unübersehbar auf größtmögliche Ertragsmaximierung ausgelegten Verwertungsstrategie des Nachlasses mit einem nicht versiegenden Strom von Boxsets, Büchern und Fotobänden umweht diese für die Geschichte des Hardrock und Heavy Metal so bedeutende Band nach wie vor ein unzerstörbar mystisches Flair von Besonderheit, das unwiderstehlich in seinen Bann zieht – ganz zu schweigen davon, dass die halbe Szene von Alice in Chains über die Foo Fighters bis hin zu Slipknot die Musik des Birmingham-Vierers erklärtermaßen zu ihren Einflüssen zählt. Zudem ist es bereits schlappe vier Jahre her, dass wir Ozzy und Konsorten mit einer Coverstory gewürdigt haben.

Andererseits sei natürlich die Frage erlaubt, was man 2021 in drei Teufels Namen noch Relevantes über diese Gruppe sagen und schreiben will. Natürlich dachte ich darüber intensiv nach, nachdem unser Chefredakteur Boris „Spiral Architect“ Kaiser mit dem Ansinnen an mich herangetreten war, ich solle eine ausführliche BLACK SABBATH-Titelstory abliefern – allerdings nur so lange, wie Tony Iommi braucht, um ein neues Knaller-Riff zu schreiben, denn für BLACK SABBATH gilt ja das Gleiche wie für vergleichbare historische Monumente, beispielsweise Stonehenge: Man findet selbst nach Jahrtausenden immer noch was Neues! So hat uns Tony in einem umfassenden Interview nicht nur spannende News zu ein paar wirklich atemberaubenden archäologischen Funden zugeflüstert, die hoffentlich irgendwann veröffentlicht werden, sondern auch erhellende Einblicke in eine Musikszene gewährt, die sich Mitte der Siebziger in einem schleichenden, aber tiefgreifenden Umbruch befand.

Daraufhin haben wir das Jahr 1975, in dem mit „Sabotage“ der letzte große Klassiker der Originalbesetzung erschien, genauer unter die Lupe genommen. Es mag zwar für die damaligen Akteure selbst nicht unbedingt ersichtlich gewesen sein, doch die von bahnbrechenden Bands wie Deep Purple, Led Zeppelin, Uriah Heap und eben BLACK SABBATH beherrschte goldene Ära des Hardrock neigte sich unwiederbringlich ihrem Ende zu. Die einstigen Innovatoren verkamen immer mehr zu Karikaturen ihrer selbst. Die Rockdinosaurier starben aus, und eine neue Generation hungriger, aggressiverer Acts trat an, um sich an den Kadavern zu laben. Wie sich dieser Evolutionsschritt vollzog, untersuchen wir in einem ausführlichen Essay.

Da darf eine detaillierte Erörterung der wichtigsten Veröffentlichungen des „Wendejahres“ 1975 durch die Redaktion natürlich nicht fehlen. Wir hörten uns für euch durch einen vielleicht nicht gerade klassisch zu nennenden, aber dennoch außerordentlichen Metal-Jahrgang.

Bands:
BLACK SABBATH
Autor:
Felix Mescoli

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